Unruhige Zeiten beim 1. FFC Frankfurt
Wenn an diesem Wochenende die Frauenfußball-Bundesliga auf die Zielgerade biegt und entscheidende Weichen im Kampf um Meisterschaft und Champions-League-Plätze gestellt werden, muss sich Seriensieger 1. FFC Frankfurt nach einer verkorksten Saison auf die Zuschauerrolle beschränken. Doch nicht nur sportlich weht dem Verein derzeit ungewohnter Gegenwind entgegen.
Dabei wurde das Team vom Main in den vergangenen elf Jahren sieben Mal Meister, sieben Mal DFB-Pokalsieger und gar drei Mal UEFA-Pokal-Sieger. Doch in dieser Saison mussten die Hessinnen und ihr Manager Siegfried Dietrich gleich mehrere Nackenschläge verkraften.
Das frühe Aus in DFB- und UEFA-Pokal, dazu hamsterten Teams wie der FC Bayern München, der 1. FFC Turbine Potsdam und der FCR 2001 Duisburg in der Meisterschaft eifrig Punkte, während Frankfurt diese in der entscheidenden Phase gleich reihenweise liegen ließ, wie etwa beim Aufsteiger FF USV Jena, gegen die SG Essen-Schönebeck oder auch beim SC Freiburg.
Vielschichtige Problematik Über die Ursachen ist in dieser Saison viel geschrieben und geredet worden. „Es kann keiner im Juli wissen, dass ihm im Oktober eine komplette Mannschaft ausfällt“, sieht FFC-Trainer Günter Wegmann den Hauptgrund in den Verletzungen zahlreicher Spielerinnen. Doch neben den verletzten Spielerinnen waren es die ausgelaugten Olympiafahrerinnen sowie die Karriereenden von Silke Rottenberg, Renate Lingor, Louise Hansen und Nia Künzer, die das Gefüge im Team durcheinander gebracht haben.
Der oft geäußerte Vorwurf, man habe in den vergangenen Jahren versäumt, mehr junge Spielerinnen zu integrieren, ist von der Grundidee sicherlich nicht gänzlich von der Hand zu weisen, berücksichtigt aber auch nicht, dass ein Team wie Primus 1. FFC Frankfurt aufgrund seines besonderen Konstrukts noch viel stärker erfolgsorientiert denken und planen muss, als etwa der FC Bayern München, wo man nicht zum Erfolg verdammt ist und die Zukunftsplanung identisch aussieht, unabhängig davon, ob man Meister oder Fünfter in der Liga wird. Eine Einbindung junger Spielerinnen muss in Frankfurt also mit größerem Augenmaß erfolgen und mit größeren Erfolgschancen verbunden sein.
Undankbare Aufgabe Nach dem Triple-Sieg war die Aufgabe für Wegmann in seiner Debütsaison sicherlich undankbar, doch warum gestandene Spielerinnen wie etwa Petra Wimbersky und Kerstin Garefrekes noch immer von der Form entfernt sind, die sie noch in der vergangenen Saison ausgezeichnet hat, ist eine der ungeklärten Fragen. Denn trotz der Verletztenmisere steckt immer noch genug Qualität im Frankfurter Kader, um nicht nur Spiele wie in Jena oder Freiburg zu gewinnen. Liegt es also auch an taktischen Fehlern, die ihm etwa heute die Frankfurter Rundschau zum wiederholten Male ankreidet , oder auch daran, dass sich einzelne Spielerinnen mehr Vielfalt im Training wünschen würden?
Nach der 1:2-Niederlage gegen den FCR 2001 Duisburg am vergangenen Sonntag meinte Wegmann: „Wenn wir es geschafft haben, bis heute noch oben mitzuspielen, ist das eine hervorragende Leistung und eine hervorragende Saison, die wir bisher gespielt haben.“ Eine Einschätzung, mit der er ziemlich alleine da stehen dürfte, auch wenn man ihm zugute halten muss, dass er kein einziges Mal seinen kompletten Kader zur Verfügung hatte. „Wenn der Kader komplett gewesen wäre, wäre er auch breit genug aufgestellt gewesen“, so Wegmann.
Schonfrist für Wegmann Vielleicht ist dies einer der Gründe dafür, dass Manager Dietrich seinem Trainer weiter den Rücken stärkt und Schonfrist gewährt. Die ersten Spiele der neuen Saison dürften dann wohl als Messlatte für Wegmann dienen und über dessen Wohl und Weh entscheiden, wenn verletzte Spielerinnen zurückkehren und auch Neuverpflichtungen den Kader verstärken werden. Ein weiterer Grund am Festhalten dürfte sein, dass der Markt derzeit nur wenige Alternativen bereit hält. Sissy Raith, Wunschkandidatin im vergangenen Jahr, trainiert inzwischen das Männerteam des TSV Eching und hat sich auch hauptberuflich an ihren Wohnort gebunden.
Wegmann gibt sich kämpferisch, stellt aber auch Forderungen: „Im Erfolg sonnen ist leicht, aber jetzt ist es viel entscheidender, die Ärmel hochzukrempeln. Wir brauchen vier, fünf neue Spielerinnen, damit man auch in der Breite vernünftig aufgestellt ist, um solche Situationen aufzufangen.“
Ringen um Kulig Geht es nach dem Willen des Frankfurter Managements soll eine dieser Spielerinnen Kim Kulig heißen. Doch die hat beim Hamburger SV einen Vertrag bis 2011, allerdings versehen mit einer Ausstiegsklausel im März 2010. Der forsche Abwerbeversuch stößt in Hamburg jedoch auf wenig Gegenliebe. „Kim Kulig wird auch in der kommenden Saison bei uns spielen“, zeigte HSV-Trainer Achim Feifel bereits nach dem Spiel beim VfL Wolfsburg seine Zähne. Dagegen meint Dietrich: „Ich kann dieser Spielerin doch ganz andere Perspektiven bieten.“
Der HSV erzürnt sich vor allem daran, dass Dietrich nun auch eine Spielerin berät, die nicht im eigenen Verein aktiv ist, und Kulig, die sich vor einem Monat in der Hansestadt noch pudelwohl gefühlt hat, plötzlich von einer neuen Lebenssituation spricht und es ihr in den nördlichen Gefilden auf einmal vermeintlich gar nicht mehr gefällt.
DFB will schlichten Dietrichs Doppelrolle als Vereinsmanager und neuerdings auch Kuligs Berater stößt den HSV-Verantwortlichen dermaßen auf, dass die Causa Kulig zur Klärung inzwischen sogar Anwälte beschäftigt, die DFB-Chefetage erreicht hat und gar Bundestrainerin Silvia Neid ein ernstes Wörtchen mit ihrem Schützling geredet hat.
DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger will den Disput intern schlichten, um vor der Frauenfußball-WM 2011 keine Missstimmung in die Öffentlichkeit zu tragen. Die Auseinandersetzung liefert einen ersten Vorgeschmack darauf, dass die Bandagen, mit denen gekämpft wird, in den kommenden Jahren Richtung WM 2011 immer härter werden.
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