Wohin führt der Weg der Birgit Prinz?

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Vor ein paar Tagen sah ich auf DFB-TV einen Beitrag zum Besuch von Ariane Hingst und Birgit Prinz in einer Frankfurter Kinderkrebsklinik. Eine schöne Geste der beiden Spielerinnen, die den kranken Kindern ein bisschen Spaß und Lebensfreude vermittelten. Der medizinische Leiter der Klinik, Professor Dr. Thomas Klingebiel, bekam zum Abschluss ein handsigniertes Trikot der Frauen-Nationalmannschaft überreicht, und wollte sich mit einem netten Spruch bedanken: „Man kriegt ja nicht jeden Tag Besuch von einer Weltfußballerin.“ Die kurze, spitze Antwort von Prinz, begleitet von einem selbstironischen Lächeln, kam spontan, und sagte viel über den derzeitigen Gemütszustand der 189-fachen Nationalspielerin aus: „Ex“.

Da wusste Prinz noch nicht, dass sie sich Tage später im „Duell der Besten“ gegen Brasilien in der Frankfurter Commerzbank-Arena einen schmerzhaften Rippenbruch zuziehen sollte, der das vorzeitige Saison-Aus bedeutet. Nach Waden- und Achillessehnenproblemen eine neuerliche Verletzung und ein  negativer Höhepunkt in der Leidensgeschichte der vergangenen Monate, der der 31-Jährigen die Tränen in die Augen trieb. Das Monument Birgit Prinz, immer noch Synonym für den Frauenfußball in Deutschland, ist ins Wanken geraten.

Starke Prinz
Dabei zeigte sie im Spiel gegen Brasilien bis zu ihrer Verletzung mit einer in dieser Saison noch nicht gesehenen Spielfreude und Spritzigkeit, dass eine gesunde Birgit Prinz nach wie vor der wichtigste Baustein im Team von Bundestrainerin Silvia Neid ist. Umso verwunderlicher, dass Neid nach der Partie kühl erklärte: „Will sie bei der WM in Deutschland dabei sein, muss sie von Verletzungen verschont bleiben. Und in ihrem Alter ist das eben nicht mehr so einfach wie mit 20.“ Auch wenn die Aussage faktisch richtig sein mag – herzerwärmend, ermutigend und einladend ist sie nicht.

Doch in der Tat wird es für Prinz in Zukunft mehr denn je darauf ankommen, sich Regenerationspausen zu gönnen. Zweimal gewann sie die WM, viermal die EM, dreimal den UEFA-Pokal, neunmal die deutsche Meisterschaft und neunmal den DFB-Pokal. Verbunden mit den Triumphen am Fließband waren aber auch unglaublich hohe Belastungen, denen ihr Körper zunehmend Tribut zollen muss. Bundesliga, DFB-Pokal, UEFA-Pokal, Länderspiele, Trainingseinheiten, Lehrgänge, dazu seit Jahren strapaziöse Reisen zu Turnieren und während der Turniere – da bleibt nur wenig Zeit, um den leeren Akku wieder aufzuladen.

Zu wenig Regeneration
Nur zwei Wochen nach den Olympischen Spielen in Peking begann etwa die neue Bundesligasaison, Prinz‘ angeschlagener Körper schleppte sich mühevoll durch die Hinserie. Die Einsätze im Verein waren häufig Gift, zudem ist unverständlich, warum sie auch bei klaren Spielständen nie ausgewechselt wird, wie zuletzt beim 8:0-Heimsieg gegen Aufsteiger Herford, als man sie nach vier Treffern in der ersten Stunde problemlos hätte vom Feld holen können. Erst seit ein paar Wochen steht sie beim 1. FFC Frankfurt wieder im kontinuierlichen Training. „Ich werde bei der WM nicht spielen, wenn ich denke, ich bringe es nicht mehr und wenn ich der Mannschaft nicht mehr weiterhelfen kann. 2011 ist ein Ziel für mich, es gibt aber keine Garantie“, hegt sie Zweifel.

Neben der gestiegenen Verletzungsanfälligkeit kommt hinzu, dass der Frauenfußball immer athletischer wird, gegnerische Spielerinnen nicht mehr so leicht umkurvt und abgehängt werden können, wie das noch vor ein paar Jahren der Fall war. Der fast körperfreie, auf Technik ausgerichtete Frauenfußball gehört der Vergangenheit an. Zweikämpfe, teilweise auch sehr ruppig geführt, nehmen zu. „Der Frauenfußball ist körperbetonter und schneller geworden“, sagt auch Weltfußballerin Marta. Und da passt es auch ins Bild, dass athletische Nachwuchstalente wie Bianca Schmidt und Kim Kulig derzeit in der Nationalelf hoch im Kurs stehen.

Krise als Chance
Zum ersten Mal seit 2004 wird Prinz mit dem 1. FFC Frankfurt eventuell ohne Titel bleiben, und möglicherweise findet gar die erstmals ausgetragene UEFA Women’s Champions League ohne Frankfurter Beteiligung statt. Doch was für Spielerin und Verein eine verkorkste Saison ist, bietet für beide auch eine Chance für die Zukunft.

Dass die Saison 2009/2010 mit etwas weniger Strapazen verbunden sein wird und zur Regeneration genutzt werden kann. Denn dann werden bei Birgit Prinz auch die Selbstzweifel verschwinden, der Spaß zurückkommen und auch das Selbstwertgefühl, der Nationalmannschaft auch bei der WM 2011 noch helfen zu können.

FRAUENFUSSBALL - Weltmeisterschaften 1991 bis 2019: Enzyklopädie des Sports
  • Roland M. Weissbarth
  • Herausgeber: Independently published
  • Taschenbuch: 272 Seiten

Letzte Aktualisierung am 15.09.2019 / * = Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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Crackfly
Crackfly

Markus: Respekt für diesen Artikel. Er spiegelt genau das wieder, was viele denken.
Ich muss sagen, ich mochte sie nicht sehr gern, bevor ich „Die besten Frauen der Welt“ gesehen habe. Ihre Aussage dort, ließ mich vieles verstehen. Als ich sie dann am Mittwoch weinend auf der Bank gesehen habe, muss ich zugeben, war ich sehr ergriffen. Ich wünsche ihr von ganzem Herzen, dass sie schnell wieder fit wird und dass sie das findet, was sie sucht.

hathaway
hathaway

Hervorragender Text, der die Sache ziemlich genau auf den Punkt bringt.
Bravo!

Ich denke die fehlenden Regenerationsmöglichkeiten bereits seit Jahren – für den Körper wie für den Geist – sind der springende Punkt. Das steckt niemand so einfach weg.
Das Statement der Bundestrainerin befremdet mich ehrlich gesagt etwas. Aber nun gut, diesbezüglich wundert mich langsam gar nichts mehr. Wie wichtig eine fitte Birgit Prinz in Normalform für die Nationalmannschaft ist, dürfte doch wohl unstrittig sein.

laasee
laasee

@Markus

Excellent article.

Does Neid possess any intelligence? Inka Grings and Birgit Prinz are already two of the best goal-getters in football history (boy and girl). Inka gets 40 months in the wilderness and now Birgit gets words lacking in respect from Neid.

Was WM2007 success in spite of Neid or because of her? Germany has the best league and the best players in the world but is the coach of the same high standard?

pepper
pepper

Danke für den tollen, vielleicht auch mutigen, Beitrag. Ich befürchte zwar, dass die Verantwortlichen in den Vereinen sich Deine Kritik nicht zu Herzen nehmen werden. :-(, deshalb wünsche ich Birgit Prinz von ganzen Herzen, dass sie nun Zeit zur körperlichen und seelischen Regeneration findet.
Sie so verzweifelt zu sehen, war nicht nur ein trauriger, ergreifender Anblick, sondern hat auch gezeigt, wie wichtig ihr dieses Spiel bzw. das Spielen an sich ist und das, obwohl sie ja nun wirklich alles erreicht hat, was man sich denken kann.
Ich freue mich jedenfalls auf den Augenblick, Sie wieder vollständig genesen auflaufen zu sehen…….:-))

Tina
Tina

Super guter Bericht!!!

Conny68
Conny68

Auch ich schließe mich an: Markus, ein klasse Artikel! Das Bild von der in Tränen aufgelösten Birgit Prinz berührte mich sehr. Man sah bis zur Verletzung, dass sie Spaß und Lust am Spiel hatte. Es war eine starke Partie von ihr. Natürlich – der Fußball ist schneller und athletischer geworden und Birgit ein paar Jahre älter. Ihre unglaublichen Antritte, bei denen man oft das Gefühl hatte, ihre Gegenspielerinnen kommen gar nicht vom Fleck – werden wir sicherlich nicht mehr so häufig erleben. Aber trotzdem strahlt sie noch immer diese besondere Präsenz auf dem Platz aus. Ich bin mir sicher, dass… Weiterlesen »

ViolA
ViolA

ich muss mich meinen vorrednern anschließen. hervorragender artikel und er trifft tatsächlich genau den kern der wahrheit. um so erstaunlicher, dass viele fußballfans genau eben das so oft einfach hinnehmen oder gar kritische worte fallen lassen und das nicht nur in bezug auf birgit, aber auch gerade in bezug auf sie. ich wünsche ihr von ganzem herzen dass sie den kopf nicht zu tief hängen läßt und dass die heilung ohne probleme vonstatten geht. sie hat die stärke und den willen auch nach dieser verletzung zurück zu kommen und die von ihr selbst geforderte leistung zu erbringen wie sie das… Weiterlesen »

die jojo
die jojo

ich find den artikel auch sehr gelungen und kann mich meinen „vorschreibern“ nur anschließen ich will hier nur mal kurz erwähen, wie oft sich im männerfußball aufgeregt wird, wie oft sie spielen müssen und dass die spieler keine regeneration haben und es wäre auch undenkbar die bundesliga 2wochen nach ner WM starten zu lassen. bei den frauen is das fast alltag spiel, training lehrgang und meistens auch noch beruf oder studium… mir ist klar das da nicht jeder immer auf höchsten nivau spielen kann und auch mal ne schlechtere zeit erwischt. aber birgit schafft es sich wieder ranzukämpfen mit ihrer… Weiterlesen »

Steffen
Steffen

In die Aussage von Sylia Neid kann man leider viel zu viel hineininterpretieren. Ich denke, ihr war bewusst, was sie damit anrichtet. Bei einer so großen Spielerin hätte ich mehr Fingerspitzengefühl erwartet, zumal Sylvia Neid auch kein Neuling als Trainerin ist.

In den Vereinigten Staaten würde Birgit Prinz mehr Respekt erhalten.

laasee
laasee

@Steffen

Ja.

Birgit Prinz = Respekt
Sylvia Neid = ? ?

Pinguin
Pinguin

Nach dieser Aussage von S.N. weiß ich auch nicht mehr recht, wie sie einzuschätzen istl – ich dachte, sie hat einfach immer eine Reihe unantastbarer Lieblinge, zu denen natürlich auch BP gehört.

Aber jetzt, da sie eine schon physisch und mental angeknockte Birgit Prinz noch zusätzlich zu entmutigt, muss man doch einfach annehmen, dass sie ihr einfach das nötige Fingerspitzengefühl abgeht.

Frau Neid sollte eher das Problem Verletzungsanfälligkeit durch Überlastung angehen, wie M. J. es dankenswerter Weise im Fall Birgit Prinz mit diesem Artikel gemacht hat.

Brandy
Brandy

Vielleicht wäre es für Birgit Prinz besser,wenn sie die EM sausen lassen würde, um physich und psychisch in der nächsten Saison wieder voll angreifen zu können… Die Aussage von Neid wundert mich nicht, den Feingefühl hat sie nun wirklich nicht,was man auch im Umgang mit Banecki beim Algarve-Cup gesehen hat. An der fehlenden Regeneration ist aber zum teil auch der FFC schul,nicht nur diese Saison,sondern auch in den letzten,wo die Liga klar dominiert wurde,mußten sämtliche Stars beim FFC immer durch spielen. Wenn man dieses Jahr Duisburg zum Vergleich nimmt,werden die Leistungsträgerinnen dort deutlich öfter mal ausgewechselt. Ich bin zwar kein… Weiterlesen »

helena
helena

@Brandy: prinzipiell stimme ich Dir (als großer BP-Fan;-)) zu, die EM könnte zu früh kommen – allerdings kann ich mir eine EM ohne BP kaum vorstellen und bin mir auch nicht sicher, ob andere Stürmerinnen (einschließlich IG) ihren Platz zur Zeit wirklich ausfüllen können und damit meine ich nicht nur Tore, sondern die starke Präsenz auf dem Platz (mit Ausnahme mal von Olymp. Spielen), die Führungsqualitäten, Akzeptanz in der Mannschaft und (zumindest bisher) bei den Trainern etc.pp. Diese fehlen mir bei anderen Spielerinnen etwas…

Brandy
Brandy

Da möchte ich Dir aber auch postwendend widersprechen beim Thema Führungsspielerinnen: Für mich ist es kein Zufall,dass sowohl Duisburg und auch die Natio in der Abwehr ziemlich gewschwommen ist als Krahn verletzt war,sie gehört für mich trotz ihres Alters schon zur Führungsspielerin,im Mittelfeld Bresonik und auch Behringer und eine grings,die etwas Altersweise geworden ist,sind für mich genauso Führungsspielerinnen wie Prinz. Wäre auch ziemlich traurig für den deutschen Fußball,wenn es nur eine prinz gäbe.

helena
helena

Ich wollte auch nicht behaupten, dass BP die einzige Führungsspielerin ist, sondern dass die Präsenz der deutschen Stürmerinnen nicht die gleiche ist wie die von Birgit. Krahn und Bresonik – da kann ich mitgehen, v.a. bei Krahn – allerdings ist es als Abwehrspieler immer etwas schwieriger, „vorne“ Präsenz zu zeigen . Als Abwehrchefin macht ihr mit sicher niemand was vor; bei Behringer bleiben meine Zweifel: sie ackert viel und ist eine starke Spielerin, aber eine Führungsspielerin (kommt vielleicht auch noch zu früh?)? Ähnliches sehe ich bei Garefrekes: tolle Spielerin, aber „zu leise“. Bei Grings wäre vielleicht das persönliche Potential da,… Weiterlesen »

Stefan Prinz
Stefan Prinz

Lieber Markus, Dein Artikel ist , wie fast immer , sehr informativ und fast richtig analysiert .In vielen Behauptungen stimme ich mit Dir überein,vor allem aber ,was die Überbelastung durch eine miserable internationale Terminplanung angeht. Was die Diskussion über Birgits Verletzungsanfälligkeit angeht, habe ich eine andere Meinung . Es ist doch nicht das Alter,das schuld daran ist, daß in diesem Jahr diese Verletzungs – Pechsträhne sich fortsetzt, wie ein roter Faden. Auch eine 20 jährige hätte sich , nach solch einem Zusammenprall wie beim Länderspiel, auch mal mindestens 1 Rippe gebrochen . Im übrigen war Birgit zum Glück in ihrer… Weiterlesen »

djane
djane

@helena, warum sollten die Spielerinnen der Natio Grings nicht als Führungsspielerin akzeptieren ? Erstens spielen da ja inzwischen etliche vom FCR, und da ist Grings (zumindest für die Zuschauer) eine sehr anerkannte Kapitänin. Zweitens sind vermehrt junge Spielerinnen dabei (Schmid, Kulig, Peters), die sollten auch keine Probleme mit ihr haben. Und für den Rest gilt, das ich die Spielerinnen für professionell genug halte, eventuell vorhandene Resentiments auf dem Platz wegzustecken. Bei Garefrekes stimme ich Dir zu, tolle Spielerin, aber für mich nicht unbedingt eine klassische Spielführerin. Was die Diskussion um Prinz und ihr Alter angeht, ich habe woanders schon festgestellt,… Weiterlesen »

hathaway
hathaway

@Brandy: „Da möchte ich Dir aber auch postwendend widersprechen beim Thema Führungsspielerinnen: Für mich ist es kein Zufall,dass sowohl Duisburg und auch die Natio in der Abwehr ziemlich gewschwommen ist als Krahn verletzt war,sie gehört für mich trotz ihres Alters schon zur Führungsspielerin … “ Das ist ja wohl eher als Witz gemeint, oder? Annike Krahn Führungsspielerin in der Nationalmannschaft? Fakt ist mM, dass es zZ – schaut man auch, wer verletzt fehlt – zu wenig echte Führungsspielerinnen in der Nationalmannschaft gibt. Grings könnte durchaus zu einer werden, bei L. Bresonik hab ich den Eindruck – und das meine ich… Weiterlesen »

hathaway
hathaway

@Neid: Was die Trainerin intern mit ihren Spielerinnen bespricht, ist das eine. Was sie zunehmend vermehrt jetzt aber auch in die Öffentlichkeit trägt (man erinnere sich z.B. an ihre Statements während des Algarve-Cups etc.) empfinde ich als kontraproduktiv und tw. auch nicht mehr tragbar. Offensichtlich versucht sie über die Öffentlichkeit den Druck auf ihre Spielerinnen noch mehr zu erhöhen (warum? Meint sie, sie spielen dann besser?). Ich bezweifle, dass es der richtige Weg ist, sich öffentlich so hinzustellen und Feingefühl und Respekt gegenüber den Spielerinnen, die immerhin ihre Knochen hinhalten und viele Entbehrungen auf sich nehmen, um den Ansprüchen der… Weiterlesen »

laasee
laasee

Dieses ist, wie es funktioniert. Deutschland – Gewinn EM2009 und WM2011 mit Inka Grings als Kapitan. Das eher Neid versteht dass das bessere!