Wohin führt der Weg der Birgit Prinz?

Von am 24. April 2009 – 14.11 Uhr 30 Kommentare

Vor ein paar Tagen sah ich auf DFB-TV einen Beitrag zum Besuch von Ariane Hingst und Birgit Prinz in einer Frankfurter Kinderkrebsklinik. Eine schöne Geste der beiden Spielerinnen, die den kranken Kindern ein bisschen Spaß und Lebensfreude vermittelten. Der medizinische Leiter der Klinik, Professor Dr. Thomas Klingebiel, bekam zum Abschluss ein handsigniertes Trikot der Frauen-Nationalmannschaft überreicht, und wollte sich mit einem netten Spruch bedanken: „Man kriegt ja nicht jeden Tag Besuch von einer Weltfußballerin.“ Die kurze, spitze Antwort von Prinz, begleitet von einem selbstironischen Lächeln, kam spontan, und sagte viel über den derzeitigen Gemütszustand der 189-fachen Nationalspielerin aus: „Ex“.

Da wusste Prinz noch nicht, dass sie sich Tage später im „Duell der Besten“ gegen Brasilien in der Frankfurter Commerzbank-Arena einen schmerzhaften Rippenbruch zuziehen sollte, der das vorzeitige Saison-Aus bedeutet. Nach Waden- und Achillessehnenproblemen eine neuerliche Verletzung und ein  negativer Höhepunkt in der Leidensgeschichte der vergangenen Monate, der der 31-Jährigen die Tränen in die Augen trieb. Das Monument Birgit Prinz, immer noch Synonym für den Frauenfußball in Deutschland, ist ins Wanken geraten.

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Starke Prinz
Dabei zeigte sie im Spiel gegen Brasilien bis zu ihrer Verletzung mit einer in dieser Saison noch nicht gesehenen Spielfreude und Spritzigkeit, dass eine gesunde Birgit Prinz nach wie vor der wichtigste Baustein im Team von Bundestrainerin Silvia Neid ist. Umso verwunderlicher, dass Neid nach der Partie kühl erklärte: „Will sie bei der WM in Deutschland dabei sein, muss sie von Verletzungen verschont bleiben. Und in ihrem Alter ist das eben nicht mehr so einfach wie mit 20.“ Auch wenn die Aussage faktisch richtig sein mag – herzerwärmend, ermutigend und einladend ist sie nicht.

Doch in der Tat wird es für Prinz in Zukunft mehr denn je darauf ankommen, sich Regenerationspausen zu gönnen. Zweimal gewann sie die WM, viermal die EM, dreimal den UEFA-Pokal, neunmal die deutsche Meisterschaft und neunmal den DFB-Pokal. Verbunden mit den Triumphen am Fließband waren aber auch unglaublich hohe Belastungen, denen ihr Körper zunehmend Tribut zollen muss. Bundesliga, DFB-Pokal, UEFA-Pokal, Länderspiele, Trainingseinheiten, Lehrgänge, dazu seit Jahren strapaziöse Reisen zu Turnieren und während der Turniere – da bleibt nur wenig Zeit, um den leeren Akku wieder aufzuladen.

Zu wenig Regeneration
Nur zwei Wochen nach den Olympischen Spielen in Peking begann etwa die neue Bundesligasaison, Prinz‘ angeschlagener Körper schleppte sich mühevoll durch die Hinserie. Die Einsätze im Verein waren häufig Gift, zudem ist unverständlich, warum sie auch bei klaren Spielständen nie ausgewechselt wird, wie zuletzt beim 8:0-Heimsieg gegen Aufsteiger Herford, als man sie nach vier Treffern in der ersten Stunde problemlos hätte vom Feld holen können. Erst seit ein paar Wochen steht sie beim 1. FFC Frankfurt wieder im kontinuierlichen Training. „Ich werde bei der WM nicht spielen, wenn ich denke, ich bringe es nicht mehr und wenn ich der Mannschaft nicht mehr weiterhelfen kann. 2011 ist ein Ziel für mich, es gibt aber keine Garantie“, hegt sie Zweifel.

Neben der gestiegenen Verletzungsanfälligkeit kommt hinzu, dass der Frauenfußball immer athletischer wird, gegnerische Spielerinnen nicht mehr so leicht umkurvt und abgehängt werden können, wie das noch vor ein paar Jahren der Fall war. Der fast körperfreie, auf Technik ausgerichtete Frauenfußball gehört der Vergangenheit an. Zweikämpfe, teilweise auch sehr ruppig geführt, nehmen zu. „Der Frauenfußball ist körperbetonter und schneller geworden“, sagt auch Weltfußballerin Marta. Und da passt es auch ins Bild, dass athletische Nachwuchstalente wie Bianca Schmidt und Kim Kulig derzeit in der Nationalelf hoch im Kurs stehen.

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Krise als Chance
Zum ersten Mal seit 2004 wird Prinz mit dem 1. FFC Frankfurt eventuell ohne Titel bleiben, und möglicherweise findet gar die erstmals ausgetragene UEFA Women’s Champions League ohne Frankfurter Beteiligung statt. Doch was für Spielerin und Verein eine verkorkste Saison ist, bietet für beide auch eine Chance für die Zukunft.

Dass die Saison 2009/2010 mit etwas weniger Strapazen verbunden sein wird und zur Regeneration genutzt werden kann. Denn dann werden bei Birgit Prinz auch die Selbstzweifel verschwinden, der Spaß zurückkommen und auch das Selbstwertgefühl, der Nationalmannschaft auch bei der WM 2011 noch helfen zu können.

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Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

30 Kommentare »

  • Pinguin sagt:

    @hathaway: Ganz richtig, mit solchen Sachen sollte sie nicht an die Öffentlichkeit gehen, das wäre im persönlichen Gespräch schon unpassend genug, und so beim Weg über die Medien erst recht.

    Vielleicht ist die Einschätzung „nicht mehr tragbar“ etwas hart, aber es wäre gut, wenn Frau Neid die Feedbacks zu ihrem Umgang mit Spielerinnen zugetragen würden …

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  • djane sagt:

    Auch wenn Frau Neid nicht gerade mit taktischem Feingefühl gesegnet ist, sollte vielleicht noch angemerkt werden, das sie wohl so oder so für ihre Äußerungen kritisiert worden wäre- wenn sie gesagt hätte, daß Prinz auf jeden Fall bei der WM dabei ist, wäre wieder das übliche Gemurmel im Blätterwald aufgestiegen (Gekungel, alte Seilschaften etc.). Nun hat sie sich für den unpersönlicheren Weg entschieden, das mag nicht jedem gefallen, ist aber nicht auf Prinz alleine beschränkt. Schon als Grings wieder die ersten guten Spiele für die Natio bestritten hat, wies Neid darauf hin, das sie auch in Zukunft dabei sein wird- wenn die Leistung weiterhin stimmt. Und auch wenn’s häßlich klingt, in der Altersklasse Prinz/Grings/Stege/Hingst dauern Verletzungen nun mal länger, da das Alter hier symptomatisch für den bisher investierten hohen Aufwand der in der Karriere erzielten Leistungen und Erfolge steht.

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  • helena sagt:

    @djane: wer sagt denn, dass Frau Neid überhaupt eine Bemerkung dazu machen muß? Hätte es nicht gereicht zu sagen, sie wünsche Birgit alles Gute/eine gute Rehabilitation? Man ist doch nicht gezwungen, das Kinde gleich mit dem Bade auszuschütten (das gilt natürlich nicht nur bei BP), genauswo wenig wie sie gezwungen gewesen wäre, absolute Nibelungentreue zu schwören.
    Sie hätte ja wenigstens erst einmal die genaue Diagnose abwarten können, da wäre ein Kommentar dann wenigstens nicht gleich über den Äther gegangen… Auch im FF ist die Medienpräsenz halt nicht immer ein Segen.

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  • Pinguin sagt:

    @helena: Genau, erinnert mich an von ferne an Koalitionszusagen, für die sich schon so manche(r) später auf die Zunge gebissen hat – auch hier gilt: si tacuisses … zumal wenn keiner danach fragt.

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  • djane sagt:

    @helena, ich gehe mal davon aus, daß wir ja nun auch nicht alles mitkriegen, was zwischen Trainerstab und Mannschaft besprochen wird- ich denke schon, daß sie sich erkundigt hat wie es ihr geht bzw. ihr gute Besserung gewünscht hat. Ich kann mich bisher nicht erinnern, daß Neid je einer verletzten Spielerinn öffentlich gute Besserung gewünscht hätte.

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  • pepper sagt:

    Ob Sie Renate Lingor gute Besserung gewünscht hat, weiß ich nicht mehr, aber der Kommentar zur Verletzung und zur Teilnahme an den Olympischen Spielen war jedenfalls eindeutig positiver. Sie hat ihr ja eine Teilnahme auf jedenfall garantiert und meiner Meinung nach war ihre Verletzung doch weitaus schwerwiegender.

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  • helena sagt:

    Meines Wissens hat SN relativ schnell nach dem Spiel diese Aussagen getätig; dass diese auch in der Familie Prinz nicht gut angekommen ist, können wir oben lesen.
    Von mir aus hätte sie sich auch einfach nur in so einfachen Floskeln ausdrücken können nach dem Motto „schaun wir mal“ oder „ist schon furchtbar – eine Schwächung der Mannschaft“ o.ä.. Damit legt sie sich in keiner Hinsicht fest, tritt aber einer angeschlagenen Spielerin nicht noch zusätzlich in den…
    Ich habe Frau Neid häufiger (wegen ihrer Personalpolitik) auch hier im Forum verteidigt, aber manche Aussagen gehen dann selbst mir zu weit – unabhängig davon, ob ich einen wahren Einblick in die Abläufe der Mannschaft habe oder nicht. Es ist einfach ein schlechter Führungsstil. So weit sollte sie inzwischen Medienprofi sein, dass sie wissen muss, dass ihre Aussagen, gehört, gelesen und diskutiert werden – damit sollte sie auch ihre Aussagen immer überprüfen. Denn öffentlich getätigte Aussagen haben, ob man das will oder nicht, auch für die betroffene Spielerin, einen anderen Stellenwert, eine andere Intensität als eine im Vieraugengespräch. Ich bin an sich kein Fan von Floskeln, und bei Spielbewertung und Co will ich die auch gar nicht hören. Geht es aber um (Verletzungs-)Schicksale, dann ist manchmal weniger mehr – da kann sie durchaus von anderen (Bundes-)trainern lernen…

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  • djane sagt:

    also ich persönlich finde, daß es im deutschen FF wichtigere Probleme gibt als die Frage, wo und wie die Trainerin ihre Aussagen gegenüber der Öffentlichkeit tätigt.

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  • Conny68 sagt:

    Silvia Neids Kommentare und Äußerungen sind oft kühl und distanziert – so, wie sie einfach auch wirkt. Ein bisschen mehr Sensibilität und Feingefühl täten ihr gut, dadurch müsste sie sicherlich auch keinen Autoritätsverlust befürchten.

    Natürlich stellt sich die Frage, wer – außer Birgit Prinz – ist im Moment in der Nationalmannschaft eine Führungsspielerin? Wir haben tolle Talente (Behringer, Kulig, Schmid…) , erfahrene gute Spielerinnen (Garefreekes, Hingst, Krahn.- bei Krahn stimme ich hathaway zu, sie muss im Aufbauspiel stärker werden) – aber bei allem Respekt für ihre Qualitäten als Spielerinnen- was fehlt sind einfach ein paar „Typen“ im Team, die diese Siegermentalität vermitteln. Eine Zeitlang waren wir da mal ganz stark vertreten – Steffi Jones – Maren Meinert – Bettina Wiegmann – Birgit Prinz – Silke Rottenberg ….

    Neben Birgit Prinz sehe ich vor allem Angerer, Grings und Bresonik, die die Mannschaft führen und mitreißen können. Aber auch das ist die Aufgabe einer Trainerin/eines Trainers, Spielerinnen in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken, denn jedes Team braucht solche Führungsspielerinnen. Doch vielleicht ist es unter dieser Bundestrainerin auch nicht so einfach, genau dieses zu sein. Denn schon öfters hatte ja SN mit eben diesen – vielleicht manchmal auch unbequemen Spielerinnen – so ihre Probleme (Grings, Pohlers).

    @Stefan Prinz – Sie haben Recht, dass Birgit viele Jahre von Verletzungen verschont blieb. So weit ich mich erinnere, versäumte sie doch kein wichtiges Turnier. Das zeigt meines Erachtens auch, dass Birgit selbst sehr viel für die Fitness ihres Körpers getan hat. In Anbetracht der vielen Belastungen erwischte es sie dann aber auch.

    Wie in den unteren Klassen ist es leider auch wohl in der BuLi nicht anders, dass die Leistungsträger/innen immer wieder schnell zur Verfügung stehen müssen. Damit beginnt der Kreislauf – nicht gescheit auskuriert, man kommt nicht mehr an seine TOP-Leistung heran und bald ist die nächste Verletzung da. Dann wieder das selbe Spiel, bis der Körper sich dann seine längere Auszeit nimmt. Ich glaube, jede Spielerin weiß innerlich, dass es falsch ist, aber man will dem Team helfen. Hier sind sicherlich Trainerinnen und Trainer aufgefordert, die Spielerinnen nicht zu verheizen, denn letztlich ist dieses Verhalten absolut kontraproduktiv.

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  • Pinguin sagt:

    „also ich persönlich finde, daß es im deutschen FF wichtigere Probleme gibt als die Frage, wo und wie die Trainerin ihre Aussagen gegenüber der Öffentlichkeit tätigt.“(djane)

    Genau. Z.B. warum der DFB ein Freundschaft-Länderspiel mit riesigen Beträgen bewirbt, aber für die Werbung für die FF-BuLi m.W. nichts Erkennbares tut, und das wo doch in den Vereinen die Aufbauarbeit und auch Regeneration etc. geleistet werden soll. Das ist zwar jetzt etwas off-topic, aber das musste ich nach dem Europarekord vor einer Woche mal loswerden …

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