Chronik 2007 — 2019 8451 Beiträge 513 Transfers145 Vereine 540 Profile
WomenSoccer

2009

Wohin führt der Weg der Birgit Prinz?

Vor ein paar Tagen sah ich auf DFB-TV einen Beitrag zum Besuch von Ariane Hingst und Birgit Prinz in einer Frankfurter Kinderkrebsklinik . Eine schöne Geste der beiden Spielerinnen, die den kranken Kindern ein bisschen Spaß und Lebensfreude vermittelten. Der medizinische Leiter der Klinik, Professor Dr. Thomas Klingebiel, bekam zum Abschluss ein handsigniertes Trikot der Frauen-Nationalmannschaft überreicht, und wollte sich mit einem netten Spruch bedanken: „Man kriegt ja nicht jeden Tag Besuch von einer Weltfußballerin.“ Die kurze, spitze Antwort von Prinz, begleitet von einem selbstironischen Lächeln, kam spontan, und sagte viel über den derzeitigen Gemütszustand der 189-fachen Nationalspielerin aus: „Ex“.

Da wusste Prinz noch nicht, dass sie sich Tage später im „Duell der Besten“ gegen Brasilien in der Frankfurter Commerzbank-Arena einen schmerzhaften Rippenbruch zuziehen sollte, der das vorzeitige Saison-Aus bedeutet . Nach Waden- und Achillessehnenproblemen eine neuerliche Verletzung und ein negativer Höhepunkt in der Leidensgeschichte der vergangenen Monate, der der 31-Jährigen die Tränen in die Augen trieb. Das Monument Birgit Prinz, immer noch Synonym für den Frauenfußball in Deutschland, ist ins Wanken geraten.

Starke Prinz Dabei zeigte sie im Spiel gegen Brasilien bis zu ihrer Verletzung mit einer in dieser Saison noch nicht gesehenen Spielfreude und Spritzigkeit, dass eine gesunde Birgit Prinz nach wie vor der wichtigste Baustein im Team von Bundestrainerin Silvia Neid ist. Umso verwunderlicher, dass Neid nach der Partie kühl erklärte: „Will sie bei der WM in Deutschland dabei sein, muss sie von Verletzungen verschont bleiben. Und in ihrem Alter ist das eben nicht mehr so einfach wie mit 20.” Auch wenn die Aussage faktisch richtig sein mag – herzerwärmend, ermutigend und einladend ist sie nicht.

Doch in der Tat wird es für Prinz in Zukunft mehr denn je darauf ankommen, sich Regenerationspausen zu gönnen. Zweimal gewann sie die WM, viermal die EM, dreimal den UEFA-Pokal, neunmal die deutsche Meisterschaft und neunmal den DFB-Pokal. Verbunden mit den Triumphen am Fließband waren aber auch unglaublich hohe Belastungen, denen ihr Körper zunehmend Tribut zollen muss. Bundesliga, DFB-Pokal, UEFA-Pokal, Länderspiele, Trainingseinheiten, Lehrgänge, dazu seit Jahren strapaziöse Reisen zu Turnieren und während der Turniere – da bleibt nur wenig Zeit, um den leeren Akku wieder aufzuladen.

Zu wenig Regeneration Nur zwei Wochen nach den Olympischen Spielen in Peking begann etwa die neue Bundesligasaison, Prinz‘ angeschlagener Körper schleppte sich mühevoll durch die Hinserie. Die Einsätze im Verein waren häufig Gift, zudem ist unverständlich, warum sie auch bei klaren Spielständen nie ausgewechselt wird, wie zuletzt beim 8:0-Heimsieg gegen Aufsteiger Herford, als man sie nach vier Treffern in der ersten Stunde problemlos hätte vom Feld holen können. Erst seit ein paar Wochen steht sie beim 1. FFC Frankfurt wieder im kontinuierlichen Training. “Ich werde bei der WM nicht spielen, wenn ich denke, ich bringe es nicht mehr und wenn ich der Mannschaft nicht mehr weiterhelfen kann. 2011 ist ein Ziel für mich, es gibt aber keine Garantie”, hegt sie Zweifel.

Neben der gestiegenen Verletzungsanfälligkeit kommt hinzu, dass der Frauenfußball immer athletischer wird, gegnerische Spielerinnen nicht mehr so leicht umkurvt und abgehängt werden können, wie das noch vor ein paar Jahren der Fall war. Der fast körperfreie, auf Technik ausgerichtete Frauenfußball gehört der Vergangenheit an. Zweikämpfe, teilweise auch sehr ruppig geführt, nehmen zu. „Der Frauenfußball ist körperbetonter und schneller geworden“, sagt auch Weltfußballerin Marta. Und da passt es auch ins Bild, dass athletische Nachwuchstalente wie Bianca Schmidt und Kim Kulig derzeit in der Nationalelf hoch im Kurs stehen.

Krise als Chance Zum ersten Mal seit 2004 wird Prinz mit dem 1. FFC Frankfurt eventuell ohne Titel bleiben, und möglicherweise findet gar die erstmals ausgetragene UEFA Women’s Champions League ohne Frankfurter Beteiligung statt. Doch was für Spielerin und Verein eine verkorkste Saison ist, bietet für beide auch eine Chance für die Zukunft.

Dass die Saison 2009/2010 mit etwas weniger Strapazen verbunden sein wird und zur Regeneration genutzt werden kann. Denn dann werden bei Birgit Prinz auch die Selbstzweifel verschwinden, der Spaß zurückkommen und auch das Selbstwertgefühl, der Nationalmannschaft auch bei der WM 2011 noch helfen zu können.

Schlagwörter: 1. Bundesliga • A-Nationalmannschaft • Birgit Prinz • Frauenfußball-WM 2011