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2009

DFB-Hallenpokal: Standortdiskussion, TV-Langeweile und fehlende Stars

2011, also schon in nicht viel mehr als zwei Jahren, findet in Deutschland die Frauenfußball-Weltmeisterschaft statt. Viel Zeit bleibt also nicht, um für den Frauenfußball zu werben, für größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu sorgen, Stars und Identifikationsfiguren zu schaffen, um im größeren Rahmen als bisher Menschen für den Frauenfußball zu begeistern.

Der DFB-Hallenpokal hätte dafür eine attraktive Plattform bieten können, denn wo sonst kann man als Zuschauer in der Halle und an den Fernsehschirmen besser packende Szenen, Tore und Kabinettstückchen in kürzester Abfolge bestaunen?

Doch trotz ansprechender sportlicher Wertigkeit schwärmten weder die einen, noch die anderen nach dem Turnier von Traumtoren, technischen Finessen und packenden Spielzügen. Stattdessen lieferten eine nicht einmal zu zwei Drittel gefüllte Halle, eine mäßige TV-Übertragung und das Fernbleiben einiger Stars Stoff für Diskussionen.

Die Erwartungshaltung an das nach neun Jahren in Bonn erstmals in Magdeburg ausgetragene Turnier war hoch. Noch Anfang Januar titelte die DFB-Website unmissverständlich: „DFB will in Magdeburg Besucherzahl verdoppeln“ . Die Zielsetzung war klar, die 5.000-er-Marke sollte geknackt werden.

Enttäuschende Kulisse Am Ende kamen nur 3.200 der erhofften 5.000 Zuschauer, die Halle war nur zu gut 64 Prozent ausgelastet, die Steigerung gegenüber Bonn, wo man sich wegen zunehmender Platznot zum Umzug entschloss, betrug gerade einmal 500 Zuschauer - enttäuschend. Und so musste DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg zurückrudern: „Ich habe die Halle auch gar nicht voll erwartet.“

Die „Frankfurter Rundschau“ konstatierte dennoch ein „enttäuschendes Resultat“ und meinte: „Offiziell 3.200 Fans, gefühlt nicht mehr als in Bonn.“ Und dies dürfte in puncto Außenwirkung entgegen allen öffentlich geäußerten Beteuerungen auch dem DFB im Hinblick auf ein 2010 erstmals eigenständig ausgerichtetes DFB-Pokalfinale und die WM 2011 nicht wirklich geschmeckt haben. „Ein Manko ist sicherlich, dass Magdeburg ein Bundesliga-Team fehlt, die Beziehung zum Frauenfußball nicht gewachsen ist“, formulierte auch Ratzeburg erstmals Bedenken.

Umzug in Frauenfußball-Hochburg? Hätte man in Magdeburg zum Zeitpunkt der Bewerbung Anfang vergangenen Jahres bereits gewusst, nicht als WM-Spielort bedacht zu werden, hätte man sich wohl gar nicht erst als Ausrichter um den DFB-Hallenpokal beworben. Schon jetzt wäre an einem anderen Austragungsort mit größerer Frauenfußball-Tradition, wie etwa in Essen, eine Zuschauerzahl von 6.000 oder 7.000 keine Utopie gewesen. Zu überrascht sollte man also nicht sein, wenn auf der Halbzeittagung der Frauenfußball-Bundesligisten in knapp zwei Wochen die Entscheidung getroffen wird, das Turnier im kommenden Jahr an einem anderen Ort auszutragen.

Interessenten gibt es genug. Im Vorjahr bewarben sich neben Magdeburg auch Berlin, Essen, Riesa und Sindelfingen, inzwischen ist auch Sinsheim zum Bewerberkreis hinzugestoßen. Sinsheims Oberbürgermeister Rolf Geinert bekräftigte am vergangenen Wochenende noch einmal , dass man sich darum bemühen werde, „zukünftig auch das ‚Frauen-Masters‘ und sogar das DFB-Pokalfinale auszurichten“.

Ärgernis MDR Unabhängig von der Standortfrage gab der DFB-Hallenpokal am vergangenen Samstag keine optimale Visitenkarte ab. Das größte Ärgernis war die lieblose, mit viel Tamtam angekündigte einstündige Sondersendung im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Statt bei im Vergleich zum Vorjahr reduzierter Übertragungszeit wenigstens gleich in die aktuelle Berichterstattung einzusteigen, kündigte ein farbloser Moderator Beiträge über den USV Jena und Turbine Potsdams Stürmerin Anja Mittag an, während im Hintergrund das aktuelle Spielgeschehen zu bestaunen war.

Mit Formulierungen wie „Wir haben noch ein wenig Zeit“ wurde zudem vor den Ausschnitten aus dem Viertelfinale suggeriert, man würde Spiele live übertragen. Die angekündigten „hochkarätigen Gesprächspartner“ entpuppten sich im Nachhinein als die beim Turnier üblichen Interviewgäste. Bei den Fans stieß die Sendung denn auch auf wenig Gegenliebe.

Langeweile statt Spannung „Der Bericht zum Hallenpokal im MDR war die reinste Zumutung“, schimpfte ein User in einem Frauenfußball-Forum, während ein anderer meinte: „Das war im neuen Jahr die bislang schlechteste Sportsendung.“ Der Kommentator sei unwissend, aber phrasenreich gewesen, die Bildschnitte katastrophal, man habe kaum einen Eindruck vom Spielgeschehen vermitteln können. Auch der Überblick sei durch die kurzen Zusammenfassungen der Vorrunde abhanden gekommen.

Und so verkam ein hochwertiger, spannender Turniertag medial für die 120.000 gemessenen Zuschauer vor den TV-Geräten zu einem recht langweiligen Aufguss aus der Konserve, der nur wenig dazu angetan war, sie zu animieren, im kommenden Jahr vielleicht selber einmal das Turnier zu besuchen. Doch auch vor Ort waren nicht alle Zuschauer begeistert.

Wo waren die Topstars? So suchte man in der Bördelandhalle beim „Stelldichein der Stars“ vergeblich nach Weltmeisterinnen wie Birgit Prinz, Kerstin Garefrekes oder Frankfurts prominenten Neuzugang Nadine Angerer, die den Glanz der Veranstaltung hätten erhöhen können, aber durch ihr Fernbleiben glänzten. Eine verpasste Chance, die Identifikation der Zuschauer mit den Topstars in der Halle und auch an den Fernsehschirmen zu vergrößern. Und eine Ohrfeige für Veranstalter, DFB und vor allem einige weit gereiste Fans gleichermaßen.

Was bleibt, ist die Erkenntnis: Es gibt noch viele Baustellen, will man den Frauenfußball in Zukunft weiter nach vorne bringen.

Schlagwörter: Birgit Prinz • DFB • DFB-Hallenpokal • Hannelore Ratzeburg • Kerstin Garefrekes • MDR • Nadine Angerer