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2009

DFB-Pokalfinale: Endlich Schluss mit dem Vorspiel

„Schluss mit dem Vorspiel“, betitelte die Berliner taz bereits im Jahr 2007 ihr Plädoyer für ein eigenes DFB-Pokalfinale der Frauen abseits von Berlin. Im Hinblick auf die Frauenfußball-WM 2011 hat man sich beim Deutschen Fußballbund (DFB) nun dazu entschieden, ab 2010 den Frauen ihr eigenes Endspiel zu gönnen, um eine eigene Tradition aufzubauen und das Profil der Sportart zu schärfen. Wichtiger Schritt in die richtige Richtung, sagen die einen, eine verfrühte Abkoppelung, sagen die anderen. Wer hat Recht?

Richtig ist, dass mit dem Weggang aus Berlin wirtschaftliche Risiken verbunden sind. Die beiden Finalisten durften sich bisher über jeweils 70.000 Euro Zuschuss für die Vereinskasse aus den TV-Einnahmen freuen. Im Frauenfußball noch immer eine ganze Menge Geld. Zudem konnten Top-Vereine, wie der 1. FFC Frankfurt oder der FCR 2001 Duisburg, ihren Sponsoren dank der TV-Präsenz einmal im Jahr eine ganz besondere Bühne bieten. Mit drei bis vier Millionen Zuschauern an den Fernsehschirmen.

Unbefriedigende Situation Dennoch wurde es sportlich mit der in den vergangenen Jahren wachsenden Bedeutung und Beliebtheit des Frauenfußballs immer unbefriedigender, im Berliner Olympiastadion von der Mehrheit nur als überflüssiges Beiwerk wahrgenommen zu werden. „Ich würde lieber in einem kleineren Stadion spielen mit Fans, die für uns da sind“, so Frankfurts Stürmerin Conny Pohlers nach dem 5:1-Sieg gegen den 1. FC Saarbrücken im Vorjahr stellvertretend für den wachsenden Unmut. Nur 1.250 Tickets erhalten die beiden Finalisten bisher aus dem Finalkontingent für ihre Fans. Und so verirrte sich bisher nur jeweils ein kleines Häuflein echter Anhänger nach Berlin, keine angemessene Würdigung für eines der wichtigsten nationalen Frauenfußball-Spiele des gesamten Jahres.

Die Befürchtungen, das DFB-Pokalfinale würde in Zukunft nicht mehr live im Fernsehen zu sehen sein oder zumindest im Regionalprogramm verschwinden, sind überzogen. Denn im Jahr vor den Titelkämpfen im eigenen Land sollte es im eigenen Interesse der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF liegen, Begeisterung für die bevorstehende WM 2011 zu wecken. Zudem ist es nun möglich, sowohl in puncto Austragungstermin als auch Sendezeit eine zuschauerfreundlichere Lösung zu finden, als den Samstagnachmittag. Schwieriger dürfte da schon die Wahl des geeigneten Austragungsort werden, zumindest, wenn man das Finale jedes Jahr am selben Ort austragen will, eine Lösung, die derzeit vom DFB offenbar bevorzugt wird.

Gute Chancen für Nordrhein-Westfalen Der Endspielort soll nach Angaben von DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg „weder im äußersten Norden noch im äußersten Süden liegen“ und „aus allen Richtungen“ gut zu erreichen sein. Hier dürfte es zwei Szenarien geben: Entweder man wählt einen Austragungsort, in dessen Nähe der Frauenfußball bereits über gewachsene Struktur und Tradition verfügt, wie etwa in Nordrhein-Westfalen. Die große Anzahl an Frauenfußball-Vereinen gepaart mit dem bevölkerungsreichsten Bundesland würde eine gewisse Anzahl neutraler Zuschauer garantieren, die sich das Spiel unabhängig von den beteiligten Mannschaften ansehen würden. Auch ein Spiel Bayern München gegen Hamburger SV würde hier für einen ordentlichen Zuschauerzuspruch sorgen.

Gleich mehrere Stadien dürften hier den Wunschvorstellungen des DFB entsprechen. Zu dieser Kategorie gehören sicherlich das Ruhrstadion in Bochum oder das Wedaustadion in Duisburg , die jeweils eine Kapazität von rund 30.000 Zuschauern haben. Eine etwas kleinere Lösung wäre die BayArena in Leverkusen , die 22.500 Zuschauern Platz bietet.

Kassel und Mainz als Alternative? Oder man votiert für eine geographische Lösung mit guter Verkehrsanbindung und findet eine Stadt und ein Stadion, die zwar keine gewachsene Frauenfußball-Tradition, aber traditionell eine gute allgemeine Fußballbegeisterung vorweisen können. Zu dieser Kategorie zählen etwa das Auestadion in Kassel mit Platz für annähernd 20.000 Zuschauer oder in ähnlicher Größenordnung das Stadion am Bruchweg in Mainz .

Das UEFA-Pokalfinale in Frankfurt hat im vergangenen Jahr angedeutet, dass sich mit gezielter und umfangreicher Werbe- und PR-Aktivität inzwischen fast 30.000 Zuschauer für ein Frauenfußball-Spiel begeistern lassen können. Warum sollte also ein nationales Top-Duell nicht in ähnliche Gefilde vorstoßen können?

Pokalfinale endlich mit Verlängerung Ein Ärgernis dürfte mit dem Weggang aus Berlin auf jeden Fall der Geschichte angehören. Denn zukünftig steht dann auch beim DFB-Pokalfinale der Frauen bei einem Remis nach 90 Minuten einer Verlängerung nichts mehr im Wege. Bisher mussten die Fußballerinnen aufgrund des nachfolgenden Männerfinales dann direkt ins Elfmeterschießen und somit auf eines der spannendsten Elemente verzichten.

Schlagwörter: Conny Pohlers • DFB • DFB-Pokalfinale • Hannelore Ratzeburg