UEFA-Pokal: 1. FFC Frankfurt droht vorzeitiges Aus

Von am 6. November 2008 – 17.52 Uhr 42 Kommentare

Titelverteidiger 1. FFC Frankfurt musste im Hinspiel des UEFA-Pokal-Viertelfinales vor 2.180 Zuschauern im Stadion am Brentanobad eine bittere 1:3 (0:3)-Niederlage hinnehmen. Dabei boten die Frankfurterinnen über weite Strecken der ersten Halbzeit gegen einen keineswegs überragenden FCR 2001 Duisburg eine desolate Vorstellung. Doch der schöne Treffer von Birgit Prinz Mitte der zweiten 45 Minuten hält die Frankfurter Hoffnungen noch aufrecht.

Die von Silvia Neid ob ihrer mangelnden Treffsicherheit in wichtigen Spielen in der Vergangenheit gescholtene Duisburger Stürmerin Inka Grings schickte bereits in der 7. Minute eine Grußkarte zur auf der Tribüne weilenden Bundestrainerin. Die Führende in der Bundesliga-Torschützinnenliste nutzte mit ihrer ersten Chance einen Fehler von Frankfurts Verteidigerin Tina Wunderlich trocken zur frühen Duisburger 1:0-Führung.

Grings: „Hoch verdient gewonnen“
„Wir sind richtig gut drauf und haben hoch verdient gewonnen. Wir haben endlich einmal umgesetzt, was wir können. Mit dieser Dominanz haben wir allerdings nicht gerechnet“, so Grings nach der Partie etwas verwundert.

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Das Team von Trainerin Martina Voss wirkte von Beginn an selbstbewusster und auch spritziger in seinen Aktionen. In einem zerfahrenen Spiel führte die erste Duisburger Ecke zum 2:0 – Annemieke Kiesel trat sie von links herein, die auf der linken Abwehrseite eingesetzte Christina Plessen beförderte den Ball unglücklich ins eigene Tor (19.).

Duisburg drückend überlegen
Mit der Zwei-Tore-Führung im Rücken übernahmen die Duisburgerinnen nun deutlich das Kommando. Allein Grings vergab in der Folge gleich mehrfach beste Chancen, die Führung in die Höhe zu schrauben. Dies gelang allerdings Bresonik, die Frankfurts Torhüterin Stephanie Ullrich überwand (37.). Frankfurt war mit dem Drei-Tore-Rückstand zur Pause gut bedient. „Ich bin schockiert, das ist ein Klassenunterschied“, so die verletzte Frankfurter Torhüterin Silke Rottenberg in der Halbzeit.

Duisburg wechselte zur Pause die defensiver ausgerichtete Corina Schröder für Simone Laudehr ein, was dem Spiel der Duisburgerinnen nicht so gut bekam. Zu passiv waren die meisten Aktionen jetzt, Duisburg war auf das Halten des Ergebnisses bedacht und Frankfurt fand nach und nach besser in die Partie.

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Frankfurt zu harmlos
Allerdings erst nach einer guten Stunde vergab Petra Wimbersky mit einem Volleyschuss aus 17 Metern die erste ernsthafte Frankfurter Chance (65.). Die ansonsten blasse Birgit Prinz sorgte mit einer feinen Einzelleistung dann für einen Hoffnungsschimmer. Mit einer geschickten Drehung ließ sie Verteidigerin Annike Krahn an der Strafraumgrenze aussteigen und platzierte den Ball perfekt im Winkel (67.).

Die Frankfurterinnen agierten nun mit mehr Mumm und Druck und lehnten sich noch einmal gegen die drohende Niederlage auf, doch richtig in Gefahr kam die Duisburger Defensive selten, obwohl sie angefangen von der nervösen Torhüterin Kathrin Längert an diesem Tag nicht den sichersten Eindruck hinterließ. Kerstin Garefrekes und die eingewechselte India Trotter vergaben in den Schlussminuten einen möglichen zweiten Treffer, der die Chancen für das Rückspiel deutlich erhöht hätte.

Wegmann: „Wir geben nicht auf“
Frankfurts Trainer Günter Wegmann gab in der ersten Enttäuschung, wie schon nach der DFB-Pokal-Niederlage beim FC Bayern München, eine etwas eigenwillige Analyse der Partie: „Das Ergebnis ist nach dem Spielverlauf schon überraschend, denn wir hatten mehr Spielanteile. Aber wenn man dem Gegner diese Möglichkeiten in der ersten Halbzeit bietet, muss man sich nicht wundern. Die zweite Halbzeit hat gezeigt, dass wir es auch in Duisburg noch schaffen können. Wir geben nicht auf, aber Glückwunsch an Duisburg.“

Das Rückspiel findet am kommenden Donnerstag, 13. November, um 18.00 Uhr, statt. Die Duisburgerinnen gehen mit einem komfortablen Vorsprung ins Spiel, denn selbst ein 2:0-Sieg würde den Frankfurterinnen in Duisburg nicht reichen. Aber noch sind 90 Minuten zu spielen, die Chancen sind für beide Teams noch intakt.

1.FFC Frankfurt – FCR Duisburg 1:3 (0:3)

Frankfurt: Ullrich – T. Wunderlich, Lewandowski, Plessen (57. Marciak) – Garefrekes, Günther, Weber, Bartusiak – Prinz, Wimbersky, Brenner (79. Trotter)

Duisburg: Längert – Hauer, Fuss, Krahn, van Bonn – Kiesel (61. Bajramaj), Bresonik, Oster (80. Hartmann), Hegering, Grings, Laudehr (46. Schröder)

Tore: 0:1 Grings (7.), 0:2 Plessen (19./Eigentor), 0:3 Bresonik (37.), 1:3 Prinz (67.)

Schiedsrichterin: Kateryna Monzul (Ukraine)

Gelbe Karte: Günther

Zuschauer: 2.180

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

42 Kommentare »

  • Max Diderot sagt:

    Die Aufregung, die sich um das aktuell apathisch wirkende Spiel der Frankfurterinnen breit macht, finde ich schon sehr interessant. Dabei war doch schon in der vergangenen Saison absehbar, obwohl oder gerade weil der Dreifach-Triumph realisiert werden konnte, dass die Mannschaft der Hessinnen nur bedingt überzeugen konnte. Und das ein Umbruch bei dem erfolgreichsten deutschen Frauenfußball-Klub dringlich ist, dürfte Management und Vorstand schon lange geschwant haben. Außerdem ist es doch eine angenehme Abwechslung – vielleicht nicht zwangsläufig für die Anhängerschaft der Frankfurterinnen, wenn sich die Mannschaften aus München, Duisburg, Potsdam oder Essen spannungsreich mit den Mainfrauen um Meisterehren duellieren.

    Es mag ja sein, wie ViolA sinngemäß schreibt, dass bei den Frankfurterinnen momentan schwer leicht und leicht schwer ist. Doch gehört es zu den vielen Beispielen des Mannschaftssports, dass die Motivation nach zahlreichen Erfolgen nicht zwangsläufig wiederkehrender Natur ist. Ähnlich verhält es sich auch bei der Nationalmannschaft, wo frau sich ob der Ergebnisse orientiert und eine Spielphilosophie kurz gefasst so lauten dürfte: Mein Name ist Neid – und das soll genügen!

    Vor einiger Zeit hieß es beinahe allerorten, die Zukunft des Fußballs sei weiblich. Das mag richtig sein. Nur unabhängig jedweder Geschlechterauffassung dieses Sportes, gibt es Schübe, Zyklen, die den Fußball verändern, ihn verbessern. Mir scheint es momentan nicht so zu sein, pardon, ich wiederhole mich inhaltlich mit einer früheren Aussage, als kämen die technischen und taktischen Erneuerungen aus Deutschland. Analogien mit dem deutschen Männer- respektive Rumpelfußball der neunziger Jahre mögen weit hergeholt sein, und trotzdem erahne ich eine Duplizität der Geschehnisse.

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  • ViolA sagt:

    ich hab wegmann auf der pk gehört und da hat er wie gesagt (meiner meinung nach) nichts dergleichen verlauten lassen. was er vorher gegenüber dem hr gesagt hat, kann ich natürlich nicht beurteilen.

    diese bedingt überzeugen bzw die herbe kritik kam vor allem gegen ende der saison auf, als die beiden niederlagen gegen neuenahr und bayern eingefahren wurden und insbesondere als das spiel in und gegen duisburg war. aber schon damals habe ich einigermaßen deutlich gemacht (hoffe ich doch), dass das abzusehen und durchaus auch nachvollziehbar war und auch noch ist. das hat ja auch nichts mit apathischem spiel zu tun sondern einfach mit dem pensum, welches die spielerinnen teilweise absolvieren mussten und müssen. ich habe damals im ff-board eine hochrechnung der spielzeit gemacht (damals kam der vergleich inka und birgit auf), der doch sehr deutlich gezeigt hat, wieso eine birgit prinz am ende der saison einfach nur noch ausgelaugt war. man bedenke, sie hat bis zum heutigen tage seit dieser hochrechnung gerade mal drei wochen „pause“ gehabt. zumal sie ja nicht allein ist. wir wissen alle um die extrem hohe belastung der spielerinnen und die vielen verletzungen bis jetzt.
    natürlich wird die liga enger und damit auch die ergebnisse. damit steigen aber auch die anforderungen an jede einzelne spielerin und das ergebnis sehen wir in allen clubs. ich habs nicht nachgezählt aber die verletztenliste ist enorm hoch. dazu gibt es bei fansoccer bald auch näheres zu lesen.
    dass da keine mannschaft gnadenlos durch schönen fußball mit vielen toren bestechen kann wie noch in der vergangenheit ist eine logische konsequenz.
    ich gebe max recht wenn er sagt, dass fußball sich in schüben entwickelt. wir sehen das bereits nachkommen in der u17 und auch in der u20. da sind spielerinnen da, die zeigen die entwicklung des frauenfußballs – nicht nur in deutschland sondern europa- und auch weltweit. der umbruch ist also schon lange da.

    achja noch etwas… die motivation ist sicherlich nicht frankfurts problem. wer da auch nur ein bisschen einblick hat der weiß, dass diese mannschaft noch lange nicht satt ist. nur gilt es in diesem falle die eigenen problem zuerst zu lösen bevor an etwas anderes zu denken ist.

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