Termin-Dilemma: Wohin mit den Spielen der Frauenfußball-Bundesliga?
Bundestrainer Ralf Peter hat am Montag den Kader für die U17-Weltmeisterschaft in Neuseeland benannt. 21 Spielerinnen dürfen sich auf ein Erlebnis der besonderen Art am anderen Ende der Welt freuen. Doch was bei den Teilnehmerinnen für Freude sorgt, bereitet den abstellenden Vereinen Sorge.
Denn einige der nominierten Talente haben sich in dieser Saison als Stammspielerinnen in ihren Bundesligavereinen etabliert. Mit der Folge, dass dem eng gestrickten Bundesliga-Terminkalender bisher nicht eingeplante, zusätzliche Spielverlegungen drohen.
So müsste etwa der FCR 2001 Duisburg am 2. November im Spitzenspiel gegen den 1. FFC Frankfurt und in zwei weiteren Partien gleich auf drei Stammspielerinnen verzichten: Turid Knaak, Hasrit Kayikci und Alexandra Popp. In einem Spiel, dessen Ausgang sich in der Endabrechung noch als maßgeblich im Kampf um den Titel erweisen könnte.
Doch auch der 1. FFC Turbine Potsdam stellt überraschend in Tabea Kemme und Marie-Luise Bagehorn gleich zwei Stammspielerinnen ab und möchte im Meisterschaftsrennen natürlich in allen Spielen mit seiner stärksten Formation antreten.
Spielverlegungen wären regelkonform Eine Entwicklung, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) offenbar vor Saisonbeginn ein wenig unterschätzt hat. Denn im Bundesliga-Spielplan sind anders als bei der U20-WM für die U17-WM offiziell keine Nachholtermine vorgesehen. Der DFB hat die Vereine zudem gebeten, nicht von ihrem Recht auf Spielverlegungen Gebrauch zu machen. Doch Duisburg wie Potsdam werden sich gleichermaßen auf die DFB-Spielordnung berufen.
Die sieht eindeutig vor, dass ein Verein, der eine Spielerin abstellen muss, das Recht hat, die Absetzung eines für ihn angesetzten Spiels zu verlangen (§34, Abs. 3). Voraussetzung hierfür ist, dass zumindest zwei Stammspielerinnen abgestellt werden müssen, wobei in §14 der Begriff Stammspielerin definiert wird. Für Duisburg und Potsdam greift diese Regelung, die Anträge dürften in den nächsten Tagen in der DFB-Zentrale eintrudeln. Der DFB muss ihnen stattgeben, vorausgesetzt, die Gastgeber präsentieren mit dem Antrag einen adäquaten Ausweichtermin. Was jedoch nicht leicht fallen dürfte.
Enge Terminplanung Jahr für Jahr wird die Spielplangestaltung eine immer größere Herausforderung, doch 2008 hat sich die Problematik verschärft, mit U17-WM und U20-WM im gleichen Jahr sowie zwei deutschen Vertretern im UEFA-Pokal. Frankfurt und Duisburg sind international im Einsatz, auch andere sind von Abstellungen für A-Nationalmannschaft oder Juniorinnen-Auswahlen betroffen. Das Abschneiden im DFB-Pokal hat ebenfalls Auswirkungen auf den Terminkalender und auch die Witterung kann die ursprüngliche Planung im Winter noch einmal über den Haufen werfen.
Es wird immer schwieriger, die Bedürfnisse aller 12 Bundesligavereine unter einen Hut zu bringen und die Grundproblematik wird auch in den kommenden Jahren bestehen bleiben. Ab der Saison 2010/2011 soll der UEFA-Pokal aufgestockt werden, mit dann möglicherweise zwei festen deutschen Teilnehmern, aufgrund der Frauenfußball-WM im eigenen Land steht 2011 darüber hinaus die komplette Bundesliga-Rückrunde zur Disposition.
Problemfall U20-WM Die U20-WM sorgt für weiteres Durcheinander, wenngleich vor Saisonbeginn vorsorglich drei Reservetermine eingeplant wurden. Alleine Tabellenführer Bayern München und auch der 1. FFC Turbine Potsdam werden wohl rund die Hälfte ihres Stammpersonals für die U20-WM in Chile abstellen müssen.
Gleich zwei für den 16. November angesetzte Spiele – die Partien zwischen dem SC Freiburg und dem Herforder SV Borussia Friedensthal sowie das Spiel USV Jena gegen SG Essen-Schönebeck - wurden bereits verlegt. Hintergrund sind die voraussichtlichen Nominierungen einiger Spielerinnen für die U20-WM, wie etwa der Herforder Stürmerin Marie Pollmann und der Jenaer Torhüterin Jana Burmeister.
Aufgrund von Personalproblemen lehnte Herford den 22.10. ab , den ersten von drei möglichen Ausweichterminen, Jenas Partie wird an diesem Tag ausgetragen. Darüber hinaus sind nur noch der 8. und 15. Februar 2009 als Nachholtermine vorgesehen. Und sollte es einer der deutschen UEFA-Pokal-Teilnehmer ins Finale schaffen , wird der 21. Spieltag auf den 21. Mai und der 22. Spieltag auf den 7. Juni verlegt. Ein Termin-Wirrwarr sondergleichen bahnt sich an.
Kopfzerbrechen beim DFB Der DFB ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden, zumal zerpflückte Spieltage und eine krumme Tabelle nicht dazu angetan sind, das Produkt Frauenfußball-Bundesliga im Hinblick auf die WM 2011 in der Öffentlichkeit attraktiver zu machen. Und auch Fans und Sponsoren der von Spielverschiebungen betroffenen Vereine werden wenig begeistert sein. Es scheint nach den gegebenen Umständen nur noch eine Frage der Zeit, wann in Zukunft Wochentagsspiele zum Regelfall werden.
Und auch eine Verkürzung der Winterpause – sie dauert in dieser Saison vom 14. Dezember bis zum 21. Februar – dürfte in Zukunft zur Diskussion stehen. Das wiederum geht zu Lasten der Spielerinnen, deren Regenerationspausen schon heute dünn gesät sind. Ein Spannungsfeld, das in den nächsten Jahren noch für manch hitzige Diskussion sorgen dürfte.