Chronik 2007 — 2019 8451 Beiträge 513 Transfers145 Vereine 540 Profile
WomenSoccer

2008

Umeå bläst zur Jagd auf Linköping

Seit dem Jahr 2000 heißt der Dominant des schwedischen Frauenfußballs Umeå IK. Sechsmal hat die Mannschaft aus dem hohen Norden die Meisterschaft gewonnen und war auch vor der Saison erklärter Favorit der Experten.

Doch wenn die Damallsvenskan heute nach der Sommer- und Olympiapause nach fast 14 abgeschlossenen Spieltagen mit dem Spiel Bälinge gegen AIK ihren Spielbetrieb fortsetzt, findet sich Umeå IK in der Rolle des Jägers wieder.

Denn Tabellenführer mit fünf Punkten Vorsprung (Umeå hat ein Spiel weniger) ist Linköpings FC.

Nachdem man bereits mit den Männern Eishockey-Meister geworden ist, setzt man seit einigen Jahren kontinuierlich auf Frauenfußball. Vor der Saison hatte man sich unter anderem mit der schwedischen Nationalstürmerin Jessica Landström (von Hammarby) verstärkt und dann natürlich mit der Verpflichtung der beiden Brasilianerinnen Daniela und Cristiane für den Einkauf des Jahres gesorgt.

Daniela als Erfolgsfaktor Cristiane blieb etwas hinter den Erwartungen zurück, erzielte aber immerhin bislang sechs Tore. Es ist vor allem Daniela, die das Spiel von Linköping auf ein noch höheres Niveau gebracht hat. Dazu kommen eben nicht weniger als sechs Spielerinnen, die im aktuellen Kader der blaugelben Nationalelf stehen. Josefine Öqvist zeigte eine bislang hervorragende Saison.

Umeå hatte sich nur geringfügig verstärkt, aber mit der Dänin Johanna Rasmussen eine starke Linksaußen gewonnen. Immer besser ins Spiel kommt auch die Japanerin Mama Yamaguchi, die geholt wurde, nachdem sich die Brasilianerin Elaine in der Vorsaison einen Kreuzbandriss zugezogen hatte. Elaine fehlt den Meisterinnen sehr, ihre Rolle im defensiven Mittelfeld wurde oft unterschätzt. Verlassen kann man sich wie immer auf Marta , die acht Tore erzielte, kurz vor der Pause aber in Malmö die rote Karte bekam.

Macht’s am Ende doch die Mischung? Trotz der vielen ausländischen Spielerinnen setzt der Club, der vor kurzem seinen legendären Sportdirektor Roland Arnqvist verloren hat (er sucht nach neuen Herausforderungen), weiterhin auf eine ausgewogene Mischung, in der auch Spielerinnen aus der heimischen Region Västerbotten eine wichtige Rolle spielen. Eines dieser viel versprechenden Talente ist die 19-Jährige Sofia Jakobsson, die bei der U19-Europameisterschaft beim 1:1 Schwedens gegen Deutschland den Ausgleich erzielte.

Der „deutsche“ Club der schwedischen Liga, Vizemeister Djurgården damfotboll, hat die Saison 2008 als Übergangsjahr deklariert. Obwohl mit Nadine Angerer neben den beiden Brasilianerinnen Cristiane und Daniela DIE Neuverpflichtung der Saison war und sehr viel Publizität erhielt, startete das Team von Trainer Anders Johansson schwach in die Saison und verlor gleich zweimal auswärts gegen vermeintlich schwächere Gegner.

Djurgården enttäuscht So findet sich Djurgården im Moment auf dem ungewohnten siebten Tabellenplatz wieder. Angerer zeigte allerdings in mehreren Spielen ihre Weltklasse, vor allem im Heimspiel gegen Linköping, in dem sie zeigte, dass nicht nur Eishockey-Goalies Spiele bestimmen können - „Natze“ rettete mit einem guten halben Dutzend Glanzparaden einen Punkt für ihr Team. Ariane Hingst begann als Innenverteidigerin und wurde dann aber nach einigen Spielen von Johansson ins Mittelfeld geholt.

Sie plagte sich vor den Olympischen Spielen mit einer Knieverletzung und spielte kaum 90 Minuten. Die dritte Deutsche, Jennifer Meier, kämpft um einen Platz in der Startformation. Dort lässt Trainer Johansson aber gegenwärtig Victoria Svensson und das 20-Jährige finnische Talent Linda Sällström beginnen. Djurgården hat sich neulich erst mit der belgischen Nationalspielerin Femke Maes verstärkt.

Australien-Power für AIK Extrem aufgerüstet hat AIK. Man holte die Australierinnen Lisa De Vanna und Katryn Gill, die finnische Weltklassemittelfeldspielerin Anne Mäkinen (aus Uppsala), die beiden großen schwedischen Talente Louise Fors und Emma Lundh und mit dem von Djurgården gewechselten Trainer Benny Persson kam mit Elin Ekblom-Bak auch eine der besten Mittelfeldspielerinnen Schwedens.

Vor der Saison sagte Persson mir, dass das Ziel sei, mittelfristig Djurgården als Nr. 1 in Stockholm abzulösen. Das ist scheinbar nun bereits kurzfristig geschafft, denn AIK liegt auf einem hervorragenden vierten Rang. Dabei erzielte die kleine Australierin De Vanna bereits neun Tore und unterstrich, dass ihre Nominierung zur Weltfußballerin des Jahres 2007 nicht unberechtigt war. Von AIK dürfte auch in den verbleibenden acht Runden noch einiges zu erwarten sein, da es Persson gelungen ist, das Team immer besser einzuspielen.

Bälinge überfordert Im Abstiegskampf sieht es düster aus für Aufsteiger Umeå Södra FF und vor allem für Anne Mäkinens ehemaligen Club Bälinge. Seit fast einem Jahr hat das sehr junge Team aus Uppsala kein Spiel mehr gewonnen. Umeå Södra fing sich beim 0:9 in Göteborg eine saftige Niederlage ein, bei der Sara Lindén sechs Tore für Göteborg schoss. Ebenfalls als Absteiger getippt war von vielen Hammarby, der dritte Stockholmer Verein. Wieder einmal hatten mit Marijke Callebaut, Jessica Landström und Louise Fors drei Leistungsträgerinnen den Verein mit nur kleinem Budget verlassen.

Dafür war die 38-Jährige Rekordnationalspielerin Kristin „Kicki“ Bengtsson von Djurgården zu dem Verein zurückgekommen, wo sie ihre Karriere vor 20 Jahren begonnen hatte. Doch Hammarby kämpfte sich nach zwei deftigen Niederlagen zu Beginn in die Saison hinein und siegte dann sogar viermal in Serie. Größtes Ausrufezeichen war dabei die 21-Jährige Nazanin Vaseghpanah, deren konstant gute Leistungen im offensiven Mittelfeld nun auch mit der Nominierung in die U23 belohnt wurden.

Treffsichere Melis Die Goalgetterin der Saison aber spielt beim Tabellendritten Malmö. Die Niederländerin Manon Melis war schon 2007 in ihrem ersten Jahr in Schweden als eine der schnellsten Angreiferinnen aufgefallen, nun hat sie an Explosivität noch einmal gewonnen und liegt mit 12 Toren auf Rang 1, den sonst Lotta Schelin (2006 und 2007) aus Göteborg innehatte. Die jedoch hat sich gerade von einer langwierigen Oberschenkelverletzung erholt und gerade auch wieder Nationalelf spielen können. Aylin Jaren, aus Berlin gekommen, wird in Malmö aufgebaut und immer wieder eingewechselt – die Konkurrenz ist groß.

Der Zuschauerschnitt liegt bei 923 pro Spiel – Umeå hat einen Schnitt von über 2.000 bei Heim- und Auswärtsspielen und ist weiterhin der Publikumsmagnet. Am 3. September kommt es in Linköping möglicherweise zu einem waschechten Finale um die Meisterschaft, wenn Titelverteidiger UIK kommt. Das Hinspiel im Norden hatte Linköping sensationell mit 3:2 gewonnen – durch einen Treffer von Josefine Öqvist in der 93. Minute. Spielerisch hat die Damallsvenskan im Vergleich zum Vorjahr eindeutig an Klasse gewonnen.

Zahlreiche Spielverlegungen Und trotz der vielen ausländischen Spielerinnen gibt es eine große Zahl einheimischer Talente, die dem schwedischen Fußball auch für die mittelfristige Zukunft eine Spitzenstellung garantieren sollten. Was in dieser Saison viele stört, sind die zahlreichen Spielverlegungen aufgrund von Nationalmannschaftseinsätzen einiger Spielerinnen.

Als Brasilien sein Olympia-Qualifikationsspiel gegen Ghana in Peking (!) bestritt, konnten sowohl Linköping wie Umeå Spiele verlegen. AIK zog dann nach, als De Vanna und Gill ein Turnier für Australien in Vietnam spielten. Die Tabelle ist deshalb noch etwas in Unordnung.