DFB-Elf: Tief durchatmen, bitte!
Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft wackelte, fiel aber nicht. Durch den schwer erarbeiteten, am Ende aber verdienten 1:0 (0:0)-Sieg gegen Nigeria hat die DFB-Elf mit nun vier Punkten auf dem Konto gute Chancen, das Viertelfinale der Olympischen Spiele zu erreichen.
Denn im abschließenden Gruppenspiel gegen Nordkorea reicht am Dienstag (11 Uhr) nun bereits ein Remis zum sicheren Weiterkommen. Doch mit Ruhm bekleckerte sich das Team von Bundestrainerin Silvia Neid gegen den Afrika-Meister eine gute Stunde lang nicht.
Erst die Einwechslung von Anja Mittag und der erst achte Länderspieltreffer von Abwehrspielerin Kerstin Stegemann sorgten für die Wende.
Durchwachsene erste Halbzeit „Wir haben es uns unnötig schwer gemacht“, bilanzierte Neid nach der Partie. Vor allem in der ersten Halbzeit tat sich das Team vor 19.266 Zuschauern schwer, ein präzises Kombinationsspiel aufzuziehen. „Das war ganz unangenehm, wir mussten über den Kampf ins Spiel finden.“ Bei erneut heißen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit sorgte jeder der zahlreichen Fehlpässe für zusätzliche Belastung. „In der zweiten Halbzeit waren wir viel effektiver im Spiel nach vorn.“
Die DFB-Elf, in identischer Startformation wie gegen Brasilien ins Spiel gegangen, erarbeitete sich in den ersten 45 Minuten gegen die kompakten und kampfstarken sowie auf zwei Positionen veränderten Westafrikanerinnen nur zwei Chancen. Birgit Prinz setzte nach einer halben Stunde einen 20-Meter-Schuss über das Tor, die blasse Simone Laudehr scheiterte mit einem Kopfball.
Glück für DFB-Team Kurz vor der Pause musste Nadine Angerer Kopf und Kragen riskieren, nachdem Nigerias Stürmerin Cynthia Uwak erst die schwache Ariane Hingst vernaschte, danach Linda Bresonik umkurvte und gefährlich vor der deutschen Torhüterin auftauchte.
Deutschland kam mit mehr Schwung aus der Kabine, nach nicht einmal einer halben Minute hätte Prinz fast eine Hereingabe von Melanie Behringer verwertet. Doch Nigeria blieb weiter am Drücker, Annike Krahn leistete sich den zweiten Querschläger im zweiten Spiel und hatte Glück, dass die Aktion wegen einer Abseitsstellung abgepfiffen wurde (52.).
Angerer rettet zweimal Wenige Minuten später brannte es lichterloh im deutschen Strafraum. Hingst musste nach schlechtem Stellungsspiel wieder einmal Sarah Michael ziehen lassen, die alleine auf Angerer zusteuerte. Doch die blieb wie schon in der 1:1-Situation gegen Marta im Auftaktspiel cool, wartete lange und konnte den Schuss abwehren. Auch den Nachschuss von Perpetua Nkwocha parierte sie glänzend.
Neid musste reagieren und brachte die frische Anja Mittag ins Spiel, um gegen die ihrem hohem Tempo nun langsam Tribut zollende Nigerianerinnen für mehr Schwung zu sorgen. Die Rechnung ging bereits nach zwei Minuten auf, als Mittag Nigerias Spielführerin Christie George am linken Flügel stehen ließ, eine scharfe Flanke hinter die Viererkette spielte, Stegemann im Rücken von Ifeanyi Chiejine entwischte und den Ball mit ihrem erst achten Tor im 182. Länderspiel ins Netz drückte und damit ihre gute Leistung krönte (65.).
Stegemann: „Wichtiges Tor“ „Es ist egal, wer das Tor macht, aber das war ein wichtiges. Wir haben heute alle gekämpft und geackert und glücklich 1:0 gewonnen“, so Stegemann. Vor allem die verbesserte Laufarbeit machte sie für den Sieg verantwortlich. „Dadurch konnten wir auch unser Spiel nach der Führung etwas beruhigen.“
Die DFB-Elf hatte nun Oberwasser, verpasste es aber in der Folge, für die Entscheidung zu sorgen. So scheiterte Mittag in der Folge zweimal an der glänzend reagierenden Torhüterin Precious Dede (72. und 81.), Krahn (76.), Da Mbabi (77.) und auch eine offensiv verbesserte Lingor in der Nachspielzeit versäumten die Chance, das Ergebnis deutlicher zu gestalten.
Pluspunkte für Mittag Der Bundestrainerin stand die Erleichterung nach dem Schlusspfiff ins Gesicht geschrieben. „Der Sieg ist in dieser Höhe verdient, Anja Mittag hat das Spiel belebt. Ich bin froh, dass wir drei Punkte geholt haben und insgesamt vier haben.“
Auf Rechenspielchen, um im Viertelfinale möglicherweise Gold-Favorit USA aus dem Weg zu gehen, will sie sich nicht einlassen. „Wir müssen einfach schauen, dass wir weiterhin im Spiel bleiben, dass wir uns nach vorne verbessern und mehr Präzision rein bekommen.“
Schwache Innenverteidigung Bis zur K.-o.-Runde gilt es, noch einige Baustellen zu schließen. Die Innenverteidigung um Ariane Hingst und Annike Krahn erwischte einen ganz schwachen Tag mit Stellungsfehlern, Unsicherheiten und Ballverlusten, man wird sich nicht immer auf Weltklasseleistungen von Angerer verlassen können.
Und auch im Mittelfeld ist noch deutlich Luft nach oben. Zwar deutete Lingor in den zweiten 45 Minuten an, dass ihre Formkurve nach oben zeigt, doch vor allem Simone Laudehr und Kerstin Garefrekes konnten bisher nicht ihr volles Leistungsvermögen abrufen.
Im abschließenden Gruppenspiel am Dienstag gilt es, die Feinarbeit ins Blickfeld zu rücken, um für das Viertelfinale gerüstet zu sein, in dem bereits Gegner wie die USA oder Norwegen warten könnten.
Die Leistung der DFB-Elf gegen Nigeria war…?