Lingor fährt zurecht mit nach Peking

Von am 16. Juli 2008 – 7.56 Uhr 9 Kommentare

„Es ist keine Frage mehr, ob Renate dabei ist oder nicht. Sie ist total wiederhergestellt, die Schulter macht mit“ – mit diesen Worten beendete Bundestrainerin Silvia Neid am Dienstag in Oberhaching, südlich von München gelegen, die Spekulationen darüber, ob Mittelfeldspielerin Renate Lingor am olympischen Frauenfußball-Turnier teilnehmen wird.

Von der frühen Ankündigung noch vor der offiziellen Bekanntgabe des Olympiakaders wusste Lingor selber nichts, sie wurde von Journalisten über Neids Ausführungen informiert. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe mag den Verdacht nähren, dass die Teilnahme einer halbwegs fitten Lingor nie ernsthaft zur Debatte stand.

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Doch auch wenn es der Spielmacherin an Spielpraxis mangelt und ihre Berufung ein gewisses Risiko darstellt, dürfte sie für die Mannschaft mit ihrer Erfahrung und ihrer individuellen Klasse immer noch ein Gewinn sein.

„Sie ist unheimlich wichtig für uns und, wenn sie fit ist, eine Waffe im defensiven Mittelfeld“, sagt Neid über die Bedeutung der 141-fachen Nationalspielerin.

Routine als Trumpfkarte
Richtig ist, dass Lingor ihre Topleistungen, die sie etwa bei der WM 2003 und der EM 2005 zeigte, in der Vergangenheit immer seltener abrufen konnte. Richtig ist aber auch, dass sie immer noch in der Lage ist, Weltklasseleistungen zu zeigen. Bei der WM 2007 lieferte sie ihre besten Spiele, als es am Dringendsten notwendig war – etwa beim 3:0-Sieg im Viertelfinale gegen Nordkorea, wo sie nach schönem Doppelpass mit Sandra Smisek das wichtige 2:0 erzielte, als das Spiel auf des Messers Schneide stand.

Der Wert einer routinierten Spielerin zeigt sich gerade bei großen internationalen Turnieren. Auf wie neben dem Platz kann sie junge Spielerinnen führen und ihnen mit Rat und Tat beiseite stehen, selbst wenn sie selbst ihre Topleistung nicht mehr regelmäßig abrufen kann. Nach wie vor hat Lingor die Qualität, mit einem einzigen Geniestreich Spiele auch gegen starke Gegner zu entscheiden. Hinzu kommt, dass sie auch bei der Konkurrenz immer noch großes Ansehen genießt, ein psychologisch nicht zu unterschätzender Faktor.

Hart am Comeback gearbeitet
Sechs bis acht Stunden täglich arbeitete Lingor in den vergangenen Monaten an ihrem Comeback und ihrem großen Traum, mit einer Goldmedaille von der internationalen Fußballbühne abzutreten. „Ich habe das Gefühl, dass ich konditionell sogar auf einem sehr guten Stand bin. Ich bin erleichtert, dass es so gut läuft“, sagt sie drei Wochen vor Beginn des olympischen Frauenfußball-Turniers.

An Motivation wird es der Frankfurter Spielerin zum Karriereende sicherlich nicht mangeln, wenn sie sich ein letztes Mal einer internationalen Öffentlichkeit präsentiert. Eine Chance hat eine gesunde Lingor allemal verdient.

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Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

9 Kommentare »

  • Lucy sagt:

    Ich freue mich für sie 🙂

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  • Max Diderot sagt:

    Ich will mir nicht anmaßen, behaupten zu können, Renate Lingors Leistungen richtig einschätzen zu können. Dafür habe ich sie a) zuwenig live gesehen, zuletzt vor drei Jahren, und bin b) davon überzeugt, dass der ihr zugeschriebene Spielertyp (Spielmacherin) im heutigen Fußball nicht mehr so bedeutend ist wie noch vor einigen Jahren.

    Interessant ist die Nominierung allemal. Sie beschreibt gut die Funktion einzelner Teile in einer Mannschaft. Und selbst wenn, wie von mir vermutet wird, der sportliche Beitrag von Frau Lingor marginal ausfallen dürfte, natürlich bedingt durch ihre Verletzung aber auch ob der dynamischen Entwicklung des Frauenfußballs – zumindest in der Weltspitze, ist sie aufgrund ihrer Erfahrung und ihrer Erfolge eine Spielerin, die in entscheidenden, knappen Situationen den berühmten Unterschied machen könnte.

    Man kann das auch gut bei anderen Mannschaftssportarten beobachten, beispielsweise den Handballern, dass die sportliche Leitung bei bedeutenden Turnieren gerne auch auf erfahrene Spielerinnen und Spieler zurückgreifen. Vermutlich auch deshalb, weil neben den sportlichen Meriten der Akteure auch deren damit in Verbindung stehende Autorität für den Zusammenhalt eines Teams wichtig sein kann. Denn, will man die olympische Goldmedaille ins Visier nehmen, und das wird ob des Kalibers der Konkurrenz ungemein schwierig, darf es keine Nebenschauplätze geben, die es, auch wenn uns der Film „Die besten Frauen der Welt“ eine andere Botschaft sandte, in der ein oder anderen Qualität bei einem solch langen Zusammensein doch auftreten werden.

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  • ViolA sagt:

    ich sehe das ähnlich. ich kann schlecht beurteilen wie gut idgies leistungsniveau ist, vertraue aber den verschiedenen aussagen die verlauten lassen, sie sei wieder völlig hergestellt. es bleibt abzuwarten wie sie sich sowohl morgen als auch im spiel gegen norwegen und natürlich erst recht bei den olympischen spielen zu präsentieren vermag. sie kann ein wichtiger faktor sein um ein spiel zu entscheiden und das oft durch spielideen und ihre erfahrung. oft genug ist sie auch der ruhepol den eine mannschaft braucht, wenn es eng wird. und oft genug tritt sie eben genau dann in erscheinung.
    wenn die fitness wirklich stimmt, dann freue ich mich auf großartigen fußball mit einer sicherlich sehr motivierten idgie, die eine riesen willen, disziplin und anstrengung gezeigt hat um noch einmal diese chance zu bekommen.

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  • Crackfly sagt:

    Nur was, wenn Frau Lingor bei Olympia eben NICHT die Leistung bringt?

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  • Katha sagt:

    Dann springt Celia für sie ein.

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  • Anni sagt:

    Die beste Nachricht des Tages!!! Ich werdet schon sehen! Ich freue mich sehr für sie !!! Gib Gas Idgie 🙂

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  • Crackfly sagt:

    @ Katha:
    Leider zweifel ich daran, dass Célia die Chance bekommt.

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  • ViolA sagt:

    @ crackfly
    diese frage kannst du auch in bezug auf andere spielerinnen stellen. was wenn natze nicht die leistung bringen kann? was wenn birgit prinz die leistung nicht bringen kann?

    ich verstehe die kritiker und ich verstehe die optimisten. wie wäre es, wenn wir alle einfach bis morgen abend warten und gucken wie idgie sich präsentiert? dann sind wir alle schlauer

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  • Flo sagt:

    war klar das die nomminiert wird. beim dfb geht es eben nicht um leistung sondern um vitamin b. und zu dem thema sie sei wichtig für die mannschaft: was ich weis hat die immer nur ne kleine gruppe um sich die meisten mögen sie gar nicht

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