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2008

Bundesliga gegen Damallsvenskan – welche Liga hat die Nase vorn?

Die schwedische Liga Damallsvenskan vermarktet sich als „beste Liga der Welt“. Dennoch hält Deutschland nicht nur den Welt- und Europameistertitel, sondern gewann vor einigen Wochen durch Meister 1. FFC Frankfurt auch den UEFA-Pokal.

Dort besiegte man im Finale ausgerechnet den schwedischen Meister Umeå IK. Ist der Beiname „beste Liga der Welt“ also ein bloßer Marketingslogan?

Ariane Hingst wechselte 2007 zum Stockholmer Erstligisten Djurgården Damfotboll, Nadine Angerer folgte ihr zu Beginn dieses Jahres. Worin liegen die Unterschiede zwischen den beiden Ligen?

Angerer musste ihr Torwartspiel in den ersten Wochen umstellen. „Ich werde hier bei Ecken quasi eingemauert von Gegenspielerinnen. In Deutschland würden die Schiedsrichter beim geringsten Körperkontakt mit dem Torwart abpfeifen, hier läuft das Spiel weiter. Daran musste ich mich erst mal gewöhnen“, sagt die Weltmeisterin.

Höhere Athletik Ihre Schweizer Kollegin Kathrin Lehmann (früher Turbine Potsdam und Bayern München, jetzt Hammarby) stimmt ihr zu: „Es wird hier wesentlich offensiver gespielt. Das Spiel ist ganz einfach körperlicher, auch in den Laufduellen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten schwedischen Clubs in Deutschland mit deutschen Schiedsrichtern ein Match nicht mit elf Spielerinnen beenden würden.“

Pavlina Scasna, die nach einigen Jahren beim FC Bayern zunächst zu KIF Örebro und dann zu LdB Malmö wechselte, fügt hinzu, dass man in Schweden mehr Zeit im Kraftraum verbringt als das bei Bayern München üblich war. „Ich würde auch sagen, dass das taktische Niveau hier im Allgemeinen besser ist. Die jungen Spielerinnen sind besser ausgebildet, auch technisch gesehen.“

Das bestätigt Lehmann: „In der Schweiz oder in Deutschland kannst du meistens zwischen guten Läuferinnen und guten Technikern unterscheiden. In der Damallsvenskan können fast alle den Ball in hohem Lauftempo annehmen und weitergeben.“

Jeder kann jeden schlagen Auch wenn es auch in Schweden bisweilen zu hohen Kantersiegen kommt (in der laufenden Saison schlug Göteborg Neuling Umeå Södra mit 9:0, Malmö gewann zu Beginn 7:1 bei Hammarby), sind sich alle Spielerinnen einig, dass das Niveau in Schweden wesentlich ausgeglichener ist. „Wenn wir 100% unseres Potenzials abrufen oder sogar ein bisschen mehr, können wir Umeå IK schlagen“, ist sich Lehmann sicher. „Und das gibt’s in Deutschland nicht, dass ein Team, das eher unten mitspielt, den Meister gefährden kann.“ Umeå kam erst in der Vorwoche beim 2:1-Erfolg bei Lehmanns Hammarby mit einem blauen Auge davon.

Hingst glaubt zwar nicht, dass die schwedischen Vereine ein höheres Budget haben, aber sie weist darauf hin, dass es in einigen Vereinen hauptamtliche Sportdirektoren gibt. „Frauenfußball hat einen höheren Status in Schweden. Unser Trainer Anders Johansson hat Frauenmannschaften trainiert, danach in der ersten Herrenliga bei Malmö FF gearbeitet und jetzt ist er wieder bei uns gelandet. Das wäre in Deutschland ziemlich undenkbar, wo viele Trainer den Frauenfußball eher als Sprungbrett in den Männerfußball sehen.“

Bessere Trainer Rebecca Smith, früher in Frankfurt und jetzt seit drei Jahren bei Sunnanå SK im hohen Norden Schwedens, glaubt auch, dass in Schweden mehr zusammengearbeitet wird zum Besten des Frauenfußballs. „Ich finde, dass die Unterstützung, die die Vereine vom Verband bekommen, sehr gut ist. In der Liga gibt es auch viele Kooperationen im Bereich Marketing. Und auch die Trainer arbeiten sehr viel zusammen.“ Diese Zusammenarbeit, das Austauschen von taktischen und trainingsbezogenen Tipps, bestätigt auch Hammarbys Trainer Anders Bengtsson. „Wenn man mal von den drei Topclubs in Deutschland absieht, ist das Trainerniveau wesentlich besser hier“, sagt Hingst.

Warum aber liegt Schweden auf Nationalmannschaftsebene, auch bei den Jugendteams, so deutlich hinter Deutschland? Lehmann ist sich sicher, dass die Stärke der Liga hier auch zur Schwäche wird. In der Saison 2008 spielen ca. 45 Ausländerinnen in der Liga – aus allen Kontinenten. Man denke nur an Joanna Lohmann (USA/Bälinge), Marta (Brasilien/Umeå IK), Perpetua Nkwocha (Nigeria/Sunnanå), Mami Yamaguchi (Japan/Umeå) oder Lisa De Vanna (Australien/AIK).

Ausländerproblematik „Viele Ausländerinnen haben in den Vereinen Schlüsselpositionen. In Deutschland spielen halt überall deutsche Frauen auf diesen Positionen“, sagt Lehmann. Die Damallsvenskan sorgt auch mehr für ihre Spielerinnen. Bei Djurgården gibt es für die Spielerinnen nicht nur ein Abendessen nach dem Training und einem Halbtags- oder Ganztagsjob, man kümmert sich auch um das Wohlergehen der Spielerinnen außerhalb des Fußballs.

Die Finnin Linda Sällström, die Elternhaus und Heimat mit 18 Richtung Stockholm verließ, erzählt lachend, dass ihr der Physiotherapeut des Vereins einen Hausbesuch abstattete und ihr Tipps für das Überleben im ersten eigenen Haushalt gab. Und Scasna meint: „Ich habe Deutschland und auch die USA ausprobiert, habe in Tschechien gespielt, aber was den Fußball angeht, habe ich mein Zuhause gefunden.“

Deutschland oder Schweden - welches Land hat die bessere Topliga?