25er-Olympia-Kader ohne Mittag und Grings, aber mit Rech

Von am 11. Juni 2008 – 10.46 Uhr 30 Kommentare

Für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft fängt am 26. Juni mit dem ersten Lehrgang die heiße Phase der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Peking an. Bundestrainer Silvia Neid hat dafür jetzt einen 25 Spielerinnen umfassenden Kader eingeladen, der vier Torfrauen und 21 Feldspielerinnen umfasst. Er muss noch auf 18 Spielerinnen reduziert werden.

Im Tor dürfen Alisa Vetterlein und Lisa Weiß erste Erfahrung sammeln, ein Fingerzeig auf die Zeit nach Olympia. Nicht mit im 25-er-Kader ist Bundesliga-Topstürmerin Inka Grings. Doch die Begründung für ihre Nicht-Nominierung überrascht.

„Ich kann Inka Grings nicht mehr berücksichtigen, da sie sich selbst von der Liste, der für die Olympischen Spiele in Frage kommenden Spielerinnen gestrichen hat. Sie hat nicht die für das China-Visum notwendigen Unterlagen eingereicht – und das trotz mehrfacher Aufforderung seitens des DFB. Außerdem war sie schon im Februar die einzige Spielerin, die nicht an der internistischen und an der orthopädischen Untersuchung für die Nationalmannschaft teilgenommen hat“, erklärt Silvia Neid.

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Mittag nur auf Abruf
Für den Sturm nominierte Neid neben der gesetzten Birgit Prinz das Frankfurter Trio Sandra Smisek, Conny Pohlers und Petra Wimbersky, dazu Martina Müller vom VfL Wolfsburg. „Deswegen steht Anja Mittag nur auf Abruf bereit“, so Neid.

Bewährte Defensive
In der Abwehr setzt Neid auf eine eingespielte Viererkette. Schon bei der WM 2007 bildeten Kerstin Stegemann, Annike Krahn, Ariane Hingst und Linda Bresonik den Abwehr-Verbund. „Erstes Kriterium bei der Auswahl ist natürlich die Leistung“, erklärt die DFB-Trainerin, „aber wir haben diesmal ein spezielles Augenmerk auf die Flexibilität der Spielerinnen gelegt. Da wir mit 18 Spielerinnen nur einen sehr kleinen Kader mitnehmen dürfen, ist es für uns wichtig, dass sie vielseitig einsetzbar sind.“ Diese Qualität bringen Navina Omilade und Babett Peter mit, die in der Innen- und Außenverteidigung, aber auch im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden können.

Rech statt Fuss und Zietz
Das Kriterium trifft aber auch auf Bianca Rech zu. Die Defensivspezialistin des FC Bayern München erhielt den Vorzug vor Sonja Fuss und Jennifer Zietz. „Das war eine schwere Entscheidung. Aber Bianca Rech spielt schon seit Wochen in sehr guter Form, insofern hat sie sich die Nominierung verdient“, erklärt Neid.

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Lingor auf gutem Weg
Im Mittelfeld hat die DFB-Trainerin in Renate Lingor, Simone Laudehr, Saskia Bartusiak, Lena Goeßling und Célia Okoyino da Mbabi fünf Kandidatinnen für die Position 6 berufen. „Renate Lingor ist nach der Schultereckgelenksprengung, die sie sich im Finale um den DFB-Pokal zugezogen hat, voll im Soll. Bei ihr kommt es jetzt darauf an, wie weit sie fußballspezifisch ist. Ich bin in diesem Punkt jedoch optimistisch, weil sie eine spielintelligente Spielerin ist. Außerdem wird sie weiterhin hart an sich arbeiten. Sie macht nicht wie die anderen Spielerinnen nach dem letzten Bundesliga-Spieltag für zehn Tage Urlaub, sondern wird in gruppentaktischer Hinsicht trainieren. Wir werden dann in den Lehrgängen sehen, ob es für sie reicht. Ich würde mich freuen, wenn sie es schafft, sie hat schließlich schon häufig genug bewiesen, wie wichtig sie für die Nationalmannschaft sein kann“, erklärt Neid.

Hoffen auf da Mbabi
Ähnlich sieht die Situation bei Célia Okoyino da Mbabi aus. „Sie befindet sich seit der Rückrunde wieder im Spielbetrieb. Allerdings hatte sie in jüngster Vergangenheit noch ein paar Probleme durch den Nagel und die Schrauben, die ihr nach dem Schienbeinbruch im Frühjahr des vergangenen Jahres noch nicht entfernt wurden. Wir haben sie deswegen durch unseren Mannschaftsarzt Dr. Bernd Lasarzewski in der Sportklinik Hellersen durchchecken lassen und auch unser Konditionstrainer Dr. Norbert Stein hat mit ihr intensive Belastungstests gemacht. Beide Male fielen die Ergebnisse sehr positiv aus. Jetzt müssen wir schauen, ob sie das auch fußballspezifisch umsetzen kann oder ob sie verletzungsanfällig ist“, berichtet Neid, die für die Außenpositionen im Mittelfeld Kerstin Garefrekes, Isabell Bachor, Melanie Behringer und Fatmire Bajramaj vorgesehen hat.

Start der Vorbereitung am 26. Juni
Die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele beginnt am 26. Juni. Vier Lehrgänge wird Silvia Neid mit ihrer Mannschaft absolvieren, ehe der DFB-Tross am 30. Juli in Richtung Shenyang aufbrechen wird. Im ersten Lehrgang werden Athletik und Passspiel die Schwerpunkte sein. Im zweiten Trainingslager wird das Abwehrverhalten trainiert. Die Überschrift für den dritten Lehrgang heißt „Spielaufbau“. Und im vierten und letzten Lehrgang gilt es den Feinschliff für den Angriff vorzunehmen und Standardsituationen einzustudieren.

Zwei Länderspiele
Zudem stehen zwei Länderspiele an. Am 17. Juli trifft die DFB-Auswahl in Unterhaching auf England (18.00 Uhr, live in der ARD). Und am 23. Juli findet für den amtierenden Welt- und Europameister in Sandefjord gegen Norwegen (18.00 Uhr, live in der ARD) die Generalprobe für Olympia statt.

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

30 Kommentare »

  • Idgie-Jonsi-Fan sagt:

    @Detlef: Wenn du Bundestrainerin wärst, 😉 hätten wir noch keinen einzigen Titel geholt und würden auch NIE einen holen!!!!!!!!!!!!!!!! Geh doch mal zum Herrenfussball – da brauchen sie solche wie dich… ;-))))

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  • ViolA sagt:

    na das ist nun ein bisschen unfair das auf stege zu schieben, detlef, denn das ist sicherlich nicht ihre schuld. da wir eh hinten links in der 4er-kette ein problem haben, könnte man sie auch da ausprobieren, aber das tut frau neid nicht, bzw nur selten (ich meine sonja dort schon häufiger spielen gesehen zu haben). sie wird wohl ihren grund haben, wieso sie sie dort nicht spielen läßt und stattdessen lieber eine linda nach hinten reinstellt die ich eher ins mittelfeld packen würde.
    das jay gut ist weiß ich durchaus auch. 😉
    und connys ecken sind okay aber nicht herrausragend. ist aber auch nicht schlimm. meiner meinung nach hat conny einfach andere stärken.

    was du bei dem ganzen ein bisschen vergisst ist glaube ich das drumherum. es gilt nicht nur spielerisch auf dem platz hervorragend zu sein, sondern es gilt auch das thema führungsperson mit koordinationsfähigkeiten und dazu einer großen portion erfahrung. die sehe ich bei stege klar gegeben (immerhin die spielerin mit nur 1-2 länderspielen weniger als birgit und weit mehr als der rest). und wenn ich mir angucke dass sonja dieses jahr 30 wird… ich denke, da wird silvia neid eher eine neue und junge einsetzen. so wie sie das mit annike getan hat. so wie ich auch davon ausgehe, dass babett über kurz oder lang hinten links oder rechts spielen wird. vielleicht auch eine jenny. aber für beide ist es noch zu früh um stammspielerin zu werden (hatten wir ja letztens erst, gell? ;)). sie haben aber trotzdem beide ihre zukunft noch vor sich.

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  • Crackfly sagt:

    Ich sehe Stege zwar nicht mehr als so stark wie vor ein paar Jahren, aber man kann sie dennoch nicht anfechten. Die Stärke von Stege und KG, bzw. die Kombination der beiden ist wirklich überragend und einzigartig im Frauenfußball! Und dies soll auf der linken Seite auch der Fall sein, deshalb spielt Linda auf der Seite (hat sich übrigens mit Lira dort sehr gut verstanden, wie ich finde).

    @ViolA:
    Wenn du damit sagen willst, dass Annike fehl am Platz ist, wegen der einen Sache, dann kann ich dir gute Gegenargumente bringen 😉 Ich denke, Annike ist zwar manchmal sehr unbeholfen, aber wie ich schon so oft sagte: sie ist immer zur rechten Zeit, am rechten Ort. Bestes Beispiel war das Ball weg hauen nach dem Verschossenen 11m von Marta! Und wie oft hat sie nicht schon bei Steges Gegenspielerin ausgeholfen, als sie nicht da war. Mal abgesehen davon steht die Stammabwehr (bis auf linksaussen) nicht zur Debatte. Eher das Mittelfeld!

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  • ViolA sagt:

    oh nein, dass wollte ich damit ganz und gar nicht sagen, crackfly. sei beruhigt, ich bin absolut begeistert von annike. sie ist eine herrausragende spielerin und ich finde es bemerkenswert dass sie bereits in diesem alter sowohl eine stammspielerin in der natio ist als auch eine führungspersönlichkeit. auch ihre zweikampfstärke und ihr talent immer zur rechten zeit am rechten ort zu stehen ist beachtlich.
    ich wollte vielmehr ausdrücken, dass unsere minimalen abwehrprobleme nicht an stege allein liegen sondern dann oft ein verständigungsproblem oder auf einem individuellen fehler gründen. aber eigentlich müssen wir uns da gar keine grauen haare wachsen lassen. wir haben mit die beste abwehr die irgendeine frauen-natio vorzuweisen hat. wir können uns also nicht beklagen 😉

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  • Detlef sagt:

    @ViolA,
    wer sagt Dir denn, dass ich Stege die Schuld dafür gebe???
    Natürlich harmonieren Stege und KG recht gut zusammen!!! Aber ich bleibe bei meiner Behauptung, dass Stege zu langsam für ihr momentanes Abwehrverhalten ist!!!

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  • ViolA sagt:

    mein fehler, ich hatte es so verstanden.
    mal ne andere frage… meinst du, dass eine sonja so offensiv nach vorne spielen würde, wie das stege tut?

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  • Crackfly sagt:

    Wenn Sonja gesagt bekommt, und wenn sie so harmoniert (was mit Simone, oder Lira auf der linken Aussenbahn möglich ist) wie Stege und KG, dann mit Sicherheit!

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  • ViolA sagt:

    freuen würde es mich für sie. und wenn man dann eine alternative hat ist das auf jeden fall super. wobei ich mich da gerade frage wieso man dann nicht stege normal rechts laufen läßt und sonja links – jeweils mit kg und lira eben. sollte doch super laufen.

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  • Svenja sagt:

    Ausfall für Peking: Wimbersky sagt für Olympische Spiele ab

    „Petra Wimbersky vom deutschen Meister 1. FFC Frankfurt hat ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking (8. bis 24. August) abgesagt. Die 25-Jährige muss sich in der kommenden Woche einer Arthroskopie im Knie unterziehen.

    Im Anschluss wird die Spielerin nach Angaben des Frankfurter Vereinsarztes zwei bis drei Monate ausfallen. Wimbersky, die im erweiterten 25-köpfigen Olympia-Kader der deutschen Frauen-Nationalmannschaft stand, hatte sich die Verletzung im Training zugezogen.

    DFB-Trainerin Silvia Neid hat nach der Absage von Wimbersky reagiert und Anja Mittag (Turbine Potsdam) in das vorläufige Aufgebot berufen. Die 23 Jahre alte Angreiferin absolvierte bisher 44 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft, dabei erzielte sie fünf Tore.“

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  • Detlef sagt:

    Ich kenne SONJA noch von TURBINE, und von ihren Auftritten bei Brauweiler und Duisburg!!!
    Dort hatte sie eigentlich immer ihre Freiheiten nach vorne zu stürmen!!!
    Ob sie die auch bei Frau Bundestrainerin hat, weiss ich nicht!!!

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