Frankfurt lässt die Muskeln spielen
„Ich bin sprachlos, weil meine Elf in der ersten Halbzeit das Beste gezeigt hat, was der Frauenfußball in der Bundesliga jemals zu bieten hatte“, so ein überschwänglicher Dr. Hans-Jürgen Tritschoks, scheidender Trainer des 1. FFC Frankfurt, nach dem souverän heraus gespielten 4:0 (2:0)-Sieg gegen den 1. FFC Turbine Potsdam.
Und Tritschoks stand mit dieser Einschätzung nicht alleine da, auch Torhüterin Silke Rottenberg konnte sich kaum erinnern, dass ihre Mitspielerinnen jemals derart aus einem Guss spielten, wie sie das vor allem in der ersten Halbzeit taten. „Da war ein Klassenunterschied zu sehen“, goss Tritschoks Öl in die offene Turbine-Wunde.
Highlights des Spiels im DFB-TV „Mein einziger Vorwurf ist, dass wir unsere Chancen nicht noch besser genutzt haben.“ Und so werden die Frankfurterinnen nach der gelungenen Generalprobe am kommenden Donnerstag frohen Mutes das Flugzeug nach Umeå besteigen, wo am Samstag das erste UEFA-Pokal-Finale ausgetragen wird.
Vor 3.120 Zuschauern eröffnete Birgit Prinz nach Vorlage von Kerstin Garefrekes nach neun Minuten das Offensivfeuerwerk, doch Potsdams Torhüterin Desiree Schumann war auf der Hut. Nur zwei Minuten später ging Prinz im Mittelfeld auf und davon, U19-Nationalspielerin Carolin Schiewe wusste sich nur noch mit einer Notbremse zu helfen und sah zur Verwunderung aller Zuschauer nur die Gelbe Karte.
Starke Leistung von Garefrekes und Krieger Doch die starke Garefrekes, die nach ihrer Verletzungspause immer besser in Schwung kommt, sorgte kurz darauf für die Führung, als sie zunächst drei Gegnerinnen umspielte und dann einen Abpraller ins Netz bugsierte (11.).
Und nun lief der FFC-Motor immer flüssiger. Garefrekes, Petra Wimbersky und die im Mittelfeld überzeugende Alexandra Krieger ließen beste Möglichkeiten aus. Schiewe sah nach 33 Minuten dann nach Foul an Garefrekes die Gelb-Rote Karte, was die Frankfurterinnen sofort zu nutzen wussten.
Traumtor von Wimbersky Wimbersky fackelte nicht lange und schoss den Ball von der Strafraumgrenze in den Winkel zum 2:0 (34.). „Das kann von mir aus gerne in die Auswahl zum Tor des Monats kommen“, so die Potsdamerin lachend über den Treffer gegen ihren früheren Verein.
Von Müdigkeit und Überlastung war in den Frankfurter Reihen keine Spur mehr, die reduzierte Belastung im Training trug Früchte. Flüssig lief das Kombinationsspiel und Krieger hätte nach Vorarbeit die Führung fast noch vor der Pause ausgebaut, der Außenpfosten stand jedoch im Weg.
Pohlers im Pech Turbine hatte die erste gute Chance nach der Pause, doch der Kopfball von Isabell Kerschowski wurde sichere Beute von Silke Rottenberg, die sonst nicht allzu viel zu tun bekam. Nach schöner Vorarbeit von Krieger traf die fleißige, aber dank Bewachung von Aferdita Kameraj nur selten zur Entfaltung kommende Conny Pohlers nur den Pfosten (66.).
Besser machte es dann Birgit Prinz: Nach einem schönen Solo über links bezwang sie Schumann mit einem trockenen Flachschuss (68.), sechs Minuten später gelang ihr per Elfmeter der 18. Saisontreffer (74.). Bianca Schmidt hatte zuvor etwas ungeschickt Garefrekes zu Fall gebracht.
Umeå im Blickfeld „Eine tolle Leistung und ein Riesenkompliment an meine Mannschaft, wir haben uns gemeinsam aus dem Loch herausgezogen“, so das Fazit von Tritschoks. Und FFC-Manager Siegfried Dietrich ergänzte: „Jetzt können wir uns sportlich auf die beiden Spiele des Jahres konzentrieren.“