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2008

Dodos Ballzauber

Nairobi - Im Märchensommer 2006 streckte sie als erste afrikanische Fußballfrau einen Weltmeister-Pokal in den Berliner Himmel. Doreen „Dodo“ Nabwire, heute 21, hatte mit ihren männlichen Kollegen aus Kenia überglücklich den Weltpokal der Straßenfußballer gewonnen .

Aufgefallen war die Lady mit den Rastalocken durch elegante Balltechnik, Übersicht und ihren harten Schuss, aber auch durch ihre angenehme Ausstrahlung, charmante Zurückhaltung und ehrliche Art.

In Kenias TV-Sendungen wird Doreen als weibliches Sportidol präsentiert, in Zeitschriften wie „True Love“ als Pop-Ikone aufgebaut. Im November 2007 hob sie die FIFA dann auf die Weltbühne, nutzte die sympathisch wirkende Mittelfeldregisseurin bei der Auslosung zur WM 2010 in Südafrika als Botschafterin für „Football for Hope“ .

In Durban präsentierte sie das Sozialprogramm der FIFA für die ärmeren Regionen Afrikas. Und sie loste sie an der Seite von George Weah und Abedi Pele die Qualifikationsgruppen zur ersten WM in Afrika aus. Dort zog sie mehr Aufmerksamkeit auf sich als die Weltstars. Von der Glitzerwelt zurück in die Wirklichkeit: Zuhause in Kenia lebt Doreen mit Eltern und drei Geschwistern in einem Armenviertel am Rande Nairobis.

Dort engagiert sie sich bei der Mathare Youth Soccer Association (MYSA). In diesem größten afrikanischen Fußballprojekt kicken 17.000 Jugendliche in den Slums und lernen dabei soziales Verhalten und Verantwortung für die Umwelt. Zweimal war MYSA zum Nobelfriedenspreis nominiert. Doreen tritt in Mathare nicht nur exzellent den Ball, sondern engagiert sich auch als Teamleader in der AIDS-Prävention des Clubs. Sie gibt spielerische Seminare, bei denen die Jugendlichen über HIV und Infektionsverhütung aufgeklärt werden.

Sportliche Zukunft ungewiss Obwohl sie seit ihrem 15.Lebensjahr im Nationalteam „Harambee Starlets“ spielt und Tore schießt, ist ihre sportliche Zukunft im Heimatland eher düster. Der kenianische Fußballverband ist zerstritten, verarmt und von Korruption gezeichnet. Eine Frauenliga gibt es nicht mehr und auch die Damen-Nationalelf hat schon seit fast zwei Jahren nicht mehr gespielt. Doch Doreen gibt nicht auf.

Sie trainiert an der Deutschen Schule Nairobi ein Jungenteam und finanziert von ihrem Honorar ihren College-Besuch. Am Goethe-Institut büffelt sie zudem täglich eifrig Deutsch. „Meine Zukunft liegt nicht in Kenia“, ist sie sicher und liebäugelt mit Vereinen der Bundesliga. Bald will sie dort bei Clubs anklopfen und auch 2011 bei der Frauen-WM in Deutschland sein - „als Spielerin oder Zuschauerin“, wie sie mit einem Lächeln sagt.

Stoff für mehr als einen Film Über Doreens Leben zwischen Wellblech und Weltbühne entsteht derzeit eine Filmdokumentation. Und „Dodo“ schreibt fleißig an einem Buch über ihre Erfahrungen mit Traditionen und Träumen, Korruption und Armut, mit Ballzauber und Hexenwahn. Zum ersten Mal Einblicke in den harten Alltag einer jungen Fußballerin Afrikas. Stoff für mehr als nur neunzig Minuten!