Prinz und Pohlers kritisieren Pokalfinale in Berlin

Von am 20. April 2008 – 11.10 Uhr 21 Kommentare

Conny Pohlers und Birgit PrinzDer Beitrag „Das Pokalfinale muss weg aus Berlin“, indem ich am Freitag dargelegt habe, warum meiner Meinung nach das DFB-Pokalfinale der Frauen zum Wohle des Frauenfußballs an einem anderen Standort ausgetragen werden sollte, ist auf breite Resonanz gestoßen, wie Eure zahlreichen Kommentare belegen.

Seit gestern hat das Thema eine neue Dimension erhalten, denn erstmals äußerten sich auch einige der Top-Spielerinnen kritisch zum Austragungsort, nachdem die traurige Geisterkulisse von zu Beginn rund 3.000 Zuschauern beim DFB-Pokalfinale zwischen dem 1. FFC Frankfurt und dem 1. FC Saarbrücken auch den Akteurinnen auf dem Rasen nicht mehr verborgen blieb.

Und so machten keine Geringeren als die dreifache Weltfußballerin Birgit Prinz und ihre Teamkollegin Conny Pohlers ihrem Ärger unverhohlen Luft.

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Trotz des neuerlichen Pokalsiegs wirkte Prinz direkt nach Spielende angefressen. In ihrer ungekünstelten Art machte sie klar, dass für sie in ihrem bereits elften DFB-Pokalfinale der Reiz des Berliner Olympiastadions als Austragungsstätte seine Wirkung inzwischen verfehlt.

Schelte von Birgit Prinz
„Mir ist ein gut besuchtes Länderspiel lieber“, raunzte sie einer Handvoll Medienvertretern in den Katakomben des Berliner Olympiastadions entgegen, auch auf die Pressekonferenz hatte sie keine rechte Lust, so dass dort schließlich Tina Wunderlich und Conny Pohlers einspringen mussten.

Dass andere das Spiel gerne weiterhin als Doppelveranstaltung sehen würden, kommentierte Prinz mit den Worten: „Es gibt immer mehrere Meinungen.“ Und sie bekam nur wenige Minuten später Rückendeckung von einer Teamkollegin. „Ich stimme Birgit da voll und ganz zu. Ich würde auch lieber in einem kleineren Stadion spielen mit Fans, die für uns da sind“, so die zweifache Torschützin Conny Pohlers.

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Wirtschaftliche Abwägungen
Doch vor allem aus wirtschaftlichen Gründen ist ein Weggang aus Berlin umstritten. Die beiden Finalisten erhalten jeweils 70.000 Euro aus TV-Einnahmen. Eine Menge Geld für einen Frauenfußball-Bundesligisten. „Man muss dann einfach in Kauf nehmen, dass nicht so viele echte Fans da sind“, meint FFC-Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks, der glaubt, dass bei einem separaten Pokalfinale das Interesse des Fernsehens erlahmen könnte.

„Dann würde das Spiel vielleicht nur noch im Regionalprogramm übertragen werden“, so die Befürchtung Tritschoks. Doch abgesehen von ökonomischen Aspekten meint er: „Sportlich würde ich zu einem eigenständigen Finale sofort ja sagen.“ Auch FFC-Manager Siegfried Dietrich räumt ein: „Uns steht nur ein kleines Kartenkontingent zur Verfügung.“ 1.250 Tickets erhielt jeder der beiden Finalisten, so dass nur ein Bruchteil der Fans beider Vereine seinem Team vor Ort die Daumen drücken kann.

DFB hält sich bedeckt
Eine ganze Menge Gründe sprechen inzwischen für ein eigenständiges Pokalfinale, doch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) steht man den Umzugsgedanken derzeit (noch) eher skeptisch gegenüber. Hannelore Ratzeburg, DFB-Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball, erklärt gegenüber Womensoccer.de: „Wir haben das Thema mit den Bundesligavereinen ja bereits diskutiert, aber man hält einen Umzug für verfrüht. Die Spielerinnen fahren gerne nach Berlin und in anderen europäischen Ländern beneidet man uns um diese Doppelveranstaltung. Und auch in den Familien hat es Tradition, dass man gemeinsam vor dem Fernseher das Frauenfinale und das Männerfinale anschaut. Wir hoffen auch, dass die Leute in den Stadien die Eintrittskarte für beide Spiele nutzen, aber wir können niemanden zwingen“, so Ratzeburg.

Ein eigener Austragungstermin würde möglicherweise mit anderen sportlichen Großereignissen kollidieren, so die Befürchtung Ratzeburgs. Zudem müssten die Medien erst für eine derartige Idee begeistert werden. „Hier sind diese bereits in einer Fülle vorhanden, woanders müssten sie erst einmal extra hinfahren.“

Eigenständiges Pokalfinale als Option für die Zukunft?
Doch auch sie räumt ein: „Wir verschließen uns nicht vor neuen Entwicklungen. Wenn alle irgendwann der Meinung sind, die Zeit ist reif, wir einen Gastgeber mit einem adäquaten Stadion finden und es schaffen, die Medien an Bord zu holen, ist ein eigenes Frauen-Pokalfinale schon denkbar, nichts ist unmöglich.“ Doch ihrer Meinung nach will der Schritt gut überlegt sein. „Denn dann gäbe es kein Zurück mehr.“

Dass es auch anders geht zeigt das Beispiel England. Dort kamen im vergangenen Jahr zum separat durchgeführten Frauen-Pokalfinale in Nottingham 24.000 Zuschauer. Und auch für das diesjährige Finale in Nottingham am 5. Mai wurden im Vorverkauf bereits wieder mehr als 10.000 Tickets abgesetzt. „Dort ist man aber auch weiter mit dem Frauenfußball“, so die überraschende Einschätzung Tritschoks.

[Poll=87]

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

21 Kommentare »

  • Markus Juchem sagt:

    Oh, sorry, da hatte ich mich wohl wegen 2005 und 2006 verschaut. Hier gibt’s Details zu den Finalspielen:

    Es ist auf jeden Fall ein ganz klarer Trend erkennbar und der Zuschauerspruch ist wirklich außerordentlich, Feiertag hin oder her.

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