Ohrfeige für Schweizer Frauenfußball
Gerne rühmt man sich in der Schweiz, welch rasante Entwicklung der Frauenfußball in den vergangenen Jahren im Land genommen hat. Im vorigen November wurde die neunjährige Sunniva Flück vom FC Rot-Schwarz Thun zur 20.000 Fußballerin in der Schweiz mit einer Lizenz, 20 Jahre zuvor waren es derer nur 2.400.
Und auch international sorgen Schweizer Fußballerinnen inzwischen für Furore, wie etwa die 17-jährige Ramona Bachmann beim schwedischen UEFA-Pokal-Halbfinalisten Umeå IK. Auch die Frauenfußball-Nationalmannschaft macht nach und nach an Boden gut.
Doch wie weit der Frauenfußball in der Schweiz noch von breiter Akzeptanz entfernt ist, zeigt die Entscheidung, das Pokalfinale im Frauenfußball zu verschieben und somit vom Männerfinale zu trennen, „um eine reguläre Durchführung des Männer-Endspiels zu garantieren“, wie es auf der offiziellen Website des Schweizer Fussballverbands (SFV) heißt .
Der miserable Zustand des Rasens im Baseler St. Jakob-Park sowie die schlechten Wetteraussichten hätten die Verantwortlichen zu diesem Schritt gezwungen. Eine blanke Ohrfeige für alle in der Schweiz am Frauenfußball beteiligten Akteure.
Finalisten sprachlos Vertreter der beiden Vereine FFC Schwerzenbach und FFC Bern hielten die Nachricht zunächst für einen Aprilscherz. „Sie waren sprachlos“, so Béatrice von Siebenthal, verantwortlich für Mädchen und Frauenfußball im SFV. Somit wird den Schweizer Fußballdamen die Chance geraubt, einen der seltenen Momente zu nutzen und sich vor einem breiten Publikum zu präsentieren .
Unverständliche Entscheidung Warum verzichtet man freiwillig auf diese Art der Promotion, wenn doch der Frauenfußball gefördert werden soll? Ist der Rasen wirklich in einem derart schlechten Zustand, hätte konsequenterweise auch das Männerfinale verlegt werden müssen. „Für mich ist der Entscheid unverständlich. Aber meine Meinung hatte scheinbar kein Gewicht “, nimmt Siebenthal kein Blatt vor den Mund.
Der SFV „bedauert“ die Entscheidung und will nun einen „würdigen Rahmen“ für die Neuaustragung finden. Viele Gelegenheiten dazu gibt es nicht. In Frage kommen möglicherweise zwei Test-Länderspiele, die die Schweizer Männer-Nationalmannschaft vor der EURO 2008 noch bestreiten wird, am 24. Mai in Lugano gegen die Slowakei und am 30. Mai in St. Gallen gegen Liechtenstein. Ein fader Beigeschmack bleibt.