Frauenfußball: Professionalisierung mit Tücken
Seitdem der Fußball-Weltverband (FIFA) am 30. Oktober des vergangenen Jahres Deutschland den Zuschlag zur Ausrichtung der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 erteilte , hat im deutschen Frauenfußball eine neue Zeitrechnung begonnen. Von der wachsenden Beliebtheit des Frauenfußballs will bis 2011 jeder profitieren und ein Stück vom Kuchen abbekommen.
Fieberhaft bemühen sich potenzielle WM-Städte , Vereine, Spielerinnen und Trainer mehr oder weniger systematisch darum, sich für die Herausforderungen der nächsten Jahre zu wappnen. Während die Bewerber als WM-Spielort hinter den Kulissen seit Monaten Lobbyarbeit betreiben, um vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) den Zuschlag als einer der heiß begehrten Spielorte zu erhalten, hat darüber hinaus bei einigen Vereinen der ersten und zweiten Frauenfußball-Bundesliga sowie Spielerinnen und Trainern ein Umdenkprozess eingesetzt.
Und so bot die Winterpause einen ersten Vorgeschmack darauf, was in den kommenden Jahren noch zu erwarten ist: Die Professionalisierung des Frauenfußballs wird nicht geräuschlos vonstatten gehen.
Frankfurt setzt weiter auf Dietrich
Beim Meister 1. FFC Frankfurt hat man die Weichen für die nächsten Jahre gestellt und den Vertrag mit Manager Siegfried Dietrich und dessen Vermarktungsagentur SIDI-Sportmanagement bis zur Saison 2011/2012 verlängert . „Wir haben noch viel vor und mit der Vertragsverlängerung möchte ich signalisieren, dass ich es auch langfristig als große Herausforderung sehe, (…) an der sportlichen Weiterentwicklung und der unternehmerischen Ausgestaltung unseres Vereins zu arbeiten.“
Das Bewusstsein, dass auch im Frauenfußball die Vereine in Zukunft wie kleine bis mittelständische Unternehmen zu führen sein werden, will man sich auch in verschärfter Wettbewerbssituation behaupten, setzt sich auch an anderen Orten nach und nach durch.
Personalkarussell dreht sich in Duisburg
Vizemeister FCR 2001 Duisburg will mit der Einführung eines sportlichen Leiters nach dem Vorbild von Werder Bremen seinem Verein eine professionellere Struktur verpassen und den gewachsenen Anforderungen Rechnung tragen. Die ehemalige Nationalspielerin Martina Voss war ursprünglich für diese Rolle vorgesehen, doch nach dem Rücktritt von Trainer Thomas Obliers ist eine völlig neue Situation entstanden. Der hatte im vergangenen Herbst ein eigenes sportliches Konzept vorgelegt und nach Bekanntwerden der Pläne mit Voss den Rückzug angetreten.
Voss wird möglicherweise den Posten als Cheftrainerin vorziehen , denn für dieses Amt müsste sie ihre bestehenden Tätigkeiten als Verbandstrainerin Niederrhein und Chefredakteurin des FF-Magazins nicht unbedingt aufgeben. „Ich muss die Situation neu überdenken“, sagt Voss. Ein erster Fingerzeig. Es wäre also keine Überraschung, wenn sich der Verein auf die Suche nach einem anderen sportlichen Leiter begeben müsste.
Sportlich arbeitet man bereits am Team der Zukunft. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die zweifache Weltmeisterin Linda Bresonik, die noch vor der WM in China ihre Verbundenheit zur SG Essen-Schönebeck zum Ausdruck gebracht hatte, zum Ruhrpottnachbarn wechseln wird. Dem sie offenbar eher zutraut, in den kommenden Jahren im Konzert der Großen mitzuspielen.
Schlafender Riese im Süden?
Auch im Süden ist einiges in Bewegung geraten. „Wir haben die Bedeutung des Frauenfußballs erkannt“, so der bei Bayern München für Frauenfußball zuständige Abteilungsleiter Werner Kern. Der frühere Crailsheimer Trainer Günther Wörle wurde verpflichtet , er soll die von Sissy Raith begonnene Arbeit fortführen, die hauptberuflich zum Bayerischen Fußballverband (BFV) wechselt. Sie wird sich in ihrer neuen Funktion um die Talentförderung kümmern und damit perspektivisch nicht nur den diversen Auswahlteams und Junioren-Nationalmannschaften neue Talente zuführen, sondern auch Bayern München.
Auch in der zweiten Liga ist die Beschaulichkeit vergangener Tage vorüber. So wurde Günter Rommel als Trainer beim Tabellenzweiten VfL Sindelfingen wegen zu hoher Ansprüche entlassen. Begründung: „Er nimmt keine Rücksicht auf die Gegebenheiten, die wir hier in Sindelfingen haben“, so Abteilungsleiter Siegfried Althaus. Zudem habe er gerade die jungen Spielerinnen zu hart angepackt.
Und so darf man gespannt sein, welcher Verein auf dem steinigen Weg der Professionalisierung als nächstes Schlagzeilen schreiben wird.