UEFA-Cup: Ab heute ist der Titel für Arsenal "weg"
Das Jahr 2007 war ohne jeden Zweifel das bisher erfolgreichste in der Geschichte des englischen Frauenfußballs. Die Nationalmannschaft erreichte bei ihrem zweiten Auftritt auf der großen WM-Bühne das Viertelfinale . Den Paukenschlag schlechthin landete aber der nationale Serienmeister Arsenal LFC , als er den schwedischen Ligaprimus Umeå IK aus den Titelträumen riss und fast schon sensationell als erstes nicht-skandinavisches und nicht-deutsches Team die höchste europäische Vereinstrophäe einheimste.
Ab heute nun, da in vier Gruppen mit je vier Mannschaften die 2. Runde des UEFA-Cups beginnt, in der auch die fünf gesetzten Mannschaften - darunter Titelverteidiger Arsenal, Vorjahresfinalist UIK und ebenso der Deutsche Meister 1. FFC Frankfurt ( siehe Vorschau “deutsche Gruppe” ) - in den Wettbewerb einsteigen, werden die Zeiger auf Null gestellt. “Als wir nach China gekommen sind, hatten wir den Titel erstmal verloren”, meinte Bundestrainerin Silvia Neid nach dem - neu gewonnenen - WM-Titel. Das gilt nun auch für Arsenal. Das Rennen ist eröffnet. Ein Ausblick.
Das Prozedere ist so bekannt wie einfach. Der Gruppenerste und -zweite qualifizieren sich für das Viertelfinale im November (siehe Übersicht unten). Das zu erreichen, ist in der einen Gruppe leichter, in der anderen schwerer. Besonders knifflig und bis zum dritten und letzten Spieltag hochspannend, verspricht Gruppe D zu werden.
Zwei Halbfinalisten in einer Gruppe
Dort kämpfen der dänische Meister Brøndby IF, der norwegische Meister Kolbotn IL - beide Halbfinalisten der letzten Saison -, der hochambitionierte französische Meister Olympique Lyonnais und als Underdog der tschechische Meister Sparta Prag um die zwei Viertelfinal-Tickets. Für mindestens ein Team, das durchaus mit dem Halbfinale oder mehr plant, wird bereits am Dienstag die UEFA-Cup-Saison 2007/2008 zu Ende sein.
Gastgeber Olympique Lyonnais will das auf keinen Fall sein. Präsident Jean-Michel Aulas kündigte nämlich noch während der Meisterfeierlichkeiten in diesem Jahr an: “Wir bauen eine Mannschaft auf, die mit dem Ziel in den UEFA-Cup geht, ihn zu gewinnen.” Hat da jemand den Mund zu voll genommen oder ist das realistisch? Dass die Gruppe so stark besetzt ist, wird helfen, das schon bald herauszufinden.
Olympique Lyonnais mit starkem Kader
Zumindest der Kader ist mehr als namhaft besetzt. Erst verpflichtete man vor einem Jahr mit den Nationalspielerinnen Sonia Bompastor, Camille Abily und Hoda Lattaf gleich drei Führungsspielerinnen vom Mitkonkurrenten Montpellier HSC, zuletzt stießen auch noch die Nachwuchshoffnungen Elodie Thomis und Louisa Necib, ebenfalls A-Nationalspielerinnen, hinzu. Laura Georges, regelmäßig für die Weltfußballerinnen-Wahl nominiert, beendete ihren USA-Aufenthalt und schnürt nun auch in Lyon ihre Fußballschuhe.
Die skandinavischen Vertreter aus Kopenhagen und Oslo wollen beide an den Vorjahreserfolg anknüpfen. Für die Spielerinnen aus dem Land des WM-Vierten Norwegen - ein Wiedersehen gibt es u.a. mit Solveig Gulbrandsen, Camilla Huse und Isabell Herlovsen - bedeutet dies auch, neues Selbstvertrauen für die Liga zu tanken. Am Sonntag musste man eine bittere Niederlage bei Klepp IL einstecken und liegt nun bei noch drei ausstehenden Spielen drei Punkte hinter Røa IL Oslo, sodass es am letzten Spieltag zum Showdown kommen wird.
Der dänische Meister um Topstar Cathrine Paaske Sørensen warf im vergangenen Jahr Turbine Potsdam aus dem Wettbewerb und erreichte zum zweiten Mal nach 2004 das Halbfinale. Um das zu erreichen, wäre ein erster Platz in der eigenen Gruppe sehr von Vorteil. Denn als Zweiter träfe man im Halbfinale auf den Ersten der Gruppe A - wahrscheinlich Arsenal LFC.
Arsenal mit vergleichsweise leichter Gruppe
Der mit zahlreichen Nationalspielerinnen besetzte Titelverteidiger, der nach der WM in de nationalen Wettbewerben weiter souverän seine Kreise zog, sollte nach der Papierform in seiner Gruppe vergleichsweise leichtes Spiel haben. Auf ihn warten der kasachische Meister Alma KTZH, dessen Weiterkommen eine große Überraschung wäre, der italienische Meister ASD Bardolino Verona um Top-Stürmerin Patrizia Panico und der österreichische Meister SV Neulengbach . Bis auf Arsenal hat noch keiner dieser Clubs je das Viertelfinale erreicht.
Die Österreicherinnen um die brasilianische Vizeweltmeisterin Rosana werden sich dabei vor allem mit Bardolino Verona auseinandersetzen müssen, die in der 1. Runde ohne Gegentor blieben. 2005 stand man sich schon einmal gegenüber und trennte sich mit 0:0. Gleich heute um 14 Uhr könnte also eine Vorentscheidung fallen.
Wer wird Zweiter hinter Umeå?
Vorjahresfinalist Umeå IK sieht sich in Gruppe B der Konkurrenz aus Russland, Weißrussland und Rumänien gegenüber. In der Liga stehen die zweifachen Titelträgerinnen mit neun Punkten Vorsprung auf Djurgården IF nur formal noch nicht sicher als Meister fest (und wären damit auch im kommenden UEFA-Cup-Jahr dabei), und auch diese Pokalrunde sollte kein Stolperstein sein. Schließlich hat man auch vor eigenem Publikum noch etwas gutzumachen, nachdem die Finalniederlage gegen die Engländerinnen einen kleiner Schock bedeutete.
Bleibt also aller Wahrscheinlichkeit nur ein Platz, um den sich WFC Rossiyanka aus Russland, CFF Clujana auf Rumänien und Universitet Vitebsk aus Weißrussland streiten. Die Rumäninnen qualifizierten sich als bester Gruppenzweiter in der 1. Runde und trotzten dabei immerhin Sparta Prag, das vom tschechischen Nationaltrainer Dušan Žovinec betreut wird, ein beachtliches Unentschieden ab. Seit 2003 haben sie alle Meisterschaften gewonnen und sind dreimal hintereinander Pokalsieger geworden. Dank des Rekordetats von 60.000 Euro soll nun im UEFA-Cup der nächste Schritt gemacht werden.
Doch vor allem auch Rossiyanka, das im Vorjahr nur an Arsenal und Brøndby scheiterte, und das weißrussische, studentisch geprägte Team von Universitet Vitebsk machen sich berechtigte Hoffnungen auf die nächste Runde. Beste Karten können dabei Rossiyanka eingeräumt werden, die dann ein möglicher Viertelfinalgegner des FFC Frankfurt wären - vorausgesetzt, die Hessinnen gewinnen ihre Gruppe, die wir in einem gesonderten Beitrag näher beleuchten.
Die vier Gruppen in der Übersicht:
Arsenal LFC (England) ASD CF Bardolino Verona (Italien) Alma KTZH (Kasachstan) SV Neulengbach (Österreich)
Umeå IK (Schweden) WFC Rossiyanka (Russland) CFF Clujana (Rumänien) Universitet Vitebsk (Weißrussland)
- FFC Frankfurt (Deutschland) KFC Rapide Wezemaal (Belgien) Valur Reykjavík (Island) Everton LFC (England)
Brøndby IF (Dänemark) Kolbotn IL (Norwegen) Olympique Lyonnais (Frankreich) AC Sparta Praha (Tschechien)
Die Viertelfinalansetzungen (fett hervorgehoben die Gruppe des 1. FFC Frankfurt):
Erster Gruppe A - Zweiter Gruppe D Erster Gruppe B - Zweiter Gruppe C Erster Gruppe C - Zweiter Gruppe B Erster Gruppe D - Zweiter Gruppe A
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