Chronik 2007 — 2019 8451 Beiträge 513 Transfers145 Vereine 540 Profile
WomenSoccer

2007

Frauenfußball: Auf leisen Sohlen aus der Nische

Der zweite WM-Gewinn der deutschen Nationalmannschaft in Folge hat offenbar das Interesse der Deutschen an einer regelmäßigen Berichterstattung über den Frauenfußball im Fernsehen wachsen lassen.

Nach einer vom „Spiegel“ in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage unter 1000 Befragten des Münchner Instituts TNS Forschung votierten 71 Prozent dafür, „dass zukünftig mehr Frauenfußball, zum Beispiel Bundesligaspiele, im deutschen Fernsehen gezeigt wird.“

Nur neun Prozent sprechen sich gegen eine Ausdehnung der Übertragungen aus, 20 Prozent antworteten, sie interessieren sich nicht für die Sportart. 76 Prozent der Männer wollen mehr Frauenfußball im Fernsehen sehen gegenüber 67 Prozent bei den Frauen.

Sicherlich sind die ermittelten Werte der in der Woche nach dem WM-Sieg durchgeführten Umfrage angesichts der rund um den Titel entstandenen Euphorie zu relativieren. Dennoch scheint sich der Trend zu verfestigen, dass dem Frauenfußball eine erhöhte Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird.

Erster Bundesligaspieltag nach WM ein Volltreffer

Das belegen auch die Zuschauerzahlen des ersten Bundesligaspieltags nach der WM. 9.418 Besucher verfolgten die sechs Spiele, ein Schnitt von 1.570 Zuschauer pro Spiel. Sicherlich eine Momentaufnahme, doch dennoch ein deutlich höherer Wert als nach dem WM-Sieg 2003. Damals kamen zum ersten Bundesligaspieltag nach dem Titelgewinn 4.232 Zuschauer in die Stadien, ein Schnitt von 705 Zuschauern. Und immerhin: Die ARD kam am vergangenen Wochenende gleich mit sechs Kameras zum Heimspiel der Frankfurterinnen gegen den HSV und berichtete sechs Minuten länger als je zuvor von einem Bundesligaspiel.

Der kontinuierliche, wenngleich moderate Aufschwung ist ungebremst. Auch die Erwartungshaltung für die Zukunft scheint im Jahr 2007 realistischer als damals im Jahr 2003, als die kühnsten Erwartungen geäußert wurden. Doch vor allem die Frauenfußball-Nationalmannschaft wird seit dem Titelgewinn vor vier Jahren mit größerem Interesse begleitet, was durch die guten Zuschauerzahlen bei den Länderspielen belegt wird. Das Sorgenkind Bundesliga hinkt bisher allerdings hinterher.

Bundesligavereine in der Pflicht

Einen Boom wird es auch diesmal nicht geben, dafür ist der sportliche Wert der Bundesliga nach wie vor nicht hoch genug. Schon nach drei Spieltagen haben sich Meister 1. FFC Frankfurt und Vizemeister FCR 2001 Duisburg ein Fünf-Punkte-Polster vor der Konkurrenz verschafft. „Wir können nur durch sportliche Leistungen Werbung für unseren Sport machen“, so die dreifache Weltfußballerin Birgit Prinz. „Damit mehr Spannung aufkommt, müssen sich andere Vereine mehr anstrengen“, nimmt sie die Bundesliga-Konkurrenz in die Pflicht.

Doch noch wegweisender für die Zukunft dürfte die Entscheidung über das WM-Ausrichterland 2011 sein, die am 30. Oktober in Zürich fällt. Erhält Favorit Deutschland den Zuschlag, stehen die Chancen gut, dass aus dem Frauenfußball mehr als nur eine Randsportart wird. Denn dann würde dem Frauenfußball in den kommenden vier Jahren grundsätzlich ein höheres Maß an Aufmerksamkeit von Sponsoren und in der veröffentlichen Meinung geschenkt werden. Und so würde sich nach und nach auch über die öffentliche Meinung verstärkt der Schleier der Akzeptanz legen.