Bundesliga geht weiter - für langfristigen Aufschwung braucht es den WM-Zuschlag
Wir schreiben die erste Woche nach dem WM-Titelgewinn von Shanghai , der erste Bundesliga-Spieltag im Land des Doppelweltmeisters steht morgen an. Dürfen sich heute wieder Schalke, Stuttgart oder Hertha über Zuschauerzahlen im hohen fünfstelligen Bereich freuen, während die Frauen-Bundesligisten morgen darauf hoffen, die Tausender-Marke zu überschreiten?
Sie dürfte morgen einfacher zu knacken sein, weil die erste Euphorie einige neue neugierige Zuschauer in die Stadien spülen wird. Das war 2003 nach dem ersten Titel auch so. Danach ebbte vieles wieder ab, einige aber blieben hängen. Der erste Schritt war gemacht.
Wie sieht es diesmal aus? Sind die Weltmeisterinnen eine Woche lang in den Medien präsent, berichten ARD und ZDF von der Bundesliga und eine Woche später ist alles vorbei? Diese Frage bewegt wohl alle Frauenfußball-Fans. Meine These: Es wird ähnlich laufen wie 2003. Ein nächster kleiner Schritt, kein Quantensprung. Für mehr braucht es den Zuschlag für die WM 2011.
Ein vollgepacktes TV-Wochenende ersetzt keine kontinuierliche Berichterstattung
Zugegeben, die Einschaltquoten waren brillant. Bis zu 11,53 Millionen Zuschauer wollten das WM-Finale gegen Brasilien sehen , 6,59 Millionen Zuschauer verfolgten auf ARD und ZDF den Empfang der Weltmeisterinnen am Frankfurter Römerberg. Jede TV-Übertragung von Frauenfußball-Ereignissen hilft, um die weiterhin vorhandenen Vorurteile abzubauen. Das geht nur über Kontakt, und das WM-Finale war sportlich die bestmögliche Werbung .
Doch für einen langfristigen Aufschwung, der sich nachhaltig in den Zuschauerzahlen niederschlägt, benötigt es kontinuierliche Berichterstattung. Ein den WM-Nachwehen zu verdankendes mit Frauenfußball vollgepacktes TV-Wochenende macht noch keinen Sommer. Der nächste Schritt wäre, die Topspiele in Pokal und Bundesliga regelmäßig in die großen Sportsendungen zu bringen. Das gelang zuletzt bereits vereinzelt - darauf zu stoßen, ist für den Allerwelts-Zuschauer aber immer noch Glückssache.
WM 2011 als Chance für den Quantensprung
Der Zuschlag für die WM 2011 - die FIFA entscheidet am 30. Oktober - könnte das ändern. Eine WM im eigenen Land wäre die Chance für den Quantensprung.
Denn es könnte keine bessere Konstellation als die derzeitige geben. Durch die WM-Erfolge 2003 und 2007 ist der Frauenfußball endgültig den Kinderschuhen entwachsen und zumindest auf Nationalmannschafts-Ebene ins öffentliche Bewusstsein gerückt.
Der Mädchenfußball boomt. Bei den Heimspielen der Nationalmannschaft in größere Stadien für 15.000 bis 20.000 Zuschauer zu gehen, ist längst kein Risiko mehr. Ein Heimspiel ausrichten zu dürfen, ist eine Ehre für die jeweilige Stadt. Auch im Zuge der WM-Bewerbung rissen sich mehr als 20 Städte darum, einen Teil vom Kuchen abzubekommen .
Schließlich ist jede Heim-WM, zumal in einer Sportart wie Fußball, auch immer ein Medienereignis, das sich weder ARD und ZDF entgehen lassen werden. Um vorherzusagen, dass im Vorlauf einer solchen Weltmeisterschaft auch die Frauenfußball-Bundesliga mehr Beachtung genießen wird, muss man kein Prophet sein.
Jeder, dessen Herz auch nur ein bisschen am Frauenfußball hängt, muss sich klarmachen, dass diese WM-Bewerbung eine möglicherweise einmalige Chance darstellt, dem Nischendasein zu entkommen. Überzogene Erwartungen wären auch hier fehl am Platze, aber nach zwei WM-Erfolgen, die viel für die Akzeptanz des Frauenfußballs gebracht haben, könnte der Zeitpunkt nicht günstiger sein.
Früchte der Arbeit können geerntet werden
Der Zuschlag wäre die verdiente Belohnung für die zahlreichen, engagierten Vorkämpfer für den Frauenfußball. Sie können nun die Früchte für ihre Arbeit ernten. Dass sich dabei auch solche im Erfolg sonnen würden, die dem Frauenfußball früher noch Steine in den Weg gelegt haben, gehört zum Geschäft. Diese Sonne aber würde diejenigen, die heute mit Frauenfußball immer noch nichts anfangen können (oder wollen), noch mehr in den Schatten stellen.
Lasst sie also aufgehen, die WM-Sonne über (Frauenfußball-)Deutschland. Damit auch die Bundesliga endlich die Beachtung erfährt, die sie sich verdient hat. Womensoccer.de wird beides verfolgen. Die Bundesliga und die Entscheidung am 30. Oktober in Zürich . Bleibt also dran, es stehen interessante Tage für den Frauenfußball an!
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