Pressestimmen zum WM-Finalsieg der DFB-Elf gegen Brasilien
Nach dem Finalsieg der deutschen Nationalmannschaft sprechen Anerkennung und Begeisterung aus den Presseberichten des heutigen Tages. Das spannende Finalspiel wird einhellig als hervorragende Werbung für den Frauenfußball gewertet, woran sich grundlegende Überlegungen zur Zukunft des Frauenfußballs anschließen. Dabei bekommen wir Prognosen zu lesen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Markus Völker von der taz spart diesmal nicht mit Lob. Er sah ein “hochklassiges Match mit zahlreichen Chancen auf beiden Seiten, eine Partie, die keine Wünsche an ein Endspiel offen ließ.” Gleichzeitig sei es ein “prototypisches Match, das die künftigen Trends im Frauenfußball aufzeigen sollte”, gewesen: “Das körperlose Spiel im Frauenfußball gehört endgültig der Vergangenheit an.”
Helen Ruwald vom Tagesspiegel kommt regelrecht ins Schwärmen. Ein “Gänsehaut-Gefühl” habe sich eingestellt bei diesem “hochklassigen Frauenfußballspiel”. “Brasilien gegen Deutschland, das könnte künftig nicht nur mit den Kloses und Ronaldinhos, sondern auch mit den Martas und Lingors ein Klassiker werden.” Dass das Finale Dramatik und Rekorde bot, sei für den Frauenfußball rundum perfekt gewesen: “Kein Frauenfußball-PR-Manager hätte bessere Arbeit leisten können, um sein Produkt zu positionieren.”
Kathrin Steinbichler von der Süddeutschen Zeitung berichtet, wie die brasilianischen Ersatzspielerinnen sich vor dem Aufwärmen minutenlang mit der WM-Trophäe fotografieren ließen. “Es sollte die einzige Begegnung mit dem Pokal bleiben”, auch wenn es “reines Glück für den Titelverteidiger” gewesen sei, dass er ohne Gegentor in die Pause ging. Doch dann fiel erneut “ein Tor aus dem Nichts, und das ist im Lauf des Turniers so etwas wie die Spezialität der Deutschen geworden.”
Katrin Weber-Klüver von Spiegel Online streicht das “forcierte und aggressive Spiel der technisch überlegenen Brasilianerinnen” in der ersten Halbzeit heraus. Am Ende hätten aber die Deutschen in diesem “ausgezeichneten, sehr spannenden Finale” ihre Chancen besser verwertet. Die deutsche Spielweise sei nicht die schönste, aber die “effektivste” gewesen.
Wolfgang von Kann von der Deutschen Welle hat eine “sehr gute Weltmeisterschaft” gesehen, die bewiesen habe, dass Frauenfußball “heute nicht einmal mehr ansatzweise etwas mit den teilweise immer noch unausrottbaren Stammtischbetrachtungen zu tun hat.” Dennoch gibt er zu bedenken, dass die Niveauunterschiede auf Vereinsebene noch beträchtlich sind: “Deshalb sollte man sich auch genau überlegen, ob der Plan, die kommende WM bereits mit 24 statt 16 Mannschaften auszutragen, wirklich richtig ist.”
Andreas Strepenick von der Badischen Zeitung sieht den deutschen Frauenfußball “auf dem richtigen Weg” und schlägt den Bogen zum Ligafußball: “Er (der Frauenfußball) existiert auch in echt - da draußen auf den Kickplätzen.”
Auch Jens Hungermann von der Welt macht sich schon Gedanken, die über das WM-Finale hinausgehen. Das Finale habe “vor den Fernsehschirmen Begeisterung ausgelöst.” Dass nun der Frauenfußball in Deutschland boomen werde, sei aber “unwahrscheinlich”. Es werde eine “Momentaufnahme” bleiben, denn auch nach der WM 2003 habe sich der Frauenfußball nur in “sehr kleinen Schritten” weiterentwickelt, die Namen der Bundesligaspielerinnen seien “nur Insidern bekannt”. Die Erfolge würden zwar “respektvoll registriert und mit wohlfeilen Worten gelobt”, entfachten aber keine “anhaltende Begeisterung”. Um dann doch mit einem kleinen Hoffnungsschimmer am Horizont zu schließen: “Jede Tradition hat einmal als Neuheit begonnen.”
Wesentlich optimistischer blickt Michael Horeni von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf die Zukunft des Frauenfußballs. Durch die Arbeit von DFB-Präsident Theo Zwanziger, den “Promoter und Garantie dafür, dass die Entwicklung des deutschen Frauenfußballs gleich von zwei Seiten voranschreitet: von oben und unten”, habe er keinen Zweifel mehr, dass die WM 2011 nach Deutschland komme. Nach dem WM-Titel in Shanghai werde dann “viel mehr als nur ein Sommermärchen wahr. Die goldenen Jahre des Frauenfußballs, sie haben begonnen”, lautet seine Prognose.
Für Steffen Dobbert von der ZEIT war das Finale die “perfekte Reklame für eine immer noch unterrepräsentierte Sportart”. Die Nationaltrainerin im Interview in den Tagesthemen - “na endlich!” ´, schreibt Dobbert, der denjenigen widerspricht, die den Weltmeisterinnen jetzt mal ein paar Tage der Freude gönnen.: “Die Beachtung muss und sie wird mehr werden.” Sein Kollege Ulrich Dehne sieht das anders: “Der zweite und der dritte Platz von Ballack und Co. bei den vergangenen Weltmeisterschaften ist sportlich mehr wert als die beiden WM-Siege der Frauen hintereinander”, sagt er. Ein interessantes Pro & Contra .