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2007

Deutschland gegen Norwegen – wer hat die Nase vorn?

Vor dem mit Spannung erwarteten Halbfinale zwischen Deutschland und Norwegen am Mittwoch (live ab 14.00 Uhr in ARD und Eurosport) haben Katja und ich die Spielerinnen beider Mannschaften genauer unter die Lupe genommen und sie bzw. die Mannschaftsteile einem direkten Vergleich unterzogen.

Von den Torhüterinnen Nadine Angerer und Bente Nordby bis hin zu den Stürmerinnen Ragnhild Gulbrandsen und Sandra Smisek haben wir die beiden Teams analysiert. Mit einem überraschenden Ergebnis.

Nadine Angerer – Bente Nordby

Die neue deutsche Nummer Eins musste sich zwar bisher nicht häufig auszeichnen, doch wenn es brenzlig wurde, war sie zur Stelle. Im bisherigen Turnierverlauf überzeugte sie mit ihrer Reaktionsschnelligkeit, manchmal geht sie allerdings etwas zu rustikal und mit zu viel Risiko zu Werke. Blieb bisher im Turnier ohne Gegentreffer. Ihr Gegenüber Bente Nordby gehört zu den Torhüterinnen mit der größten Erfahrung im Turnier. Gegen China strahlte sie enorme Ruhe aus und hielt ihren Kasten mit einigen Reflexen sauber. In der Vorrunde wirkte sie allerdings nicht immer sattelfest.

Linda Bresonik – Camilla Huse

Dass die Essenerin auf der linken Außenbahn zum Einsatz kommt, halten manche nach wie vor einen Fehler. Bisher machte sie ihrer Sache überwiegend gut, wenngleich sie in einigen Szenen Unsicherheiten verriet und gelegentlich überhastet agiert. Sie soll neben ihren Abwehraufgaben auch im Spiel nach vorne Akzente setzen, was ihr nur teilweise gelingt. Die ebenfalls offensiv ausgerichtete Camilla Huse ist eine der Entdeckungen des Turniers im norwegischen Team. Hinten ließ sie bisher nur wenig anbrennen, nach vorne sorgte sie immer wieder für wertvolle Impulse, die dem Angriffsspiel der Norwegerinnen mehr Schwung verliehen.

Annike Krahn – Ane Stangeland Horpestad

Die Duisburgerin gehört zu den Überraschungen der WM. Vor der WM hatte sie ihren Stammplatz eingebüßt, doch durch die Verletzung von Sandra Minnert kam sie wieder zum Zuge. Und nutzte ihre Chance eiskalt mit drei starken Spielen. Hatte bei einigen Aktionen Glück, überzeugte aber durch Laufbereitschaft und ein gutes Stellungsspiel. Auf Seiten des Gegners hat auch Spielführerin Ane Stangeland Horpestad bisher ein hervorragendes Turnier gespielt. Gegen Kanada wurde sie sogar mit ihrem Treffer zum 2:1 zur Matchwinnerin. Beim Gegentreffer gegen Australien ließ sie sich allerdings von Lisa de Vanna austricksen.

Ariane Hingst – Trine Rønning

Neben Krahn steigerte sich Ariane Hingst während der WM und bot bisher eine überzeugende Leistung. Dank Konzentration, gutem Stellungsspiel und kompromisslosem Einsatz bekam sie bisher nur gelegentlich Probleme in einer bisher allerdings auch nur selten geforderten deutschen Abwehr. Die vielseitige Trine Rønning fühlt sich auf ganz verschiedenen Positionen wohl. Zu Beginn der WM hatte sie mit einer Infektion zu kämpfen. Die neben Ragnhild Gulbrandsen torgefährlichste Norwegerin spielte fast sämtliche Spiele, seit Bjarne Berntsen Trainer ist, schwankt allerdings gelegentlich in ihren Leistungen, kann sich aber meist in wichtigen Spielen steigern.

Kerstin Stegemann – Gunhild Folstad

Auf der rechten Abwehrseite ist die Neu-Wattenscheiderin eine Bank. Mit ihrer Erfahrung und Athletik weiß sie brenzligste Situationen zu meistern, wenngleich sie nicht in all ihren Aktionen bisher sattelfest wirkte und auch nach vorne nicht so viele Akzente setzen konnte wie in der Vergangenheit. Gunhild Folstad von Trondheim/Orn kam bisher in drei WM-Spielen zum Einsatz, wurde im Spiel gegen Ghana geschont. Mit Chinas Stürmerin Han Duan hatte sie im Viertelfinale ihre liebe Müh’ und Not, ins Offensivspiel schaltet sie sich nur selten ein. Sicherlich ein kleiner Schwachpunkt im Team der Norwegerinnen.

Aufgrund der unterschiedlichen taktischen Formationen haben wir bei Mittelfeld und Angriff die jeweiligen Mannschaftsteile miteinander verglichen.

Norwegen spielt ein 4-3-3-System mit einer zentralen Mittelfeldspielerin - Ingvild Stensland - und zwei Flügelspielerinnen. Stensland ist in der Zentrale gesetzt, defensiv wie offensiv zweikampfstark und eine glänzende Passgeberin. Weltweit ist sie damit auf ihrer Position die vermutlich stärkste Spielerin. Renate Lingor und Simone Laudehr auf deutscher Seite spielten schwankend, hängen oftmals in der Luft und können gegen aggressiv agierende Gegner nur wenig Offensivimpulse setzen. In der Zentrale daher Vorteil Norwegen.

Auf der Außenbahn besetzt Solveig Gulbrandsen die rechte Seite, ihr deutsches Pendant ist Kerstin Garefrekes . Gulbrandsen war zuletzt leicht angeschlagen, ist aber unverzichtbar und spielte mit Bandage. Ihre Flanken sind gefürchtet, doch sie entwickelt weniger Torgefahr als Garefrekes, die mit enormer Konstanz wuchern kann. Durch den Dreiersturm muss Gulbrandsen das vielleicht auch gar nicht, dennoch Vorteil Deutschland.

Auf der linken Außenbahn bietet Trainer Bjarne Berntsen als Pendant zu Melanie Behringer auf deutscher Seite Marie Knutsen oder Lene Størlokken auf. Knutsen lief gegen China auf, blieb aber relativ blass. Auf der linken Seite sorgte eher Abwehrspielerin Camilla Huse für Schwung. Størlokken ist einen Tick offensivstärker, aber die rechte bleibt die stärkere norwegische Seite. Behringer ist schussstark und eine hartnäckige Wühlerin, konnte zuletzt aber nicht mehr an ihre Form zu WM-Beginn anknüpfen. Deshalb hier: Unentschieden.

Norwegen läuft mit drei Stürmerinnen auf: Ragnhild Gulbrandsen als bisherige Top-Torjägerin mit fünf Treffern als Sturmspitze. Lene Larsen Kaurin rechts und Isabell Herlovsen bzw. Melissa Wiik auf links. Gulbrandsen und Larsen Kaurin sind gesetzt, spielen beide eine bärenstarke WM. Larsen Kaurin bereitete zahlreiche Tore vor, Gulbrandsen hat viel Selbstvertrauen getankt. Isabell Herlovsen überzeugte gegen China und schoss das goldene Tor. Möglicherweise hat sie auch morgen die Nase vorne, dann bliebe Melissa Wiik auf der Bank. Lene Mykjåland ist weiterhin krank und kann nicht spielen.

Die deutsche Sturmspitze Sandra Smisek ist eine Wühlerin, bereitet gerne Tore vor, kam aber nur gegen die schwachen Argentinierinnen selber zum Torefolg. Gegen körperlich überlegene Abwehrspielerinnen tut sie sich schwer. Bei Birgit Prinz wechselten sich Licht und Schatten ab, sie spielt etwas zurückgezogen als hängende Spitze. Die drei Tore gegen Nordkorea waren allesamt keine Stürmertore. Die Verantwortung fürs Toreschießen ist bei Norwegen auf mehreren Schultern verteilt, alle drei Angreiferinnen haben einen Lauf. Deshalb im Angriff klarer Vorteil Norwegen.

Fazit: Das Duell um den Einzug ins WM-Finale dürfte eine knappe Angelegenheit werden, mit leichten Vorteilen für Norwegen.