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2007

DFB-Motor stottert noch immer

Zwei Siege, ein Unentschieden und 13:0-Tore – die Bilanz der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft nach der Vorrunde der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China liest sich von der Papierform her mehr als passabel. ARD-Expertin Nia Künzer brachte es auf den Punkt: „Es ist schwierig, eine Mannschaft zu kritisieren, die ohne Gegentor das Viertelfinale erreicht hat.“

Doch rechnet man den 11:0-Sieg gegen ein WM-untaugliches argentinisches Team heraus, bleibt nicht viel mehr als eine durchschnittliche Leistung der deutschen Mannschaft, die auch beim zwar nie gefährdeten, aber dennoch glanzlosen 2:0-Sieg gegen Japan nicht das Gefühl vermittelte, für die bevorstehenden Aufgaben gegen die Topteams der Welt bereits rundum gerüstet zu sein.

Bundestrainerin Silvia Neid lobte dennoch: „Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft. Wir stehen im Viertelfinale, was unser erstes Ziel war und wir haben insgesamt recht gut gespielt.“

Nach einer ordentlichen ersten Halbzeit, in der man einige Male gut über die Außenpositionen nach vorne stieß, die Torchancen aber nicht konsequent verwertete, verstand man es in den zweiten 45 Minuten nicht, frühzeitig den Sack zuzumachen und damit Ruhe in die Partie zu bringen. Ganz im Gegenteil: Bei einigen Vorstößen sorgten die Japanerinnen sogar für etwas Gefahr und Unruhe in der deutschen Abwehr, die ihre Sache aber überwiegend gut machte.

Bei einzelnen Aktionen wackelte sie jedoch gelegentlich. So schon in der Anfangsphase, als sich Kerstin Stegemann von Homare Sawa überlaufen ließ. Auch Linda Bresonik wirkte nicht immer hundertprozentig sattelfest und stand einige Male zu weit entfernt von der Gegenspielerin. Annike Krahn erledigte ihre Aufgabe als Minnert-Ersatz wie schon gegen England gut, hatte aber Glück, dass ihr nach einer Viertelstunde eine Abwehraktion nicht als Handspiel ausgelegt wurde.

Wimbersky vergibt klarste Chancen

Die erstmals von Beginn spielende Petra Wimbersky, die auf der angestammten Garefrekes-Position zum Einsatz kam, vergab eine ganze Reihe guter Chancen, die erste davon bereits nach vier Minuten, als sie aus sieben Metern alleinstehend vor Japans Torhüterin Miho Fukumoto den Ball über das Tor setzte, beim zweiten Mal aus fünf Metern behielt wieder Fukumoto die Oberhand. Doch man musste der Frankfurterin zugute halten, zumindest Chancen zu bekommen, wenngleich sie in der zweiten Halbzeit erneut eine hundertprozentige Chance ausließ und nach Smisek-Pass in der 76. Minute zum dritten Mal freistehend vergab.

Es lag vor allem an der individuellen Klasse der Spielerinnen, dass Deutschland dieses Spiel nach Hause schaukelte und gegen die Japanerinnen keine ernsthaften Probleme bekam. Doch erneut konnte man vor allem im Spielaufbau nicht überzeugen, zu wenige Impulse gingen aus dem Mittelfeld aus.

Dabei hatte die japanische Elf sicherlich nicht die Form, in der sie sich etwa noch in den Play-off-Spielen gegen Mexiko oder auch einigen Testspielen vor der WM präsentiert hatte. Neid meinte dennoch: „Hinten haben wir gegen einen technisch beschlagenen Gegner gut gestanden, und vorne haben wir uns eine Menge guter Chancen herausgespielt.“

Deutschlands Torhüterin Nadine Angerer verlebte einen weitgehend geruhsamen Abend. Ein einziges Mal musste sie jedoch Kopf und Kragen riskieren, als sie Mitte der zweiten Halbzeit aus dem Tor herauslief und Japans Stürmerin Eriko Arakawa rüde von den Beinen holte, die erst zur zweiten Halbzeit eingewechselt wurde und nach der Aktion nicht mehr weiter spielen konnte. Über einen Elfmeter gegen sich hätten sich die Deutschen auch hier nicht beklagen dürfen.

Bedingt durch die Umstellungen konnte Kerstin Garefrekes im defensiven Mittelfeld nicht die gewohnte Durchschlagskraft entwickeln, auch Melanie Behringer konnte kaum Akzente setzen. Renate Lingor war erneut nicht in der Lage, dem Spiel ihres Teams Linie zu verleihen.

Sandra Smisek war vorne bemüht und hatte bei einem Kopfball gegen die Latte kurz vor der Pause Pech. Doch auch sie entwickelt insgesamt nicht genug Torgefahr, als dass der nächste Gegner vor dem deutschen Team allzu großen Respekt entwickeln müsste.

Die bisher im Turnier gezeigten Leistungen dürften für einen Sieg im Viertelfinale realistisch betrachtet nicht reichen. Die DFB-Elf wird sich mächtig steigern müssen, will sie weiter vom WM-Titel träumen.