Abhörskandal bei Frauenfußball-WM?
Die fünfte Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China wird möglicherweise von einem handfesten Skandal überschattet. Wie der Fußball-Weltverband (FIFA) bestätigte, hat das Team aus Dänemark gegenüber der FIFA dargelegt, dass die Privatsphäre des dänischen Teams bei einer internen Mannschaftsbesprechung im Teamhotel in Wuhan am Tag vor dem Spiel gegen den Gastgeber am Montag nicht respektiert worden ist.
„Bei einem geschlossenen Training am Montag wurden wir von einigen Leuten mit versteckten Kamaras beobachtet“, teilte Dänemarks Teamsprecherin Pia Schou Nielsen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters mit. Nachdem die Dänen zwei Männer mit „großen Kameras“ in einem Gebäude unmittelbar an ihrem Trainingsgelände gesehen hätten, habe man den Sicherheitsdienst verständigt. „Die Männer erklärten, ihnen sei nicht klar gewesen, dass es sich um ein geschlossenes Training handelte“, so Nielsen weiter.
„Am nächsten Tag sahen wir wieder Leute hinter einer Glaswand unseres Hotels“, fuhr Nielsen fort. Zwei Männer hätten sich mit einer Kamera in einem Raum hinter einem Spiegel versteckt, der auf einen Besprechungsraum gerichtet war, in dem gerade eine Taktikbesprechung abgehalten wurde. Der Aufforderung, aus dem Raum herauszukommen, seien die beiden Männer nicht nachgekommen, berichtete Nielsen. Es habe sich um Chinesen gehandelt, „aber wir haben keine Ahnung, wer sie waren.“
Die FIFA ließ inzwischen mitteilen, man habe in Zusammenarbeit mit der dänischen Delegation und dem Mannschaftshotel den Fall untersucht und sich darauf verständigt, den Fall nicht weiter zu verfolgen.
Alles also nur heiße Luft? Fraglich bleibt, ob sich die dänische Delegation dann überhaupt offiziell an die FIFA gewandt hätte, Zweifel bleiben. Hätte sich der Verdacht bestätigt, wäre der Imageschaden für das Land ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Peking beträchtlich gewesen.
Bereits direkt nach Spielende hatten sich die dänischen Co-Trainer eine lautstarke Auseinandersetzung mit den beiden schwedischen Trainerinnen des chinesischen Teams, Marika Domanski-Lyfors und Pia Sundhage, geliefert. Trainer Kenneth Heiner-Møller hatte den Platz grußlos und ohne Shakehands mit seinen schwedischen Kollegen verlassen. Rainer Fußgänger, unser Korrespondent aus Schweden, hatte seine Beobachtungen bereits gestern Abend geschildert.
Die schwedische Trainerin Marika Domanski-Lyfors bestritt heute morgen in einem Interview mit dem schwedischen Sender SVT die Anschuldigungen. Zurückhaltend sagt sie darin zunächst, dass die Däninnen sich nicht für das Spiel bedankt hätten. Erst auf Nachfrage erklärte sie, dass sie die Dänen so gut kenne, dass sie es nicht nötig habe, mehr zu wissen.