Stars der WM-Geschichte: Michelle Akers (1991)

Von am 7. September 2007 – 1.30 Uhr

akers.jpgBevor es bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft China 2007 ab Montag richtig zur Sache geht, wollen wir ein wenig die Zeit nutzen, um mit allen neu hinzu gekommenen Freundinnen und Freunden des Frauenfußballs einen kleinen Blick zurück in die WM-Historie zu werfen.

Als 1991 in China die erste Frauenfußball-WM der Geschichte stattfand, stellte eine Spielerin nahezu alle anderen in den Schatten. Michelle Akers erzielte damals zehn Treffer, eine bis heute nicht übertroffene Rekordmarke.

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Womensoccer.de erinnert an die Topstürmerin der U.S.-Nationalmannschaft, die trotz widrigster Umstände eine der besten Fußballerinnen aller Zeiten war.

Die Weltmeisterin von 1991 und Olympiasiegerin von 1996 bestritt in ihrer Karriere 153 Länderspiele, deutlich weniger als Kristine Lilly und ein paar weniger als Birgit Prinz. Dennoch hat sie sich einen unauslöschbaren Platz in der Frauenfußball-Geschichte gesichert. Vielfach wegen ihres harten Schusses und ihres Durchsetzungsvermögens als „beste Fußballerin der Welt“ bezeichnet, führte die heute 41-Jährige ihr Team 1991 mit zwei Treffern beim 2:1-Finalsieg gegen Norwegen zum Titelgewinn und erzielte in ihrer Nationalmannschaftskarriere 105 Tore. „Wir sind Amerikaner. Wir haben dieses intensive Feuer in uns. Wir wollen die Besten sein, egal was es kostet“, erläuterte die 1,78 Meter große Stürmerin einmal ihre Philosophie.

Trotz Krankheit eine der Größten

Ihre Leistung und ihre Verdienste um den Frauenfußball sind gar nicht hoch genug einzuschätzen, kämpfte sie doch seit Anfang der 90er-Jahre mit dem Chronischen Müdigkeits- und Immundysfunktionssyndrom (CFIDS). Müdigkeit, Migräne und Stoffwechselstörungen machten ihr genauso zu schaffen wie zahlreiche Verletzungen, die die Fortsetzung ihrer Karriere mehrfach in Frage stellten. Durch enorme Willenskraft, Disziplin und eine besondere Diät (keine Milchprodukte, Brotwaren und Alkohol) gelang es Akers trotzdem, weiter Fußball zu spielen. Nach jedem Spiel musste sie sich allerdings seither intravenös zwei bis drei Liter einer salzhaltigen Flüssigkeit spritzen, um den Wasserhaushalt des Körpers wieder auszugleichen.

Im Alter von acht Jahren war Michelle Anne Akers gegen den eigenen Widerstand von ihrer Mutter in einem Fußballverein angemeldet worden. Ab 1984 spielte sie ausgestattet mit einem College Stipendium für das Team der University of Central Florida. 1988/1989 wurde sie dort zur „Athletin des Jahres“ gekürt.

Tor beim Nationalmannschaftsdebüt

Ihr Debüt in der Nationalmannschaft hatte sie bereits am 21. August 1985 in einem Spiel gegen Dänemark gegeben, dem zweiten Länderspiel der U.S.-Nationalmannschaft überhaupt. Beim 2:2 gelang ihr bereits ihr erstes Länderspieltor. Sie erinnert sich: „Wir hatten keine Ahnung, was uns erwartet. Keine war fit. Wir waren nur eine Horde Mädchen, die nicht wussten, auf was sie sich eingelassen hatten.“

Der große Durchbruch kam für Akers bei der WM in China 1991, wo sie alleine im Viertelfinale fünf Treffer gegen China erzielte und sich mit zehn Treffern den adidas Goldenen Schuh als beste Torschützin des Turniers sicherte. Darüber hinaus wurde sie als zweitbeste Spielerin des Turniers geehrt. In den USA wurde sie 1990 und 1991 jeweils zur „Fußballerin des Jahres“ ausgezeichnet. Und als erster U.S.-Spielerin gelang es ihr, einen Werbevertrag mit einem Schuhhersteller abzuschließen.

Abstecher nach Schweden

Anfang der 90er-Jahr spielte sie in der schwedischen Liga und wurde 1992 mit 43 Treffern Torschützenkönigin. Nach dem für U.S.-Verhältnisse enttäuschenden dritten Platz bei der WM 1995, wo Akers verletzungsbedingt nur im ersten Gruppenspiel und dann wieder im Halbfinale eingesetzt werden konnte, schlug 1996 noch einmal ihre große Stunde. Bei den Olympischen Spielen vor heimischem Publikum verwandelte Akers im Halbfinale gegen Norwegen einen Foulelfmeter zum wichtigen 1:1-Ausgleich und ebnete damit dem Team den Einzug ins Finale, das mit einem 2:1 über China vor 76.000 Zuschauern zum Triumph des amerikanischen Frauenfußballs wurde.

Nach dem Erfolg bei Olympia pausierte Akers für ein Jahr in der Nationalmannschaft, um sich von einer Knieoperation und dem Chronischen Müdigkeitssyndrom zu erholen. Doch 1999 war sie wieder zur Stelle, als das U.S.-Team einen viel umjubelten weiteren WM-Sieg feierte. Die Frauenfußball-Fans in Deutschland gehörten zu den Letzten, die Akers im Juli 2000 bewundern durften, als die USA beim Jubiläumsturnier zum 100-jährigen Bestehen des DFB mit 1:0 gegen Deutschland gewannen. Am 24. August 2000 beendete sie dann ihre beispiellose Karriere.

Akers verfasste mehrere Bücher (unter anderem „Face to Face with Michelle Akers“ und „The Game and The Glory“), in denen sie ihre Laufbahn und den Kampf mit der Krankheit beschrieb. Im Laufe ihrer Karriere war sie auch als Kolumnistin für verschiedene Fußballmagazine, u. a. „Soccer International“ und „Soccer Jr. Magazine“, tätig. Auch bei der FIFA setzte sie sich bei ihrer Kommissionstätigkeit dafür ein, den Frauenfußball voranzutreiben. 1998 erhielt sie den FIFA-Verdienstorden in Gold, im Jahr 2002 wurde sie zusammen mit der Chinesin Sun Wen zur FIFA-Fußballerin des Jahrhunderts ausgezeichnet. Auch in der US National Soccer Hall of Fame hat sie einen festen Platz.

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Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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