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2007

Ist Deutschland wirklich schon in WM-Form?

Zugegeben: Ein 7:0-Sieg in einem wichtigen Spiel auf dem Weg zur Europameisterschaft 2009 in Finnland ist eine feine Sache. „Ich bin sehr zufrieden. Sieben Tore muss man in der EM-Qualifikation erst einmal schießen“, freute sich Bundestrainerin Silvia Neid zurecht nach dem klaren Erfolg gegen die Schweiz in Koblenz.

Doch der Gegner war nicht einmal im Ansatz ein Maßstab dafür, welche Gegenwehr das deutsche Team bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China zu erwarten hat. Die enttäuschenden Schweizerinnen wurden zu Statisten degradiert, wirkten heillos überfordert und taktisch nicht optimal eingestellt.

Ein echter Härtetest für den Ernstfall Weltmeisterschaft war das Spiel für die DFB-Elf gegen dieses am heutigen Abend drittklassige Team sicherlich nicht, das seit 16 Jahren kein Tor gegen Deutschland geschossen hat.

Dennoch war an diesem Abend viel Positives zu verzeichnen. Die Innenverteidigung um Ariane Hingst und Sandra Minnert hatte nur in der Anfangsphase Abstimmungsprobleme bei den gefährlichen Vorstößen der erst 16-jährigen Ramona Bachmann, die einer der wenigen Lichtblicke in ihrem Team war. Doch nach einer Viertelstunde hatte man das Spiel im Griff und agierte in den Zweikämpfen mit mehr Biss. Hingst zeigte einen deutlichen Aufwärtstrend, Minnert tat es sichtlich gut, weiter Spielpraxis zu sammeln.

Schnell bekam die deutsche Mannschaft das Spiel in den Griff. Sandra Smisek und Melanie Behringer sorgten für die schnelle 2:0-Führung, Birgit Prinz und erneut Behringer machten noch vor der Pause erneut innerhalb von zwei Minuten weitere Treffer zur sicheren 4:0-Halbzeitführung.

In der zweiten Halbzeit schlug dann die Stunde von Kerstin Garefrekes, die auf der rechten Seite über die gesamte Spielzeit eine starke Leistung bot. Mit einem lupenreinen Hattrick schraubte sie das Ergebnis auf 7:0. Zusammen mit Birgit Prinz und Melanie Behringer verdiente sie sich Bestnoten. Trotz des klaren Ergebnisses ließ die Chancenverwertung zu wünschen übrig, der Sieg vor 11.280 Zuschauern hätte an diesem Abend zweistellig ausfallen müssen.

Die deutsche Abwehr verlebte einen einigermaßen geruhsamen Abend. Nadine Angerer hatte nicht viel zu tun, klärte aber zweimal prächtig und bewies in den wenigen heiklen Situationen, dass man sich um die Torhüterinnenposition keine Sorgen machen muss.

Bresonik bei der WM als Außenverteidigerin?

Neben Hingst und Minnert konnten auch die Außenverteidigerinnen punkten. Kerstin Stegemann hatte hinten rechts alles im Griff und konnte sich immer wieder ins Spiel nach vorne einschalten. Linda Bresonik machte ihre Sache als linke Außenverteidigerin ebenfalls gut und es scheint sich anzudeuten, dass Neid Bresoniks Wirkungskreis auch bei der WM auf der linken Abwehrbahn sieht. Die später für die Essenerin eingewechselte Saskia Bartusiak dürfte hingegen kaum Chancen auf einen Platz in der Stammelf haben.

Im Mittelfeld setzte Neid erneut auf eine „Doppel-Sechs“. Simone Laudehr konnte zwar nicht ganz an die starke Vorstellung aus dem Spiel gegen Tschechien anknüpfen, wirkte aber immer noch agiler als Renate Lingor, die zwar bei Standardsituationen ihre Gefährlichkeit unter Beweis stellen konnte, sonst aber nur in Ansätzen zu gefallen wusste. Pech hatte Laudehr bei einem Pfostenschuss in der ersten Halbzeit und einem Heber kurz vor Ende der Partie.

Im Sturm war Sandra Smisek sehr bemüht, rundum überzeugen konnte sie aber nicht. Vergebene hundertprozentige Torchancen wie die in der zweiten Spielminute wird man sich bei der WM in China nicht leisten dürfen. Doch auch die in der Schlussphase für Smisek ins Spiel gekommene Anja Mittag konnte in der kurzen Zeit nicht vollends überzeugen, bei einer guten Chance verfehlte sie das Tor jedoch nur knapp.

Birgit Prinz war erneut die große Antreiberin in der Offensive und bot in ihrem 165. Länderspiel eine hervorragende Leistung, doch auch sie vergab einige Möglichkeiten, bei ihren zwei Pfostenschüssen hatte sie jedoch in den ersten 45 Minuten Pech.

Die Gewinnerin des Tages dürfte Melanie Behringer gewesen sein. Die Freiburgerin erzielte zwei Treffer und sorgte auf der linken Seite für viel Schwung. Sie hat nun wohl gute Chancen, auch bei der WM in der Startformation zu stehen. Erstaunlich, welche Entwicklung die 21-Jährige in den vergangenen Jahren durchlaufen hat.

Bei aller Freude über den 7:0-Sieg und die souveräne Führung in der EM-Qualifikation – eine echte Standortbestimmung wird erst das Spiel am 30. August in Mainz gegen Norwegen sein. Dann wartet ein Topgegner auf die DFB-Damen, der sich für die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China einiges vorgenommen hat. Nach diesem Spiel dürfte man dann eher die wahre Leistungsstärke der deutschen Mannschaft einschätzen können.

Wie beurteilt Ihr die Leistung der DFB-Elf im Spiel gegen die Schweiz?