Schwedens Kader-Präsentation in ungewöhnlichem Rahmen
Schwedens Nationaltrainer Thomas Dennerby hat am gestrigen Abend in Stockholm seine 21 Nominierungen für die WM in China bekanntgegeben.
Die Bekanntgabe fand unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit auf dem Stockholmer Hauptbahnhof statt und wurde direkt vom Fernsehsender TV4 übertragen, der auch alle 32 Spiele der WM in voller Länge zeigen wird.
Der Präsident des schwedischen Fußballverbands, Lars-Åke Lagrell begrüßte das zahlreich erschiene Publikum und sagte, dass man diesen Schritt der öffentlichen Bekanntgabe gewählt habe, um deutlich zu machen, dass man dem Frauenfußball seinen gebührenden Stellenwert zukommen lassen möchte. Das Echo der Nominierungen, das sich schon jetzt auf den Internetseiten der schwedischen Zeitungen wiederfinden lässt, gibt dem Schritt in die Öffentlichkeit Recht.
Öffentlichkeitswirksame Veranstaltung
Bei der Verlesung des Aufgebots kamen sämtliche Spielerinnen auf die Bühne und standen anschließend Journalisten zu Gesprächen zur Verfügung. Man hofft auch dieses Mal wieder weite Teile der schwedischen Bevölkerung für die WM und die Mannschaft zu engagieren. Das Finale gegen Deutschland bei der letzten WM in den USA hatten 3,4 Millionen Zuschauer gebannt an den Bildschirmen verfolgt.
Thomas Dennerby musste seine Überlegungen ohne die verletzten Caroline Jönsson, Josefine Öqvist und Frida Nordin machen. Dennoch gibt es in dem Kader nur wenige Überraschungen. Als dritte Torfrau hatte man eigentlich mit Carola Söberg (Umeå) gerechnet, stattdessen entschied sich Dennerby für Kristin Hammarström aus Örebro. Da sich ihre Verletzung nun doch lindriger als zunächst befürchtet herausgestellt hat, erhielt auch Verteidigerin Sara Larsson aus Linköping ein Ticket nach China.
Mit Linda Forsberg (Djurgården) nimmt Dennerby nun eine Angreiferin mit, die zwar erst einmal bei einem Länderspiel eingewechselt wurde, aber durch starke Leistungen in dieser Saison nach ihrem Wechsel von Hammarby überzeugt hat. Auch der Platz von Debütantin Madelaine Edlund (Umeå) hat manche Beobachter überrascht, die eher Maria Aronsson (Linköping) erwartet hatten.
Mit einer Mischung aus Routiniers und Neulingen will Dennerby bis ins Halbfinale vorstoßen. Nicht nur die Verletzungen der oben genannten Spielerinnen machten dem Coach zu schaffen, auch die Rücktritte von Anna Sjöström und vor allem Malin Moström (beide Umeå) machten einen Neuaufbau notwendig.
Hanna Marklund als Fels in der Brandung
In der Abwehr vertraut man auf Hanna Marklund (Sunnanå), die mehrere Spielerinnen der Liga als die unangenehmste Gegenspielerin bezeichnen. AIK’s Trainer Jörgen Zetterström geht sogar noch einen Schritt weiter und sagt: “Ich kann mir kaum vorstellen, dass es eine viel bessere Innenverteidigerin auf der Welt gibt als Hanna Marklund.”
Mit Nilla Fischer und Caroline Seger stehen zwei starke Mittelfeldspielerinnen bereit, die Rolle von Malin Moström zu übernehmen und offensiv ist das Team trotz des Ausfalls von Öqvist dennoch sehr stark besetzt durch Kapitän Victoria Svensson, die pfeilschnelle Sara Johansson und durch Goalgetterin Lotta Schelin, von der man sich bei der WM den Durchbruch zum Weltstar erhofft. Dazu die noch angeschlagene Hanna Ljungberg, die aber schon morgen Abend im Pokalendspiel für Umeå gegen AIK spielen soll. Das Aufgebot im Einzelnen: Tor: Hedvig Lindahl (Linköping), Sofia Lundgren (AIK), Kristin Hammarström (Örebro)
Abwehr: Sara Larsson (Linköping), Hanna Marklund (Sunnanå), Anna Paulsson (Umeå), Charlotte Rohlin (Linköping), Stina Segerström (Örebro), Sara Thunebro (Djurgården), Karolina Westberg (Umeå), Frida Östberg (Linköping)
Mittelfeld und Angriff: Madelaine Edlund (Umeå), Nilla Fischer (Malmö), Linda Forsberg (Djurgården), Sara Johansson (Hammarby), Hanna Ljungberg (Umeå), Therese Lundin (Malmö), Lotta Schelin (Göteborg), Caroline Seger (Linköping), Therese Sjögran (Malmö), Victoria Svensson (Djurgården)
Wenn er nicht in Sachen Frauenfußball unterwegs ist, arbeitet Rainer Fussgänger (44) beim Goethe-Institut in Stockholm und beschäftigt sich mit der Fortbildung von Deutschlehrern. Bei der Eröffnung einer Fotoausstellung mit Fußballbildern aus der ganzen Welt lernte er dann die FIFA-Weltfußballerin Marta kennen und wollte sie dann auch einmal spielen sehen. Seitdem ist er aufmerksamer Beobachter der Damallsvenskan in Schweden und schreibt regelmäßig Spielberichte für die Frauenfußball-Website Fansoccer und das schwedische Portal damfotboll.com sowie die Frauenfußball-Zeitschrift Nya Mål. Als gebürtiger Mönchengladbacher ist sein Interesse am Fußball allerdings sozusagen selbstverständlich.
Schlagwörter: Frauenfußball • Schweden • WM China 2007