Schwerer Imageschaden für den englischen Frauenfußball
Die englische Nationalmannschaft hat sich erstmals seit 1995 für eine Weltmeisterschaft qualifiziert, Arsenal erst vor kurzem den UEFA-Pokal gewonnen. Der Frauenfußball in England ist auf dem Vormarsch, sollte man meinen.
Doch die Nachrichten, die jetzt von der Insel dringen, zeichnen ein anderes Bild. Denn ein weiterer Spitzenverein, FA-Cup-Finalist Charlton Athletic , wird nach einem Bericht der BBC all seine Frauenfußball-Teams aus dem Verkehr ziehen. Der Imageschaden ist gewaltig.
Die Entscheidung ist Teil drastischer Kostensparmaßnahmen, die im Zuge des Abstiegs der Männermannschaft aus der Premier League eingeleitet werden. Charltons Teammanager Keith Boanas bestätigt: „Alle im Umfeld des Frauenteams Beschäftigten haben die Kündigung erhalten.“ In der kommenden Woche soll eine offizielle Erklärung des Vereins folgen. „Ich bin am Boden zerstört, wenn ich an die Spielerinnen und jungen Mädchen denken, deren Träume geplatzt sind.“
Charlton-Spielführerin Casey Stoney meint: „Mich widert der Verein ein – die Männer steigen ab und wir werden dafür bestraft.” Und fügt hinzu: „Die einzigen Trophäen für den Verein hat in den vergangenen Jahren das Frauenteam gewonnen. Vor sieben Wochen haben wir vor einer Rekordkulisse das FA-Cup-Finale bestritten.“
Premier League mit nur noch elf Teams
Die englische Premier League wird vermutlich von 12 auf elf Teams reduziert. Peter Hough, Vorsitzender der Women’s Premier League, sagt: „Es ist ein äußerst trauriger Tag für den Frauenfußball.“ Ray Kiddell, Vorsitzender des Frauenfußball-Ausschusses im englischen Fußballverband (FA), erklärt: „Was passiert ist, ist extrem enttäuschend und es wirft den Frauenfußball einige Schritte zurück, aber hoffentlich ist diese Lage nicht unwiderruflich.“
Charlton ist nach Manchester United, Birmingham, Fulham (inzwischen wieder im Spielbetrieb) und Bristol City bereits der fünfte Verein, der sich aus dem Frauenfußball zurückzieht. Der englische Fußballverband wird sich für die Zukunft in Sachen Regelwerk etwas einfallen lassen müssen, will man weitere Rückzieher vermeiden und die Liga nicht zur Farce verkommen lassen.