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2007

Mal wieder das Thema Schiedsrichter und Videobeweis…

Eigentlich ging es mir mehr um die Leistungen der Spielerinnen, als ich vor einigen Tagen die “ Kicker “-Benotungen der Pokalfinal-Protagonisten zur Diskussion stellte . Doch auch Schiedsrichterin Moiken Jung mit ihren Assistentinnen kam natürlich nicht ungeschoren davon. Anlass für mich, einige Reaktionen nochmal aufzugreifen.

Kann man bei zwei eklanten Fehlentscheidungen noch eine 3,5 geben? “Rainer 48″ verneint dies , während “Denker” fordert , die Schiedsrichterleistung ins Verhältnis zu der Benotung der fehlpassanfälligen Spielerinnen zu setzen. Eine Ansicht, die ich teile. Die Leistungen der Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter stehen ebenso im Fokus des Beobachters wie die Leistungen der SpielerInnen. Ich plädiere dann aber auch dafür, an alle Beteiligten die gleichen Maßstäbe anzulegen und sie sachlich und fair zu bewerten.

Schade ist es dann, wenn etwa “werkselfe” die Benotung der Schiedsrichterin schlicht als “Frechheit” bezeichnet , ohne uns darüber aufzuklären, ob sie die Unparteiische besser oder schlechter als der Kicker gesehen hat. Bei dem Dauerfeuer, das die Schiedsrichterinnen derzeit auszuhalten haben, vermutlich eher schlechter. Muss man sich wohl dazu denken. Falsch vermutet? Dann nehme ich Widerspruch gerne entgegen!!!

Videobeweis am Beispiel American Football

Unser Leser “schmidt” schließlich eröffnet das Thema Videobeweis und verweist auf den American Football, bei dem Kameras das Schiedsrichter-Team bei ihrer Arbeit unterstützen. “Das Spiel wird unterbrochen, bei der TV-Life-Übertragung werden pfiffige Werbespots kurz eingespielt. Dann folgt in Großaufnahme der Hauptschiedsrichter, der kurz und klar und richtig kompromißlos seine getroffene Entscheidung verkündet und begründet. Die Fernsehanstalten wiederholen die zur Entscheidung herangezogenen Bildausschnitte und das Spiel wird wieder fortgesetzt” , schreibt “schmidt”.

Ich persönlich halte es für utopisch, dem Gedanken anzuhängen, man könne strittige Schiedsrichterentscheidungen in Zukunft gänzlich vermeiden. Inwieweit Videoaufzeichnungen Abhilfe schaffen können, um Fehlentscheidungen zu minimieren, ist eine kontroverse, schwierig zu beantwortende Frage.

Auch vorm Fernseher gibt es hitzige Diskussionen

Abgesehen davon, dass dem Frauenfußball die finanziellen Mittel für derlei Technik fehlen, vertrete ich die Ansicht, dass auch mit einem Videobeweis die Meinungen über einzelne Szenen weit auseinander gehen würden. Beispielhaft dafür war doch gerade das Pokalfinale am Samstag. Da gibt es Fernsehaufzeichnungen, dennoch ist der Elfmeterpfiff für Frankfurt in der 3. Minute keinesfalls unumstritten.

Als sinnvoll sehe ich die Videoaufzeichnungen allerdings für die Nachbetrachtung für die jeweiligen Unparteiischen und bei Schiedsrichterseminaren an. Hier kann mit Hilfe von Bildmaterial wesentlich systematischer an Schwächen gearbeitet werden.

Kontingentierter Videobeweis überlegenswert

Allenfalls die Einführung eines begrenzen Videobeweises analog zum Tennis, bei dem seit vergangenem Jahr pro Satz jeder Spieler zwei Mal pro Satz die Möglichkeit hat, eine Linienrichterentscheidung per Computer überprüfen zu lassen , ist eine Überlegung wert. Dadurch, etwa ein Beweis pro Team und Halbzeit, könnten die Unterbrechungen auf ein gesundes Maß begrenzt werden. Abschließend möchte ich auch noch die Frage in den Raum stellen, ob mit dem Videobeweis im American Football wirklich in erster Linie dem Sport gedient werden soll, wenn die Unterbrechungen an den spannendsten Stellen von Werbeblöcken verziert werden.

Denn auch im Tennis ist diese Beweismethode, wie der Kritik Roger Federers zu entnehmen ist, keinesfalls unumstritten. So banal es klingt: Wo Menschen sind, werden Fehler gemacht. Von allen Beteiligten. Sich damit zu arrangieren, wäre der wichtigste Schritt. Insbesondere für den Frauenfußball, der sich noch über jede einzelne Kamera freuen muss, die überhaupt in den Stadien zu sichten ist.

Lieber die Schiedsrichterinnen mehr fördern

Was nicht heißt, dass keine Notwendigkeiten zur Verbesserung der Schiedsrichterleistungen bestehen. Die sind vorhanden, ohne Zweifel. Auch, weil die Schiedsrichterinnen ihre Aufgaben in ihrer Freizeit erledigen und dafür großen zeitlichen wie psychischen Aufwand betreiben müssen. An dieser Stelle etwas Geld zu investieren, dürfte erfolgsversprechender sein, als vom Königsweg Videobeweis zu träumen.