Die Argumente für ein separates Frauen-Finale bleiben dünn

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Am Samstag war wieder Pokalfinal-Tag. Zeit, sich wieder grundsätzlichen Fragen zum Frauenfußball und seiner Entwicklung zu stellen. Logisch. „Werden Fußballerinnen noch belächelt?“ etwa. Oder eben die nach dem Austragungsort des Pokalfinals. Aufgegriffen dieses Mal vom taz-Journalisten Andreas Rüttenauer in seinem Beitrag zum Frauenfinale. Ein klares Plädoyer für ein separates Finale.

Bekannte Argumente

Ein legitimer Standpunkt, den er nicht exklusiv für sich beansprucht. Schon vor etwas mehr als drei Monaten hatte ich das Bestreben des Essener Managers Willi Wissing, ein eigenes Frauenfinale beispielsweise in einer großen Arena wie Schalke auszutragen, durchleuchtet. Ergebnis: Contra eigenes Finale. Auch die Argumente, die Rüttenauer jetzt vorbringt, sind nicht neu und überzeugen nicht.

Eine Frage der Organisation

Dass die Pressekonferenz zum Frauenfinale erst begann, als Herbert Grönemeyer den letzten Schluck Wasser vor seinem Auftritt zu sich nahm, war ärgerlich, ist aber schlicht eine Frage der Organisation – und diese hatte schon bessere Jahre gesehen. Das Anliegen, für eine bessere Zuschauerresonanz das Frauenfinale möglichst nah an das der Männer heranzurücken und dafür sogar auf eine Verlängerung zu verzichten, muss noch besser mit den Arbeitsabläufen der Journalisten abgestimmt werden, für die der Anpfiff des Männerspiels um 20 Uhr erst die zweite Etappe ihres Arbeitstages einläutet.

Zu den erwähnten Journalisten, deren Umgang mit dem Frauenspiel eher boulevardeske Züge trug, sei die Frage erlaubt: Wären die denn bei einem eigenen Finale da und dann interessierter? Vermutlich nicht, die respektlosen Kommentare würden eben zu Hause getätigt, aber sonst wäre wohl nichts anders. Der Presseraum ist groß genug, damit die Frauenfußball-Journalisten davon unbehelligt ihre Arbeit machen können. Gewisse Dinge kann man schließlich auch einfach überhören.

Unbefriedigende Situation, aber wo bleibt das Konzept?

Die Punkte, die Rüttenauer gegen Ende anführt, haben alle ihre Berechtigung. Es ist unbefriedigend, sich nicht nur als Beiwerk vorzukommen, sondern es für die Mehrheit einfach auch zu sein. Eine angemessenere Würdigung für die Finalisten wäre wünschenswert.

Doch wie aus diesem Wunsch Realität wird, wie die Risiken eines separaten Finals – ein eigener Termin muss publik gemacht werden, der fußballinteressierte TV-Zuschauer ist dann nicht automatisch „auf Pokalfinale programmiert“, die Zuschauerzahlen im Vereinsfußball sind selbst bei aufwändiger Werbung überschaubar, die guten Zuschauerzahlen bei der Nationalmannschaft sind trügerisch – ausgeschaltet werden können, bleibt im Dunkeln.

Wie nicht zuletzt auch der Spielverlauf. Der war für die taz wohl ähnlich irrelevant wie für die Bildregie.

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Tom Schlimme
Tom Schlimme

Ich würde mich über ein eigenes Frauenfinale in einem separaten Stadion freuen. Die wesentlichen Pluspunkte wären für mich: – Alle interessierten Frauenfußballfans würden auch Karten bekommen – Es wären von Anfang an alle Zuschauer da, die Geräuschkulisse im Stadion würde sich am Spiel orientieren und zu diesem passen – man könnte eine Verlängerung spielen lassen, wie es sich für ein Pokalfinale gehört – nicht zu unterschätzen: Für die Zuschauer würden die meisten Anreise- und Unterbringungsprobleme entfallen, die das Riesenevent in Berlin mit sich bringt Minuspunkte wären: – Der Effekt, dass Männerfans nebenbei auch einmal Frauenfußball im Stadion serviert bekommen, entfällt,… Weiterlesen »

Katja Öhlschläger
Katja Öhlschläger

Keine Frage – würde sich ein separates Finale erfolgreich organisieren lassen und auch die Zuschauerresonanz so ausfallen, dass sich der höhere finanzielle Aufwand lohnt und nicht die Gefahr besteht, dass man sich nach einem Scheitern wieder in Berlin eingliedern muss, würde mich das auch sehr freuen. Ob die Entwicklung bereits so weit ist, sehe ich noch skeptisch. Der Verzicht auf eine Verlängerung scheint mir übrigens ohnehin nicht plausibel. Wenn die Spielerinnen den Rasen nach der Ehrenrunde gerade verlassen haben, kommen schon die Männer zum Warmmachen ins Stadion. Wer also den Einlauf seines Teams nicht verpassen will, muss schon während des… Weiterlesen »

Claudia
Claudia

Wenn ich die Fanblöcke der beiden Finalisten im Fernsehen gesehen habe, hat es gar nicht so ausgesehen, als ob alle 1.100 (?) Karten in Anspruch genommen wurden…

Jan Kuppert
Jan Kuppert

Der Frauenfußball ist und bleibt nur eine ganz kleine Nummer im deutschen Sport. Daran ändert auch die jährliche Fernsehübertragung des Finales nichts. Diese Veranstaltung bleibt für mich ein Witz, solange richtige Fans ausgesperrt bleiben, dafür aber ein paar Leute schon zu gucken, die das eher lustig finden, was da auf dem grünen Rasen passiert. Die sportliche Entscheidung im Elfmeterschießen war ein Desaster. Die bessere Mannschaft, der FCR Duisburg, hätte in der Verlängerung sicher eine gute Chance gehabt, dass Spiel für sich zu entscheiden. Es ist für mich unbegreiflich, dass dieser Sport es so hinnimmt seine Regeln für ein FINALE zu… Weiterlesen »

Katja Öhlschläger
Katja Öhlschläger

Sich auf Regeländerungen einzulassen – Streichen der Verlängerung -, halte ich auch für kontraproduktiv. So dokumentiert man unzweideutig, nur das Nebenprogramm zu sein. Das ist für mich aber noch nicht zwingend ein Argument für ein separates Finale, weil organisatorische (Macht-)Fragen wie diese lösbar sind. Wenn eine Trennung beider Finals überhaupt angedacht wird, wären auch andere Optionen diskutierenswert, wie etwa ein gewisser Satz Karten, der nur für Frauenspiel und nur für das Männerspiel an den Mann und an die Frau gebracht würde. Das würde die Wahlmöglichkeiten erhöhen und mehr Frauenfußball-Fans die Möglichkeit geben, dem Finale beizuwohnen. Auch preislich dürfte das allen… Weiterlesen »

Detlef Püschel
Detlef Püschel

ALLE JAHRE WIEDER, gibt es immer wieder die gleichen Diskussionen!!! Soll man oder soll man lieber nicht??? Ich persönlich bin der Meinung, dass dafür der Zeitpunkt noch lange nicht reif ist!!! Und wenn es noch so viele Vorteile für ein separates Finale gibt, wird man die Spielerinnen nur sehr schwer davon überzeugen können, dass es eigentlich besser für sie wäre!!! Für jede von ihnen ist es der MEGAEVENT schlechthin!!! Ich glaube nicht, dass es das Selbe Gefühl wie im Olympiastadion ist, in einer nur zum Bruchteil gefüllten Arena auf Schalke einzulaufen!!! In Berlin sind es zwar zu Anfang auch nicht… Weiterlesen »

Idgie-Fan
Idgie-Fan

Also ich bin auch der Meinung, dass man das Frauenfinale separat durchführen sollte. Ich bin ein großer Frauenfussballfan und wäre dieses Jahr so gerne ins Stadion. Ich finde es eine Frechheit den Frauenfussball-Fans gegenüber, dass die Frauenteams so wenige Karten erhalten. Die reichen grade mal für die engsten Freunde und Verwandten der Spielerinnen, dann noch ein paar Sponsoren des Vereins und das wars… 🙁 Wo bleibt da der Fußballfan!!? Ich war damals beim Uefa-Cup-Finale Frankfurt gegen Potsdam im Stadion des FSV Frankfurt. Das war ein Mega-Erlebnis und eine Superstimmung in ausverkauftem Stadion!! Ich glaube schon, dass die Frauenfussballfans ein Stadion… Weiterlesen »

schmidt
schmidt

War es nur das „Vorspiel“, unser Ladies-Pokalendspiel in Berlin? Das Ladies-Pokalfinale hat absolut einen größeren Stellenwert, mehr Aufmerksamkeit und mehr Selbstbewußtsein von allen verantwortlichen Stellen verdient. Der FF-Fußball national und international ist ein Sympathie-Träger mit enormen Zuwachsbedarf und-potenzial.
Bisher dient das Ladies-Finale gewissermaßen als
„Vorspiel des Gentlemen-Pokalfinales“
von zwei nicht gleichberechtigten Spielen. Jedes Jahr beginnen in Berlin die Damen-Finals mit ca. 5000 Zuschauern und beenden ihr Spiel vor ca. 30.000 Zuschauern, die meist nur jetzt wegen des Gentlemen-Finals Platz genommen haben.
Wer Maßstäbe setzen will, weiß Mittel und Wege zu finden, welche Austragungsstätte, welches Profil und welchen Rahmen einem deutschen Ladies-Pokalendspiel maßgeschneiderter
wäre.