Prisca Steinegger: „Wir haben uns das Glück erkämpft“

Von am 10. Mai 2007 – 13.49 Uhr 1 Kommentar

steinegger_close.jpgMit einem glücklichen, aber nicht unverdienten 2:2-Unentschieden im EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande hat die Schweiz vorerst die Tabellenführung in der Gruppe 4 übernommen.

Die Schweizer Spielführerin Prisca Steinegger spricht im Interview mit Womensoccer.de über ihre Eindrücke vom Spiel, die Perspektiven des Frauenfußballs in der Schweiz und die WM-Bewerbung des Schweizer Verbands für 2011.

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Womensoccer.de: Frau Steinegger, herzlichen Glückwunsch zum Punktgewinn gegen die Niederlande.

Prisca Steinegger: Vielen Dank. Er war sicherlich etwas glücklich, aber wir haben uns das Glück erkämpft. Das Remis geht in Ordnung.

Womensoccer.de: Zuletzt waren die Leistungen ja eher enttäuschend, etwa beim 0:0 auf Malta oder dem 0:3 in der Tschechischen Republik. Warum läuft es auf einmal wieder besser?

Steinegger: Vielleicht hat der Sieg gegen Belgien noch einmal Kräfte freigesetzt. Wir waren auch sehr gut auf die Niederlande eingestellt und haben uns auf das Spiel gefreut. Wir wussten, dass wir nur über den Kampf etwas holen können. Wir waren mannschaftlich geschlossen stark und haben uns bis zum Schluss nicht aufgegeben, das hat den Punkt gesichert.

Womensoccer.de: Dieser Punkt kann noch Gold wert sein. Ist denn nun sogar Platz 2 in der Gruppe möglich?

Steinegger: Im Optimalfall, ja. Gegen Belgien und Wales müssen wir gewinnen und Punkte gegen Holland zu holen, ist keine Selbstverständlichkeit. Gegen Deutschland können wir keine Punkte einkalkulieren.

Womensoccer.de: Gibt das Remis der Schweiz jetzt noch einmal einen Kick für die nächsten Spiele?

Steinegger: Auf jeden Fall, allerdings spielen wir ja erst im August in Deutschland. Aber wir haben uns selber bewiesen, dass wir auch gegen ein besser platziertes Team wie Holland Punkte einfahren können.

Womensoccer.de: Die 16-Jährige Ramona Bachmann, die zuletzt für Umeå im UEFA-Cup-Finale glänzte, gehörte diesmal noch nicht zum Kader der A-Nationalmannschaft. Sollte man sie nicht trotz ihrer Jugend schon heranführen?

Steinegger: Das liegt nicht in meiner Kompetenz, das zu beurteilen. Natürlich wird sie früher oder später ein Thema sein, wohl eher früher. Man muss aber aufpassen, dass man junge Spielerinnen nicht verheizt. Aber an ihr wird kein Weg vorbei führen.

Womensoccer.de: In Zug waren gestern 2.000 Zuschauer. Hat Sie der Zuspruch überrascht?

Steinegger: Ja, im positiven Sinne, obwohl ich mir vorher darüber keine Gedanken gemacht habe. Die Unterstützung war super und die Stimmung war gut, das hat auf jeden Fall auch geholfen. Gegen Belgien hatten wir schreckliches Wetter, das hat die Zuschauerzahlen gedrückt. Aber wir hatten auch schon gegen Russland in der WM-Qualifikation viele Zuschauer. Da wurde gute Vorarbeit geleistet.

Womensoccer.de: Das Interesse für den Frauenfußball scheint in der Schweiz also doch zu wachsen.

Steinegger: Beim Spiel gegen Belgien war der Präsident des Schweizer Fußballverbands da, Ralph Zloczower. Der Pressesprecher, Pierre Benoit, war sogar bei beiden Spielen anwesend. Von beiden Spielen gab es Ausschnitte im Fernsehen, es geht also langsam etwas voran. Es gibt ja auch einen neuen Frauenfußball-Rat.

Womensoccer.de: Was sind dessen Aufgaben?

Steinegger: Er ist populär besetzt, dank Monika Kälin kommen ein paar Zuschauer mehr ins Stadion wegen des Vorprogramms. Sie hat jetzt beim Spiel auch die Nationalhymne gesungen. Was sonst noch im Hintergrund passiert, weiß ich allerdings nicht ganz genau.

Womensoccer.de: Was kann man in der Schweiz noch verbessern, um den Frauenfußball voran zu treiben?

Steinegger: Die Strukturen sind gut, da muss man nichts ändern. Man muss die jungen Mädchen, die mit dem Fußball beginnen, so lange wie möglich halten, so dass sie nicht nach zwei, drei Jahren wieder aufhören. Langfristig wäre es sicherlich optimal, wenn die Nationalspielerinnen nicht mehr einem Vollzeitjob hinterher gehen müssten, aber soweit sind wir noch nicht.

Womensoccer.de: Thema WM-Bewerbung 2011, tut sich da etwas in der Schweiz?

Steinegger: Ich habe zwei, drei Artikel darüber gelesen, aber sonst habe ich noch nicht viel davon mitbekommen.

Womensoccer.de: Aber das Interesse seitens des Verbands ist ernsthaft?

Steinegger: Ich denke, da ist schon ein reelles Interesse, aber momentan liegt der Fokus möglicherweise noch auf der EURO 2008. Die Promotion und Werbung dafür werden aber sicherlich noch kommen. Für uns wäre eine WM im eigenen Land natürlich super, aber es ist noch ein langer Weg.

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Stefanie sagt:

    Die Schweiz ist im Kampf um die Ausrichtung der WM 2011 anscheinend kein ernsthafter Konkurrent, wenn ich die Aussagen Steineggers richtig interpretiere. Die Promotion müsste ja schon lange laufen – Männer-EM hin oder her. Schließlich wird in vier Monaten schon die Entscheidung gefallen sein.

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