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2007

Die nackte Elf

Als ich gestern Nachmittag im Internet surfte, erregte ein kleiner Artikel in der Online-Ausgabe der spanischen Sportzeitung „Marca“ meine Aufmerksamkeit. „Die beste spanische Frauen-Futsal-Mannschaft zieht sich aus“ stand da in ziemlich großen Lettern geschrieben.

Aus dem Artikel konnte man erfahren, dass sich die Spielerinnen von Tabellenführer Encofra Navalcarnero dazu entschlossen hatten, für die Zeitschrift „Interviú“ die Hüllen fallen zu lassen, um damit gegen die ihrer Meinung nach mangelnde Berichterstattung in den Medien zu protestieren. Gleich elf Spielerinnen prangen dort, kaum verhüllt, auf einer Doppelseite.

„Es ärgert uns, wenn nur 50 Zuschauer zu unseren Spielen kommen“, beklagen sie sich. „Wir sind Futsal-Spielerinnen und keine Models. Diese Art von Reportagen macht mich wütend, aber weil uns keiner Aufmerksamkeit schenkt, bleibt uns als einzige Möglichkeit, uns auszuziehen“, meint Kapitänin Eva Menguán (sechs Mal Meisterin in Folge), die ihre Mitspielerinnen zu der ungewöhnlichen Aktion animiert hat.

Auch in Deutschland gibt es derzeit ähnliche Irrwege zu bestaunen, wie etwa auf der Website der Essener Spielerin Mirja Kothe , wenngleich die Motivation hier wohl eher narzisstischer Natur sein dürfte.

Dass die Frauen mehr Anerkennung und Resonanz für ihren Sport erzielen wollen, ist logisch. Zu glauben, dass mithilfe derartiger Aktionen mehr Zuschauer den Weg in die Halle oder ins Stadion finden, ist aber wohl eher abwegig. Die Wahl der Mittel mehr als fraglich.

Denn die sportliche Leistung soll die Schlagzeilen bestimmen, wie sonst ja stets betont wird, wenn sich die Boulevardpresse wieder einmal mit dem Privatleben der Spielerinnen beschäftigt. Für mich eher Doppelmoral als nachvollziehbarer Tatendrang. Oder etwa nicht?