Wolfsburg wackelt, aber fällt nicht
Titelverteidiger VfL Wolfsburg hat mit viel Mühe das Viertelfinale im DFB-Pokal erreicht. Beim FC Bayern München stand der Erfolg bis in die Nachspielzeit auf des Messers Schneide.
Kampf um jeden Millimeter: Jovana Damnjanovic (li.) im Duell mit Alex Popp © imago/Foto2press Es war etwa Mitte der zweiten Halbzeit, als VfL Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch der Kragen platzte, er quer über den Platz schrie und seine Abwehrspielerin Dominique Janssen ordentlich zusammenfaltete. Ein Symptom für die Unzufriedenheit, die sich nach einer guten Stunde auf der Wolfsburger Trainerbank breit gemacht hatte. Am Ende kam der Favorit vor 1.405 Zuschauern am FC Bayern Campus aber noch einmal mit einem blauen Auge davon und setzte sich beim FC Bayern München mit 3:1 (1:1) klarer durch, als es der Spielverlauf vermuten ließ.
In der intensiven, an Zweikämpfen reichen Partie hatten die Wolfsburgerinnen die Partie zunächst im Griff und gingen durch Ewa Pajor in Führung, die einen weiten Schlag von Alex Popp aufnahm, den Ball über Bayern-Torhüterin Laura Benkarth hinweg hob und den vom Pfosten zurückspringenden Ball per Kopf einnickte (20.). Die Münchenerinnen, die wegen einer Mandelentzündung kurzfristig auf Melanie Leupolz verzichten mussten, hielten zwar gut dagegen, doch erst kurz vor der Pause, als die Intensität im Wolfsburger Spiel leicht nachließ, schlugen die Bayern eiskalt zurück. Joelle Wedemeyer griff Linda Dallmann zu zögerlich an und Janssen kam in der Mitte bei der Hereingabe einen Schritt zu spät, so dass Jovana Damnjanovic mit der ersten Bayern-Chance des Spiels zum Ausgleich traf (45.).
Der Treffer hinterließ bei den Wolfsburgerinnen sichtlich Wirkung und die Münchenerinnen witterten Morgenluft. Die bereits gelbverwarnte Lena Goeßling hatte nach einer guten Stunde Glück, dass sie bei einem taktischen Foul an Lineth Beerensteyn im Mittelfeld von Schiedsrichterin Katrin Rafalski nicht die fällige Gelb-Rote Karte sah. „Wir haben kurz überlegt, ob wir sie vom Feld nehmen sollen“, so Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch. „Aber ich hatte dann das Gefühl, dass sie das als erfahrene Spielerin gut zu Ende bringen kann.“ Stattdessen entschied sich Lerch dafür, für die heute eher blasse Pernille Harder Fridolina Rolfö ins Spiel zu bringen, Sara Doorsoun ersetzte Joelle Wedemeyer und sollte mit ihrer Schnelligkeit die vom Platzverweis bedrohte Goeßling unterstützen. Wolfsburg-Keeperin Hedvig Lindahl konnte sich bei einem Freistoß von Lina Magull auszeichnen, auf der Gegenseite parierte Benkarth gegen Alex Popp.
Die Bayern waren am Drücker, Simone Laudehr scheiterte nur knapp per Kopf, doch den Münchenerinnen gelang kein zweiter Treffer. „Wir haben heute ein gutes Spiel gemacht und waren meiner Meinung nach die bessere Mannschaft. Wir hatten in der zweiten Halbzeit die besseren Chancen und haben es versäumt, den Sack zuzumachen. Wir müssen daran arbeiten, vor dem Tor cooler zu sein“, meinte Linda Dallmann.
In einer turbulenten Schlussphase tanzte Rolfö ihre schwedische Nationalelfkollegin Amanda Ilestedt aus, ihr scharfer Schuss fand jedoch nicht den Weg ins Tor. Kurz darauf war Wolfsburg zur Stelle, als Benkarth eine Ecke von Goeßling zu kurz wegfaustete und der Ball über Umwege vor die Füße von Jansen fiel, die nicht lange fackelte und die Wolfsburger erneut in Führung brachte (85.).
Doch die Bayern gaben sich nicht geschlagen. Erst hatte die eingewechselte Mandy Islacker die Chance zum Ausgleich (90.), in der Nachspielzeit lenkte Lindahl einen Kopfball der starken Sydney Lohmann mit einer Parade an die Latte. Im Gegenzug beseitigte Ewa Pajor alle Zweifel, als sie den Ball ins leere Tor schob – Benkarth hatte ihr Gehäuse verlassen, als Bayern noch einmal alles nach vorne warf (90.+4).
Eine erleichterte Rolfö meinte nach dem Erfolg an ihrer alten Wirkungsstätte, wo sie zweieinhalb Jahre gespielt hat: „Nach dem Ausgleich hatten wir eine etwas wacklige Phase, aber zum Glück haben wir dann das Tor gemacht und dann wurde es besser. Gegen Bayern sind es immer enge Spiele und es ist nie einfach.“
Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch erklärte: „Es war eine ausgeglichene Partie und es hätte durchaus anders ausgehen können. Das 2:1 fiel für uns zu einem glücklichen Zeitpunkt. Beide Teams hatte vorher schon gute Torchancen. Wir wissen das Ergebnis einzuordnen und sind glücklich, dass wir diese Hürde genommen haben.“
Bayern-Trainer Jens Scheuer sagte: „Wir haben heute gegen einen Gegner, der die Liga dominiert, gezeigt, zu was wir in der Lage sind. Deswegen ein großes Kompliment an das Team. Heute hat uns nur das Quäntchen Spielglück gefehlt. Beide Mannschaften haben ein sehr gutes, packendes Spiel gezeigt. Wir sind auf einem sehr guten Weg und so müssen wir weiter machen.“
Dass die Auslosung zum DFB-Pokal-Viertelfinale erst in fast drei Monaten am 9. Februar 2020 durchgeführt wird, sorgt bei Wolfsburgs Sportlichem Leiter Ralf Kellermann für Unmut: „Da habe ich absolut kein Verständnis dafür, wir hatten schon in der vergangenen Saison die gleiche Situation. Und ich weiß, dass das alle Vereine so sehen. Das gibt es im Fußball glaube ich nirgendwo, dass man so lange auf eine Auslosung warten muss. Und es schadet uns, dass wir nicht planen können.“
Am Samstag fanden vier weitere Achtelfinal-Spiele statt. Die TSG 1899 Hoffenheim gewann gegen den FF USV Jena mit 6:1 (4:0). Vor 240 Zuschauern im Dietmar-Hopp-Stadion sorgten Isabella Hartig (8.), Maxi Rall (10.), Jana Beuschlein (27.) und Lena Lattwein (32.) bereits in der ersten Halbzeit für klare Verhältnisse. Rall (76.) und Hartig (78.) machten in der zweiten Halbzeit das halbe Dutzend voll, ehe der kosovarischen U19-Nationalspielerin Donika Grajqevci nach einem schönen Sololauf für die Gäste der Ehrentreffer gelang (88.).
Bayer 04 Leverkusen gewann beim 1. FFC Frankfurt mit 1:0 (1:0), nachdem das Duell in der Liga noch die Frankfurterinnen für sich entschieden hatte. Im Stadion am Brentanobad erzielte Sandra Jessen vor 860 Zuschauern den einzigen Treffer der Partie (29.).
Turbine Potsdam gewann beim SC Freiburg mit 3:2 (1:1). Die Freiburgerinnen gingen vor 333 Zuschauern im Möslestadion durch Klara Bühl in Führung (30.), doch mit dem Pausenpfiff gelang Nina Ehegötz der Ausgleich (45.). Anna Gerhardt (46.) und Sarah Zadrazil (84.) brachten Turbine auf Kurs, Stefanie Sanders konnte in der Nachspielzeit nur noch verkürzen (90.+2). In der Bundesliga hatten die Freiburgerinnen das Duell bei Turbine Potsdam noch mit 5:4 gewonnen.
Der SC Sand gewann bei Zweitliga-Tabellenführer SV Werder Bremen mit 2:0 (1:0). Die Treffer vor 234 Zuschauern auf Platz 11 des Weserstadions erzielten Michaela Brandenburg (42.) und Anne van Bonn (81.). Drei weitere Spiele werden am Sonntag ausgetragen.