Deutschland gegen Frankreich: die Einzelkritik

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Mit leidenschaftlichem Kampfgeist und Glück hat sich die deutsche Frauenfußball-Nationalelf mit einem 6:5-Sieg nach Elfmeterschießen gegen Frankreich für das Halbfinale der Frauenfußball-WM in Kanada qualifiziert. Dabei waren es wieder einmal erfahrene Spielerinnen, die die Kohlen aus dem Feuer holten.

Nadine Angerer: Wieder einmal zeigte die DFB-Torhüterin, dass in Alles-oder-Nichts-Spielen auf sie Verlass ist. War ein Fels in der Brandung und klärte einige brenzlige Situationen souverän. Beim abgefälschten Gegentreffer von Louisa Necib war sie machtlos. Im Elfmeterschießen dann einmal mehr die entscheidende Figur, als sie den Elfer von Claire Lavogez parierte.

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Note: 1

Leonie Maier: Der kleine Wirbelwind zeigte heute seine wohl bisher stärkste WM-Leistung. Ließ auf ihrer Abwehrseite nicht allzuviel anbrennen und legte immer wieder den Vorwärtsgang ein. Ging bis an die Schmerzgrenze und holte den Handelfmeter heraus, der die DFB-Elf rettete.

Note: 2,5

Annike Krahn: War von der ersten Minute an hellwach und bereinigte zahlreiche brenzlige Situationen abgeklärt und souverän. Allein in der ersten Halbzeit hielt sie die DFB-Elf mit ihre guten Stellungsspiel und ihrer Ruhe im Spiel. War ein wichtiger Baustein für den Erfolg.

Note: 1,5

Babett Peter: Kam für die gelbgesperrte Saskia Bartusiak zum Einsatz und machte ihre Sache ordentlich. Behielt in zahlreichen brenzligen Situationen den Überblick und half häufiger auf der Außenbahn aus. Köpfte aber den Ball vor dem 0:1 unglücklich vor die Füße von Torschützin Louisa Necib.

Note: 3

Tabea Kemme: Hatte in der ersten Halbzeit ihre liebe Müh und Not mit der pfeilschnellen Elodie Thomis und ließ sich häufiger überlaufen. Fand aber wie die gesamte Mannschaft in der zweiten Halbzeit besser in die Partie. Dürfte sich über die Thomis-Auswechslung nicht geärgert haben.

Note: 3,5

Lena Goeßling: War in der ersten Halbzeit vor allem damit beschäftigt, das Aufbauspiel der Französinnen zu unterbinden, was nur selten gelang. Viele Ballverluste und verlorene Zweikämpfe. Wurde in der zweiten Halbzeit etwas stabiler, wurde aber zurecht ausgewechselt.

Note: 4

Melanie Leupolz: War auf der Doppel-Sechs zusammen mit Goeßling über weite Strecken dem französischen Mittelfeld unterlegen. Musste heute im Duell mit der Weltspitze ein wenig Lehrgeld zahlen. Steigerte sich aber im Spielverlauf und biss sich zunehmends in die Partie.

Note: 4

Simone Laudehr
Simone Laudehr: Dauerläuferin im DFB-Team © Nora Kruse / ff-archiv.de

Simone Laudehr: Die Dauerläuferin im deutschen Team. Ging über 120 Minuten hohes Tempo und machte die gegnerischen Spielerinnen mit fortdauernder Spieldauer mürbe. Versuchte immer wieder Lücken zu reißen und hätte fast den Ausgleich erzielt.

Note: 2

Anja Mittag: Wurde bereits zur Halbzeit gegen Dzsenifer Marozsán ausgewechselt. Fing sich früh eine Gelbe Karte ein. Kam in der schwachen ersten Hälfte der DFB-Elf kaum zur Geltung und konnte nicht an die bisherigen Turnierleistungen anknüpfen.

Note: 4

Alex Popp: Die WM in Kanada ist bisher nicht das Turnier von Alex Popp. War zwar wie in allen bisherigen WM-Spielen sehr bemüht, kann aber derzeit ihre Stärken kaum zur Geltung bringen. Wurde in der zweiten Halbzeit ebenfalls zurecht ausgewechselt, weil sie keine Akzente setzen konnte.

Note: 4,5

Célia Sasic: Unermüdliche Kämpferin. Brachte mit ihrem verwandelten Handelfmeter die DFB-Elf ins Spiel zurück und verwandelte einen weiteren Elfmeter im Elfmeterschießen eiskalt. Rackerte, offenbarte aber Schwächen bei der Ballan- und –mitnahme.

Note: 2,5

Sara Däbritz: Die junge Noch-Freiburgerin brachte Schwung ins deutsche Spiel. Zwar konnte sie sich nicht entscheidend durchsetzen, sorgte aber für Beschäftigung in der französischen Hintermannschaft.

Note: 3

Melanie Behringer: Kämpfte sich nach ihrer Einwechslung ebenfalls gut ins Spiel hinein und unterstützte die jungen Spielerinnen. Mit ihr kam mehr Momentum in die Vorwärtsbewegung, einige Standards hätten aber besser kommen können.

Note: 3

Dzsenifer Marozsán: Kam zur Pause für Anja Mittag ins Spiel und sorgte dafür, dass ein wenig mehr Ballsicherheit ins deutsche Spiel kam. Konnte sich aber nicht entscheidend in Szene setzen, versuchte es einmal wagemutig mit einem Distanzschuss. Obwohl angeschlagen, verwertete sie aber ihren Elfmeter sicher.

Note: 3

FRAUENFUSSBALL - Weltmeisterschaften 1991 bis 2019: Enzyklopädie des Sports
  • Roland M. Weissbarth
  • Herausgeber: Independently published
  • Taschenbuch: 272 Seiten

Letzte Aktualisierung am 15.09.2019 / * = Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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waiiy
waiiy

Ich gehe mit den Noten bis auf wenige Ausnahmen konform. Aber bei Kemme stelle ich leise die Frage, wer und vor allem wie jemand gegen Thomis besser spielt, wenn diese aus der Zentrale so gut eingesetzt werden kann. Da hilft nur doppeln, wenn denn die linke offensive Spielerin (Popp) mithilft. Ansonsten geht es nur, wenn die linke Verteidigerin in der IV (Peter) mithilft. Ersteres geschah nicht, zweiteres sehr wohl. Außerdem hatte sich Thomis in der 2. Halbzeit dann an Kemme abgenutzt und musste ausgewechselt werden, während Kemme von da an immer stärker wurde und dann ähnlich wichtig war wie Maier… Weiterlesen »

Pauline
Pauline

Die Benotung in allen Ehren. Das war kein Fussballspiel unserer Mädels sondern ein Krampf der aber im Kampf ein Glückliches Ende nahm.

egjowe
egjowe

Bewertung der Bewertung:
Für mich die „beste“ und „zutreffendste“
während des bisherigen Turnierverlaufes.
100%ige Übereinstimmung!!
(aber das ist halt meine subjektve Sicht)

naryl
naryl

Zum Thema Kemme kann ich waiiy nur recht geben. Definitiv ist da noch Luft nach oben, aber gerade in den Szenen den in denen sie viel zu spät kam, die Szenen die vor allem in Erinnerung bleiben, spielten ihre Vorderleute immer wieder keine gute Rolle. Da kann sich Maier auf der anderen Seite viel besser drauf verlassen, dass Bälle nicht postwendend zurückkommen. Hinzu kommt, dass die deutschen Innenverteidigerinnen auch in der der Vorwärtsbewegung sehr weit hinten bleiben, so dass gerade Thomis weit hinter der aufgerückten Kemme (Mittellinie ist jetzt nicht wirklich eine No-Go Area für eine Aussenverteidigerin) stehen konnte, ohne… Weiterlesen »

translate
translate

Ach ja, hat‘ ich noch vergessen – Anikes Interview – total cool!

Und irgendwie so passend zu ihrer souveränen, abgezockten Leistung!

I love this girl! 🙂

(gegen Ende des Videos)

dummkopf
dummkopf

waiiy merkt man natürlich meist an, wie hier bei Kemme, dass er die Übersicht hat, Spielerinnen nicht als Einzelfigur wahrzunehmen, sondern die Einflüsse der Spielumgebung mitzubetrachten. Aber mein lieber, Maro und Spieleröffnungserwartungshaltung – ich weiss nicht. Auch die Beobachtung, dass Krahn auch in der Vorwärtsbewegung sehr weit hinten bleibt, gefällt. Gute zentrale Erkenntnis, wenn auch hübsch formuliert. Das hatte ja spielverlagerung.de irgendwie übersehen, die ich aber natürlich sonst sehr schätze. Ich befürchte aber, nicht wirklich sehr dameninteressiert, diesmal schon wieder etwas schlampig. Nachdem sie letztes Mal noch dankenswerterweise den Laudehr-Flanken-Fehler korrigiert haben. Danke dafür, ist notiert 😉 Ich kam noch… Weiterlesen »

sonic
sonic

Einige Bewertungen sehe ich etwas anders: Annike Krahn war für mich keine 1,5. Sie hat zwar hinten überragend gespielt und eine erstklassige Zweikampfbilanz vorzuweisen, aber in der 1. Hz fiel ihr (warum auch immer) halt auch die Aufgabe der Spieleröffnung zu, und die hat sie, wie in den meisten Spielen, nur mangelhaft erfüllt. Für eine 1,5 muß da heutzutage auch von einer Innenverteidigerin mehr kommen. Kemme würde ich noch schlechter bewerten. Taktisch falsch eingestellt und die Zweikampfführung mangelhaft. Sie hat auch im Spiel nichts dazu gelernt und irgendwie ihr Verhalten angepaßt, um Thomis unter Kontrolle zu bekommen. Wenn sie es… Weiterlesen »

Altwolf
Altwolf

Bei dieser Bewertung stimmen einige Relationen nicht und wenn man die Benotung ingesamt sieht , A.Mittag,A.Popp,L.Gößling u.M.Leupolz mit den Werten 4 und mehr, dann könnte man ja aufgrund der Restnoten den Eindruck haben, daß bis auf diese 4 Spielerinnen die anderen ein „recht ordentliches“ Spiel abgeliefert haben. Da fehlt doch ein bischen die Zusammenschau und insbes. Ursache u. Auswirkung der gezeigten Leistungen. Alle in der 2.HZ eingesetzten Spielerinnen hatten deutlich bessere Voraussetzungen sich zu präsentieren, da sich die Französinnen zunehmend schwächer zeigten und auch immer mehr Fehler machten. Offenbar reichen 1 oder 2 sicher verwandelte Elfer aus um die restliche… Weiterlesen »

never-rest
never-rest

Einige Spieler-Noten halte ich für viel zu freundlich. Laudehr kommt mit viel zu gut weg. Sie hat genauso wie die anderen Angreiferinnen wenig gerissen. Gehörte in den Spielen davor immer zu den Besten, aber gegen Frankreich war das nix. Genauso wie Laudehr ist Sasic als unermüdliche Antreiberin und gegen Frankreich auch als eiskalte Elfmetervollstreckerin unverzichtbar, aber gelungen ist ihr ansonsten auch nichts. Goeßling war keinesfalls schlechter als Laudehr und Sasic. Ich habe schon an anderrer Stelle geschrieben, dass sie im MF in der 1. Hz. quasi allein gelassen wurde, weil Leupolz einen schlechten Tag hatte oder schlicht überfordert war und… Weiterlesen »

wisser
wisser

der franz. Trainer hat sein Team mehr als geschwächt als er die überragende Thomis rausnahm. Warum? Frau Kemme würde sich bis heute noch nicht von den Schwindelanfällen erholt haben!

dummkopf
dummkopf

Ist diese WM bisher sowieso erfreulicherweise relativ wenig Natio-bebrillt und objektiv betrachtet hier. Anders als zu früheren Gelegenheiten. Möchte klarstellen: Kemme hat das natürlich nicht nur wegen fehlender Unterstützung schlecht gemacht. Stellungsspiel war atemberaubend. Sichtbar keine Routine darin, und auch nicht clever reagiert. Auch da wäre es dann an der Bank, für Korrektur zu sorgen. Man darf aber nicht vergessen, dass die keine hochgelagerte Fernsehposition einnimmt, und nur ebenerdig schauen kann. Trotzdem sieht man das. Gab es in dem Zusammenhang eigentlich irgendwo eine Stellungnahme, warum Maier erst rüber und dann wieder zurück? Hat man da reagieren wollen und dann doch… Weiterlesen »

FFFan
FFFan

@ wisser:
„der franz. Trainer hat sein Team mehr als geschwächt als er die überragende Thomis rausnahm. Warum?“

E.Thomis hat wg. Krämpfen und Erschöpfung selbst um die Auswechslung gebeten. So sagte es zumindest P.Bergeroo auf der Pressekonferenz.

egjowe
egjowe

@FFFan
An anderer Stelle schon geschrieben:

Der Trainer kann auf einer Pressekonferenz vieles erzählen,
wenn er kritisch befragt wird.
Für Auswechslungen mussten schon häufig “Verletzungen” herhalten, besonders dann, wenn diese sich spielentscheidend für den Misserfolg herausstellten.

Ich erinnere mich genau an Delie’s Gesichtsausdruck
mit starrem Blick nach vorn und ihrem Kopfschütteln
zum Ende der Verlängerung.

Thomis nahm am Elfmeterschießen überhaupt nicht teil.
Kerzengerade, starrer Blick voraus und “keinerlei Reaktion”
auf das, was sich abspielte, ob positiv oder negativ für ihre Mannschaft.

Bei beiden habe ich weiterhin das Gefühl, dass diese
(Nicht-)Reaktion aus einer tiefen Enttäuschung herrührt,
vielleicht auch Ausdruck eines Beleidigtseins.

GG
GG

Danke @FFFan für die Aufklärung – in meiner Wahrnehmung der ausschlaggebende Aspekt in diesem Spiel. Drängt sich allerdings sogleich die Frage nach dem „Warum“ auf. Bei keineswegs extrem anspruchsvollen klimatischen Bedingungen gerade einmal Luft für 75 Minuten ? Demgegenüber – auch wenn der Vergleich etwas hinkt – „Duracell-Häschen“ (O-Ton Marco Hagemann, ESP) Tabbi Kemme, die sich nach der Herausnahme von Thomis erst so recht entfalten konnte. Konditionelle Probleme bei einer franz. Spitzenspielerin ?? Und auch @never-rest einen Dank für die treffende Analyse zu Lena Goeßling: Gerade von ihr wären in der Schlußphase noch wichtige Impulse zu erwarten gewesen. Der Ausgleich… Weiterlesen »

Altwolf
Altwolf

Noch einige Anmerkungen zur Bewertung von T.Kemme, deren Lesitung in der 1.Hz als weniger gut eingeschätzt und dabei offenbar von einigen geglaubt wurde man müsse nur die Ballannahme von Thomis stören. Genau hier irrt der Kritiker, denn jede Französin weiß um E-Thomis Schnelligkeit und spielt dann sinnvollerweise dann auch die Pässe an d. Defensivspielerin vorbei oder über sie hinweg, so daß in diesem Falle Tabi sie nur hätte mit dem Körper wegblocken können – Foulsspielpfiff als sichere Folge. Dies zu verteidigen war dann Aufgabe v. B.Peter, nämlich diese Pässe dann möglichst abzufangen, jedoch damit auch das Zentrum aufzumachen, wenn nicht… Weiterlesen »

Dori
Dori

@GG: Ich würde Sasic nicht nach außen stellen, sondern sie zur Abwechslung mal ganz raus lassen und stattdessen eine andere Spielerin spielen lassen. Wenn es wieder nach Elfmeterschießen aussehen sollte, kann man sie ja immer noch einwechseln, weil sie bei Elfmetern starke Nerven zu haben scheint. Aber so aus dem Spiel heraus denke ich können andere Spielerinnen mehr zum Sieg beitragen. Aber nie im Leben wird Neid Popp ins Zentrum stellen und Sasic nach außen oder sogar ganz raus lassen. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Aber schön wärs… Weder Sasic noch Popp auf Außen haben mich… Weiterlesen »

speedy75
speedy75

@Altwolf
Gut und treffend zusammengefasst kann man da nur sagen.

never-rest
never-rest

Altwolf trifft den Nagel mal wieder auf den Kopf, was die Besetzung der Offensive angeht. Bei den meisten Gegnern ist es egal, ob die Außenbahnen stark besetzt sind oder nicht. Aber gegen richtig stabile und gut organisierte Abwehrfomationen wie Norwegen oder zuletzt Frankreich kommt zu wenig von den Flügeln, weil mit 2 Ausnahmen keine gelernten Spielerinnen für diese Postition im Aufgebot sind. Stattdessen gibt es ein Überangebot an Mittelstürminnen gleichen Typs, die in der Not dann eben außen eingesetzt werden. Laudehr ist sicher eine Spielerin, die den Job auf dem Flügel machen kann. Däbritz, Lotzen, Popp, Mittag sind auf den… Weiterlesen »

FFFan
FFFan

Hier zum Vergleich mal die ‚kicker‘-Noten:

Angerer 2
Maier 4
Krahn 1,5
Peter 4
Kemme 4,5
Goeßling 4
Leupolz 4
Laudehr 2,5
Mittag 4
Popp 4,5
Sasic 2,5
Marozsan 3,5
Däbritz 3
Behringer 3,5

https://www.kicker.de/news/fussball/frauen/frauen-wm/frauen-weltmeisterschaft/2015/5/2824550/spielanalyse_deutschland-frauen_frankreich-frauen.html

Altwolf
Altwolf

Es ist schon ein „Kreuz“ mit den Bewertungen, auch wenn die Kickernoten dem Gesamteindruck der Spielerinnenleistungen und der Abstufungen gegeneinander etwas näher liegen als von womensoccer. Aber auch hier sehe ich das Problem, daß in der Regel nach dem Spiel die Bewertung gemacht wird und „natürlich“ der letzte Eindruck die Benotung prägt. Wer kann sich noch daran erinnern, das in den ersten ca. 20 min nicht A.Krahn in der Defensive so ziemlich alles abgeräumt hat, sondern B.Peter. Wem ist aufgefallen, daß sich auch in dieser Phase A.Popp ständig mit Defensivleistungen im MF und auch auf Außen im Wechsel m.T.Kemme gegen… Weiterlesen »