Deutschland gegen Frankreich: die Einzelkritik

Von am 27. Juni 2015 – 8.50 Uhr 23 Kommentare

Mit leidenschaftlichem Kampfgeist und Glück hat sich die deutsche Frauenfußball-Nationalelf mit einem 6:5-Sieg nach Elfmeterschießen gegen Frankreich für das Halbfinale der Frauenfußball-WM in Kanada qualifiziert. Dabei waren es wieder einmal erfahrene Spielerinnen, die die Kohlen aus dem Feuer holten.

Nadine Angerer: Wieder einmal zeigte die DFB-Torhüterin, dass in Alles-oder-Nichts-Spielen auf sie Verlass ist. War ein Fels in der Brandung und klärte einige brenzlige Situationen souverän. Beim abgefälschten Gegentreffer von Louisa Necib war sie machtlos. Im Elfmeterschießen dann einmal mehr die entscheidende Figur, als sie den Elfer von Claire Lavogez parierte.

Note: 1

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Leonie Maier: Der kleine Wirbelwind zeigte heute seine wohl bisher stärkste WM-Leistung. Ließ auf ihrer Abwehrseite nicht allzuviel anbrennen und legte immer wieder den Vorwärtsgang ein. Ging bis an die Schmerzgrenze und holte den Handelfmeter heraus, der die DFB-Elf rettete.

Note: 2,5

Annike Krahn: War von der ersten Minute an hellwach und bereinigte zahlreiche brenzlige Situationen abgeklärt und souverän. Allein in der ersten Halbzeit hielt sie die DFB-Elf mit ihre guten Stellungsspiel und ihrer Ruhe im Spiel. War ein wichtiger Baustein für den Erfolg.

Note: 1,5

Babett Peter: Kam für die gelbgesperrte Saskia Bartusiak zum Einsatz und machte ihre Sache ordentlich. Behielt in zahlreichen brenzligen Situationen den Überblick und half häufiger auf der Außenbahn aus. Köpfte aber den Ball vor dem 0:1 unglücklich vor die Füße von Torschützin Louisa Necib.

Note: 3

Tabea Kemme: Hatte in der ersten Halbzeit ihre liebe Müh und Not mit der pfeilschnellen Elodie Thomis und ließ sich häufiger überlaufen. Fand aber wie die gesamte Mannschaft in der zweiten Halbzeit besser in die Partie. Dürfte sich über die Thomis-Auswechslung nicht geärgert haben.

Note: 3,5

Lena Goeßling: War in der ersten Halbzeit vor allem damit beschäftigt, das Aufbauspiel der Französinnen zu unterbinden, was nur selten gelang. Viele Ballverluste und verlorene Zweikämpfe. Wurde in der zweiten Halbzeit etwas stabiler, wurde aber zurecht ausgewechselt.

Note: 4

Melanie Leupolz: War auf der Doppel-Sechs zusammen mit Goeßling über weite Strecken dem französischen Mittelfeld unterlegen. Musste heute im Duell mit der Weltspitze ein wenig Lehrgeld zahlen. Steigerte sich aber im Spielverlauf und biss sich zunehmends in die Partie.

Note: 4

Simone Laudehr

Simone Laudehr: Dauerläuferin im DFB-Team © Nora Kruse / ff-archiv.de

Simone Laudehr: Die Dauerläuferin im deutschen Team. Ging über 120 Minuten hohes Tempo und machte die gegnerischen Spielerinnen mit fortdauernder Spieldauer mürbe. Versuchte immer wieder Lücken zu reißen und hätte fast den Ausgleich erzielt.

Note: 2

Anja Mittag: Wurde bereits zur Halbzeit gegen Dzsenifer Marozsán ausgewechselt. Fing sich früh eine Gelbe Karte ein. Kam in der schwachen ersten Hälfte der DFB-Elf kaum zur Geltung und konnte nicht an die bisherigen Turnierleistungen anknüpfen.

Note: 4

Alex Popp: Die WM in Kanada ist bisher nicht das Turnier von Alex Popp. War zwar wie in allen bisherigen WM-Spielen sehr bemüht, kann aber derzeit ihre Stärken kaum zur Geltung bringen. Wurde in der zweiten Halbzeit ebenfalls zurecht ausgewechselt, weil sie keine Akzente setzen konnte.

Note: 4,5

Célia Sasic: Unermüdliche Kämpferin. Brachte mit ihrem verwandelten Handelfmeter die DFB-Elf ins Spiel zurück und verwandelte einen weiteren Elfmeter im Elfmeterschießen eiskalt. Rackerte, offenbarte aber Schwächen bei der Ballan- und –mitnahme.

Note: 2,5

Sara Däbritz: Die junge Noch-Freiburgerin brachte Schwung ins deutsche Spiel. Zwar konnte sie sich nicht entscheidend durchsetzen, sorgte aber für Beschäftigung in der französischen Hintermannschaft.

Note: 3

Melanie Behringer: Kämpfte sich nach ihrer Einwechslung ebenfalls gut ins Spiel hinein und unterstützte die jungen Spielerinnen. Mit ihr kam mehr Momentum in die Vorwärtsbewegung, einige Standards hätten aber besser kommen können.

Note: 3

Dzsenifer Marozsán: Kam zur Pause für Anja Mittag ins Spiel und sorgte dafür, dass ein wenig mehr Ballsicherheit ins deutsche Spiel kam. Konnte sich aber nicht entscheidend in Szene setzen, versuchte es einmal wagemutig mit einem Distanzschuss. Obwohl angeschlagen, verwertete sie aber ihren Elfmeter sicher.

Note: 3

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

23 Kommentare »

  • Dori sagt:

    Ich finde das mit diesen Einzelnoten eh nicht so gut, weil man bei einem Fußballspiel nie nur die Spielerin allein bewerten kann, sondern auch die Einflüsse von anderen Spielerinnen oder dem Spiel an sich und die Gründe, warum die Spielerin so gehandelt hat/handeln musste, hinzu kommen. Hat sie ihre Position verlassen, weil eine andere Spielerin nicht auf ihrer Position war, wodurch dann wiederum die eigene Position frei wurde? Muss sie gegen die stärkste Spielerin des Gegners verteidigen oder angreifen, wohingegen die Mitspielerinnen vergleichsweise einfache Aufgaben hatten und deshalb in der Benotung besser weg kommen? Ist ihr zu offensives oder zu defensives Verhalten auf das Spielsystem zurückzuführen und hat sie dabei einfach nur die Anweisungen der Trainerin befolgt? Wie will man eine Torhüterin benoten, wenn sie kaum etwas zu tun hatte?

    Fußball ist ein Mannschaftssport und die Leistung einer Spielerin ist immer abhängig von der ihrer Mitspielerinnen und des Trainerstabs usw. Natürlich kann man sagen, dass eine Spielerin vielleicht sehr unkonzentriert wirkte oder viele Stockfehler hatte, nie dem Ball entgegengekommen ist und nie das Tor getroffen hat. Aber alles, was über diese individuellen Fehler hinausgeht, kann man als Außenstehender doch gar nicht wirklich bewerten bzw. sollte man nicht nur einer einzigen Spielerin in die Schuhe schieben.

    Abgesehen davon sind die Benotungen ja sehr subjektiv, wie man immer wieder in den Kommentaren lesen kann.

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  • karl sagt:

    @Altwolf: „Es ist schon ein “Kreuz” mit den Bewertungen, auch wenn die Kickernoten dem Gesamteindruck der Spielerinnenleistungen und der Abstufungen gegeneinander etwas näher liegen als von womensoccer.

    Aber auch hier sehe ich das Problem, daß in der Regel nach dem Spiel die Bewertung gemacht wird und “natürlich” der letzte Eindruck die Benotung prägt“
    Das ist sicher richtig, aber wer von euch sich noch an die Schulzeit erinnern kann muesste doch wissen dass Noten schon immmer und bei jeder Gelegenheit eine Sache der subjektiven Wahrnehmung und Wertung sind und waren.
    So ist das hier auch , und meine subjektive Wahrnehmung entspricht in etwa der von Marcus Noten und der Noten vom Kicker. Dass das manche ein wenig abweichend sehn ist doch voellig normal.

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  • Altwolf sagt:

    @Dori.

    Genau so, wie du es beschrieben hast, stellt sich das „Problem“ einer Spielerbenotung dar und

    @karl.

    die „subjektiven“ Wahrnehmungen machen das Ganze halt auch so „schwierig“ aber auch wiederum so emotional, da man dann so „wunderbar“ darüber diskutieren kann.

    Wenn wir uns dabei vielleicht möglichst vieler „objektiven“ Details und Fakten bedienen können, werden wir vielleicht den Spielerinnen etwas gerechter in der Beurteilung.

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