Deutsche Doppel-Sechs will durchstarten
Das deutsche Mittelfeld-Duo Lena Goeßling und Melanie Leupolz blickt entspannt und voller Vorfreude dem WM-Viertelfinale gegen Frankreich am Freitag (live ab 22 Uhr im ZDF) entgegen.
Der feine, warme Nieselregen, der am Dienstagmorgen vor dem Kongresszentrum in Montreal niederging, tat der guten Stimmung der Mittelfeldspielerinnen Lena Goeßling und Melanie Leupolz keinen Abbruch. Nach dem überzeugenden 4:1-Sieg im Achtelfinale gegen Schweden und der gelungenen Olympia-Qualifikation für die Spiele in Rio ist die Stimmung nicht nur bei der deutschen Doppel-Sechs, sondern im gesamten Team bestens.
Mit Spaß zum Erfolg „Wenn man Spaß hat, läuft alles von alleine“, so Mittelfeldspielerin Melanie Leupolz, die mit ihren 31 Länderspielen zu den noch unerfahreneren Spielerinnen im deutschen Team gehört, aber in der vergangenen Saison einen kometenhaften Aufstieg hingelegt hat. Spaß hatte die 21-Jährige in den letzten Wochen genug. Erst feierte sie überraschend mit dem FC Bayern München den Deutschen Meistertitel, dann gehörte sie bei der WM in Kanada in drei von vier Spielen zur Startformation. Gegen Norwegen fehlt sie nur wegen einer im Auftaktspiel erlittenen Schambeinprellung. Die Olympia-Qualifikation ist in der Tasche und die Chancen stehen gut, dass Leupolz auch gegen Frankreich wieder von Beginn an auf dem Feld stehen wird.
Auf dem Boden bleiben Es läuft also derzeit rund für die bodenständige Leupolz, die trotz der Erfolge die Bodenhaftung nicht verliert. „Ich zähle mich nicht generell zum Stamm oder zur Startelf, auch wenn ich jetzt ein paar Mal von Anfang an gespielt habe. Wir haben so eine große Konkurrenz auf der Sechserposition, da kann jeder spielen. Aber ich freue mich natürlich, wenn ich von Anfang an spielen darf und das Vertrauen der Trainerin habe.“
Erfahrung an ihrer Seite Vertrauen, dass sich Leupolz mit starken Leistungen auf dem Platz und einer immer besser werdenderen Physis erarbeitet hat. Dabei profitiert sie sowohl im Verein mit Melanie Behringer an ihrer Seite als auch in der Nationalmannschaft mit Lena Goeßling auf der zweiten Sechserposition, von der Ruhe und Ausstrahlung der beiden erfahreneren Spielerinnen. „Es macht für mich keinen großen Unterschied, mit wem von den beiden ich spiele“, so Leupolz.
Gesundes Selbstvertrauen Doch verstecken tut sich die selbstbewusste Allgäuerin hinter den beiden Routiniers nicht: „Sicherlich merkt man die Erfahrung der älteren Spielerinnen, da sie ruhiger bleiben, wenn man einmal in Rückstand liegt. Aber ich fühle mich nicht unterlegen, nur weil ich noch keine 100 Länderspiele gemacht habe.“ Und Lena Goeßling kann sich ganz auf ihre Mittelfeldpartnerin verlassen. „Ich weiß, was Melly macht, sie weiß, was ich mache und wir unterstützen uns immer gut auf dem Platz.“
Keiner spricht über Keßler Und drei Tage vor dem mit Spannung erwarteten WM-Viertelfinale gegen Frankreich mag es auch eines der größten Komplimente sein, dass auf der Pressekonferenz mit den beiden Spielerinnen das Fehlen der verletzten Weltfußballerin Nadine Keßler von keinem der anwesenden Medienvertreter thematisiert wurde. Mit dem souveränen Erfolg gegen Schweden im Rücken blicken Goeßling und Leupolz voller Optimismus der nächsten Aufgabe entgegen.
90 Minuten Vollgas „Wenn wir wieder 90 Minuten powern, dann glaube ich auch daran, dass wir als Sieger vom Platz gehen“, so Goeßling, die dennoch nur lobende Worte für den Gegner übrig hat. „Frankreich ist sicherlich eine der besten Mannschaften im Turnier, diesen Status haben sie sich lange erarbeitet.“ Und Leupolz ergänzt: „Sie haben alles, was man sich von einer Mannschaft wünschen kann. Technisch gut, schnell, robust und zweikampfstark.“
Extra Motivation Dass die Mehrheit der Zuschauer im französischsprachigen Montreal am Freitag für den Gegner sein wird, stört Goeßling nicht. „Das kennen wir schon von der EM 2013, als wir in Schweden gegen Schweden gespielt haben. Die waren alle gegen uns, aber wir haben das gut gemeistert.“ Und Leupolz meint: „Das kann sogar förderlich sein und einen ganz besonders anspornen, wenn alle einen ausbuhen.“
Treffen unterm Hallendach Die Erfolgsformel steht für Leupolz bereits fest: „Die Aggressivität in den Zweikämpfen wird der Schlüssel sein. Da treffen zwei gleich starke Mannschaften aufeinander, am Ende wird der gewinnen, der es mehr wollte.“ Und fest steht auch: Regen und Wärme wird es im Olympiastadion nicht geben – dafür werden das geschlossene Hallendach und die Ventilation sorgen.