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2015

Achim Feifel verlässt Turbine Potsdam

Der personelle Aderlass beim 1. FFC Turbine Potsdam geht in die nächste Runde. Nun hat auch Trainer Bernd Schröders designierter Nachfolger Achim Feifel wegen vertraglicher und sportlicher Unstimmigkeiten den Verein verlassen.

Es war kein leichter Gang, den Turbine Potsdams Assistenztrainer Achim Feifel nach dem Abschlusstraining vor dem letzten Heimspiel gegen den FF USV Jena zu bewältigen hatte. Ziel war das Büro von Trainer Bernd Schröder. „Ich bin zu ihm gegangen und habe ihm gesagt, dass ich den Vertrag nicht verlängern möchte“, so Feifel gegenüber Womensoccer.

Designierter Nachfolger Vor einem Jahr hatte Schröder den Frauenfußball-Kenner nach Potsdam geholt, mit dem Hintergedanken, sein Lebenswerk nach seinem Rückzug in die Hände des 50-Jährigen zu legen. Und bis zum Frühjahr waren sich die beiden Parteien einig, den gemeinsam eingeschlagenen Weg nach Auslaufen des Einjahresvertrags fortsetzen zu wollen. „In den letzten Monaten ist dann aber wegen einer vertraglichen Verlängerung nichts mehr passiert“, erklärt Feifel.

Hoffnung geplatzt Der frühere Trainer vom Hamburger SV und Rossiyanka WFC hatte sich sicherlich Hoffnung gemacht, bereits ab der Saison 2015/16 das Amt als Cheftrainer zu übernehmen. Dem machte Schröder allerdings mit der Ankündigung einen Strich durch die Rechnung, noch eine Saison anhängen zu wollen und erst 2016 in den Ruhestand zu gehen.

Konträre Meinungen „Es gab außersportliche und vertragliche Dinge, die mitgespielt haben, warum wir uns nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen konnten“, erklärt Feifel. Richtung Saisonende kamen die beiden dann auch sportlich nicht mehr auf einen grünen Zweig. „Da sind zu konträre Meinungen aufeinandergeprallt. Deswegen war es besser, getrennte Wege zu gehen.“

Neue Nachfolgeregelung gesucht Für Turbine Potsdam kommt der Abgang von Feifel zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Neu verpflichtete Spielerinnen wie Torhüterin Lisa Schmitz oder auch Stürmerin Ilaria Mauro sind unter anderem mit der Perspektive nach Potsdam gekommen sein, unter Feifel zu trainieren. Ungewiss ist, wer nun als Schröder-Nachfolger aufgebaut werden soll.

Lieber Chef als Assistent „Nach 25 Jahren Trainertätigkeit war es in Potsdam meine erste Station als Co-Trainer und ich habe immer mehr gemerkt, dass ich mich in dieser Rolle nicht wohl fühle und sie nicht meiner Persönlichkeit entspricht“, so Feifel, der nun hofft, schnell wieder als hauptamtlicher Trainer Unterschlupf zu finden. „Wenn es geht, schon ab dem Sommer. Es wäre schön, wenn es direkt weitergehen würde. Ich hoffe, dass bei einem Verein Bedarf ist, das werden wir sehen.“

Werder sucht Trainer Bedarf wäre derzeit unter anderem bei Aufsteiger SV Werder Bremen, dessen Trainerin Chadia Freyhat als Berufssoldatin in der Bundesliga nicht wie gefordert als hauptamtliche Trainerin tätig sein kann. Freyhat sagt: „Ich bin Beamtin. Es wäre Wahnsinn, wenn ich bei der Bundeswehr kündigen würde.“ Feifel könnte sich vorstellen, für den Aufsteiger tätig zu werden.

Offene Zukunft „Da bin ich offen. Ich kann mir gut vorstellen wie in Rossiyanka oder in Potsdam mit einer gestandenen Mannschaft mit vielen ausländischen Spielerinnen zu trainieren, aber ich kann mir auch wieder vorstellen, wie beim HSV junge Spielerinnen zu scouten und sie zu gestandenen Bundesligaspielerinnen zu entwickeln.“

Zahlreiche Baustellen Doch der Abgang von Feifel ist nicht die einzige Turbine-Baustelle. Die Medienarbeit liegt seit Anfang April und dem Weggang der Presseverantwortlichen Nadine Bieneck, der zum 30. Juni gekündigt wurde, brach. Auch Team-Managerin Aferdita Podvorica muss Ende Juni den Verein verlassen. Potsdams Urgestein und gute Seele Jennifer Zietz beendet ihre Karriere, hinzu kamen die unrühmlichen Abschiede von verdienten Spielerinnen, wie Genoveva Anonma (Portland Thorns) oder Anna Sarholz, die zukünftig beim Landesligisten SV Babelsberg 03 das Tor hüten wird.

Quo vadis Turbine? Die Turbine-Sponsoren dürften derzeit die abnehmende Medien-Präsenz und die Gesamtentwicklung mit Argwohn verfolgen und es bleibt zu hoffen, dass der Verein im Konzert der Großen nicht mehr und mehr den Anschluss verliert.

Bernd Schröder stellt entgegen anderslautenden Medienberichten klar, dass Genoveva Anonma nicht vom Verein entlassen wurde. “Genoveva Anonma wäre sicherlich gerne hiergeblieben, aber ihr neuer Berater wollte sie offenbar woanders spielen sehen. Wir haben ihr einen neuen Vertrag angeboten und wir hätten sie gerne noch behalten. Ich habe nur im Nachhinein gesagt, wenn sie schon weg geht, dann ist es vielleicht ganz gut, dass sie mal ein neues Umfeld kennenlernt und ins Ausland geht. Es ist völlig falsch zu sagen, wir hätten sie gezwungen, wegzugehen.”

Bernd Schröder legt Wert darauf zu betonen, dass Torhüterin Anna Sarholz nicht aus sportlichen, sondern aus pädagogischen Gründen kein neuer Vertrag angeboten wurde und ihr Abschied nicht unwürdig gewesen sei. “Anna Sarholz hat von uns einen hervorragenden Abschied bekommen. Sie hat in Köln das DFB-Pokal-Finale gespielt und sie hat im letzten Bundesligaspiel die zweite Halbzeit gespielt. Es geht mir nicht ums Sportliche, sondern um die Entwicklung dieses Mädchens.”

“In Sachen Medienarbeit waren wir sensationell aufgestellt, wir sind jetzt auf dem Weg das wieder auf die Reihe zu kriegen. Wir sind in der Bewegung und arbeiten an einer neuen Struktur. Wir werden einen neuen Athletiktrainer und eine neue Pressesprecherin einstellen. Das Problem ist, dass es jetzt so aussieht, wie wenn Turbine untergeht, das ist natürlich Unsinn. Wir haben über vier Jahre die konstanteste Zuschauerzahl aller Vereine und wir haben eine riesige Sponsorengemeinde.”

Über die neu verpflichteten Spielerinnen