Achim Feifel verlässt Turbine Potsdam

Von am 20. Mai 2015 – 17.22 Uhr 68 Kommentare

Der personelle Aderlass beim 1. FFC Turbine Potsdam geht in die nächste Runde. Nun hat auch Trainer Bernd Schröders designierter Nachfolger Achim Feifel wegen vertraglicher und sportlicher Unstimmigkeiten den Verein verlassen.

Es war kein leichter Gang, den Turbine Potsdams Assistenztrainer Achim Feifel nach dem Abschlusstraining vor dem letzten Heimspiel gegen den FF USV Jena zu bewältigen hatte. Ziel war das Büro von Trainer Bernd Schröder. „Ich bin zu ihm gegangen und habe ihm gesagt, dass ich den Vertrag nicht verlängern möchte“, so Feifel gegenüber Womensoccer.

Designierter Nachfolger
Vor einem Jahr hatte Schröder den Frauenfußball-Kenner nach Potsdam geholt, mit dem Hintergedanken, sein Lebenswerk nach seinem Rückzug in die Hände des 50-Jährigen zu legen. Und bis zum Frühjahr waren sich die beiden Parteien einig, den gemeinsam eingeschlagenen Weg nach Auslaufen des Einjahresvertrags fortsetzen zu wollen. „In den letzten Monaten ist dann aber wegen einer vertraglichen Verlängerung nichts mehr passiert“, erklärt Feifel.

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Hoffnung geplatzt
Der frühere Trainer vom Hamburger SV und Rossiyanka WFC hatte sich sicherlich Hoffnung gemacht, bereits ab der Saison 2015/16 das Amt als Cheftrainer zu übernehmen. Dem machte Schröder allerdings mit der Ankündigung einen Strich durch die Rechnung, noch eine Saison anhängen zu wollen und erst 2016 in den Ruhestand zu gehen.

Konträre Meinungen
„Es gab außersportliche und vertragliche Dinge, die mitgespielt haben, warum wir uns nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen konnten“, erklärt Feifel. Richtung Saisonende kamen die beiden dann auch sportlich nicht mehr auf einen grünen Zweig. „Da sind zu konträre Meinungen aufeinandergeprallt. Deswegen war es besser, getrennte Wege zu gehen.“

Neue Nachfolgeregelung gesucht
Für Turbine Potsdam kommt der Abgang von Feifel zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Neu verpflichtete Spielerinnen wie Torhüterin Lisa Schmitz oder auch Stürmerin Ilaria Mauro sind unter anderem mit der Perspektive nach Potsdam gekommen sein, unter Feifel zu trainieren. Ungewiss ist, wer nun als Schröder-Nachfolger aufgebaut werden soll.

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Lieber Chef als Assistent
„Nach 25 Jahren Trainertätigkeit war es in Potsdam meine erste Station als Co-Trainer und ich habe immer mehr gemerkt, dass ich mich in dieser Rolle nicht wohl fühle und sie nicht meiner Persönlichkeit entspricht“, so Feifel, der nun hofft, schnell wieder als hauptamtlicher Trainer Unterschlupf zu finden. „Wenn es geht, schon ab dem Sommer. Es wäre schön, wenn es direkt weitergehen würde. Ich hoffe, dass bei einem Verein Bedarf ist, das werden wir sehen.“

Werder sucht Trainer
Bedarf wäre derzeit unter anderem bei Aufsteiger SV Werder Bremen, dessen Trainerin Chadia Freyhat als Berufssoldatin in der Bundesliga nicht wie gefordert als hauptamtliche Trainerin tätig sein kann. Freyhat sagt: „Ich bin Beamtin. Es wäre Wahnsinn, wenn ich bei der Bundeswehr kündigen würde.“ Feifel könnte sich vorstellen, für den Aufsteiger tätig zu werden.

Achim Feifel

Achim Feifel: „Konnten uns nicht auf Vertragsverlängerung einigen“ © Sascha Pfeiler / girlsplay.de

Offene Zukunft
„Da bin ich offen. Ich kann mir gut vorstellen wie in Rossiyanka oder in Potsdam mit einer gestandenen Mannschaft mit vielen ausländischen Spielerinnen zu trainieren, aber ich kann mir auch wieder vorstellen, wie beim HSV junge Spielerinnen zu scouten und sie zu gestandenen Bundesligaspielerinnen zu entwickeln.“

Zahlreiche Baustellen
Doch der Abgang von Feifel ist nicht die einzige Turbine-Baustelle. Die Medienarbeit liegt seit Anfang April und dem Weggang der Presseverantwortlichen Nadine Bieneck, der zum 30. Juni gekündigt wurde, brach. Auch Team-Managerin Aferdita Podvorica muss Ende Juni den Verein verlassen. Potsdams Urgestein und gute Seele Jennifer Zietz beendet ihre Karriere, hinzu kamen die unrühmlichen Abschiede von verdienten Spielerinnen, wie Genoveva Anonma (Portland Thorns) oder Anna Sarholz, die zukünftig beim Landesligisten SV Babelsberg 03 das Tor hüten wird.

Quo vadis Turbine?
Die Turbine-Sponsoren dürften derzeit die abnehmende Medien-Präsenz und die Gesamtentwicklung mit Argwohn verfolgen und es bleibt zu hoffen, dass der Verein im Konzert der Großen nicht mehr und mehr den Anschluss verliert.

1. FFC Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder äußert sich im Telefongespräch mit uns zu folgenden Punkten:

Über Genoveva Anonma

Bernd Schröder stellt entgegen anderslautenden Medienberichten klar, dass Genoveva Anonma nicht vom Verein entlassen wurde. „Genoveva Anonma wäre sicherlich gerne hiergeblieben, aber ihr neuer Berater wollte sie offenbar woanders spielen sehen. Wir haben ihr einen neuen Vertrag angeboten und wir hätten sie gerne noch behalten. Ich habe nur im Nachhinein gesagt, wenn sie schon weg geht, dann ist es vielleicht ganz gut, dass sie mal ein neues Umfeld kennenlernt und ins Ausland geht. Es ist völlig falsch zu sagen, wir hätten sie gezwungen, wegzugehen.“

Über Anna Sarholz

Bernd Schröder legt Wert darauf zu betonen, dass Torhüterin Anna Sarholz nicht aus sportlichen, sondern aus pädagogischen Gründen kein neuer Vertrag angeboten wurde und ihr Abschied nicht unwürdig gewesen sei. „Anna Sarholz hat von uns einen hervorragenden Abschied bekommen. Sie hat in Köln das DFB-Pokal-Finale gespielt und sie hat im letzten Bundesligaspiel die zweite Halbzeit gespielt. Es geht mir nicht ums Sportliche, sondern um die Entwicklung dieses Mädchens.“

Über die Medienarbeit

„In Sachen Medienarbeit waren wir sensationell aufgestellt, wir sind jetzt auf dem Weg das wieder auf die Reihe zu kriegen. Wir sind in der Bewegung und arbeiten an einer neuen Struktur. Wir werden einen neuen Athletiktrainer und eine neue Pressesprecherin einstellen. Das Problem ist, dass es jetzt so aussieht, wie wenn Turbine untergeht, das ist natürlich Unsinn. Wir haben über vier Jahre die konstanteste Zuschauerzahl aller Vereine und wir haben eine riesige Sponsorengemeinde.“

Über die neu verpflichteten Spielerinnen

„Sie kommen weder wegen Feifel noch wegen Schröder nach Potsdam. Sie kommen wegen des Vereins. Es wäre schlimm, wenn sie wegen einer einzelnen Personen kommen würden, das funktioniert nie.“

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

68 Kommentare »

  • tpfn sagt:

    MVT wird schonmal nicht Schröders Nachfolge antreten. Bis zur EM 2017 plant sie noch mit der Schweiz und danach liebäugelt sie wohl eher mit Steffis Posten, falls diese Straucheln sollte. Tja Pech für TP, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen.

    https://www.freiepresse.de/SPORT/Voss-Tecklenburg-Entscheidung-fuer-Jones-frag-und-diskussionswuerdig-artikel9204829.php

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  • holly sagt:

    ich weiss das passt nicht wirklich hier rein. Aber zumindest geht es um Turbines B-Mädchen.
    Sie spielen am 30.Mai in Bremen gegen Werder um die deutsche B-Mädchen Meisterschaft. Anstoss ist glaub ich um 11.Uhr.
    Turbine hat Gütersloh aus dem Wettbewerb gekegelt nach einem 1:1 zu Hause, gewannen die Torbienen in Gütersloh 3:0
    Werder hat den FFC Frankfurt zu Hause 4:1 geschlagen und auswärts dann 1:1 gespielt.
    Für Sonnabend ist mein Tipp Turbine gewinnt, da sie diese Saison sich immer gut präsentiert haben, wenn sie auf Mannschaften getroffen sind die mit spielen. Die schwachen Spiele waren meist gegen Teams die sehr defensiv gespielt haben.

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  • Freddie79 sagt:

    Matthias Rudolph könnte Feifels Nachfolger werden:

    https://www.pnn.de/regionalsport/978378/

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  • waiiy sagt:

    Matthias Rudolph wird neuer Co-Trainer (und damit designierter Nachfolger von Bernd Schröder) bei Turbine Potsdam. Matthias Rudolph war bisher Trainer der B-Jugend bei Babelsberg 03 und zuvor Spieler dort.

    Im Hauptberuf ist er Sport- und Geografie Lehrer an einem Gymnasium in Potsdam. Privat ist er der Anker, der Inka Wesely wohl immer in Potsdam halten wird. 😉

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  • tpfn sagt:

    Ruudi!! Gute Entscheidung, denk ich.

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  • holly sagt:

    wenn ich das richtig deute aber ohne Erfahrung im Frauen und Mädchenfussball?
    Die Frage ist soll er nur der Nachfolger von Feifel werden oder später auch Schröder beerben?

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  • Katerli sagt:

    laut Schröder sieht er in ihm seinen Nachfolger (sicher vorausgesetzt das Jahr funktioniert). Ich frage mich nur, ob das gut ist, wenn der Trainer/Co-trainer mit einer Spielerin liiert ist, wie oben zu lesen ist.
    Im übrigen hat in der heutigen MAZ gestanden, dass Schrödi noch diese Woche die Verpflichtung einer neuen Spielerin bekannt geben wird, eine 24-jährige Allroundspielerin – so seine Aussage – , die noch bei der WM weilt.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Ich habe nicht allzuviel Anlaß, die 2. Wahl eines Co-Trainers anders einzuschätzen als bei Feifel der Fall war! Dort waren unisono identische (vollmundige?) Aussagen zu lesen, deren Umsetzung schlussendlich dann ganz anders aussah.
    Merkwürdig für mich, dass jetzt die Bindung an Region und Umfeld zum Verein die Primärbedingung ist, was bei der Feifel-Ankündigung überhaupt nicht kommuniziert wurde. Damit engt man den Kreis potenzieller, gewichtiger Nachfolger derart ein, dass man an deren Sinn schon wieder Zweifel haben muss!
    Den Gedanken mit der Wahl eines mit einer aktiven TP-Spielerin liierten Co-Trainers kam mir auch, aber solange Inka zu den Besten auf dem Platz zählt, sehe ich keine Probleme. Unruhe gäbe es nur, wenn manche meinen, es würde nicht mehr nach Leistung aufgestellt und Neidsche Verhältnisse Einzug hielten.
    Auch halte ich 1 Jahr für die Erlangung echter sportlicher Trainerkompetenz für viel zu kurz. Sich derart schnell zu profilieren, auch im medialen Umgang, traue ich Rudolph nicht so recht zu.

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