Champions League: VfL Wolfsburg droht das Aus

Von am 18. April 2015 – 21.02 Uhr 55 Kommentare

In seinem 25. Champions-League-Spiel ist Titelverteidiger VfL Wolfsburg erstmals als Verlierer vom Platz gegangen. Gegen den französischen Vizemeister Paris Saint-Germain setzte es im heimischen AOK-Stadion nach einer mäßigen Leistung eine verdiente Niederlage, denn zu keiner Zeit brachte Wolfsburg den Gegner ernsthaft in Gefahr.

Bei der 0:2 (0:2)-Niederlage trafen Paris-Kapitänin Sabrina Delannoy (12.) mit einem verwandelten Foulelfmeter und Shirley Cruz Traña (26.) und verschafften den Gästen aus der französischen Hauptstadt somit eine komfortable Ausgangsposition für das Rückspiel in acht Tagen.

Schult muss passen
Trainer Ralf Kellermann musste kurzfristig auf Torhüterin Almuth Schult verzichten, die bereits am Freitag nicht am Abschlusstraining hatte teilnehmen können. Für sie hütete Merle Frohms das Tor, die in ihrer jungen Karriere bisher erst drei Bundesligaspiele bestritt und in dieser Saison noch gar nicht zum Einsatz kam.

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Müller vergibt Großchance
Die Dinge hätten womöglich anders laufen können, hätte Martina Müller ihre Großchance gleich zu Beginn der Partie verwertet, doch PSG-Torhüterin Katarzyna Kiedrzynek konnte den Schuss aus fünf Metern klären (2.).

Guter Wolfsburger Beginn
Caroline Graham Hansen hatten mit einem Schuss von der Strafraumgrenze die nächste gute Chance (5.). Doch der VfL Wolfsburg tat sich gegen zweikampfstarke und früh attackierende Pariserinnen schwer, in den eigenen Spielrhythmus zu kommen.

Delannoy verwandelt Elfmeter
Nach einem vermeintlichen Foul von Anna Blässe an Aurélie Kaci zeigte die schwedische Schiedsrichterin Pernilla Larsson überraschend auf den Elfmeterpunkt, Delannoy traf zur Führung, auch wenn Frohms noch mit den Fingerspitzen am Ball war (12.).

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Zweikampf zwischen Vanessa Bernauer und Shirley Cruz Traña

Shirley Cruz Traña (re.) war von den Wolfsburgerinnen nicht in den Griff zu bekommen foto2press / Oliver Baumgart

Cruz Traña belohnt sich mit Tor
Der Rückstand schien die Wolfsburgerinnen weiter zu lähmen und das Unheil nahm seinen Lauf, als die bärenstarke Cruz Traña mit einem Heber für den zweiten Pariser Treffer sorgte (26.). Zuvor hatte Jessica Houara-d’Hommeaux Glück, dass sie nach einem rüden Foul an Alex Popp nur die Gelbe Karte sah (18.). Paris wirkte weiterhin wacher und reaktionsschneller, Torchancen waren auf beiden Seiten in der Folge Mangelware.

Zwei Wechsel zur Pause
Mit Isabel Kerschowski für die blasse Yuki Ogimi und Julia Simic für Lina Magull ging es in die zweite Halbzeit. Der VfL Wolfsburg erarbeitete sich nun zwar mehr Spielanteile, wirklich in Gefahr gebracht werden konnte das Gäste-Tor aber nicht. Am nächsten kam Müller einem Wolfsburg Tor, doch ihr Schuss ging daneben (64.). Minuten später verließ sie unter Tränen in ihrem letzten Heimspiel vor Karriereende den Platz, für sie kam Verena Faißt in die Partie (68.).

Kellermann muss auf Tribüne, Hamraoui sieht Rot
In der mit Haken und Ösen geführten Partie verlor Schiedsrichterin Larsson zunehmend den Überblick. Erst schickte sie Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann auf die Tribüne (82.), dann die Pariserin Kheira Hamraoui sechs Minuten nach ihrer Einwechslung mit einer Roten Karten vom Platz (87.), nachdem Vanessa Bernauer vermeintlich absichtlich mit dem Ellbogen getroffen wurde.

Rückspiel in acht Tagen
Dem Spielfluss taten die Nicklichkeiten nichts Gutes, Paris brachte die Zwei-Tore-Führung über die Zeit, ohne ernsthaft in Bedrängnis zu kommen. Die Wolfsburgerinnen werden sich im Rückspiel in acht Tagen im Pariser Stade de Charléty beträchtlich steigern müssen, wollen sie noch in das Finale am 14. Mai in Berlin einziehen.

Stimmen zum Spiel

Ralf Kellermann (Trainer VfL Wolfsburg)
„Der Sieg von Paris war hochverdient. Paris hatte mehr Ruhe im Spiel, mehr Ballkontrolle. Sie haben nicht den Eindruck erweckt heute, dass sie irgendetwas aus dem Rhythmus bringen könnte. Wir hatten nur eine Torchance in 90 Minuten. Das ist zu wenig. Aber ich habe zu hundert Prozent Hoffnung, dass wir im Rückspiel noch eine Chance haben. Wir müssen viel riskieren, wenn wir aber in Führung gehen, ist alles möglich. Es fehlen uns Hochkaräter. Aber das wäre mir zu billig, das als Erklärung anzuführen. Wir haben auch in dieser Besetzung schon viel besser gespielt, beispielsweise in Rosengård. Alle Spielerinnen in unserem Kader haben den Anspruch, Titel gewinnen zu wollen. Dafür war das bei uns zu wenig. Es waren heute einfach sieben, acht Spielerinnen weit unter Normalform.“

Martina Müller (Stürmerin VfL Wolfsburg)
„Wir wissen, dass wir das Potential haben, einen Rückstand wie jetzt noch umzudrehen. Für mich war das heute sehr emotional, nach zehn Jahren in Wolfsburg ein letztes Mal zuhause zu spielen.“

Farid Benstiti (Trainer Paris Saint-Germain)
„Wir haben sehr diszipliniert gespielt und wenig zugelassen vor unserem Tor. Aber das war heute nur der erste Schritt, wir müssen noch einen zweiten gehen. Wir haben weiter sehr großen Respekt vor Wolfsburg.“

Kosovare Asllani (Stürmerin Paris Saint-Germain)
„Es fühlt sich sehr gut an, in Deutschland und bei einer so starken Mansnchaft wie Wolfsburg zu gewinnen. Aber wir müssen weiter fokussiert bleiben, um wirklich das Finale zu erreichen.“

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

55 Kommentare »

  • FFFan sagt:

    @ Rainer:
    „Im Finale sehe ich Frankfurt dominieren, aber PSG wird wieder versuchen, das Spiel zu zerstören.“

    Warum immer so voreilig? Wartet doch erst mal die Rückspiele ab! OK, Frankfurt kann das Hotel in Berlin schon buchen, Paris aber noch nicht! Aufgrund des Hinspielergebnisses sind sie jetzt Favorit, aber das Ding ist noch nicht durch. Zwei Tore sind manchmal schnell aufgeholt, ein 3-1 für Wolfsburg im Rückspiel wäre jedenfalls keine ‚Weltsensation‘, auch wenn es im Moment schwerfällt, daran zu glauben. Viel wird davon abhängen, ob die ‚Wölfinnen‘ die richtigen Schlüsse aus der Niederlage gezogen haben und ob PSG die Leistung aus dem Hinspiel bestätigen kann. Die mögliche Rückkehr von J.Henning und L.Georges sehe ich nicht als entscheidend an, denn S.Delannoy und A.Krahn haben in der Innenverteidigung einen tollen Job gemacht. F.Alushi könnte allerdings ein Faktor sein, andererseits hat F.Benstiti im Mittelfeld durch die Sperre für K.Hamraoui eine Alternative weniger.

    Wer neben Frankfurt im Finale stehen wird, werden wir am Sonntag abend sehen (hoffentlich wird es irgendwo übertragen), vorher hat es keinen Sinn, sich über den Verlauf des Endspiels zu äußern.

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  • Detlef sagt:

    @ GG,
    Deinem Anfang kann ich voll zustimmen!!!
    Und auch ich habe große Bauchschmerzen mit Frau Wolk im Pokalfinale!!!
    Denn ihre Fehlentscheidungen waren ja auf beiden Seiten!!!

    Denn es ist doch eine Mär, daß nur TURBINE körperbetont spielt!!!
    Bei WOB gibt es auch genug Spielerinnen, die ordentlich austeilen können, […] !!! 😉

    Wo die Grenze zwischen legalem Körpereinsatz und illegalem Foul ist obliegt der Schiedsrichterin!!!
    Und da braucht es halt eine, die eine klare Linie hat, und nicht mal so und mal so entscheidet!!! 🙁

    Dieser Kommentar wurde von der Redaktion in Übereinstimmung mit den Womensoccer-Leitlinien editiert. Die editierten Stellen wurden mit Auslassungszeichen […] markiert.

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  • Bastieff sagt:

    Wird denn das Rückspiel iwo übertragen?

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  • FF-Tale sagt:

    @ GG: PSG-WOB pfeift das ukrainische Trio K. Monzul, Rachynska, Striletska. Vielleicht dem ein oder anderen noch bekannt vom letztjährigen FF-CL-Finale.
    Frankfurts Rückspiel wird von einem griechischen Trio gepfiffen.

    @ Detlef: Zitat: „…Und da braucht es halt eine, die eine klare Linie hat, und nicht mal so und mal so entscheidet!!!“ Provokante Gegenfrage: Welche Schiri käme dafür alternativ für Sie zur Zeit bedenkenlos und „bauchschmerzfrei“ in Frage?
    (Sagen Sie jetzt nicht z.B. Steinhaus! 🙂 Die jeden Mai für die großen Finals vom Männerfußball ausleihen und die anderen FF-Schiris das ganze Jahr über den „Rest“ machen lassen, geht langfristig auch nicht!)

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  • holly sagt:

    kein Problem, wenn ihr es anders seht mit der Spielstärke von PSG.
    Ein Topteam hätte am Sonnabend gegen so schwache Wolfsburgerinnen den Sack zugemacht und ein 3 und 4 Tor nachgelegt.

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  • holly sagt:

    @ FF-Tale, Frau Palmquist aus Schweden. An sie hatte ich zuerst gedacht als ich hörte das eine Schwedin pfeift.
    Ich finde sie ist eine hervorragende Schiedsrichterin

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  • Ralligen sagt:

    @Bastieff
    Beinsport 2 wird ab 17.55 Uhr auf Sendung gehen und live übertragen.Auf die französischen Fernsehsender ist wenigstens Verlass trotz Konkurrenz Männerfußball.Freue mich jetzt schon auf dieses Spiel.Gott sei Dank kein Abbruch-Stream oder so ähnliches.
    So kann man das Spiel auch archivieren und später nochmal anschauen.

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  • Detlef sagt:

    @holly,
    Naja, ich habe sie auch schon so und so pfeifen gesehen!!! 😉
    Rainer könnte Dir da Sachen erzählen!!! 😉

    Und sie bliebe trotzdem eine Schwedin, wo eben Härte anders definiert wird als in Deutschland!!!
    Jeder der in der CL schon mal gegen Skandinavier gespielt hat weiß genau, da gibt es ordentlich auf die Socken!!!

    @FF-Tale,
    Sie wäre sicher das Optimum!!! 🙂
    Aber da sie aus Hannover kommt, darf sie ja leider kein WOB-Spiel leiten!!!

    Es gibt leider keine andere weibliche Schiri, der ich so ein wichtiges Endspiel anvertrauen würde!!! 🙁

    Also bliebe nur ein männliches Schiri-Trio aus der MF-Buli!!!
    An der Bezahlung sollte es ja nicht liegen, für so ein großes Event!!! 😉

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  • Altwolf sagt:

    @GG.

    Zu gern würde auch ich den „Spirit“ dieser Spiele wieder in der Mannschaft sehen, doch leider fehlen 2 dieser dafür entscheidend verantwortlichen Akteurinnen beim Rückspiel.

    Kampfgeist und Leistungbeeitschaft und was noch alles dazu gehört so einen Rückstnd „umzubiegen“ sind sicherlich bei den Wölfinnen vorhanden, doch die dazu erforderliche spieltechnische Fähigkeit sehe ich bei der zuletzt agierenden Aufstellung nicht.

    Mein „Hoffnungschimmer“ heißt hinten N.Fischer neben B.Peter – LV V.Faißt u. RV N.Maitz – davor LA M.Müller u. A.Blässe RA –
    defensive 6 V.Bernauer u. offensive 6 C.Hansen – davor dann A.Popp u. Y.Ogimi/L.Magull.

    Für mich ist C.Hansen die, der ich zutraue entscheidende Zuspiele in die Spitze bzw. in die freien Räume nach aussen einigermaßen exakt zu spielen – was sie schon als hängende Spitze mehrfach hier schon gezeigt hatte.
    Wenn sie und dann auch V.Faißt ihre Flanken auf Poppi hinbekommen und Martina durch den 16er wuselt, könnte ich mir noch die notwendige „Torgefahr“ vorstellen.

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  • Bastieff sagt:

    @Ralligen: Danke 🙂 Das ist prima. Wenigstens wirds Online übertragen. Schade, dass es kein TV Sender überträgt.

    Wird das direkt auf der Seite übertragen oder muss man da auf andere Möglichkeiten zurückgreifen? Also andere Seiten, auf denen das Spiel dann übertragen wird?

    Danke für die Antwort 🙂

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  • shane sagt:

    @holly: palmquist ist retired.

    @detlef: was soll das meckern ueber frau wolk, wenn du eh keine der realistisch setzbaren schiedsrichterinnen als ok ansiehst?

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  • Altwolf sagt:

    @GG.

    Kleiner Lichtblick, denn offenbar steht L.Gößling morgen in Essen wieder im Kader, so daß es für PSG vielleicht noch reicht.

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  • Detlef sagt:

    @shane,
    Ich habe noch gar nicht angefangen über Frau Wolk zu „meckern“, sondern lediglich meine Bauchschmerzen kundgetan!!! 😉
    Wer weiß, vielleicht überrascht sie uns/mich mit einer tadellosen Leistung??? 😉

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  • FFFan sagt:

    @ FF-Tale:
    „Welche Schiri käme dafür alternativ für Sie zur Zeit bedenkenlos und “bauchschmerzfrei” in Frage?“

    Sofern sich die Frage auf das DFB-Pokalendspiel bezieht: normalerweise wäre Marija Kurtes an der Reihe gewesen, aber eine solche Ansetzung wäre momentan aus bekannten Gründen nicht ‚vermittelbar’…

    Dass mit Moiken Wolk eine Schiedsrichterin zum zweiten Mal (nach 2007) ein Pokalfinale leitet, ist ein absolutes Novum! Vielleicht ist es dem Schiedsrichterausschuss aber nur nicht aufgefallen, weil sie damals noch anders hieß! 😉

    @ Altwolf:
    „…offenbar steht L.Gößling morgen in Essen wieder im Kader, so daß es für PSG vielleicht noch reicht.“

    Hm, das sehe ich mit gemischten Gefühlen. So sehr ich dem VfL Wolfsburg den Finaleinzug gönne – wichtiger ist mir, dass Goeßling für die WM fit ist. Hoffentlich kuriert sie ihre Verletzung richtig aus und wird nicht im Saisonendspurt ‚verheizt‘. Vor zwei Jahren hat A.Popp trotz Verletzung im CL-Finale gespielt, anschließend fiel sie für die EM aus!

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  • enthusio sagt:

    @ Altwolf:

    „Kleiner Lichtblick, denn offenbar steht L.Gößling morgen in Essen wieder im Kader, so daß es für PSG vielleicht noch reicht.

    Zum Glück sind auch Schult und Jakabfi bis dahin wieder fit.

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