Champions League: VfL Wolfsburg droht das Aus
In seinem 25. Champions-League-Spiel ist Titelverteidiger VfL Wolfsburg erstmals als Verlierer vom Platz gegangen. Gegen den französischen Vizemeister Paris Saint-Germain setzte es im heimischen AOK-Stadion nach einer mäßigen Leistung eine verdiente Niederlage, denn zu keiner Zeit brachte Wolfsburg den Gegner ernsthaft in Gefahr.
Bei der 0:2 (0:2)-Niederlage trafen Paris-Kapitänin Sabrina Delannoy (12.) mit einem verwandelten Foulelfmeter und Shirley Cruz Traña (26.) und verschafften den Gästen aus der französischen Hauptstadt somit eine komfortable Ausgangsposition für das Rückspiel in acht Tagen.
Schult muss passen Trainer Ralf Kellermann musste kurzfristig auf Torhüterin Almuth Schult verzichten, die bereits am Freitag nicht am Abschlusstraining hatte teilnehmen können. Für sie hütete Merle Frohms das Tor, die in ihrer jungen Karriere bisher erst drei Bundesligaspiele bestritt und in dieser Saison noch gar nicht zum Einsatz kam.
Müller vergibt Großchance Die Dinge hätten womöglich anders laufen können, hätte Martina Müller ihre Großchance gleich zu Beginn der Partie verwertet, doch PSG-Torhüterin Katarzyna Kiedrzynek konnte den Schuss aus fünf Metern klären (2.).
Guter Wolfsburger Beginn Caroline Graham Hansen hatten mit einem Schuss von der Strafraumgrenze die nächste gute Chance (5.). Doch der VfL Wolfsburg tat sich gegen zweikampfstarke und früh attackierende Pariserinnen schwer, in den eigenen Spielrhythmus zu kommen.
Delannoy verwandelt Elfmeter Nach einem vermeintlichen Foul von Anna Blässe an Aurélie Kaci zeigte die schwedische Schiedsrichterin Pernilla Larsson überraschend auf den Elfmeterpunkt, Delannoy traf zur Führung, auch wenn Frohms noch mit den Fingerspitzen am Ball war (12.).
Shirley Cruz Traña (re.) war von den Wolfsburgerinnen nicht in den Griff zu bekommen foto2press / Oliver Baumgart
Cruz Traña belohnt sich mit Tor Der Rückstand schien die Wolfsburgerinnen weiter zu lähmen und das Unheil nahm seinen Lauf, als die bärenstarke Cruz Traña mit einem Heber für den zweiten Pariser Treffer sorgte (26.). Zuvor hatte Jessica Houara-d’Hommeaux Glück, dass sie nach einem rüden Foul an Alex Popp nur die Gelbe Karte sah (18.). Paris wirkte weiterhin wacher und reaktionsschneller, Torchancen waren auf beiden Seiten in der Folge Mangelware.
Zwei Wechsel zur Pause Mit Isabel Kerschowski für die blasse Yuki Ogimi und Julia Simic für Lina Magull ging es in die zweite Halbzeit. Der VfL Wolfsburg erarbeitete sich nun zwar mehr Spielanteile, wirklich in Gefahr gebracht werden konnte das Gäste-Tor aber nicht. Am nächsten kam Müller einem Wolfsburg Tor, doch ihr Schuss ging daneben (64.). Minuten später verließ sie unter Tränen in ihrem letzten Heimspiel vor Karriereende den Platz, für sie kam Verena Faißt in die Partie (68.).
Kellermann muss auf Tribüne, Hamraoui sieht Rot In der mit Haken und Ösen geführten Partie verlor Schiedsrichterin Larsson zunehmend den Überblick. Erst schickte sie Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann auf die Tribüne (82.), dann die Pariserin Kheira Hamraoui sechs Minuten nach ihrer Einwechslung mit einer Roten Karten vom Platz (87.), nachdem Vanessa Bernauer vermeintlich absichtlich mit dem Ellbogen getroffen wurde.
Rückspiel in acht Tagen Dem Spielfluss taten die Nicklichkeiten nichts Gutes, Paris brachte die Zwei-Tore-Führung über die Zeit, ohne ernsthaft in Bedrängnis zu kommen. Die Wolfsburgerinnen werden sich im Rückspiel in acht Tagen im Pariser Stade de Charléty beträchtlich steigern müssen, wollen sie noch in das Finale am 14. Mai in Berlin einziehen.
Ralf Kellermann (Trainer VfL Wolfsburg) „Der Sieg von Paris war hochverdient. Paris hatte mehr Ruhe im Spiel, mehr Ballkontrolle. Sie haben nicht den Eindruck erweckt heute, dass sie irgendetwas aus dem Rhythmus bringen könnte. Wir hatten nur eine Torchance in 90 Minuten. Das ist zu wenig. Aber ich habe zu hundert Prozent Hoffnung, dass wir im Rückspiel noch eine Chance haben. Wir müssen viel riskieren, wenn wir aber in Führung gehen, ist alles möglich. Es fehlen uns Hochkaräter. Aber das wäre mir zu billig, das als Erklärung anzuführen. Wir haben auch in dieser Besetzung schon viel besser gespielt, beispielsweise in Rosengård. Alle Spielerinnen in unserem Kader haben den Anspruch, Titel gewinnen zu wollen. Dafür war das bei uns zu wenig. Es waren heute einfach sieben, acht Spielerinnen weit unter Normalform.”
Martina Müller (Stürmerin VfL Wolfsburg) „Wir wissen, dass wir das Potential haben, einen Rückstand wie jetzt noch umzudrehen. Für mich war das heute sehr emotional, nach zehn Jahren in Wolfsburg ein letztes Mal zuhause zu spielen.“
Farid Benstiti (Trainer Paris Saint-Germain ) „Wir haben sehr diszipliniert gespielt und wenig zugelassen vor unserem Tor. Aber das war heute nur der erste Schritt, wir müssen noch einen zweiten gehen. Wir haben weiter sehr großen Respekt vor Wolfsburg.“
Kosovare Asllani (Stürmerin Paris Saint-Germain) „Es fühlt sich sehr gut an, in Deutschland und bei einer so starken Mansnchaft wie Wolfsburg zu gewinnen. Aber wir müssen weiter fokussiert bleiben, um wirklich das Finale zu erreichen.“