Wachablösung in Österreichs Frauen-Liga?

Von am 29. Dezember 2014 – 14.57 Uhr 2 Kommentare

Der FSK Simacek St. Pölten-Spratzern hat sich mit dem Punktemaximum von 27 Punkten aus 9 Spielen und einem überragenden Torverhältnis von 45:4 die Herbstmeisterschaft in Österreichs oberster Frauen-Liga geholt und Serienmeister NÖSV Neulengbach als schärfsten Verfolger um neun Punkte abgehängt.

Dennoch lehnt es Cheftrainer Johannes Spilka, dessen Team dreimal in Folge Vizemeister wurde, ab, vorzeitig Gratulationen zum ersten Titelgewinn entgegenzunehmen. „Als Tabellenführer zu überwintern, war einmal das große Ziel, die Art und Weise, wie die Mannschaft das erreicht hat, war sehr beeindruckend. Ich hätte nicht erwartet, dass diese sehr junge Mannschaft meine Vorgaben so schnell umsetzen kann. Das Team ist sehr lernwillig und –fähig ist und kann noch zulegen, trotzdem sind wir noch nicht Meister.“

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Souverän trotz Verletzungen
Im Herbst 2014 ließen sich die Spilka-Schützlinge auch durch die Kreuzbandrisse von Neuverpflichtung Nadjma Ali Nadjim (früher Lyon) und Heimkehrerin Sara Wronski (FC Valencia) sowie den Ausfall von Ivana Feric nicht stoppen. Erfolgscoach Spilka ist optimistisch, dass „uns aus dem Trio im März die eine oder andere schon wieder zur Verfügung stehen wird.“

Sieg im Topspiel
Das direkte Duell mit den nur 20 Kilometer Luftlinie entfernten Rivalinnen aus Neulengbach gewann St. Pölten-Spratzern knapp mit 1:0, dazu gab es Erfolge in sämtlichen weiteren Ligapartien. Die Spielweise seiner Elf umreißt der Chefcoach folgendermaßen: „Alle Elf verteidigen, alle Elf sind in die Offensive involviert, darüber hinaus haben wir uns umgestellt, in dem wir mehr über die Seiten angreifen. Unser großes Ziel ist es, unsere Spielleistung in allen Bereichen zu stabilisieren, im Spielaufbau noch variabler, ballsicherer und zielorientierter zu werden. Wenn uns das gelingt, werden wir in der Meisterschaft nur sehr schwer aufzuhalten sein und zum ersten Mal den Meistertitel feiern können. Wir werden aber auf jeden Fall am Boden bleiben und hart und konzentriert weiterarbeiten.“

Teamfoto des © FSK Simacek St. Pölten-Spratzern

St. Pölten-Spratzern will die Dominanz des NÖSV Neulengbach brechen © FSK Simacek St. Pölten-Spratzern

Ausbalancierter Kader
Manager Wilfried Schmaus fand bei der Kadererstellung gemeinsam mit der sportlichen Leiterin Katharina Ehart eine tolle Mischung aus den beiden erfahrenen slowakischen Legionärinnen, Kapitänin Monika Matysova und Anna Petrusova, und 15 österreichischen Nationalspielerinnen, darunter die führenden Torschützinnen Nicole Billa (20 Tore in 9 Ligaspielen) und Lisa Makas (9 Spiele/9 Tore).

Mischung aus Jugend und Erfahrung
Neun Juniorinnen-Nationalspielerinnen werden aktuell im Frauenfußball-Zentrum St. Pölten ausgebildet, dazu gesellt sich die internationale Erfahrung der ehemaligen Legionärinnen: Jasmin Eder (FC Bayern München, BV Cloppenburg, VfL Sindelfingen), Nadine Prohaska (FC Bayern München), Sarah Wronski (FC Valencia) und Jenny Pöltl (East Tennessee Stat University).

Neulengbach: Vom Serienmeister zum Edel-Herausforderer?
In der Vorsaison holte der NÖSV Neulengbach nach einer makellosen Saison mit 18 Siegen aus 18 Spielen noch mit sechs Punkten Vorsprung den 12. Meistertitel. Ein gewisser Leistungsabfall im Herbst kam nicht unbedingt überraschend, doch das Ausmaß des Rückstands auf den Spitzenreiter war nicht zu erwarten.

Umbruch im Kader und Verletzungen
Der langjährige Manager Bruno Mangl hatte nach der beispiellosen Erfolgsgeschichte in den vergangenen zehn Jahren vor der Saison die Geschicke in die Hände des bisherigen Teammanagers Walter Begusch gelegt. Als Trainer wurde der erfolgreiche Coach Peter Herglotz verpflichtet, der bei Rapid Wien zahlreiche junge Spieler zu Stammspielern in der Bundesliga geformt hatte. Etliche Abgänge, darunter Manuela Zinsberger (FC Bayern München), Michaela Culova (Sparta Prag), Ex-ÖFB-Kapitänin Marlies Hanschitz (Brixlegg), Shu O Tseng (Taiwan), und Katrin Entner (Karrierepause) konnte durch die Verstärkungen nur teilweise kompensiert werden.

Zu große Leistungsschwankungen
ÖFB-Rekordschützin Nina Burger (35 Tore in 62 Länderspielen) erzielte zwar nach ihrer Rückkehr aus den USA die meisten Tore (4), die übrigen Zugänge Rachel Carroll (USA), Tina Charwat (Landhaus), Julia Hickelsberger, Janet Owusu (Ghana), Jelena Prvulovic (Landhaus), Chiara Schaub (Altenmarkt), Milena Vukovic (Serbien)  und Isabella Kresche (Gössendorf) schwankten in ihren Leistungen.

Teamfoto des NÖSV Neulengbach

Der NÖSV Neulengbach ist dabei, seine Vormachtstellung zu verlieren © NÖSV Neulengbach

Personalsorgen
Dazu bedeuteten die Verletzungen von Marija Radojicic und insbesondere Dominika Skorvankova arge Schwächungen. So sehr sich die jungen Spielerinnen abmühten, „im Nachhinein hätte uns die eine oder andere Routinierte sicher viel gebracht“, sieht Sektionsleiter Walter Mikota die Leistungen noch als zu inkonstant „Aber: wir haben einen tollen Nachwuchs, die Zeit wird für uns arbeiten. Trainer Peter Herglotz setzt auf ein schnelles Kurzpassspiel – das hat in den letzten Spielen immer besser funktioniert. In zwei Jahren sind unsere Jungen im besten Alter, spätestens dann können wir wieder mithalten.“

Remis kosten Punkte
Im Spitzenduell gegen St. Pölten setzte es eine knappe und unglückliche 0:1-Niederlage, weil nach Ansicht des Meisters ein Elfmeter für Neulengbach zu geben gewesen wäre. Dazu spielte der Titelverteidiger gegen Südburgenland und Wacker Innsbruck (jeweils 1:1) und Sturm Graz 0:0 nur remis und gab somit weitere sechs Punkte unfreiwillig ab.

Lehrgeld in der Champions League
In der UEFA Women`s Champions League war Titelverteidiger VfL Wolfsburg „einige Nummern“ zu groß für Österreichs Meister. Besonders schmerzlich wurde dies bei der TV-Übertragung des Rückspiels (0:7) verdeutlicht, wo die verjüngte Elf vorgeführt wurde Immerhin hatte die Wienerwald-Elf im Frühjahr noch im Viertelfinale  zwar eine 1:8-Schlappe gegen den Champions-League–Finalisten Tyresö kassiert, sich aber beim  0:0 im Rückspiel  mit Anstand aus der Affäre gezogen.

Verstärkung für das Frühjahr?
Dem Vernehmen nach soll die frühere National- und Neulengbach-Torhüterin Jasmin Pfeiler nach dem Abgang von Milena Vukovic im Tausch für Melissa Abiral und Anna Egretzberger vom SKV Altenmarkt erworben werden.

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Bundesliga 2019/20
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