DFB-Elf gewinnt in Kanada

Von am 19. Juni 2014 – 8.57 Uhr 45 Kommentare

Die deutsche Frauenfußball-Nationalelf hat das Testspiel gegen Kanada am Donnerstagmorgen in Vancouver knapp, aber verdient gewonnen. Ein Elfmetertor von Simone Laudehr sorgte Mitte der zweiten Halbzeit im BC Place von Vancouver für die Entscheidung.

Gute Kulisse
15 618 Zuschauer waren in das Stadion gekommen, in dem am 5. Juli 2015 das WM-Finale ausgetragen wird, und der DFB-Elf gelang beim 2:1 (1:0)-Sieg gegen den Weltranglisten-Siebten ein gelungener Testlauf.

Highlights des Spiels anschauen

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Führung durch Lotzen
Lena Lotzen sorgte nach knapp einer halben Stunde für die Führung, Laudehr hatte geflankt und Anja Mittag den Ball per Kopf verlängert (29.). Kurz darauf hätte es bereits 2:0 stehen können, doch Bianca Schmidt vergab nach Flanke von Mittag aus aussichtsreicher Position (30.).

Popp trifft Latte
Die erste Chance des Spiels auf dem Kunstrasen hatten zuvor die Gastgeberinnen durch Christine Sinclair gehabt, doch Angerer behielt im Eins-zu-Eins-Duell die Oberhand (12.). Die beste deutsche Chance vor dem Treffer hatte Popp mit einem Lattenschuss aus rund 30 Metern (18.). Nach der Pause gelang Sophie Schmidt der kanadische Ausgleich, eine Bogenlampe setzte sich über DFB-Torhüterin Nadine Angerer hinweg ins deutsche Tor (53.).

Jubel der DFB-Elf

Die DFB-Elf gewann verdient in Vancouver (Archiv-Bild) © Karsten Lauer / girlsplay.de

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Laudehr sorgt für Entscheidung
Doch in der Folge hatte die DFB-Elf zahlreiche Chancen, das Ergebnis in die Höhe zu schrauben, scheiterte aber immer wieder an Kanadas starker Torhüterin Erin McLeod, die in der zweiten Halbzeit Karina LeBlanc ersetzt hatte. Und so war es ein Foulelfmeter, durch den die deutsche Mannschaft den Sieg perfekt machte: Nach Foul von Kadeisha Buchanan an Lotzen, traf Laudehr vom Elfmeterpunkt (65.).

Neid sehr zufrieden
Bundestrainerin Silvia Neid meinte: „Ich bin sehr zufrieden. Wir haben gut organisiert gespielt, mit einem guten Pressing gegen den Ball und uns viele Torchancen erarbeitet. Ich bin stolz auf meine Mannschaft, die eine Energieleistung am Ende der Saison gezeigt hat. Das ist nicht selbstverständlich und zeigt den Charakter dieser Mannschaft.“

Effektivität verbessern
Und Siegtorschützin Laudehr ergänzte: „Kanada war ein erwartet schwerer und athletischer Gegner, aber wir haben das defensiv sehr gut gemacht, viele Balleroberungen gehabt, nur an der Chancenverwertung müssen wir noch arbeiten. Alles in allem war es ein guter und erfolgreicher Tag.“

Kanada – Deutschland 1:2 (0:1)

Kanada: LeBlanc (46. McLeod) – Wilkinson, Buchanan, Quinn (61. Zurrer), Yekka -Matheson, Fleming (71. Lawrence), Kyle (61. Scott), Belanger (56. Filigno) – Sinclair, Schmidt (80. Leon)

Deutschland: Angerer – B. Schmidt, Krahn, Wensing (67. Goeßling), Cramer (46. Hendrich) – Keßler, Marozsan – Lotzen, Mittag (67. Faißt), Laudehr (85. Behringer) – Popp

Tore: 0:1 Lotzen (29.), 1:1 Schmidt (53.), 1:2 Laudehr (65. Foulelfmeter)

Gelbe Karten: Zurrer

Schiedsrichterin: Margaret Domka (USA)

Zuschauer: 15 618

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

45 Kommentare »

  • Karl sagt:

    Hey Sheldon: Wo war denn der Knipser heute ?

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  • FFFan sagt:

    @ Karl:
    „Wo war denn der Knipser heute?“

    Naja, dafür hat ja wenigstens der andere Knipser getroffen…

    Auch dieses Element ist unserer Frauen-Natio gegen Kanada völlig abgegangen: ‚Joker-Tore‘! 😉

    Interessant ist auch, dass Brasilien und Deutschland sich jetzt sowohl bei den Männern (Ronaldo und Miroslav Klose) als auch bei den Frauen (Marta und Birgit Prinz) den WM-Torrekord teilen!

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  • holly sagt:

    @ Sheldon ich warte immer noch auf Antwort zum Thema Scouting im FF

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  • Sheldon sagt:

    @Detlef: Um es kurz zu machen:

    Bei N11 sind wir uns ja einig. Man hat einen bestimmten Spielerinnenpool, bei dem es darum geht, das beste Team der 11 Spielerinnen auszuwählen. Hierbei kommt es darauf an, dass man wirklich auf das Team schaut. Es geht also die 11 Spielerinnen, die im Zusammenspiel die höchste Gesamtklasse erzielen. Letztlich gilt es also, immer die bestmögliche Balance zu finden zwischen Einzelqualität und taktischer Umsetzung im Zusammenspiel.
    Es hilft nix, stur an einem System festzuhalten, wo die Einzelspielerinnen überhaupt nicht zur Geltung kommen, genauso wenig hilft es, sich die besten Systemspielerinnen zu suchen, denen dann aber die Einzelqualität fehlt. Das Beste wäre es, die besten Spielerinnen in ein für alle bestmögliches System zu integrieren, was wiederum einen unglaublich hohen Grad der Reflexion, der Auseinandersetzung mit Spielerinnentypen usw. erfordert.

    Wie stark man dadurch werden kann, wenn das passiert, zeigt bei den Vereinsmannschaften das Beispiel Jena: Was Daniel Kraus dort in den letzten Jahren geschafft hat, ist sehr erstaunlich. Er hat den Kader auf Platz 10 und in akuter Abstiegsnot von MVT übernommen. Ohne das große Geld hat er gut gescoutet und geschaut, welche Spielertypen ins Konzept passen könnten. Er hat eine Amber Hearn gestärkt, indem er ihr eine Iva Landeka an die Seite gestellt hat, er hat mit No Names die Defensive gestärkt, Namen, die auf dem deutschen Markt überhaupt nicht bekannt waren (Erceg und Michel). Wenn du die Spielerinnen richtig einsetzt, dann kannst du eine Menge Gewinn erzielen. Es geht eben nicht darum, ein taktisches Konzept vorzugeben, sondern das Konzept der eigenen Mannschaft anzupassen und hier einen guten Mittelfeld zu gehen.

    Das mit dem Psychokram hast du falsch verstanden. Es geht nicht um Fehler, die gemacht werden, sondern es geht um die Einstellung zum Spiel. Es ist etwas anderes, ob du mal nen Ball drüber haust oder aber ob du so zögerlich vor dem Tor agierst, dass dir der Ball noch wegstibitzt wird oder du im Zweikampf nachlässig bist usw. Das meine ich mit mentaler Schwäche.
    Und mentale Schwäche oder mangelnde Einstellung kriegst du in der N11 nicht mit Darüber-Reden weg, jedenfalls nicht, solange du trotz aller Fehler beim nächsten Mal wie selbstverständlich wieder auf dem Platz stehst, sondern dadurch, dass du direkt ausgewechselt wirst. Sobald es keine Ehre mehr ist, auf dem Platz zu stehen (sei es in der N11 oder in der Bundesliga), sondern du Motivationsschwierigkeiten hast, alles für dein Team zu geben, dann gehörst du nicht mehr auf den Platz. So einfach ist das.
    Und Vertrauen zeigt sich nicht daran, dass dich der Trainer in solchen Phasen einfach weiterspielen lässt, sondern daran, dass er dich trotz harter und fühlbarer Konkurrenz dann spielen lässt. Bei guten Trainern wird man eine Nichtaufstellung niemals als Vertrauensentzug werten, sondern es wird immer ein Schutz des Spielers sein, nämlich davor, durch eine schlechte Leistung noch verunsicherter zu werden, als man es eh schon ist. Und auch hier ist wieder nichts besser als eine klare Struktur in den Entscheidungen, die rein leistungsbezogen ist und wo die Spielerin auch ganz genau weiß, weshalb sie nicht spielt, oder weshalb sie spielt.

    @FFFan: Vor allem aber hat der argentinische Knipser getroffen. Das war ein Paradebeispiel dafür, was es bedeutet, selbstbewusst zu sein. Was Müller betrifft, so hat er alles gegeben und auch das wichtige 1:0 vorbereitet. Man muss dazu sagen, dass der Boye von Ghana auch eisenhart an Müller dran war, wie in der Nachspielzeit gesehen. Dazu kommen noch weitere Faktoren, unter anderem „Das berühmte 2. Spiel“ etc. Nur weil eine Person mal in einem Spiel nicht getroffen hat, hebt das nicht seine mannschaftliche Bedeutung auf. Dafür hat man ja immer 2-3 Knipser im Spiel, die im Zweifel treffen.

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  • Fritz W. sagt:

    Ganz abgesehen von den „Grabenkämpfen“ hier finde ich das Thema Scouting bei den Mädels sehr interessant.

    Gute Spielerinnen / Talente findet man schon einige, aber nicht alle sind bereit für ein Internat und die Fahrstrecken zu guten Ausbildungsvereinen sind deutlich länger als bei den Jungs. Bei diesen gibt es ein viel dichteres Netz an NLZs.

    Zudem sind bei den Jungs (zu?) viele Eltern nur zu gerne bereit, lange Anfahrtswege und mangelnde Schulbildung in Kauf zu nehmen, da sie von einer Millionen-Karriere ihrer Sprößlinge träumen.

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