US-Verband feuert Tom Sermanni

Von am 7. April 2014 – 8.02 Uhr 30 Kommentare

Rund 14 Monate vor Beginn der Frauenfuβball-WM in Kanada steht der Weltranglistenerste USA ohne Trainer da. Denn überraschend entlieβ der US-Verband am Sonntag Trainer Tom Sermanni – nach einem 2:0-Sieg gegen China.

Nach dem 2:0-Sieg gegen China am Sonntag teilten US-Soccer-Präsident Sunil Gulati und Generalsekretär Dan Flynn dem konsternierten 59-Jährigen seine Entlassung mit – die erste in Sermannis 25-jähriger Trainer-Laufbahn.

Konsternierter Sermanni
„Ich bin völlig überrumpelt worden“, so Sermanni in einer ersten Stellungnahme. Der Schotte hatte das Team erst im Januar 2013 übernommen und sollte es auf die WM in Kanada 2015 vorbereiten, um dort mit ihr den Titel holen. „Um es kurz sagen, sie waren einfach der Meinung, dass die Art, wie ich das Team leite, nicht funktioniert.“ Eine offizielle Stellungnahme hat der US-Verband für den heutigen Montag angekündigt.

Anzeige

Starker Auftakt
In den ersten 20 Spielen unter Sermannis Führung gewann das Team 16 Spiele bei 4 Remis und keiner Niederlage. Doch dann kam im März der Algarve Cup, wo das Team nach Niederlagen gegen Schweden und Dänemark auf dem enttäuschenden 7. Platz landete und eine Serie von 43 ungeschlagenen Spielen zu Ende ging..

US-Nationaltrainer Tom Sermanni spielt mit seinem Team gegen Deutschland und die Niederlande. © Nora Kruse, ff-archiv.de

US-Nationaltrainer Tom Sermanni wurde überraschend entlassen © Nora Kruse, ff-archiv.de

Verpatzter Algarve-Cup als Auslöser
Die Niederlage gegen Ex-USA-Trainerin Pia Sundhage und die höchste Niederlage der Verbandsgeschichte gegen Dänemark (3:5) haben bei den Verantwortlichen offenbar die Alarmglocken läuten lassen. Doch die Niederlagen bei dem eher unbedeutenden Turnier im Süden Portugals dürften dem Schotten nicht alleine das Amt gekostet haben. Denn der US-Verband dürfte seine Entscheidung nicht getroffen haben, ohne vorher die Meinung wichtiger Schlüsselspielerinnen eingeholt zu haben.

Jetzt lesen
Viki Schnaderbeck wechselt zu Arsenal

Haben die Spielerinnen Sermanni auf dem Gewissen?
„Ich vermute, dass einige Spielerinnen unzufrieden waren, sonst wären wir nicht so schnell an diesen Punkt gekommen“, so Sermanni. Als Interimstrainerin wird wieder einmal Jill Ellis zum Einsatz kommen, bis eine zügige Nachfolgeregelung gefunden wird. Eines steht fest: Sermannis Nachfolger bleibt wenig Zeit für Experimente, denn bereits im Oktober steht die WM-Qualifikation an.

Schlagwörter: ,

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

30 Kommentare »

  • enthusio sagt:

    Hier ein interessanter Beitrag der ehemaligen US-Nationalspielerin Julie Foudy zum Thema:

    https://espn.go.com/espnw/news-commentary/article/10745415/julie-foudy-examines-shocking-dismissal-uswnt-coach-tom-sermanni-espnw

    (0)
  • Sheldon sagt:

    @holly: 1. wieviele dieser Spiele hat sie durchgespielt? 2. Sind 47 Länderspiele im Alter von 24 wirklich eine solche Marke? Alex Morgan hat bereits 70 Spiele und ist nicht einmal ein Jahr älter.

    Das macht Leroux noch lange nicht zur Stammspielerin.

    (0)
  • FFFan sagt:

    @ Zaunreiter:
    „Ein Kopfballungeheuer wie Abby Wambach kann auch noch mit Ende Dreissig Kopfbälle ins Tor netzen.“

    So wie Luca Toni? Der ist aber trotzdem kein Nationalspieler mehr…

    (0)
  • Maxemus sagt:

    Ich habe mich einmal mit dem Foudy-Artikel beschäftigt, Dank an @ enthusio für den Link. Foudy, eine Ex-Nationalspielerin, meint, Sermanni wäre wegen seines lässigen Führungsstils gefeuert worden, das US-Team brauche einen „wohlwollenden Diktator“. Den Algarve Cup bezeichnet Foudy als Golf- und Wein-Cup und sieht im schlechten Abschneiden nicht die Ursache für die Entlassung. Im Gegenteil hätten die US-Girls ja nicht schlecht gespielt, nur die Tore nicht geschossen (Für mich eine immer wieder seltsame Argumentation).
    Eine Spielerinnen-Revolte habe es nicht gegeben, man habe zwar sicherlich mit Spielerinnen gesprochen, aber der „Henker“ sei der Verbandschef gewesen. Der müsse wohl einen Plan bzgl. des Nachfolgers haben.
    Sermanis lässiger Stil sei von Beginn an Diskussionstoff gewesen. Warum man ihn dann 17 Monate hat gewähren lassen und ihn ausgerechnet jetzt entlassen hat, kann Foudy aber nicht beantworten (Würde mir wieder der Algarve Cup + Schamfrist einfallen, aber ich habe nie in der US-Auswahl gespielt).

    Mir bringt der Artikel keinen Erkenntnisgewinn. Warum Foudy ihn geschrieben hat ? Immerhin sollen wir jetzt wissen: Es gab k e i n e Spielerinnen-Revolte. Nur: I’m not convinced, wie einmal ein deutscher Aussenminister sagte.

    (0)
  • holly sagt:

    Sheldon Sidney hat im Jahr 2012 aus Verletzungsgründen nicht spielen können. Daher ist der Unterschied zu Alex Morgan ein klein wenig größer. Sie hat 2013 ihr erstes LSP von Anfang bestritten. Aber das ist doch egal. Im Gegenteil umso seltner sie von Anfang an gespielt hat umso höher ist ihre Trefferquote einzuschätzen. In 47 LSP 27 mal zu treffen halte ich für eine Traumquote. Vor allem wenn man bedenkt das sie nur eine Auffüllspielerin ist wie du meinst. Ja die armen US Girls müssen echt froh sein das sie überhaupt 22 Spielerinnen für einen Kaderlehrgang finden.
    Zur Winterpause hast Du hier eine schöne Statistik zur BL Hinrunde veröffentlicht. Da war Celia die einzige der du Weltklasseformat bescheinigt hast. Celia hat in 93 LSP 50 x getroffen. Also ist Sidney dann Super Duper Geniale Weltklasse da sie ja nur den Kader der US Girls auffüllt und Celia andauernd von Anfang an spielt. Musst dich mal entscheiden was für Massstäbe du anlegst und wenn sollten sie für alle gleich gelten.

    (0)
  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @holly
    Welche Sheldon Sidney meinst Du? Diese US-Spielerin ist mir noch nie untergekommen, und da kenne ich doch einige!

    (0)
  • Sheldon sagt:

    @holly: Weißt du auch, gegen welche Teams Leroux bisher so getroffen hat?

    (0)
  • holly sagt:

    @Sheldon sicher auch nicht gegen schlechtere Teams wie Celia.

    (0)
  • Jennifer sagt:

    @zaunreiter: Captain America ist Christie Rampone. Sie wird hier in den USA so von den Fans genannt, da sie fast 300 Länderspiele hat und davon seit 2008 als Kapitänin. Außerdem hat sie (Jahrgang 1975) oftmals noch die besten Ausdauerwerte und ist eine mit der schnellsten. Des Weiteren hat sie während ihrer Karriere noch zwei Kinder zur Welt gebracht und hat eine chronische Krankheit. Das sind die Geschichten, die einem in Amerika den Titel „Captain America“ verleihen.

    (0)
  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @holly

    > sicher auch nicht gegen schlechtere Teams wie Celia.

    Celia ist ein Team? Für mich ist sie eine Einzelperson!

    (0)