DFB-Elf: Fast jede darf mit nach Schweden
Am Donnerstag wird Bundestrainerin Silvia Neid ihren 23 Spielerinnen umfassenden Kader für die EM in Schweden (10. bis 28. Juli) bekanntgeben. Doch während sonst vor großen Turnieren eine ganze Reihe von Wackelkandidatinnen wie gebannt auf die Entscheidung warten, müssen diesmal vor dem zweiten EM-Vorbereitungsspiel heute Abend gegen Kanada (ab 17.45 Uhr live in der ARD) in Paderborn nur wenige Spielerinnen um die Teilnahme bangen.
Geschrumpfter Kader Denn von ursprünglich 28 Spielerinnen des erweiterten EM-Kaders sind nur noch 25 übriggeblieben, so dass am Mittwochabend nur noch zwei Spielerinnen von Neid die unglückliche Nachricht erhalten werden, nicht mit nach Schweden zu dürfen.
Eine Torhüterin muss weichen Da von den vier Torhüterinnen laut UEFA-Regularien nur drei für das Turnier gemeldet werden können, wird Kathrin Längert vom FC Bayern München oder Laura Benkarth vom SC Freiburg eine der beiden Streichkandidatinnen sein. Bei der Feldspielerin dürfte es sich aller Voraussicht nach um Benkarths Freiburger Teamkollegin Sara Däbritz handeln, die wegen schulischer Verpflichtungen erst zum zweiten EM-Lehrgang zum Team stieß und zudem bereits für einen Lehrgang der U19-Nationalelf vom 29. Juni bis 2. Juli in Frankfurt in Vorbereitung auf die U19-EM in Wales im August nominiert wurde .
Unheimliche Verletzungsserie Man darf gespannt sein, ob der DFB-Kader durch die Verletzung von sechs wichtigen Spielerinnen – Verena Faißt, Viola Odebrecht , Alexandra Popp, Linda Bresonik , Kim Kulig, Babett Peter – wie im DFB-Lager erhofft, jetzt noch enger zusammenrücken wird, denn nun werden jüngere, unerfahrene Spielerinnen helfen müssen, die Kastanien aus dem Feuer zu holen, um die lange Erfolgstradition deutscher Frauenfußball-Nationalteams bei Europameisterschaften fortsetzen zu können. Das Team gewann seit 1995 den EM-Titel fünfmal in Folge.
Jetzt erst recht Mittelfeldakteurin Nadine Keßler meinte auf der Pressekonferenz in der Benteler-Arena in Paderborn am Tag vor dem Spiel gegen Kanada: „Man merkt schon jeden Tag im Training, dass die Mannschaft jetzt erst recht zusammenhält. Wir verlieren unser Ziel nicht aus den Augen. Ich denke, dass die Mischung im Kader passt und wir von allem etwas zu bieten haben. Wir haben trotz der Verletzungen noch sehr viele erfahrene Spielerinnen.“
Neid: „Müssen noch enger zusammenrücken“ Und auch Neid erklärt: „Wir müssen als Team noch enger zusammenrücken, das wird auch eine der Hauptaufgaben des dritten Lehrgangs sein. Wir müssen mit der Situation leben und hoffen wirklich inständig, dass es nicht noch mehr Verletzungsprobleme gibt. Wir bleiben zuversichtlich, denn wir wollen trotzdem bei der EM so weit wie möglich kommen.“ Gegen Kanada wird das Team im Vergleich zum 3:0-Sieg gegen Schottland sicherlich bereits eine Schippe drauflegen müssen.
Interessante Mannschaft mit Weltklassestürmerin „Kanada wird uns auf jeden Fall fordern, vor allem in der Defensive, was Schottland nicht so geschafft hat“, so Neid über eine „sehr interessante Mannschaft“. „Kanada ist sehr robust, variabel und kann gut kombinieren. Sie kommen über ihre Power und sind sehr darauf bedacht, ihre Weltklassespielerin [Christine] Sinclair mit Bällen vor und hinter die Kette einzusetzen.“
„Yes, we can!“ Unter dem neuen Trainer John Herdman hat das kanadische Team nicht nur die Bronzemedaille beim Olympischen Frauenfußball-Turnier in London, sondern auch mehr Selbstvertrauen in die eigene Stärke gewonnen. Und nun gilt es, einen schlagkräftigen Kader für die Frauenfußball-WM 2015 im eigenen Land zu formen. Herdman fasst das neue Selbstverständnis seines Teams prägnant zusammen: „Inzwischen denken wir nicht mehr: ´Kanada könnte`, sondern ´Kanada kann´.“