BV Cloppenburg: Keine Angst vor großen Namen
Nach drei Jahren Zweitligazugehörigkeit hat der BV Cloppenburg den Aufstieg ins Oberhaus geschafft. Auf die Verantwortlichen wartet in den kommenden Wochen und Monaten viel Arbeit, einen erstligareifen Kader zu formen. Doch im Vergleich zu vielen Aufsteigern in der Vergangenheit gibt man sich beim finanzstarken BVC selbstbewusst: „Wir haben keine Angst vor großen Namen“, sagt Trainerin Tanja Schulte gegenüber Womensoccer .
Für Schulte ist es nach den Aufstiegen mit der SG Wattenscheid 09 und dem Herforder SV der dritte Versuch, in der Ersten Bundesliga Fuß zu fassen. „Im Unterschied zu früher ist das jetzt der erste Aufsteiger, bei dem ich die Möglichkeit sehe, einen Kader zu formen, mit dem eine reelle Chance auf den Klassenerhalt besteht“, so Schulte. Diesmal sind die finanziellen Mittel vorhanden, und so heißt die Devise: Fragen kostet nichts, denn mehr als eine Absage kann man von einer Spielerin nicht bekommen.
Pluspunkt Zusammenhalt „Wir können hier Spielerinnen sehr viel ermöglichen und sind in der Lage, Rundum-Pakete für jede einzelne zu schnüren“, so Schulte, die seit zweieinhalb Jahren in Cloppenburg tätig ist und von „drei bis vier richtigen Krachern“ spricht, die der Kader definitiv für die erste Liga brauche. „Eine unserer großen Stärken war aber in der Saison unser Mannschaftsgefüge. Wir haben Rückschläge erlitten und sind als Mannschaft da durchgegangen“, verweist die Trainerin unter anderem auf eine 0:4-Klatsche gegen den SV Werder Bremen sowie die Kreuzbandrisse von Dagmara Grad und im März von Spielführerin Aferdita Kameraj .
Neuzugänge müssen sich einfügen Überhaupt war es im Vergleich zu Schultes früheren Aufstiegen keine Saison, in der sie mit ihrem Team durchmarschiert ist. „Das war diesmal eine richtig starke Nordstaffel, in der sechs Mannschaften sich untereinander Punkte nehmen konnten.“ Und so hatte auch der BVC zwischenzeitlich mal sechs Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze. Doch das große Plus sei eben der Mannschaftszusammenhalt gewesen, sagt die 38-jährige A-Lizenzinhaberin. „Und auch große Namen müssen sich da einfügen, das ist das wichtigste.“
Längerfristig etwas aufbauen Kader, die nach einem Aufstieg nahezu ausgetauscht werden, hält Schulte für problematisch. „Das ist eine Gefahr, und man bekommt nach einem Jahr die Quittung. Denn die, die alles für den Aufstieg gegeben haben, rücken plötzlich ins zweite oder dritte Glied, und dann kann das Gefüge zusammenbrechen. Uns geht es zwar kurzfristig um den Klassenerhalt, aber natürlich wollen wir hier längerfristig etwas aufbauen, und dafür brauchen wir die richtigen Spielertypen.“
Ländliche Umgebung Doch auch wenn der Verein, der in erster Linie vom Hauptsponsor Feinkost Sprehe lebt, über erstligareife finanzielle Mittel verfügt, hat in der Vergangenheit immer wieder allein die geographische Lage Probleme bereitet. „Wir müssen häufig Spielerinnen erstmal erklären, wo Cloppenburg überhaupt liegt“, sagt Schulte. Gerade einmal 35 000 Menschen wohnen in der Kleinstadt vor den Toren Bremens – natürliche Nachteile im Vergleich zu Großstädten wie Frankfurt, München oder den Ballungsgebieten in Nordrhein-Westfalen.
Sponsorennetz vergrößern Doch dass auch mit der familiären Atmosphäre gepunktet werden kann, hat die „Multi-Kulti-Truppe“ schon gezeigt. Unter anderem stehen vier Polinnen im Kader. „Sie haben sich hier richtig gut eingelebt, schon nach einem halben Jahr super deutsch gesprochen, werden in der Stadt erkannt und gehen auf die Leute zu“, freut sich Schulte. So bleibt auch abzuwarten, inwieweit sich die Einwohner mit ihrem Erstligateam identifizieren – und auch weitere Sponsoren. „Wir hoffen, das Sponsorennetz vergrößern zu können, um besser aufgestellt zu sein.“ Gerade in Zeiten, in denen etablierte Erstligisten Insolvenzverfahren eröffnen müssen, rückt der finanzielle Faktor in den Vordergrund – und auch die Gefahr, die die Abhängigkeit von einem Hauptgeldgeber birgt.
Zwei ambitionierte Aufsteiger Hinzu kommt, dass mit der TSG 1899 Hoffenheim auch der zweite Aufsteiger finanzstark und ambitioniert ist. „Das macht die Liga umso interessanter. Ich denke, diesmal kann man von keinem Team sagen, direkt als erster Absteiger festzustehen.“ Doch Geld hin oder her – auch in Cloppenburg muss bis zum Anstoß der neuen Saison einiges aufgeholt werden. „Wir müssen in der Geschäftsstelle besser organisiert sein, die Trainingsbedingungen verbessern und im Trainerteam noch Zuwachs bekommen. Wir hatten sehr, sehr gute Zweitligabedingungen, aber jetzt gilt es, erstligareif zu werden.“