DFB-Elf auf der Suche nach der Konstanz

Von am 6. April 2013 – 14.07 Uhr 48 Kommentare

Eine Halbzeit lang bot die deutsche Frauenfußball-Nationalelf dem Weltranglistenersten USA beim schmeichelhaften 3:3 in Offenbach physisch und auch spielerisch gut Paroli. Doch in den zweiten 45 Minuten geriet sie besorgniserregend ins Wackeln, nur ein ähnlicher Kraftakt wie in Frankreich gepaart mit einem Quäntchen Glück verhinderten trotz abermaligem 1:3-Rückstands eine Niederlage. Bis zur EM bleibt nicht mehr allzu viel Zeit, die Leistungsschwankungen in den Griff zu bekommen.

Vor 16 090 Zuschauern auf dem Bieberer Berg zog die DFB-Elf in den ersten 45 Minuten die richtigen Lehren aus der 0:2-Niederlage gegen die USA beim Algarve Cup. Viel beherzter als noch Wochen zuvor gingen die deutschen Spielerinnen in die Zweikämpfe, der Gegner schien in der Anfangsphase gar ein wenig überrascht und beeindruckt ob der deutschen Spielweise.

Kompakte erste Halbzeit
Denn die DFB-Elf machte die Räume geschickt eng und ließ dem US-Team nur wenig Raum zur Entfaltung. Alex Popp meinte: „Wir haben in der ersten Halbzeit ein super Spiel geliefert, da hat einfach das Tor gefehlt.“ Und Bundestrainerin Silvia Neid erklärte: „Da haben wir die USA nicht ins Spiel gekommen lassen.“

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Wie verwandelt aus der Kabine
Doch die Halbzeitpause bekam der DFB-Elf nicht gut, von der Kompaktheit, Organisation und taktischen Disziplin der ersten 45 Minuten war plötzlich nicht mehr viel zu sehen. Die Abstände waren auf einmal nicht mehr so gut, die Standards der Amerikanerinnen sorgten für zusätzliche Verunsicherung.

DFB-Elf außer Tritt
„Das Problem lag zwischen den Mannschaftsteilen, deswegen waren wir einfach nicht mehr so kompakt“, meinte Nadine Keßler. Kim Kulig konstatierte: „Wir haben dann ganz dumme Fehler gemacht“, und Torhüterin Nadine Angerer ergänzte: „Wir haben in den ersten 15 Minuten nach der Halbzeit ein bisschen Lehrgeld bezahlt, da mussten wir uns erst wieder sortieren.“

US-Stars spielen Klasse aus
Die Amerikanerinnen nutzten die deutsche Schwächephase dank der individuellen Klasse von Spielerinnen wie Alex Morgan, Abby Wambach, Megan Rapinoe oder Lauren Cheney eiskalt aus und die DFB-Elf hätte sich Mitte der zweiten Halbzeit nicht darüber beschweren dürfen, mit 1:4 oder gar 1:5 in Rückstand zu geraten, so besorgniserregend präsentierte sie sich in den ersten 30 Minuten der zweiten Halbzeit.

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Keßler: „Haben gewackelt“
„Wir haben definitiv gewackelt, aber genau solche Wackler müssen wir minimieren und eingrenzen, immer wieder zurückkommen und ins eigene Spiel finden“, so Keßler, die einräumte: „Das haben wir heute noch nicht geschafft, aber die USA sind ja auch keine schlechte Mannschaft, da muss man 90 Minuten voll da sein, um das Spiel kontrollieren zu können.“ Angerer meinte hingegen: „Ich fühle mich so, wie wenn wir gewonnen hätten. Wir haben uns wieder einen Schritt weiterentwickelt und wir haben ja noch ein bisschen Zeit.“

DFB-Elf gibt nicht auf und belohnt sich
In der Schlussphase gelang der DFB-Elf wie schon in Frankreich beim 1:3-Rückstand dann doch noch, durch späte Treffer eine Niederlage zu verhindern. „Es war natürlich genial, wenn man so ein Spiel noch drehen und 3:3 spielen kann“, so Kulig. Und Keßler ergänzte: „Wir haben nicht aufgesteckt und die Kulisse hat uns nach vorne gepeitscht.“

Popp: „Immer noch verdient hinter den USA“
Doch derlei Kraftakte wie in Straßburg oder Offenbach werden nicht immer möglich sein, so dass es gilt, sich in den verbleibenden Testspielen und Lehrgängen schnell die nötige Konstanz zu erarbeiten, um gar nicht erst immer wieder einem Rückstand hinterherlaufen zu müssen. Popp meint: „Dass wir den Rückstand aufgeholt haben, zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind, aber auch dass wir immer noch verdient hinter den USA in der Weltrangliste stehen.“

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

48 Kommentare »

  • Andreas sagt:

    @Sheldon: Natürlich habe ich das mit dem Wechsel mitbekommen. Das Gegenteil geht aus meinem Post auch nicht hervor. Unschwer erkennbar meinte ich, dass ich mich nicht richtig an die Leistung von Bresonik erinnern kann, außer, dass sie mir nicht groß aufgefallen war. Ich selber sehe das mit dem Wechsel genauso. Allerdings lag der Fehler von Neid nicht in der Auswechslung von Bresonik. Die war m.E. richtig (Ich habe auch nichts positives in den Medien zu Bresonik gelesen, das zeig mir mal, wo das gestanden haben soll). Der Fehler war die Einwechslung von Goesling, weil das nichts für die schwächelnde Offensive bewirkt hat und nicht bewirken konnte. Meine Meinung damals wie heute war, dass sie Bajramaj hätte einwechseln und Behringer auf die 6 zurückziehen müssen. Das wäre der einzig logische Wechsel gewesen.

    Der Rest ist egal und irgendein Ligaspiel, wo sie mal gut war, geschenkt. Ich wiederhole noch ein mal. In der N11 habe ich noch kein wirklich gutes Spiel von ihr gesehen, dafür schon viele schlechte und da Du wieder ein Spiel aus der Bundesliga herauskramst, hast Du wohl in der N11 auch kein gutes Spiel von Bresonik gesehen.

    Noch ein Satz zu Popp. Sie hat eine andere Rolle als Bresonik, ist also auch nicht mit ihr vergleichbar. Popp ist in erster Linie Vollstreckerin, was sie bis zu ihren Verletzungen in der EM Qualifikation auch ganz gut gemacht hat. Sie ist jetzt aber in einer Zwischenphase angekommen. Popp muss jetzt den entscheidenden Schritt machen, um eine Große zu werden. Wenn ihr das nicht gelingt, wird sie im Mittelmaß versinken und von anderen verdrängt werden.

    Und bei der Struktur des Frauenfußballs ist für Deutsche Spielerinnen vor allem entscheidend, wie sie sich gegen die großen Gegner präsentieren. Ob man gegen Kasachsan gut spielt ist doch eher nebensächlich, da es eine absolute Selbstverständlichkeit darstellt.

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  • Sheldon sagt:

    Wie auch immer: Bresonik hat in dem Spiel gegen Japan eine wichtige Rolle gespielt. Lies dir noch einmal die Kommentare durch, ich bin mir sicher, dass du dort etwas finden wirst. Allein die Bestnote für eine deutsche Spielerin, die ihr vom Kicker verliehen wurde, sollte Bände sprechen.

    Zu dem Spiel in der Bundesliga: Wurde von mir gewählt, weil das einfach ihr bestes Spiel war. Sicherlich wird man auch gute bis sehr gute Spiele von ihr in der N11 finden, doch in diesem Spiel stach sie heraus, wie es kaum eine Spielerin sonst geschafft hat. Es war auch nicht irgendein Ligaspiel, es war gegen den späteren Meister Turbine Potsdam. Es war das Spitzenspiel. Und dort wurde ein 2:0-Rückstand gedreht. Ich frage mich, welche Mannschaft das je zuvor überhaupt geschafft hat gegen Potsdam. Und hier hat es eine Spielerin fast im Alleingang geschafft.

    Zu Popp: Ihre fußballerischen Fähigkeiten mögen unbestritten sein. Doch es ziemt sich nicht für eine deutsche Nationalspielerin, wegen jeder Kleinigkeit liegen zu bleiben. Ich habe im letzten Jahr glaube ich kein einziges Spiel gesehen, wo sie nicht behandelt wurde. Dabei hatte sie letztlich kaum eine echte Verletzung, mir fällt jedenfalls nur der Handbruch ein.
    Und das geht einfach nicht. Als deutsche Nationalspielerin solche Theatralik anzuwenden, gerade auch zum Zeit schinden, verbietet sich einfach gegenüber den Gegnern, aber auch gegenüber den Zuschauern. Da erinnert nicht nur der Name an Italiens Stürmer Filippo „Pippo“ Inzaghi, sondern leider noch etwas ganz anderes…

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  • karl sagt:

    Dass Popp besonders lange liegenbleibt nach fouls ist mir noch nicht aufgefallen. Aber selbst wenn es so sein sollte muss man ihr auch zugute halten dass sie den Kopf noch hinhaelt wo die meisten anderen schon den Fuss wegziehen 🙂

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  • FFFan sagt:

    @ Andreas & Sheldon:

    Linda Bresonik hat 84 Länderspiele für Deutschland bestritten, da werden sicherlich auch ein paar gute dabei gewesen sein…

    Eigentlich bringt sie alles mit, was eine Weltklassespielerin ausmacht: Technik, Übersicht, Ruhe am Ball…

    Und doch scheiden sich an ihr die Geister, weil sie offenbar größere Leistungsschwankungen hat als andere Nationalspielerinnen und an schlechten Tagen oft geradezu lustlos wirkt – z.B. im Oktober 2011 gegen Schweden, woraufhin die Bundestrainerin ihr eine „Denkpause“ verordnete!

    Ich kann mich aber sehr wohl auch an starke Leistungen von ihr im Nationaltrikot erinnern. Im ersten Spiel nach besagter „Denkpause“, dem 5-0 in der Türkei, spielte sie wie ‚aufgedreht‘, in der ersten Halbzeit lief jeder gefährliche Angriff über sie. Überragend auch das Spiel gegen Rumänien in Bielefeld, wo der frühe Führungstreffer (1.Min.) ihr Flügel zu verleihen schien. Aber das zählt vielleicht nicht, weil es keine ‚großen‘ Gegner waren…

    Zum Spiel gegen Japan bei der WM 2011:

    Silvia Neid hat die Auswechslung von Bresonik (65.min.) später damit begründet, dass sich im Mittelfeld im Lauf des Spiels immer mehr ‚Löcher‘ aufgetan hätten. Dem wollte sie mit der Einwechslung von Goeßling entgegenwirken.

    Das Echo in der Presse auf diese Maßnahme fiel damals geteilt aus: während der ‚kicker‘ dafür überhaupt kein Verständnis zeigte und in Bresonik gar die beste Spielerin auf dem Platz sah („auf einmal hatte Deutschland eine Spielmacherin“), fanden andere Kommentatoren (u.a. in der ‚Frankfurter Rundschau‘ und der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘) den Wechsel „nachvollziehbar“. Mir persönlich ist Bresonik in diesem Spiel nicht besonders aufgefallen, weder positiv noch negativ.

    Zu dem Bundesligaspiel in Potsdam im November 2011:

    Das war sicherlich nicht Bresoniks bestes Spiel, aber sie schrieb sozusagen die Geschichte des Spiels: die erste Halbzeit war für sie ja der reinste Alptraum mit dem Eigentor und dem verschossenen Elfmeter, doch dann folgte die große Wende in der zweiten Halbzeit, wobei ausgerechnet Bresonik in der Schlussminute den Siegtreffer markierte! „Großes Kino“ nannte sie rückblickend die 90 Minuten in der ‚Filmstadt‘ Babelsberg…

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  • del Piero sagt:

    Möchte meinen Kommentar zu zwei Spielerinnen abgeben, die bei einigen hier nicht gut weggekommen sind: Kim Kulig – jemand bezog sich schon auf ihre lange Verletzungsmisere. Das sehe ich ganz genauso. Finde es unfair und völlig daneben ihr N11-Untauglichkeit vorzuwerfen. Sie hat doch nicht das Fußballspielen verlernt. Sie ist noch jung und sie findet zurück zu alter Stärke. Sie braucht nur noch etwas Zeit. Geduld heißt das Zauberwort und mit solchen Kommentaren bringt man sie auch nicht weiter nach vorn.
    Linda Bresonik – an ihrer Leistung hat die Trainerin maßgeblichen Anteil. Schon als ich die Aufstellung sah, fragte ich mich was sie dort soll??? Sie ist doch keine Außenbahnspielerin, die durch ihre Flankenläufe besticht. Linda gehört in die Zentrale. Ihre Stärke sind Pässe in die Tiefe/Gasse. Sie hat das Auge und die Technik dafür. Aber um Himmelswillen ist sie keine Spielerin, die 90 min die Linie rauf und runter marschiert und Flanken vors Tor bringt. Nö, Frau Neid, das war mal gar nix! Aber wer weiß, vielleicht war es ja auch so gewollt…Spekulatius…

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  • Jennifer sagt:

    Ali Krieger hat sich vergangene Woche in der FAZ zu den Leistungen der FFC Spielerinnen in der Natio, aber auch zu ihrem Weggang, geäußert:

    https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/ali-krieger-ich-war-nicht-mehr-gluecklich-beim-ffc-12134492.html

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  • noworever sagt:

    noch eine art folgeinterview zu ali kriegers kommentar … und zu dem, was die leistungskonstanz einzelner spielerinnen der n11 betrifft, wie z.b. nadine angerer:

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  • Therese sagt:

    UEFA Ausloesung Qualifikation WM 2015 Kanada 16.04.2013 14:00

    Gruppe 1: Deutschland, Russland, Irland, Slowakei, Slowenien und Kroatien

    Gruppe 2: Italien, Spanien, Tschechien, Rumanien, Estland und Mazedonien

    Gruppe 3: Daenemark, Island, Schweiz, Serbien, Israel und Malta

    Gruppe 4: Schweden, Schottland, Polen, Nordirland, Bosnien und Faeroeer Inseln

    Gruppe 5: Norwegen, Niederlande, Belgien, Portugal, Griechenland und Albanien

    Gruppe 6: England, Ukrainien, Weissrussland, Wales, Tuerkei und Montenegro

    Gruppe 7: Frankreich, Finland, Oesterreich, Ungarn, Bulgarien und Kasachstan

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