Algarve Cup: DFB-Elf verliert Finale gegen USA

Von am 13. März 2013 – 20.12 Uhr 66 Kommentare

Die deutsche Frauenfußball-Nationalelf hat das Finale des Algarve Cups gegen die USA verloren und nach 22 Spielen zum ersten Mal wieder eine Niederlage kassiert. Bitterer Wermutstropfen: die Verletzung von Nadine Keßler.

Bei der 0:2 (0:2)-Niederlage vor rund 1 000 Zuschauern im Estádio Algarve in Faro brachte sich die DFB-Elf durch individuelle Fehler selbst um die Früchte der guten Arbeit. Alex Morgan (13., 34.) nutzte jeweils Patzer eiskalt zu zwei Treffern aus, von sich das deutsche Team nicht mehr erholte.

Stimmen zur Niederlage gegen die USA

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Schult im Tor, USA mit fünf Veränderungen
Mit nur einer Änderung gegenüber dem 2:0-Sieg gegen Norwegen ging Bundestrainerin Silvia Neid in die Partie: Almuth Schult hütete gemäß Rotation das Tor anstelle von Nadine Angerer. US-Trainer Tom Sermanni veränderte sein Team hingegen auf fünf Positionen:  Im Tor stand wieder Nicole Barnhart für Ashlyn Harris, Yael Averbuch durfte für Megan Rapinoe ran, die beim Aufwärmen ausrutschte und sich eine Muskelzerrung zuzog. Whitney Engen spielte von Beginn an für Christie Rampone, Rachel Buehler für Becky Sauerbrunn und im Sturm erhielt Sydney Leroux den Vorzug vor Abby Wambach.

Célia Okoyino da Mbabi

Célia Okoyino da Mbabi (li.) im Duell mit Kelley O’Hara © Nora Kruse / ff-archiv.de

Führung durch Morgan
Die deutsche Elf begann gut, doch Morgan brachte den Weltranglistenersten mit der ersten Chance in Führung. DFB-Torhüterin Almuth Schult kam nach einem langen Ball auf Sydney Leroux zu zögerlich aus ihrem Tor herausgelaufen, Luisa Wensing köpfte deren Hereingabe vor die Füße von Morgan, die den Ball platziert in die Maschen setzte (13.).

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DFB-Elf am Drücker
Die DFB-Elf zeigte sich jedoch unbeeindruckt, Célia Okoyino da Mbabi scheiterte per Kopf an Barnhart (17.). Kurz darauf setzte die starke Dzsenifer Marozsan mit einem Lupfer erneut Okoyino da Mbabi in Szene, unter Bedrängnis schob sie den Ball am Tor vorbei (18.). Und die Deutschen waren weiter am Drücker, nach Anspiel von Okoyino da Mbabi war Anja Mittag plötzlich frei, doch Ally Krieger klärte im letzten Moment (22.).

Missverständis führt zum zweiten Gegentreffer
Doch die Amerikanerinnen überstanden diese Phase unbeschadet und kamen ihrerseits zu weiteren Chancen, nach Freistoß von Averbuch hob Engen den Ball über das deutsche Tor (26.). Shannon Boxx kam nach Vorarbeit von Morgan einem zweiten Treffer nah, doch ihr Schuss ging am Tor vorbei (34.). Doch Sekunden später klingelte es erneut im deutschen Tor, bei einem Pass aus dem Mittelfeld waren sich Josephine Henning und Almuth Schult uneins, Morgan bedankte sich für das Missverständnis mit dem 2:0 (34.).

Elfmeter verweigert
Kurz vor der Pause hätte die DFB-Elf ins Spiel zurückfinden können, doch ein Foul von Boxx an Lena Goeßling im Strafraum ließ die schwache kanadische Schiedsrichterin Caroll Anne Chenard ungeahndet (41.). Okoyino da Mbabi hatte nach Vorarbeit von Mittag und Leonie Maier die letzte Chance der deutschen Mannschaft in Durchgang eins (45.+1).

Keßler verletzt
Die überharte Gangart der Amerikanerinnen in der zweiten Halbzeit forderte Opfer. Fouls von Tobin Heath und Shannon Boxx blieben genauso ungeahndet, wie das rotwürdige Foul von Averbuch, die mit gestrecktem Bein in das Knie von Nadine Keßler rauschte, die Wolfsburgerin musste unter Schmerzen mit einer fünf Zentimeter langen Risswunde vom Platz. Marozsan versuchte es in der zerfahrenen zweiten Halbzeit mit einem Schuss aus 20 Metern (60.), doch gefährlicher blieben die Amerikanerinnen, Morgan traf die Latte, nachdem Schult erneut nicht aus ihrem Tor herauskam (64.).

US-Tor wie vernagelt
Okoyino da Mbabi hatte die nächste gute Chance, den Abpraller versuchte die eingewechselte Alex Popp im Tor unterzubringen, doch sie wurde von Rachel Buehler gefällt  – erneut hätten sich die USA nicht über eine Rote Karte und einen Elfmeter wundern dürfen. In der Schlussphase warf die DFB-Elf noch einmal alles nach vorne, doch Okoyino da Mbabi verzog ihren Schuss (79.) und auch in der Nachspielzeit hatte die Stürmerin kein Glück (90.+3), kurz zuvor kam Morgan ein weiteres Mal einem dritten Treffer nah (90.+2).

Deutschland – USA 0:2 (0:2)

Deutschland: Schult – Maier, Wensing, Henning, Peter (46. Cramer) – Odebrecht (46. Keßler, 60. Bresonik), Goeßling – Mittag (46. Popp), Marozsan (80. Lotzen), Faißt (75. Huth) – Okoyino da Mbabi

USA: Barnhart – Krieger (58. Dunn), Buehler, Engen, O’Hara – Boxx
Press (75. Wambach), Averbuch (68. Sauerbrunn), Heath (82. Mewis) – Leroux, Morgan

Tore:
0:1 Morgan (13.), 0:2 Morgan (34.)

Gelbe Karte:
Leroux

Schiedsrichterin:
Carol Anne Chenard (Kanada)

Zuschauer: 1 000

Ergebnisse der Platzierungsspiele

Platz 11/12: Wales – Portugal 1:1 (1:3 nach Elfmeterschießen)
Platz 9/10: Ungarn – Island 1:4
Platz 7/8: Mexiko – Dänemark 0:3
Platz 5/6: Japan – China 1:0
Platz 3/4: Norwegen – Schweden 2:2 (3:2 nach Elfmeterschießen)
Finale: Deutschland – USA 0:2

Abschlusstabelle

1. USA
2. Deutschland
3. Norwegen
4. Schweden
5. Japan
6. China
7. Dänemark
8. Mexiko
9. Island
10. Ungarn
11. Portugal
12. Wales

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

66 Kommentare »

  • Kika sagt:

    Spielgestaltung, Spieltaktik, Systeme, das ist ja alles bestimmt ganz wichtig. Aber entschieden werden die Spiele im FF durch die besseren Spielerinnen. Deutschland war den US-Girls in der Spielanlage wenigstens zeitweise überlegen, nie aber unterlegen. Sie haben im Finale verloren, weil es in Abwehr und Angriff einen Mangel an Konzentration und Entschlossenheit gab. Zugespitzt war es der Unterschied zwischen Alex Morgan und Shannon Boxx auf der einen Seite und Celia und Maro auf der anderen Seite. Eine Alex Morgan hätte einige der deutschen Chancen vielleicht verwandelt.

    Ich habe in den letzten Jahren kein Team gegen Deutschland gesehen, das spielerisch überlegen war.

    Wenn es Probleme gab, dann haben die Deutschen diese immer selbst verursacht. Das war 2011 bei der WM auch so. Ganz krass war es damals beim 2-2 gegen Spanien in der EM-Qualifikation, als nach einer 2-0 Führung plötzlich die Spanierinnen stark gemacht wurden.
    SN sollte den Ursachen dieses individuellen Versagens auf den Grund gehen und sich selbst/ihre Ansprüche bei der Ursachenforschung nicht ausschließen. Warum diese Konzentrationsschwächen ? Warum dieses Zögern im gegnerischen Strafraum ? Warum geht der Ball am leeren Tor vorbei ? Warum zögert die Torwartin, den Ball kompromisslos zu nehmen ? Warum fehlt die Ruhe bei der Ballannahme ?
    Oder anders herum: Warum ist Alex Morgan so cool ?

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  • Pauline sagt:

    @König du scheinst Spiele eh aus einer anderen Perspektive zu sehen ,zu burteilen oder wie auch immer. Eins ist aber sicher an die Physis dieser Spielerin reicht keine—.
    und was das spielen auf den Platz betrifft, entscheiden nicht die Mädels sondern die —- Königin —-

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  • Der König sagt:

    @Pauline

    Für das königliche Gehalt erwarte ich von der Königin auch ein königliches Ergebnis. Am liebsten schwedische Goldtaler.

    Der König hat gesprochen.

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  • FFFan sagt:

    @ Kika:
    „Warum ist Alex Morgan so cool ?“

    So cool ist die gar nicht! Wäre sie es, hätte sie nämlich noch zwei bis drei Tore mehr gemacht.

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  • Pauline sagt:

    Kika@ Mogan ist einfach nur blitzschnell mit den Beinen und im Kopf —Sie schaltet schnell,hat ein gutes räumliches sehen und davon profitiert nicht nur Sie, sondern auch alle Mitspielerinnen. –Ich würde cool mit clever tauschen

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  • enthusio sagt:

    Alex Morgan ist auf jeden Fall für unsere Abwehr eine Nummer zu groß gewesen. Das ist kein Vorwurf, nur eine Feststellung. Solche Spielerinnen machen eben den Unterschied aus, von denen kann man nur lernen.

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