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2013

DFB-Elf: Ist das Glas halbleer oder halbvoll?

Nur mit Mühe hat die DFB-Elf einen Fehlstart ins EM-Jahr 2013 vermieden. Rund fünf Monate vor EM-Beginn leistete sich das Team beim 3:3 gegen Frankreich in Straßburg eine ganze Reihe von individuellen Fehlern. Und darf dennoch für die kommenden Monate auch Positives mitnehmen.

Im mickrigen Presseraum des alten Stade de la Meinau präsentierten sich Bundestrainerin Silvia Neid und Frankreichs Trainer Bruno Bini nach dem 3:3 vor der guten Kulisse von 15 888 Zuschauern gut gelaunt und zufrieden.

Neid: „Haben große Moral bewiesen“ „Wir haben ein Spiel auf sehr hohem Niveau gesehen. Wir haben uns selbst zwei Tore geschossen, das ist gegen einen Gegner wie Frankreich natürlich schwer aufzuholen. Aber trotz des 1:3-Rückstands haben wir große Moral bewiesen, unterm Strich sind wir mit diesem Unentschieden zufrieden“, zog Neid trotz zahlreicher Fehler ihrer Spielerinnen und dreier Gegentore ein positives Fazit. Eine Einschätzung, die Bini mit einem süffisanten Kommentar quittierte: „Das ist schon etwas Neues, dass Silvia zufrieden ist, wenn sie gegen uns unentschieden spielt.“

Viele Fehlpässe und Ballverluste Ist das Glas also halbvoll oder halbleer? Dies dürften sich beide Seiten nach dem neuerlichen Remis gefragt haben. Die DFB-Elf muss sich einerseits Kritik gefallen lassen, warum sie nach einer guten Anfangsphase und einer schnellen Führung so rasch wieder den Faden verlor. Und warum sie sich mit zahlreichen Fehl- und Rückpassen und gefährlichen Ballverlusten immer wieder selbst in Bedrängnis brachte.

Verunsicherung durch Ausgleich Sie darf aber auch eine Menge Hoffnung aus der letzten halben Stunde ziehen, dass bei konzentrierter Spielweise und aufopferungsvollem Kampf auch ein Topgegner wie Frankreich Probleme mit dem Spiel der DFB-Elf bekommt. „Nach dem 1:1 hätten wir normal weiterspielen müssen, aber das hat die Spielerinnen etwas verunsichert und nervös gemacht, dann kamen zu viele einfache Fehlpässe, da werden die Wege nach hinten weit und Frankreich macht richtig Tempo über die Außen, das ist dann schwierig zu verteidigen“, erläuterte Neid.

Mangelnde Souveränität, ungewohntes Tempo So hatten etwa einige DFB-Spielerinnen Defizite in der Antrittsschnelligkeit und Probleme mit dem hohen Spieltempo, etwa Kim Kulig. „Es liegt auch viel an der Maske, dass sie nicht so schnell sehen kann, was links und rechts ist. Die muss sie noch ein bis zwei Wochen tragen“, so Neid. Und auch Nadine Keßler , die mit ihren zwei Treffern die DFB-Elf vor einer Niederlage bewahrte, brauchte eine gewisse Zeit, um ins Spiel zu finden. „Sie hat sich reingebissen“, so Neid, die analysierte: „Wir verpassen es oft, einfach mal Ruhe ins Spiel zu bringen und spielen nicht souverän genug von hinten raus.“

Keßler will Chance nutzen „Im Vergleich zu meinen ersten Länderspielen ist das ein großer Unterschied, das Spieltempo ist richtig hoch“, so Keßler, die sich Schritt für Schritt in die Mannschaft spielen will. „Ich bin froh, wenn ich wieder eingeladen werde. Ich möchte einen Schritt nach dem anderen machen, mich gut im Verein präsentieren und dann hoffentlich wieder meine Chance nutzen.“ Zufrieden war Neid mit der Leistung ihrer jungen Nachwuchsspielerinnen.

Bartusiak: „Das war ein katastrophaler Fehlpass“ „Svenja und Leonie waren zwar nervös, aber sie haben die Herausforderung trotzdem gut angeommen, geführt von einer jungen Marozsan und einer Célia, die in der zweiten Halbzeit Akzente gesetzt. Luisa war auch sofort im Spiel, das hat sie gut gemacht.“

Einen rabenschwarzen Tag erwischte hingegen Saskia Bartusiak. Sie erklärte: „Der Rückpass zum Tor, das war ein katastrophaler Fehlpass, das geht klar auf meine Kappe, aber jeder macht mal einen Fehler. Das war natürlich doof, denn dadurch pusht man den Gegner, wenn man ihm Tore schenkt.“

Schult: „Aus so einem Fehler lernt man“ Torhüterin Almuth Schult hatte ihren Anteil am zweiten Gegentreffer. „Aus so einem Fehler lernt man, dass man den Ball früher wegschlagen muss und nicht so viel hinten rum spielen darf. Beim ersten Gegentor hat Necib genau in den Winkel getroffen. Ich weiß nicht, ob ich da so viel machen kann.“

Leistungssteigerung nötig Nun gilt es, in weiteren hochkarätigen Testspielen das Leistungsniveau bis zur EM weiter anzuheben. Neid meint: „Alle Nationen werden sich bis zum Sommer noch entwickeln, wir sicherlich auch. Wir haben uns die Gegner bewusst so ausgesucht, es hilft uns nichts, Spiele 4:0 oder 5:0 zu gewinnen. Heute musste jede 110 Prozent geben, um zu bestehen.“