Potsdam im Torrausch, Zittersieg für Frankfurt

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Am ersten Spieltag der neuen Bundesligasaison erteilte Meister 1. FFC Turbine Potsdam dem überforderten Aufsteiger VfL Sindelfingen eine Lehrstunde, der 1. FFC Frankfurt hatte gegen den gut eingestellten FF USV Jena hingegen mächtig Mühe, nach Rückstand und früher Roter Karte gegen Saskia Bartusiak drei Punkte einzufahren.

Potsdam kam vor 1 050 Zuschauern im Sindelfinger Floschenstadion zu einem 9:1 (2:0)-Kantersieg. Dabei hatte die Elf von Trainer Bernd Schröder in der ersten Halbzeit sichtlich Mühe gegen die zunächst kompakte Sindelfinger Defensive, auch wenn Keelin Winters (8.) nach einer Ecke die frühe Führung erzielte und Patricia Hanebeck per direkt verwandeltem Freistoß erhöhte (29.).

Sindelfingen rennt ins Verderben
In der zweiten Halbzeit wollte der Aufsteiger mehr für die Offensive tun, doch die taktische Umstellung mit eingehender Lockerung der Defensive ging nach hinten los und die Potsdamer Spielerinnen nahmen die Einladung dankbar an. Der schottische Neuzugang Lisa Evans erhöhte zum 3:0 (49.), ehe Natalia Mann eine Unachtsamkeit der Potsdamer Defensive zum Ehrentreffer nutzte (55.).

Potsdamer Torflut
Doch dann brach eine wahre Flut an Gegentoren über die Gastgeberinnen hinein: Die eingewechselte Stefanie Mirlach per Kopf (57.), Yuki Ogimi aus 17 Metern (64.), zweimal Genoveva Anonma (76., 77.) sowie die ebenfalls eingewechselte Natasa Andonova (79.) und ein Eigentor von Tamar Dongus (81.) zementierten den Klassenunterschied beider Teams.

Schröder: „Hätten 15 Tore machen können“
Trotz des Erfolgs war Schröder alles andere als zufrieden: „Es geht nicht um das Ergebnis, sondern darum, wie wir hier teilweise gespielt haben. Wir hätten hier mindestens 15 Tore machen können und dann lassen wir uns auch noch ein Tor reinkullern. Sindelfingen hat seine Möglichkeiten ausgeschöpft, wir haben noch Luft nach oben.“

Yuki Ogimi und Genoveva Anonma
Yuki Ogimi (li.) und Genoveva Anonma trafen zum Saisonauftakt ins Schwarze © Lutz Kollmann / girlsplay.de

Koutroubis: „Wie eine Schülermannschaft ausgespielt“
Ein geknickter Sindelfinger Trainer Niko Koutroubis meinte: „Wir sind heute hart in der ersten Liga gelandet. Im Nachhinein ärgere ich mich natürlich über die Umstellungen, wir wollten aber offensiv etwas mehr Druck entwickeln. Potsdam hat dann aus jeder Chance ein Tor gemacht und uns wie eine Schülermannschaft ausgespielt.“

Frankfurt mit Mühe
Der  1. FFC Frankfurt hatte im ersten Heimspiel vor 2 370 Zuschauern im Stadion am Brentanobad große Mühe einen Fehlstart zu verhindern. Am Ende stand ein hart erkämpfter 2:1 (0:1)-Sieg gegen den FF USV Jena.

Gäste-Führung durch Utes
Die Gastgeberinnen hatten Pech, dass Neuzugang Sandrine Bretigny in der Anfangsphase nach Hereingabe von Fatmire Bajramaj nur die Latte traf (6.). Susann Utes brachte die Gäste aus Thüringen nach einer kurz ausgeführten Ecke per Kopf überraschend in Führung (25.).

Rot für Bartusiak
Die Aufgabe wurde für Frankfurt nun noch schwerer, denn Saskia Bartusiak sah nach einer Notbremse außerhalb des Strafraums die Rote Karte (38.). Und das Glück war Frankfurt zunächst nicht hold, denn Melanie Behringer scheiterte kurz vor der Pause mit einem Pfostenschuss (44.).

Matchwinnerin Laudehr
Doch den Frankfurterinnen gelang in der zweiten Halbzeit die Wende: Erst lenkte Jenas Carolin Schiewe eine Hereingabe von Bretigny zum Ausgleich ins eigene Tor (70.), dann bewahrte die eingewechselte Simone Laudehr kurz vor Spielende die Elf von Trainer Sven Kahlert vor einem Fehlstart, als sie eine Flanke von Kerstin Garefrekes per Kopf zum Siegtreffer verwertete (87.).

Kahlert: „Für Riesenaufwand belohnt worden“
Frankfurts Trainer Sven Kahlert war erleichtert: „Kompliment an meine Mannschaft, wie wir in der zweiten Halbzeit in Unterzahl Willen und Biss gezeigt haben, das hat mir in der ersten Halbzeit ein wenig gefehlt. Die Mannschaft hat den Kopf nicht hängen lassen trotz Rückstand und Roter Karte. Wir sind für unseren Riesenaufwand letztendlich noch belohnt worden, Glück gehört dazu. Aber solche Zitterspiele wollen wir sicherlich nicht immer haben.“

Kraus: „Kräfte haben nachgelassen“
Jenas Trainer Daniel Kraus erklärte: „Ich hätte heute Morgen nicht gedacht, dass ich mich auf der Pressekonferenz ärgern würde, ohne Punkte dazustehen. Wir haben gut verschoben und die Räume eng gemacht und durch einen Standard ein Tor erzielt. Aber Frankfurt hat auch zu zehnt die Klasse, uns auseinanderzuspielen und mit der Zeit sind unsere Kräfte geschwunden.“

Zahlreiche Verlegungen
Die restlichen vier Spiele des ersten Bundesliga-Spieltags wurde wegen der Teilnahme der U20-Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft in Japan auf einen späteren Zeitpunkt verlegt. Auch vier Spiele des am kommenden Wochenendes angesetzten zweiten Spieltags werden aus demselben Grund an einem neuen Termin ausgetragen.

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Glückwunsch nach Potsdam und Frankfurt. 🙂
Für die Liga ist ein 9:1 natürlich keine gute Werbung…

Nicole
Nicole

Es gab einmal eine Zeit, das gehörte Fairness zum Sport und zur Fairness gehörte Anstand und zum Anstand gehörte es, sich auch im Triumph zu mäßigen.

Zugegeben, Fairness war nie die Stärke von Frauen. Aber da gibt es doch auch Männer bei diesen Zickenkriegen, die mäßigend einwirken könnten!

Ein Sieg, der den Gegner demütigt ist einfach widerlich! Und ein 9:1 Siegt ist keine Leistung, sondern einfach nur unanständig! Wie sagt Schiller schon in seinem „Lied von der Glocke“? „Da werden Weiber zu Hyänen …“

Sokrates
Sokrates

Glückwunsch nach Potsdam und Frankfurt. 🙂 Für die Liga ist ein 9:1 natürlich keine gute Werbung… Richtig, H2O. Und das Ergebnis von Frankfurt mit zwei späten Toren ist keine gute Werbung oder sogar Anti-Werbung für Frankfurt. Das Ergebnis (und die Spielweise?) schließen nahtlos an die letzte Saison an. Der Frankfurter Kader muss doch den Anspruch haben, eine fußballerisch limitierten Gegner wie Jena mit offensivem Fußball zu dominieren und auszuspielen und mit 5:0 oder einem ähnlichen Ergebnis zu schlagen. Wie lange lässt Dietrich diesen Trainer noch im Amt und wen holt er nach der überfälligen Entlassung von Kahlert als neuen Coach… Weiterlesen »

qwert
qwert

Unfair, unsportlich, unanständig und widerlich???. Lol, mir fällt echt nichts mehr ein, wie ich das kommentieren sollt.

Hier frage ich mich, wieso manchmal Kommentaren von mir nicht zugelassen werden, aber so ein Kommentar hier erscheint?.

wfm
wfm

@Sokrates
Nun, der letzjährige Meister Potsdam hat Jena am 17. Spieltag auch nicht gerade vom Platz gefegt. Und bis zur Halbzeit hat sich Sindelfingen mit dem 2:0 noch achtbar aus der Affäre gezogen, bis der Trainer der fatalen Einfall hatte, gegen Potsdam in die Offensive gehen zu wollen. Da haben sie dann in 5 Minuten 4 Tore kassiert.
Frankfurt hat immerhin gelernt, dass es auch Stürmerinnen gibt und dass man auch kämpfen muss, zumal wenn man seit der 37. Minute nur noch mit 10 Spielerinnen auf dem Platz stand.

Maximus
Maximus

Erst dachte ich: Nicht schon wieder, Frankfurt ! Dann aber dachte ich erleichtert: Mit 10 Spielerinnen einen Rückstand in einen Sieg verwandelt und das entscheidende Tor kam auch noch von Simon ! Es ist ja so schön, wenn der Schmerz in der vorletzten Minute nachläßt ;-). Ach ja: Warum, Herr Kahlert, kam Simone Laudehr erst in der 2. Halbzeit ? Wurde da vorher gewürfelt, wer zuerst darf ? DAS würde ich mir an Ihrer Stelle schnell abgewöhnen ! Ja, und Potsdam hat nicht so gut gespielt wie möglich, sagen Sie, Herr Schröder ??? Und Sindelfingen hat seine Möglichkeiten ausgeschöpft ?… Weiterlesen »

Speedy75
Speedy75

Dass Potsdam so hoch gewann lag auch mit daran das Sindelfingens Trainer Koutroubis mit den 2 Wechsel kurz vor der Halbzeit und dann gleich nach der Halbzeit viel mehr auf offensive setzte. Gegen das 5-4 „Bollwerk“ der ersten Halbzeit wäre kein so hohes Ergebnis zustande gekommen.

Im Zweitligaspiel das ich noch geschaut habe hat Crailsheim gegen die 2te von Frankfurt mit 2:1 gewonnen.

yellow'n'blue
yellow'n'blue

was soll an einem 9:1 unsportlich oder unfair sein ? ich kann mir sehr gut vorstellen,dass die meisterschaft auch über das torverhältnis entschieden wird, von daher kann man es sich nicht leisten absichtlich schlechter zu spielen.

zu frankfurt fällt mir nichts ein. Kahlert bekommt es offensichtlich immernoch nicht auf die reihe ein team zu formen.
kompliment an jena. ich denke einige haben erwartet,dass sie hoch verlieren. so wirds was mit dem klassenerhalt.

Ralf Wolfram
Ralf Wolfram

Frankfurt hat das Problem, ich vergleiche mal. Ein Gestüt kann noch so viele erfolgreiche Rennpferde kaufen. Wenn der Jockey von Pferden nichts versteht gibts keine Erfolge.

Schenschtschina Futbolista
Schenschtschina Futbolista

Zuerstmal ist es schade, dass ein BL-Saisonauftakt mit einzig 2 Partien erfolgt, da ist irgendwas in der Planung wohl völlig daneben gegangen! Allerdings kommt es dann zu absolut konträren Begegnungen, wo die 2 Titelaspiranten auf Teams der unteren Region treffen und Langeweile kommt überhaupt nicht auf. Zum Titel geblasen und dann gerade nochmal am Fehlstart vorbeigeschrammt, gegen eine Mannschaft mit konditionellen Problemen, die selbst die numerische Überzahl nicht zu nutzen vermag. Der VfL war für meine Turbinen der denkbar beste Auftaktgegener, leider ist jetzt erneute Spielpause, obgleich ich durchaus einiges an Potenzial bei der blutjungen Truppe entdecken konnte. Solche Niederlagen… Weiterlesen »

Detlef
Detlef

@Markus, die „Linda“ heißt in Wirklichkeit LISA!!! Ansonsten kann man Bernd Schröder wohl rechtgeben, daß da in allen Mannschaftsteilen noch gut Luft nach oben ist!!! Es war doch klar, daß SiFi hinten Beton anrühren würde, und vor allem über Konter zum Erfolg kommen wollte!!! In Hälfte Eins hat zumindest die Bollwerk-Strategie funktioniert, weil TURBINE viel zu ungenau agierte!!! Wo 7-9 Sindelfingerinnen im eigenen 16-er stehen, kann man den Ball eben nicht in den freien Raum spielen, denn da gibt es keinen!!! Und die genauen Zuspiele in den Fuß kamen in Hälfte Eins viel zu selten, sodaß immer ein SiFi-Bein zur… Weiterlesen »

TomS
TomS

Nur Info:
Eine Zusammenfassung Frankfurt-Jena lief gerade beim mdr-„sport im Osten“ über den Schirm. Also Bilder gibt es schonmal, vielleicht werden sie auch online gestellt.

Guido
Guido

Mich würde wirklich einmal interessieren, wie das Spiel in Frankfurt von jemandem gesehen wurde, der vor Ort dabei war. Rein von den Daten her sieht es ja nach einem extrem holprigen Dusel-Sieg aus. Allerdings, wenn man in den Berichten von mehreren Aluminium-Treffern, einem Gegentor aus dem Nichts usw. liest, dann klingt das nach einem eigentlich überlegenen Spiel, das aber insgesamt einen sehr unglücklichen Verlauf für den FFC genommen hat und das die in Unterzahl spielende Mannschaft mit viel Moral umgebogen hat. Letzte Saison hat der FFC in solchen Spielen Punkte gelassen; vielleicht ist gerade dieser „dreckige“ Sieg ein erster Hinweis… Weiterlesen »

Detlef
Detlef

Das 1:9 erzielte übrigens nicht YUKI, sondern es war ein Eigentor der Sindelfingerin Tamar Dongus!!!

@Sokrates,
Die Aufstellung von TURBINE findest Du hier;

Till
Till

Also ich muss sagen, dass ich Frankfurt in dem Spiel sehr schwach fand. Ich hab es live in Frankfurt gesehen und was da von Seiten der Frankfurter an Fehlpässen und fehlender Präzession in den Pässen kam, kann nicht der Anspruch einer Spitzenmannschaft sein. Auch der Kampfeswille und der Einsatz hat bei dem Großteil der frankfurter Mannschaft über fast die kompletten 90min nicht gestimmt, wenn das alles war, dann wird Frankfurt definitiv nicht Meister. Das 2:1 ist dem einzigen wirklich guten Angriff gefolgt und danach ist Frankfurt aufgewacht. Die letzten fünf Minuten konnte man dann auch wirklich sehen, dass die Mannschaft… Weiterlesen »

be
be

Ja, Beitrag ist beim MDR jetzt online:

qwert
qwert

Highlights 1 FFC Frankfurt vs FF USV Jena.

Marcel
Marcel

Da hat die „Natio“ fast Schiffbruch erlitten gegen den vermeintlichen Absteiger aus Jena. Bei Turbine scheints nach dem Ergebnis ein lockerer Aufgalopp gewesen zu sein. In der ersten HZ hätte man das auch wörtlich nehmen können da war doch wenig Tempo im Spiel.Was natürlich auch ein wenig der „Mauertaktik“ von Sindelfingen geschuldet war.Spielerisch viel da nicht viel ein und so mussten die Standarts herhalten ein Abstauber nach ner Ecke und ein schöner Hanebeck Freistoß.Die 2.HZ wesentlich verbessert auch weil Sindelfingen dann endlich mal mitspielen wollte.Aber auch endlich mehr Tempo im Spiel von Turbine und auch die Fehlpässe hielten sich in… Weiterlesen »

Speedy75
Speedy75

Ach übrigens noch eine kleine Ergänzung zu oben. Beim Zweitligaspiel zwischen Crailsheim und der 2ten von Frankfurt war heute auch Alex Krieger über 90 Minuten im Einsatz.

laasee
laasee

Turbine look good.
Lisa Evans had an impressive debut game.
Patti Hanebeck is absolute class.