Duisburg wendet Insolvenz ab

Von am 1. Juli 2012 – 12.34 Uhr 34 Kommentare

Frauenfußball-Bundesligist FCR 2001 Duisburg hat nach monatelangem Ringen eine akut drohende Insolvenz abgewendet.

Nur mit dem „unermüdlichen Einsatz aller Verantwortlichen“ und der „Hilfe der treuen Sponsoren“ habe man die Finanzkrise überwinden können, heißt es in einer Erklärung des Vereins.

Rettung dank Sponsoren
„Wir haben zehn Jahre in der absoluten deutschen und teilweise auch in der europäischen Spitze mitgespielt, haben begeisternden Fußball geboten und überragende Erfolge gehabt. Das alles war u.a. nur mit der Hilfe unserer vielen Sponsoren möglich, die uns auch jetzt wieder geholfen haben – und nur so war die Rettung des Vereines möglich“, so Vorsitzender Thomas Hückels.

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Probleme mit der Professionalisierung
„Dafür dankt der gesamte Verein seinen Unterstützern recht herzlich. Darüber hinaus danken wir auch allen Löwinnen, allen Übungsleitern und Mitarbeitern, die es in den vergangenen Monaten ebenfalls nicht leicht hatten.“ Als Gründe für die finanziellen Probleme führt der Verein die zunehmende Professionalisierung und damit auch Kommerzialisierung des Frauenfußballs an.

Erfolg auf Pump gekauft
Finanzvorstand Dirk Broska erläutert: „Leider macht sich diese Weiterentwicklung derzeit nur auf der Ausgabenseite bemerkbar (steigende Gehaltsforderungen, Berufsgenossenschaftsbeiträge etc.) und nicht auf der Einnahmenseite. In der Vergangenheit wurde der Erfolg leider auf Pump gekauft. Die Situation war vergleichsweise mit der von Borussia Dortmund im Jahr 2005. Zukünftig gelten nunmehr kaufmännische Gepflogenheiten eines Unternehmens, bei dem nur noch das ausgegeben wird, was auch finanziell machbar ist“, erklärt Broska.

Logo des FCR 2001 Duisburg

Logo des FCR 2001 Duisburg ©FCR 2001 Duisburg

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„Natürlich gönnen wir allen Spielerinnen die Möglichkeit, für ihre Leistungen auch mehr verdienen zu können“, erklärt Hückels,, „andererseits wird es für viele Vereine – und für uns ganz besonders – immer schwieriger, die dafür notwenigen Gelder zu akquirieren. Jetzt werden wir zunächst einmal den Weg der Konsolidierung gehen müssen, um den Verein wieder in sichere finanzielle Fahrwasser zu manövrieren.“

Bundesligasaison 2012/13 gesichert
Deshalb werde es für die anstehende Saison auch nach der Rettung nicht möglich sein, spektakuläre Neuverpflichtungen zu realisieren. Zumindest die Bundesliga-Spielzeit 2012/13 ist gesichert. Hückels: „Ganz klar, es waren und es sind keine einfachen Zeiten für den FCR 2001, aber wir können den Fans, den Gönnern und den vielen Sympathisanten unserer Löwinnen versprechen, dass wir alles daran setzen werden, um in der kommenden Saison wieder attraktiven, erfolgreichen Fußball in Duisburg zu spielen – auch wenn es diesmal sicher nicht reichen wird, um in den Titelkampf einzugreifen. Aber wir sind ja immer für die eine oder andere Überraschung gut.“

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

34 Kommentare »

  • speedcell sagt:

    Ja,sheldon. Wolfsburg hat auch erst letzte saison angefangen eine frauenmannschaft zu gründen. Es ist auch nicht so,dass man schon seit jahren in der 1. Liga spielt.
    Wenn du weniger zeit damit verbringen würdest andere vereine schlecht zu reden anstatt deinen verein ( wer auch immer das sein mag) zu unterstützen, wäre es wirklich toll.

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  • Beobachter sagt:

    Viele Spielerinnen haben zum Ende der Saison 2010/2011 und zum Ende der jetzt abgelaufenen Saison den FCR verlassen. Die hat nicht der Verein „abgegeben“, die sind gegangen. Als Gründe für Wechsel wurden Entwicklungen im Verein genannt. In der Richtung haben sich viele Spielerinnen geäußert, nicht nur die Nationalspielerinnen. Es ging nicht nur ums Finanzielle.

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  • FF-Talent sagt:

    @ Iaasee: Man sollte die Vertragslaufzeiten von Krahn nicht per se als Ausdruck von Untreue überinterpretieren, sondern Jahresverträge etc. als allg. übliche Praxis im (deutschen) FF sehen.
    You said Krahn has a low loyality to Duisburg because she forces only annual contracts. But, in general, contract periods of 12 months or one-year extensions of contracts are common practice in (German) women’s football. So, I think it’s for the main part not a Krahn-specific expression of disloyalty.

    @ Sheldon und andere: Crash-Kurs zum Dauerthema Volkswagen + Fußball: 1. VW und VfL sind in Wolfsburg schon seit Beginn verbunden (unter anderem, weil die Stadt fest in VW-Platzhirschhand ist) 2. VW (Aktiengesellschaft) ist nicht VfL-Großsponsor, sondern seit 2001 bzw. 2007 sogar alleiniger Besitzer der Wolfsburger Fußball-GmbH (Männer- und Frauenfußball) … großer Unterschied!

    D.h.: 1. Den VfL mit Erfolg und Miserfolg und mal mehr mal weniger VW-Geld gab es schon zu Zeiten als der VfL noch ein Verein war (nicht erst seit 1-2 Jahren), 2. Es ist ein Unterschied, ob eine FF-Abteilung abhängig von individuell auf- und abspringenden Sponsoren ist oder ob sie (wie Wolfsburg) fester Firmenbestandteil ist, 3. die Frauen sind bei den Männer-Kickern in deren GmbH. Dass VW im Vergleich zu so manchen globalen Kredit-, Aktien- oder Immobiliengeschäften ausgerechnet diese komplett durchkonzeptionierte Unternehmenstochter im finanziell sicheren System Sportbusiness fallen lässt, ist äußerst unwahrscheinlich (allein schon aus Steuer- und globalen Marketinggründen). Die Frauen sind zudem innerhalb der Fußball-GmbH verglichen mit den Männern immer noch Peanuts in der Jahresbilanz (selbst Top-Spielerinnen wie Pohlers, Goeßling und Co. sind dank Sportsoldatinnen-Bezahlung keine Finanzbelastung für VW und VfL).

    Die Angst, der VfL-FF könnte von heute auf morgen einbrechen, ist durch den VW-Alleinbesitz erstmal nur realistisch, sollte der Besitzer VW pleite gehen … und dass das nicht geschieht, hat die Politik hierzulande in den letzten Jahren kreativ bewiesen (siehe Gerd Karl … 20 % Aktienbsitz Land Niedersachsen, Abwrackprämie, Aktien-Ankauf des Emirats Katar, etc.)

    Hoffe, der Exkurs war hilfreich für weitere Diskussionen und back to topic … Frage: Was machen 11 andere BuLi-Clubs, die nicht in Weltkonzern-Besitz sind, sondern wie z.B. der Duisburg-Dampfer (als eingetragener Verein) nach wie vor finanziell mehr schlecht als recht auf dem offenen Meer herumdümpeln?!

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  • Sokrates sagt:

    FFFan und SF haben die Leistungen und Verdienste von Annike angemessen gewürdigt und viele andere Vorredner haben die „Kritik” von Sheldon zurückgewiesen. Wenn auch noch Linda und Kozue¹ den Verein verlassen bzw. ihre Verträge vom FCR aus finanziellen Gründen vorzeitig aufgelöst werden müssten, wird es sportlich kritisch für Dusiburg.

    @ speedcell: Sheldon ist – überraschenderweise – Fan des 1. FFC Frankfurt.

    ¹ Wenn Kozue den FCR verlassen würde, wäre sie dann eine interessante Offensivspielerin für den FFC?

    PS: Warum fiel mein letzter Beitrag vollständig der Zensur zum Opfer?

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  • hanah sagt:

    Es ist schade,dass so vielestarke Spielerinnen den Verein verlassen!!!!:(

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  • Nora Kruse sagt:

    @Sokrates: Da ist gar nichts der Zensur zum Opfer gefallen. Dein Kommentar von heute Nacht um 3 Uhr ist vollständig veröffentlicht (aber du hast unter dem Artikel zu Annike Krahn gepostet). Ein weiterer Kommentar von dir im Anschluss ist mir nicht bekannt.

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  • Sokrates sagt:

    @ Nora: Entschuldige, mein Fehler. Ich hatte in der Erinnerung die beiden Threads, die thematische Berührungspunkte haben, verwechselt. Es war wohl doch zu spät heute Morgen. Der Fehler hätte mir niocht passieren dürfen.

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  • Goldfuß sagt:

    Nein, da ging es wahrlich nicht nur ums Finanzielle. Da wurden gerade auch im Jugendbereich viele Spielerinnen vergrault, genauso wie Trainer. Wer den Eindruck erweckte, er könnte den nach dem MVT-Abgang in Ämter gekommenen Verantwortlichen widersprechen, hatte beim FCR keinen Platz. In dieser Hinsicht machen einzelne aktuelle Personalentscheidungen im Unterbau des FCR Mut. Schlechter kann es jedenfalls nicht mehr werden.

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  • Speedy75 sagt:

    Leute jetzt „zerfleischt“ euch doch nicht wegen der wohl fast Insolvenz in Duisburg. Dass dort einiges nicht mehr stimmte wurde die letzten Monate und Wochen immer offensichtlicher. Hoffen wir der Verein findet nun auf einen guten Weg aus der Krise.

    Btw. Aylin Yaren wechselt vom HSV nach Bad Neuenahr.

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  • Goldfuß sagt:

    Insgesamt sehe ich die Entwicklung des FCR sehr positiv. Quer durch den ganzen Verein scheinen jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen worden zu sein, um für die Zukunft perfekt aufgestellt zu sein.

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  • prinz9 sagt:

    Arme Duisburg – es ist schade,dass so vielestarke Spielerinnen den Verein verlassen! It would be such a shame for a team like that to bow out of the BuLi. Despite the firing of MVT (no MVT-no hope), I wish them well to save the club!

    @Lassee – I agree. It all started with the loss of MVT!

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  • FFFan sagt:

    @ Sheldon:
    „Ich kann es nur wieder betonen: MVT war selbst Teil der Maschinerie! Wer hat denn die ganzen teuren Spielerinnen (Nationalspielerinnen geholt): Bresonik, Holl, Fuss, Roelvink, Maes, Ando, Hartmann?
    War das etwa nicht MVT?“

    Verantwortlich für die ‚Finanzkrise‘ des FCR sind dennoch weder MVT noch die Spielerinnen, sondern einzig und allein der damalige Vorstand, der diese Transfers abgesegnet hat!

    Umgekehrt ist es auch nicht Ketelaer, der für den Kurs der wirtschaftlichen Konsolidierung steht, sondern die jetzige Vereinsführung um T.Hückels.

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  • Goldfuß sagt:

    Aufatmen in Duisburg. Jetzt haben wir die Sache schriftlich.

    Die WAZ schreibt u.a.:

    Der Umbruch beim FCR 2001 Duisburg geht unvermindert weiter. So kursierte das Gerücht, dass Jürgen Raab, der Jugendkoordinator des Frauenfußball-Bundesligisten, zurückgetreten sei. „Das ist richtig. Ich habe um Vertragsauflösung zum 30. Juni gebeten“, sagte Raab.

    Der Hintergrund: „Persönliche Gründe“, wollte Raab gar nicht viel dazu sagen. „Es gab keinen Zirkus und kein böses Wort. Es ist einfach viel zusammengekommen“, so der Ex-Koordinator, dessen Vertrag am gestrigen Montag aufgehoben worden ist. „Meine Stellung ist zudem überflüssig geworden, da Jörg Schemberg als sportlicher Leiter ja nun da ist. Der Verein hat neue Ideen. Das ist okay.“

    Dennoch ist es nicht so, dass die Aufgaben des Jugendkoordinators nun vom Sportlichen Leiter übernommen werden sollen. „Wir sind in Verhandlungen“, berichtet FCR-Vereinschef Thomas Hückels …

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  • laasee sagt:

    How can the finances of the club be worse now than ten months ago when Inka left?
    She was the highest earner. The wages of Sonia have also been saved. In addition, the wages of Meike, Femke and Uschi had also been saved.
    Now, the wages of Simone, Annike, Poppi and Lulle are from 1 August saved.
    The WM ‚bounce‘ of zuschauer numbers has significantly increased income during 2011/2012, plus the additional income from merchandising.

    Yet the „gentlemen“ claim that the club was about to go bankrupt!
    With reduced wage expenditure and increased zuschauer income it is incomprehensible that the club should be in a worse financial position today than at the start of last season.

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