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2012

Die Tops und Flops der Wochen 6 und 7/2012

In unseren Tops und Flops werfen wir in dieser Woche einen Blick auf eine aufstrebende Nation und auf das Wiedersehen mit früheren Stars. Außerdem beschäftigen wir uns mit Fernsehbildern – und wo diese fehlen – sowie mit dem schwächelnden Nachwuchs.

Neuseeland im Aufwind Man staunte nicht schlecht beim Spiel zwischen den USA und Neuseeland, denn lange sah es so aus, als sollten die Neuseeländerinnen die Partie gegen den Vize-Weltmeister für sich entscheiden . Der Treffer von Hannah Wilkinson (49.) war zwar die einzige ernst zu nehmende Chance der “Kiwis”, doch das Engagement und die taktische Disziplin, mit der Neuseeland das Angriffsspiel der Amerikanerinnen gut unterband, war stark. Erst zwei Treffer von Alex Morgan in den Schlussminuten drehten die Partie zugunsten der US-Amerikanerinnen. Doch das täuscht nicht darüber hinweg, dass die Neuseeländerinnen, die in ihrem Kontinentalverband konkurrenzlos das beste Team stellen, langsam aber stetig auch zu den Top-Teams aufschließen. Da wird es sich auch bezahlt machen, dass nach der Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer gleich mehrere Leistungsträgerinnen in die Bundesliga wechselten und dadurch auf höherem Niveau trainieren und spielen können.

Abschiedsspiel für Birgit Prinz Lange war es nicht sicher, ob Ex-Nationalspielerin Birgit Prinz ein Abschiedsspiel erhalten würde. Über viele Jahre prägte die dreimalige Weltfußballerin den deutschen Frauenfußball und war in der Öffentlichkeit die Identifikationsfigur. Nun trifft die deutsche Nationalmannschaft am Dienstag, 27. März, im Frankfurter Volksbank-Stadion (Bornheimer Hang) auf den 1. FFC Frankfurt. Mit dabei werden auch einige der früheren Spitzenspielerinnen sein, wie Norwegens Weltmeisterin Hege Riise (heute Co-Trainerin der US-Nationalmannschaft), Maren Meinert und Bettina Wiegmann. Eurosport wird die Begegnung ab 18 Uhr live übertragen.

Ein Unterbau für die englische WSL? In England ist man mit der ersten Saison der WSL, die sich am US-System orientiert, zufrieden. Allen acht Mannschaften wurde in der vergangenen Woche bereits die Lizenz für Saison 2013 erteilt. Bislang ist ein Abstieg aus der WSL nicht möglich, das könnte sich allerdings 2014 ändern, denn der englische Fußballverband überlegt, dann eine zweite Liga einzuführen. Für den Wettbewerb wäre dies nur förderlich, denn ursprünglich hatten sich 16 Teams für die acht WSL-Plätze beworben, und die Nichtberücksichtigung hat manche Aufbauarbeit zunichte gemacht.

Champions League wieder auf Eurosport Mit dem 1. FFC Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt sind noch beide deutschen Teams in der Champions League vertreten, und die Fans dürfen sich auf Fernsehbilder von den Hinspielen beider Top-Clubs freuen . Eurosport überträgt am Mittwoch, 14. März, um 18 Uhr das Heimspiel der Potsdamerinnen gegen die Russinnen von WFC Rossiyanka aus dem Karl-Liebknecht-Stadion. Einen Tag später ist der Sender live dabei, wenn LdB FC Malmö ab 17 Uhr den 1. FFC Frankfurt empfängt. Ob Eurosport auch die Rückspiele überträgt, ist noch nicht sicher – aber momentan auch nicht ausgeschlossen.

Keine Fernsehbilder vom Algarve Cup Vom Algarve Cup in Portugal (29. Februar bis 7. März) wird man in Deutschland dagegen keine Fernsehbilder sehen. Keiner der Sender plant eine Übertragung, und so wird das Turnier, an dem einige der weltbesten Teams teilnehmen, wohl kaum wahrgenommen werden. Die größte Gruppe deutscher Zuschauer werden nicht die Fernsehzuschauer sein, sondern ein gutes Dutzend deutscher Algarve-Urlauber in einem ansonsten leeren Stadion. Dies war in der Vergangenheit schon anders – sowohl Eurosport als auch das ZDF hatten bereits TV-Teams vor Ort.

Das Kulturverständnis des WDR In der Sendung “Rockpalast Backstage” im WDR sitzt Redakteur Ingo Schmoll vor dem Fernseher und erklärt: “Ich dachte ja, die Frauenfußball-WM könnte interessant werden. Aber dann sahen die meisten auf dem Platz männlicher aus als unsere Männer.” Der interviewte Musiker Thees Uhlmann dreht sich um und fragt: “Ist soviel Sexismus eigentlich noch erlaubt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen?” Antwort: “Ich glaube nicht. Wir schneiden’s auch raus.” Das hätte der WDR auch mal besser getan, statt es auf der Homepage auch noch in der Kategorie “Kultur” laufen zu lassen. Auf der anderen Seite zeigt sich dadurch aber auch nur einmal mehr, dass Frauensport in unserer Kultur eben doch häufig mit anderen Augen betrachtet wird und nicht unter dem Leistungsaspekt.

Der deutsche Nachwuchs hinkt Was die deutsche U20-Nationalmannschaft beim Trainingslager im spanischen La Manga zeigte, war wohl nicht mehr als durchwachsen. Ein Unentschieden gegen Norwegen, eine Niederlage gegen die USA und erst zum Abschluss ein Sieg gegen die Schweiz. Doch wenn man noch eine Etage tiefer blickt und sich die Ergebnisse der U17-Nationalelf anschaut, fragt man sich langsam schon, ob man sich Sorgen um den Nachwuchs in Deutschland machen muss. Im Sommer verpasste die U17 zum zweiten Mal in Serie das Endspiel um die Europameisterschaft. Im Anschluss übernahm Anouschka Bernhard das Traineramt, doch die Ergebnisse blieben durchwachsen. Da dürfen klare Erfolge gegen international drittklassige Israelinnen nicht über Unentschieden und Niederlagen gegen die Niederlande und die USA hinweg täuschen. Und so wird durchaus die Frage aufgeworfen, wie sich die Situation des Nachwuchses in Deutschland angesichts der zunehmenden Internationalisierung der Bundesliga entwickeln wird.

Schweizer Negativserie Guckt man auf die Deutschen, darf man aber auch einen Blick in die Schweiz riskieren. Die U20-Mannschaft hat sich für die Weltmeisterschaft in Japan qualifiziert – aber trifft das Tor nicht mehr. In den letzten vier Spielen kassierten die Eidgenössinnen 21 Gegentreffer bei keinem einzigen erzielten Tor, zuletzt die 0:5-Niederlage gegen Deutschland. Im Sommer steht die Weltmeisterschaft an, Erinnerungen an die vergangenen Welt-Titelkämpfe werden wach: 0:4, 0:5 und 0:2 hießen dort die Ergebnisse. Die Schweiz hat talentierte Spielerinnen, wie unter anderem Lara Dickenmann und Ramona Bachmann, hervorgebracht, aber es wartet noch viel Arbeit auf Martina Voss-Tecklenburg, die im Sommer die Leitung der Nachwuchs-Akademie übernehmen wird.