Bartusiak-Sperre trübt Türkei-Fazit

Von am 16. Februar 2012 – 13.01 Uhr 22 Kommentare

Nicht schön gespielt, aber klar mit 5:0 gewonnen – die Bilanz der Türkei-Reise hätte mit einigen Abstrichen durchaus positiv ausfallen können. Wäre da nicht die unnötige Gelb-Rote Karte von Interims-Kapitänin Saskia Bartusiak gewesen, die Bundestrainerin Silvia Neid ausgerechnet im vorentscheidenden EM-Qualifikationsspiel gegen Spanien zum Umbau der Viererkette zwingt.

„Wir haben drei Punkte, alles bestens“, resümierte Neid in der 92. Minute als Co-Kommentatorin am ARD-Mikrofon, als ihr Team in Izmir mit 5:0 führte und einem ungefährdeten Sieg entgegensteuerte. Doch das Fazit kam etwas verfrüht.

Gelb-Rot in der Nachspielzeit
Denn zwei Minuten später war die Laune dahin, als sich Saskia Bartusiak, die in ihrem 50. Länderspiel für die verletzte Nadine Angerer die Kapitänsbinde trug, in der vierten Minute der Nachspielzeit unnötigerweise in eine 1:1-Situation verwickeln ließ und für ihr Foul an der eingewechselten Filiz Işikirik unweit der Strafraumgrenze mit einer Gelb-Roten Karte vom Platz gestellt wurde. „Das ist absolut ärgerlich und tut uns richtig weh“, quittierte Neid von der Tribüne aus die Aktion. Und Bartusiak stimmte ein: „Das war überflüssig.“

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Umbau der Abwehr notwendig
Denn nun gilt es ausgerechnet für das EM-Qualifikationsspiel  gegen das in Gruppe 2 punktgleiche Spanien am 31. März in Mannheim die Abwehr umzubauen – ein Spiel, das wohl die Vorentscheidung um den Gruppensieg und die direkte Qualifikation zur UEFA Women’s EURO 2013 in Schweden bringen wird. Glücklicherweise steht bis zum Spiel gegen die Spanierinnen noch der Algarve Cup (29. Februar bis 7. März) an, bei dem in vier Spielen gegen hochkarätige Gegner diverse Abwehrformationen getestet werden können.

Frauenfußball - Saskia bartusiak

Saskia Bartusiak wird im EM-Qualifikationsspiel gegen Spanien fehlen © Nora Kruse / ff-archiv.de

Gegen Spanien wohl mit Duo Goeßling/Krahn
Erste Wahl für das Innenverteidiger-Duo im Spanien-Spiel sind Lena Goeßling und die zuletzt nicht in der Startformation berücksichtigte Annike Krahn. Doch auch andere Varianten sind denkbar, etwa ein Einsatz von Babett Peter in der Innen- statt in der Außenverteidigung. „Uns steht ja auch noch Josephine Henning zur Verfügung“; so Neid. „Wir müssen das hier und da beim Algarve Cup testen.“

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Algarve Cup als Härtetest
Die Spiele gegen Island, China und Schweden sowie das anschließende Platzierungsspiel werden für die Spielerinnen individuell, aber auch die verschiedenen Abwehrpärchen einen guten Härtetest abgeben.

Einspielen fürs Spanien-Spiel
„Island ist eine Klassemannschaft, China ist wie Spanien technisch versiert und gegen Schweden wird das Tempo hoch sein“, blickt Neid auf die Partien in Portugal voraus. „Das ist gut für diese wichtigen Qualifikationsspiele, wenn man schon drei, vier Spiele gemacht hat“, hofft Neid, dass ihre Elf dann auf den Punkt fit sein wird, wenn es Ende März zum Duell mit den Spanierinnen kommt.

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

22 Kommentare »

  • Sheldon sagt:

    @Jenny und Detlef: Klar dürfen Fehler benannt werden, das ist ganz klar. Dennoch hat das mit der nötigen Distanz und dem nötigen Respekt der Person gegenüber zu geschehen.
    Doch gerade in diesem Forum hat sich seit der WM ein fatales Wertungsdenken gerade gegenüber den Schiedsrichterinnen eingeschlichen. Eine Schiedsrichterin DARF keine Fehler machen, sie muss so sein wie Gott! Dieses Denken wird hier massivst gefördert!

    Natürlich weiß ich, welche weitreichenden Konsequenzen Fehler in bestimmten Berufsgruppen haben können. Und dennoch sind das Menschen, denen solche Fehler passieren können und die für diese Fehler manchmal nicht mal etwas können.
    Was kann beispielsweise der Kapitän der Costa Concordia für den Unfall, wenn er bereits 16 Stunden lang am Steuer stand, weil die Schifffahrtgesellschaft einfach nicht genügend Kapitäne mit an Bord geschickt hat aus Kostengründen? Und dennoch sind durch seine Fehler eine Menge Menschen gestorben.

    Im Fußball hat eine solche Fehlentscheidung dagegen verhältnismäßig wenig Einfluss und ist deswegen nicht mehr als eine Lappalie. Schließlich geht es dabei nur um Geld und um menschlichen Erfolg, der genauso durch Fehler von Spielerinnen und Trainerinnen, aber auch durch Fehlern von Fans zunichte gemacht werden kann. Deswegen finde ich es hier sehr gewagt und auch unangebracht, gleich wegen ein paar unangenehmer Entscheidungen von „Versagen“ oder einem „Witz“ zu sprechen!
    Und Jennifer müsste es doch dann selbst am besten verstehen, wie das ist, für Entscheidungen, die man mit bestem Wissen und Gewissen getroffen hat unter höchster körperlicher und psychischer Anspannung, dan Häme und Prügel kassieren zu müssen.
    Und jetzt stell dir nur noch einmal vor, von deiner vermeintlich richtigen Entscheidung gäbe es Zeitlupen, die eindeutig das Gegenteil belegen und das würde jetzt durch alle Pressen querbeet laufen, dann bekommst du ein Gefühl dafür, was diese Schiedsrichterinnen zum Teil wegstecken müssen!

    Was ich in Izmir gesehen habe, waren zwei echte Fehlentscheidungen, die keinen Einfluss auf das Spiel hatten! Von daher denke ich nicht, dass diese Art von Fehlentscheidungen in 90% aller Jobs irgendwie überhaupt großartig zur Kenntnis genommen werden würde!

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  • Detlef sagt:

    Sheldon schrieb,
    „Doch gerade in diesem Forum hat sich seit der WM ein fatales Wertungsdenken gerade gegenüber den Schiedsrichterinnen eingeschlichen. Eine Schiedsrichterin DARF keine Fehler machen, sie muss so sein wie Gott! Dieses Denken wird hier massivst gefördert!“

    Ich glaube jetzt übertreibst Du aber maßlos!!!
    Ich kann mich an keinen einzigen Beitrag hier erinnern, indem auch nur Ansatzweise gestanden hätte, daß Schiris keine Fehler machen dürfen!!!

    Selbstverständlich sind alle persönlichen Beleidigungen zu unterlassen, und die wären hier sowieso von Markus und Nora zensiert worden!!!

    Nochmal, wer den Job eines Referees macht, sollte ihn so gut wie möglich machen!!!
    Wenn ihr/ihm dabei Fehler unterlaufen, sollte sie/er auch so sportlich fair sein, diese einzusehen und zuzugeben!!!
    Wer mit konstruktiver Kritik nicht umgehen kann, ist für diesen Job nicht geeignet, denn dann wird sie/er auch nichts daraus lernen!!!
    Unseriöse Kritik kann man ignorieren, denn die bringt einen nicht weiter!!!

    PS: Dein Vergleich mit dem Traumschiffkapitän hinkt wohl etwas!!!
    Grundsätzlich gibt es IMMER nur einen Kapitän an Bord!!!
    So viel ich weiß ist es Pflicht, daß es außer dem Käptn noch zwei bis drei weitere nautische Offiziere an Bord gibt!!!
    Diese wechseln sich spätestens nach 6-8 Stunden ab, sodaß keiner von ihnen 16 Stunden am Stück Brückenwache haben konnte!!!
    Das seine Besatzung (nach Lage der Dinge) nicht richtig ausgebildet war, muß man der Reederei sicher vorwerfen!!!
    Aber er allein hatte das Kommando auf seinem Schiff, und er hat gleich mehrere kapitale Fehler gemacht, die Menschenleben gekostet haben!!!

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