Bundesliga-Hinrunde: die Gewinner und Verlierer

Von am 14. Dezember 2011 – 18.21 Uhr 32 Kommentare

Zum Auftakt unserer mehrteiligen Hinrundenbilanz der Frauenfußball Bundesliga werfen wir einen Blick auf die beste Spielerin sowie Auf- und Absteigerinnen der ersten elf Spieltage.

Die Beste: Genoveva Anonma
Sie ist erst 22 Jahre alt, doch sie hat der Hinrunde der Frauenfußball Bundesliga ihren Stempel aufgedrückt. Genoveva Anonma aus Äquatorialguinea erzielte in den elf Spielen 15 Treffer und somit fast die Hälfte aller Tore des Deutschen Meisters 1. FFC Turbine Potsdam.

Anonma führt damit souverän die Torschützenliste an und könnte die erste Ausländerin werden, die in der Frauenfußball Bundesliga Torschützenkönigin wird. Nur in drei von elf Spielen traf sie nicht ins Tor, gleich dreimal erzielte sie drei Treffer in einem Spiel.

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Genoveva Anonma

Genoveva Anonma ist mit 15 Treffern auf dem Weg zur Torschützenkönigin © Sven-E. Hafft / girlsplay.de

Den Rekord von 38 Toren von Inka Grings aus der Saison 1999/2000 wird sie zwar wohl nicht mehr knacken. Doch Rekorde sind für die sympathische junge Frau mit den Rasta-Locken zweitrangig. „Ich spiele nicht für eine bestimmte Anzahl an Toren“, sagte sie unlängst in einem lesenswerten Porträt der Nachrichtenagentur dapd.

Ihrem Ziel, ein Idol wie Birgit Prinz oder Zinédine Zidane zu werden, ist sie mit ihren Treffern dennoch bereits ein gutes Stück nähergekommen.

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Die Aufsteigerinnen
Eine Mischung aus bekannten und weniger bekannten Spielerinnen wusste in den ersten elf Spielen der Frauenfußball Bundesliga in der Saison 2011/12 zu glänzen.

Naeher: Erst Backup-Lösung, dann Nr. 1
US-Torhüterin Alyssa Naeher kam als Ersatz für die verletzte Anna-Felicitas Sarholz von den Boston Breakers zum 1. FFC Turbine Potsdam. Als Backup-Lösung vorgesehen mauserte sich die 23-Jährige schnell zur Torhüterin Nr. 1 im Potsdamer Gehäuse. Sie verdrängte, nachdem sie ihre Anfangsnervosität abgelegt hatte, mit ihren überzeugenden Leistungen, wie beim 2:0-Auswärtssieg beim 1. FFC Frankfurt, die von Zweitligist VfL Sindelfingen gekommene Ann-Kathrin Berger. Auch die Umstellung von der Viererkette in Boston auf die Dreierkette in Potsdam gelang ihr ohne größere Probleme. Und mit ihren Einsätzen in der Champions League erfüllte sie sich einen besonderen Traum.

Neboli verleiht Stabilität
Der FCR 2001 Duisburg hat die Hinrunde auf dem überraschenden zweiten Tabellenplatz abgeschlossen. Auch ein großer Verdienst des italienischen Neuzugangs Laura Neboli. Dabei hatte die vom UPC Tavagnacco aus der italienischen Serie A gekommene 23-Jährige am Anfang sichtliche Probleme, sich an die neue Umgebung und Spielweise zu gewöhnen. Doch Neboli ließ sich nicht verunsichern, biss sich durch und hat inzwischen einen festen Platz in der Duisburger Elf gefunden. Das einzige Spiel, in dem Neboli fehlte, bescherte dem Team prompt die einzige Niederlage der Hinserie, beim 0:2 in Bad Neuenahr.

Smisek erlebt zweiten Frühling
Sandra Smisek ist eines der Urgesteine des Frankfurter Frauenfußballs. Erst spielte sie abgesehen von einem kurzen Intermezzo in Duisburg zehn Jahre lang für den FSV Frankfurt, seit 2005 steht sie beim 1. FFC Frankfurt unter Vertrag. Und frei nach dem Motto „Alter schützt vor Leistung“ nicht zeigte die 34-Jährige so mancher Teamkollegin, wo es lang geht. Nach drei Jahren auf der Sechserposition durfte sie in der Champions League beim 4:1-Sieg gegen Stabæk erstmals wieder als Stürmerin ran und zeigte mit einem Tor und einer Torvorlage, dass sie nichts verlernt hat. Und auch in der Bundesliga ist Smisek mit sechs Treffern eine feste Größe ihres Teams.

Maren Tetzlaff

Robust im Zweikampf: Maren Tetzlaff (li.) ist eine der Entdeckungen der Hinrunde © Sven-E. Hafft / girlsplay.de

Tetzlaff startet durch
Bereits seit 2006 spielt Maren Tetzlaff beim VfL Wolfsburg, der Durchbruch ist der Verteidigerin aber lange nicht gelungen. Doch ausgerechnet in der Saison mit dem wohl stärksten Wolfsburger Kader aller Zeiten hat sich die 23-Jährige ins Rampenlicht gespielt. Dabei hatte sie zu Beginn der Saison ein Muskelfaserriss außer Gefecht gesetzt. Doch die zweikampfstarke Verteidigerin kämpfte sich zurück und  stand zuletzt sechsmal in Folge in der Anfangsformation. Ihre Bilanz: 6 Siege und ein Torverhältnis von 19:3. „Ich bin stolz, in der Bundesliga spielen zu können. Aber ich bin auch ein bisschen überrascht“, so Tetzlaff.

Die Absteigerinnen
Mit großen Vorschusslorbeeren kamen einige internationale Spielerinnen in die Frauenfußball Bundesliga, doch erfüllt haben sich die Hoffnungen nicht immer. Doch auch für einige deutsche Spielerinnen war es eine Hinrunde zum Vergessen.

Hogewoning schlägt nicht ein
„Petra ist eine sehr erfahrene Spielerin, die wir schon lange auf dem Zettel haben; ich bin auch ganz sicher, dass wir sie recht schnell an die Mannschaft und unser Spielsystem heranführen werden“, sagte Duisburgs Trainer Marco Ketelaer bei der Präsentation seines Last-Minute-Transfers Petra Hogewoning. Doch die niederländische Nationalspielerin ist eine der großen Verliererinnen im jungen Duisburger Team. Denn nur zweimal kam Hogewoning zum Einsatz, bei der 0:2-Niederlage in Bad Neuenahr von Beginn an und als Einwechselspielerin beim 6:0-Erfolg in Freiburg. Auch in der Rückrunde dürfte sie es nicht einfach haben, denn Konkurrentin Marina Himmighofen spielt eine gute Saison.

Plakat für Jessica Landström

Die Zuschauer hoffen noch auf den Durchbruch von Jessica Landström © Nora Kruse / ff-archiv.de

Landström enttäuscht
Groß waren die Erwartungen an die schwedische Nationalstürmerin Jessica Landström. Selbst Bundestrainerin Silvia Neid schwärmte bei der Verpflichtung im Jahr 2010: „Das ist eine Weltklassespielerin, sie wird den Frankfurterinnen in der Offensive unheimlich weiterhelfen.“ Doch der große Durchbruch lässt auch in der zweiten Saison in Frankfurt weiter auf sich warten. Noch immer wirkt die 27-Jährige zumeist wie ein Fremdkörper im Frankfurter Spiel. Anders als im Training kann sie im Spiel nur selten ihre Klasse aufblitzen lassen, zumeist findet sich Landström auf der Bank wieder. Auch ein Grund dafür, dass sich die Frankfurterinnen im Winter nach einer weiteren Stürmerin umschauen.

Es wird ruhig um Mirlach
2010 wurde Steffi Mirlach U20-Weltmeisterin, vor Jahren galt sie als eines der großen Nachwuchstalente im deutschen Frauenfußball. Doch beim FC Bayern München kam sie in der Hinrunde nur viermal in der Erstligamannschaft zum Einsatz. Nachd dem 1:1 gegen den FF USV Jena fiel sie bei Trainer Thomas Wörle offenbar in Ungnade und kam nur noch zu sporadischen Einsätzen – für die zweite Bayern-Mannschaft in der 2. Bundesliga Süd. Dabei wollte die 21-Jährige in dieser Saison so richtig angreifen, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen, sprich die Europameisterschaft 2013 in Schweden. Doch der Weg scheint derzeit länger denn je. „Das Ziel ist, sich weiterzuentwickeln und so bald wie möglich bereit für den Sprung zu sein“, so Mirlach kürzlich in einem Interview.

Omilade nur noch zweite Wahl
Bei der 0:3-Niederlage beim FCR 2001 Duisburg stand Navina Omilade Anfang Oktober das letzte Mal in der Startformation des VfL Wolfsburg. Doch seitdem blieb der 61-fachen Nationalspielerin ein Einsatz verwehrt, der zeit bleibt für Omilade nur ein Platz auf der Bank. „Es ist doch schön, dass die Verantwortung bei uns inzwischen auf mehreren Schultern verteilt ist“, freut sich Trainer Ralf Kellermann über sein Luxusproblem. Des Trainers Freud ist der Spielerin Leid. Derzeit scheinen die Karten für eine Rückkehr in die Startformation für Omilade mehr als schlecht zu stehen.

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

32 Kommentare »

  • waiiy sagt:

    Hier sind leider ein paar Damen von Turbine, die ich zwar nicht als Verliererinnen bezeichnen mag, die es aber trotzdem schwer gebeutelt hat:

    Gute Besserung allen!

    Als sehr positiv ist diese offene Berichterstattung des „Potsdamer Lazaretts“. Vielleicht sollte man sich das regelmäßig zu eigen machen. Immerhin leiden die Fans mit. Und eigentlich ist es kein dolles Ding, jede Woche ein kurzes Update zu geben.

    waiiy

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  • Sokrates sagt:

    @ Markus Juchem: Navina Omilade ist in der Innenverteitdigung von Wolfsburg nicht durch Maren Tezlaff, sondern durch Rebecca Smith ersezt worden, nachdem Rebecca ihre (Oberschenkel-?)Verletzung auskuriert hatte. Maren Tezlaff spielt nicht in der IV, sondern hinten rechts.

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  • Markus Juchem sagt:

    Danke, Sokrates, ist geändert.

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  • Ulf sagt:

    Spätestens seit der heutigen Bayer-Niederlage sind wohl diejenigen die Verlierer, die applaudierten, als Knaak , Beckmann, Hegering das sinkende Schiff Duisburg Richtung Leverkusen zu einer aufstrebenden Mannschaft verliessen. Der FCR ist aber eher zu einem singenden Schiff mutiert.
    Gilt der Vertrag von Hegering, so sie denn nochmal gesund wird, auch für die 2.Liga ?

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  • speedy75 sagt:

    Was wäre wohl bei Leverkusen und auch München möglich wenn die nicht so viele verletzte Spielerinnen hätten? Ich würd beide Mannschaften noch nicht abschreiben wobei für Leverkusen die Rückrunde schon schwer werden wird.

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  • Ulf sagt:

    Turbine Potsdam kam heute in der Mannschaftswertung bei „Sportler des Jahres 2011“ auf Platz 11. Die Frauennationalmannschaft kam noch auf 17+4, also nicht unter die ersten 20.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @Ulf
    > Der FCR ist aber eher zu einem singenden Schiff mutiert.

    Und weil beim FCR aktuell, aber auch bereits in der Vergangenheit, Niederländerinnen spielen, spricht man auch gern vom „fliegenden Holländer“! 😀

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  • palermomüller sagt:

    Das ist aber nett von euch – vielen Dank ,-) ,-) !

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  • susifan sagt:

    Verlierer? Kann man da einen Verein nehmen? Nach dem peinlichen Organisationschaos des Vorjahres, hat der Vorstand des FF USV JEna bei der JahresHV mal nebenbei mitgeteilt, dass man ein Minus von sage und schreibe 150.000.- Euronen hat! Die Pleitegerüchte haltensich in Jena ja schon das ganze Jahr, damit dürfte es dann wohl offiziell sein. Und ganz nebenbei liest man in der Lokalpresse heute, das sich der Club nun auch vom neuen Geschäftsführer zum Jahresende wieder trennt…. Und den ebenfalls neu installierten Teammanager schmeißt man auch gleich mit raus…
    Noch Fragen??

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  • Ulf sagt:

    @ Russendisco:
    Beim Fliegenden Holländer denkt man an die Oper, meinetwegen auch an https://www.youtube.com/watch?v=pPgtq4EU-qs, oder an das Geisterschiff,
    aber hier wohl eher an Duisburger Spielzüge https://www.youtube.com/watch?v=7jJuLQps9YU
    Wenn ich mal von der Elbe an den Rhein will:

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @Ulf

    Mit Oper liegst Du genau richtig, denn da geht´s um ein Schiff und ja, gesungen wird da auch…
    Allerdings singt das Schiff selbst nicht und ob es irgendwann sinkt – keine Ahnung! 😀

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  • Ulf sagt:

    Schönes Tor, also Gewinner ? Nee, Eigentor.

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