Ein Sieg für die Seele
Alexandra Popp machte nach dem 17:0-Sieg gegen Kasachstan naturgemäß einen zufriedenen Eindruck. „Wir haben gut miteinander gespielt“, so die Stürmerin, „aber ich könnte gar nicht sagen, wer hier die Tore geschossen hat.“ Das dürfte letztlich auch nur für die Statistik interessant sein, für die DFB-Auswahl war der Sieg vor allem Balsam für die Seele.
Zur Halbzeit stand es in Wiesbaden bereits 10:0. Silvia Neid strahlte auf der Trainerbank – nach den vielen kritisierten Auftritten ihrer Elf stand der Bundestrainerin endlich wieder ein Interview-Marathon bevor, in dem sie sich und das Team nicht erklären musste.
Torhungrige Mannschaft Dementsprechend hatte Neid „überhaupt keine Kritik“ vorzubringen. Dass die DFB-Elf das Spiel gewinnen würde, hatte kaum einer im Vorfeld bezweifelt, doch die Mannschaft ließ auch nach den vielen frühen Toren nicht nach. „In der Halbzeitpause habe ich gefragt: ‚Hat von euch schon einmal jemand 20:0 gewonnen? Wir lassen jetzt nicht nach.‘“ Und so stand am Ende der höchste deutsche Sieg aller Zeiten zu Buche.
Das Team legte Spielfreude an den Tag, Rückkehrerin Célia Okoyino da Mbabi fügte sich optimal ins Mannschaftsgefüge ein. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn man zurückkommt zur Nationalmannschaft und direkt wieder von Anfang an spielen darf“, so die lange verletzte Stürmerin, die sich mit vier Treffern bedankte.
Jubel über 17 Treffer Sturmpartnerin Popp traf ebenfalls viermal ins Schwarze, die weiteren Treffer erzielten Babett Peter (3), Simone Laudehr (2), Martina Müller (2), Melanie Behringer und Fatmire Bajramaj. Dass die deutsche Mannschaft, die nicht unbedingt für ausgelassen Torjubel bekannt ist, jeden dieser Treffer feierte, zeigte, welch großer Druck von der Mannschaft abfiel und wie wichtig der Sieg vor allem für die Moral war. „Es war wichtig, dass wir das umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen haben“, so Okoyino da Mbabi.
DFB-Elf krabbelt aus dem Loch Nach dem bitteren Ausscheiden bei der Heim-WM und den Rücktritten von Birgit Prinz, Kerstin Garefrekes und Ariane Hingst war die Mannschaft vor allem unsicher. Die drei Länderspiele danach wurden allesamt gewonnen, doch vom alten Glanz des Teams war nur noch wenig zu sehen. „Wir krabbeln so langsam aus dem Loch raus, kommen langsam ran und sind wieder auf dem Weg, eine Topmannschaft zu werden“, erklärt Babett Peter. „Für uns gilt es, uns mit der neuen Mannschaft zu finden und zu festigen“, fügt Okoyino da Mbabi an.
Kasachstan als Aufbaugegner So könnte Kasachstan der Aufbaugegner zum richtigen Zeitpunkt gewesen sein – auch mit Blick auf die Partie gegen Spanien. „Wir wissen, dass jetzt ein schwierigerer Gegner auf uns wartet“, will die Stürmerin vom SC 07 Bad Neuenahr das Ergebnis nicht zu hoch hängen. Wie gut das Sturmduo harmoniert, das System greift und die Baustelle Spielaufbau behoben ist, wird sich erst gegen stärkere Gegner zeigen.
Signal in Richtung Spanien Doch ein 17:0-Erfolg gegen eine Mannschaft, gegen die die hoch gehandelten Spanierinnen lediglich mit 4:0 gewinnen konnten, ist vor dem Aufeinandertreffen in Motril am Donnerstag ( 20.30 Uhr, live auf Eurosport ) zumindest ein deutliches Signal an den Gegner, dass man als Team wieder in die Spur gefunden hat.